Tyrant’s Curse – Modern Babylon

TYRANT'S CURSE Modern Babylon
Tyrant’s Curse

Heute habe ich mal eine, für die meisten wohl eher unbekannte Band, zum Review auf dem Tisch liegen: Tyrant’s Curse. Das Album heißt „Modern Babylon“. Wobei Band eigentlich der falsche Ausdruck ist, denn es handelt sich hier um ein Soloprojekt eines Multiinstrumentalisten. Andreas Leyer aus Mettmann. In der Metalszene im Raum NRW kein unbeschriebenes Blatt. Andreas macht seit weit über 20 Jahren Musik und hat mit einigen Bands oder Projekten bereits mehrere Alben aufgenommen. Die im Moment Bekannteste dürfte wohl die Duisburger Formation „Ignition“ sein, bei der Andreas seit 2018 am Bass sein Unwesen treibt und mit denen er im letzten Jahr das Album „Call of the Sirens“ veröffentlicht hat.

No Boundaries

Mit „Modern Babylon“ bringt Leyer bereits sein zweites Album unter der Flagge „Tyrant’s Curse“ heraus. Die konzertlose Zeit ist natürlich für solche Projekte bestens geeignet. Alle Instrumente wurden von ihm selbst eingespielt und er hat es sich nicht nehmen lassen, auch den Gesangsposten selbst zu besetzen. Das nenne ich mal eine stramme Leistung. Mit Tyrant’s Curse verwirklicht Leyer seine eigenen Vorstellungen von Metal, völlig frei von Zwängen und Grenzen.

Wo er bei dem Vorgänger noch wirklich alles allein gestemmt hat, hat sich Andreas bei „Modern Babylon“ außerhalb der Aufnahmen noch Hilfe zum Mixen und Mastern geholt. Shasank Venkat von den gerade aufstrebenden indischen Metallern „Against Evil“ hat da den Job übernommen. Für das starke Cover ist Albumkünstler Andrej Bartoluvic von „All Things Rotten“ zuständig. Andrej ist sonst eher für Death-/Thrashmetal-Cover bekannt, deshalb ist das Cover wohl eher düster.

Tonträger

Im Gegensatz zum ersten Album, welches nur digital vertrieben wurde, kommt „Modern Babylon“ auf Vinyl und CD heraus. Das kleine Label Doc Gator Records hat die Klasse des Albums erkannt und bringt neben schwarzem Vinyl auch eine gelbe und eine purple Version heraus. Wer noch nicht wieder dem Schallplattenwahn verfallen ist, der kann das Teil auch über Ragnarök Records als CD in seine Sammlung stellen. So viel zu den harten Fakten. Aber wie klingt „Modern Babylon“? Dazu jetzt mehr.

Sound

Bei den ersten Akkorden von „Ego Shooter“ denkt man, es geht mit einem Doomsong los. Die schleppenden, düsteren Riffs werden aber nach ein paar Takten durch astreines Powermetal Riffing abgelöst. Das klingt doch vielversprechend. Die Stimme von Andreas passt erstklassig dazu. Seine stimmlichen Vorbilder sind Bruce Dickinson, Geoff Tate oder auch Michael Kiske. An diese Gesangsleistung heranzukommen ist natürlich schwierig. Andreas hohe Stimme klingt aber echt gut. „Ego Shooter“ ist schön melodiös und hat einen Refrain, der einen catcht.

„Another fallen Angel“ könnt ihr am Ende des Artikels selbst ansehen und euch eure Meinung bilden. Der Song beginnt mit schnellem Riff, wird im Refrain aber langsamer und hymnenartig. Auch klasse. Ein gut gespieltes songdienliches Solo rundet den Track ab. Schön, dass im Mittelteil des Solos die Gitarren zweistimmig gespielt werden. Macht Spaß.

„How to kill a Lie“ beginnt mit cleanen, atmosphärisch effektgeladenen Gitarren. Kommt da etwa eine Ballade? Jein. Das Hauptriff des Songs ist ziemlich hart, wobei der Refrain schön melodiös, balladenlike daherkommt. Abwechslung bringt ein hart gespielter mit Doublebass versehener Part in der Mitte des Songs.

„Fall of Icarus“ hat einen meiner Meinung nach ziemlichen Gamma Ray/Helloween Touch und kann mit einem flinken Solo inklusive Tapping aufwarten. „Modern Babylon“ ist für mich ein Highlight der Scheibe. In den Strophen hart und langsam, an anderer Stelle schneller und mit Doublebass. Ein schöner, wie fast in jedem Song, melodischer Chorus. Das Hauptriff mit seinen Singlenotes, fast schon progressiv, hebt sich gut vom Rest des Songs ab.

Mit „What’s left of me“ gibt’s kurz vor Schluss doch noch eine Ballade. Akkustikgitarrenklänge und Stimme. Zum Ende hin noch ein bisschen Schlagzeug. Der Titel ist mal was ganz anderes im Vergleich zum Rest des Albums. Der Song schafft es bei mir, in die richtige Stimmung zu kommen. Das passt.

Fazit

„Modern Babylon“ ist ein gutes Album geworden. Die Songs machen alle Spaß und sind handwerklich gut gemacht. Es bleiben für mich jedoch ein paar kleine Kritikpunkte. Das Schlagzeug klingt ein wenig zu steril und die Stücke sind in der Gesamtsicht doch oft vom selben Strickmuster. Letzteres relativiert sich aber beim mehrmaligen Hören, wenn man die Songs besser kennengelernt hat. Ein großer Pluspunkt sind die Texte, die nicht aus irgendwelchen Fantasiewelten entspringen oder um Sex, Drugs und Rock ’n‘ Roll gehen. Leyer schreibt über das Leben der Menschen und wie diese mit sich und der Umwelt umgehen.

Freunden von US-Powermetal gepaart mit Teutonenstahl empfehle ich mal reinzuhören.

„Modern Babylon“ ist eine starke Scheibe geworden, besonders wenn man bedenkt, dass das hier eine One-Man-Show ist. Es gibt im Bezug auf Songwriting noch ein wenig Luft nach oben, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Der Underground lebt und abseits von den üblichen Verdächtigem im Business gibt es da noch viel zu entdecken, auch für uns von metal-heads.de. Tyrant’s Curse ist ein Beispiel dafür.

Wer Lust bekommen hat und keinen CD- oder Plattenspieler hat, kann sich das Album auch digital auf Bandcamp direkt runterladen.

https://tyrantscurse.bandcamp.com/album/modern-babylon

Tracklist:
Ego Shooter
Another Fallen Angel
How To Kill A Lie
Fall Of Icarus
Modern Babylon
Anthem Of The Weak
Evolution Of Progeny
Nightmares
What’s Left Of Me
Fields Of Gold

Hier noch ein Video zu Another Fallen Angel:

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Bildquellen

  • TYRANT’S CURSE Modern Babylon: Andreas Leyer

Chipsy

Mag am liebsten Prog, 80's Metal, Thrash und instrumentelle Gitarrenmusik. Gitarrenverrückter Gear Sammler.

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