DREAM OCEAN: Interview mit Başak Ylva

dream ocean interview

Die Symphonic Metal Band DREAM OCEAN wird am 24.September 2021 ihr Album „The Missing Stone“ herausbringen. Bereits im April 2020 haben sie mit „Pendulum Of Time“ den ersten Song als Video veröffentlicht. Danach erschien mit mit „The Great Silence“ ein weiterer Song mit einem großartigen Video. Der Song handelt von der aktuellen Krise, die das Bühnenleben zum Erliegen gebracht und an vielen Stellen für eine große Stille gesorgt hat.

Ich hatte die Gelegenheit, ihrer Frontfrau Başak Ylva ein paar Fragen zum Album, den Texten, dem Symphonic Metal im Allgemeinen und der Musik von DREAM OCEAN im Besonderen zu stellen.

Başak, für die Finanzierung des neuen Albums hattet ihr eine Kampagne bei Indigogo gestartet. Wie ist es dazu gekommen, dass ihr euch für diesen Weg entschieden habt? 
Durch die Pandemie ist uns nicht nur als Band die Grundlage weggebrochen. Für uns als professionelle Musiker ist die gesamte Auftragslage in Bedrängnis gekommen. Um das Album dennoch realisieren zu können ist uns daher die Idee gekommen, ein Crowdfunding zu starten. Das haben wir quasi als Vorverkauf für das Album genutzt.

Erfolgreiche Kampagne

Was für ein Gefühl war es, als klar war, dass das Ziel der Kampagne erreicht wird?
Es ist toll zu sehen, dass so viele Menschen ein Interesse an uns und unserer Musik haben. Und es gibt uns Sicherheit für alle nächsten Schritte und alles Weitere rund um das Album. Außerdem hatten wir in den letzten Wochen einen sehr intensiven Austausch mit unseren Fans, die auch sehr motiviert und engagiert waren, die Kampagne erfolgreich enden zu lassen.

Ihr habt diverse Videos z.B. über das Fotoshooting bzw. die Entstehung der Videos zu den Songs gemacht, was bei euren Fans ja auch gut angekommen ist. Wofür werdet ihr das Geld aus der Crowdfunding-Kampagne konkret verwenden?
Hauptsächlich für die Promotion und die Produktion des Albums. Denn die Aufnahmen haben wir ja bereits getätigt und auch die Videos wurden schon zum großen Teil gedreht. Die Kampagne ist jetzt im „On Demand“-Modus, das heißt, die Perks können weiter bestellt werden, allerdings können wir einige Extras – wie das Erwähnen im Booklet – jetzt natürlich nicht mehr anbieten.

„Perks“ – das ist das nächste Stichwort. Im Laufe der Kampagne sind für die Unterstützer immer mehr Möglichkeiten hinzugekommen, U.a. konnten die Kleider erworben werden, die du in den Videos trägst. 
Und man macht sich ja manchmal keine Gedanken darüber, was alles notwendig ist, um z.B. ein Video zu realisieren. 

Ideen werden gemeinsam ausgearbeitet

Wer hatte bei DREAM OCEAN die Ideen für die Videos zum neuen Album? 
Alle Ideen kommen von mir, die Details und die tatsächliche Planung machen wir dann zusammen, wobei jeder seinen eigenen Aufgabenbereich hat.

In den Videos fallen u.a. deine Kleider besonders ins Auge. Wer hat die Kleider entworfen?
Die Designs meiner Kostüme entwerfe ich, bei einigen Kleidern nehme ich aber auch „normale“ Kleider als Grundlage und modifiziere diese dann mit Accessoires und Designelementen. Bei den vergangenen Videos war das bei „The Great Silence“ und „Eterna Espera“ der Fall. Generell entwerfe ich den gesamten Look und den Kostümstil der Band. Das gilt auch für das Make-Up.

D.h. du schminkst dich aus selbst?  
Ja, in der Regel mache ich das selbst. Bei den etwas aufwändigeren Videos haben wir aber Make Up-Artists dazugenommen, um schneller arbeiten zu können.

Helfen dir deine Erfahrungen von der Opernbühne bei der Gestaltung deiner Rollen im Video?
Es hilft definitiv. Ich kann durch diese Erfahrungen die Skripte schreiben und die Rollen dann auch selber spielen.

Ein sehr persönliches Album

Ihr hattet das Album mit dem Song „The Great Silence“ und einer beunruhigend – dramatischen Aussage angekündigt:  

„Dieses Album bricht dir vielleicht das Herz, erinnert dich an altes Leid. Aber am Ende werden alle einen Weg finden, um die eigenen Albträume hinter sich zu lassen.“ 

Worum geht es in dem Song? Was ist der Hintergrund/die Geschichte hinter dem Song und auch den anderen Songs des Albums?Dieses Album ist eine Art persönliches Tagebuch für mich. In meiner Vergangenheit musste ich durch meine Eltern viel Gewalt durchleben: bereits seit ich ein Kleinkind war solange, bis ich als junge Erwachsene auszog. Diese Erinnerungen haben tiefe Narben in mir hinterlassen, die mich immer noch verfolgen und die ich zu verarbeiten versuche, auch mit psychologischer Hilfe.

dream ocean the missing stone cover

Als ein Teil des Heilungsprozess ließ ich meine Erfahrungen in die Texte einfließen. Allerdings waren sie nur ein Ausgangspunkt. Wir haben in den Texten eine neue Geschichte entworfen, in die sich die Hörenden reinversetzen können, besonders, wenn sie ähnliche Erfahrungen in ihrer Vergangenheit gemacht haben.

„The Great Silence“ selbst ist allerdings mehr durch die Corona-Pandemie inspiriert und beschreibt die buchstäbliche Stille, die durch die Schließung sämtlicher Bühne entstand.

Somit sind die Texte sehr persönlich, sind mit deinen Erfahrungen und Erinnerungen verbunden. Oder wie du es formuliert hast: sie sollen eine Brücke zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart bilden.
Was hat sich für dich dadurch, dass du deine Erfahrungen in Songtexte für euch gefasst hast, verändert?

Es geht nicht um Veränderung. Aber es hat dazu beigetragen, dass ich die Erinnerungen verarbeiten und aus dem heraus etwas gestalten kann. Auch dank der Therapie fühlt sich der Schmerz immer stumpfer an.

Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Die Texte gehen aus leidvollen Erfahrungen hervor. Ist das Album durch diese Themen musikalisch „dunkler“ geworden als euer Debüt-Album „Lost Love Sympony“? Habt ihr z.B. mehr auf den Kontrast zwischen klarem klassischem Gesang und Growls gesetzt?Ja, das Album ist definitiv musikalisch düsterer und auch insgesamt erwachsener geworden. „Lost Love Symphony“ hatte ich größtenteils in meiner  – auch musikalischen – Jugend geschrieben. Auch durch die neuen Mitglieder ist ein härterer und düsterer Touch in die Musik gekommen, während unser letztes Album komplett aus meiner Feder stammte.

Zum Song „The Great Silence“, der zweite Song, den ihr veröffentlicht habt, hast du gesagt, dass zunächst die Musik da war, die Sebastian (Heuckmann) geschrieben hat. Die Komposition hat dich dann inspiriert, den Text und die Gesangsmelodie zu schreiben.
Sind alle Songs so entstanden? Oder gibt es auch Songs, bei denen der Text die Grundlage für die Musik war?

Das ist von Song zu Song unterschiedlich. Zum Beispiel war bei „Pendulum of Time“ zunächst der Text da, ebenso auch bei „As I Die“.

Dream Ocean METALCOLONIA Festival 2019 Köln

Bei „Lost Love Symphonie“ hat Joost van den Broek teilweise die Arrangements geschrieben. Wer ist diesmal dafür verantwortlich?Diese kommen von Sebastian. Er hat Komposition studiert und ist neben seiner Rock-Karriere am Bass auch ein klassischer Musiker.
Er spielt Geige, Klavier und Schlagwerk, schreibt Arrangements sowohl für klassisches Orchester als auch für moderne Ensembles. Außerdem hat er für viele Größen der zeitgenössischen Klassik geschrieben oder arrangiert. Und er dirigiert auch noch Chöre und Orchester. Wir sind überglücklich, einen so rundum ausgebildeten Musiker in unseren Reihen zu haben, der sowohl die Welt der Klassik wie auch des Metals kennt und diese daher so gut zusammenfügen kann.

Orchester, elektronische Elemente und Metalriffs

Damit habt ihr die besten Voraussetzungen für das Genre Symphonic Metal, dem die Musik von DREAM OCEAN zugeordnet wird, eigenständig zu gestalten. Sind bei euch die Heavy Metal Elemente die Grundstruktur, in die die symphonischen Bausteine eingebaut werden oder sind die Elemente bereits in der Vorstellung eng miteinander verbunden, so dass die Symbiose von Anfang an die Grundstruktur liefert? 
Das ist von Teil zu Teil unterschiedlich. Wenn man sich unsere Musik anhört, kann man ja schnell feststellen, was jeweils die Grundstruktur gegeben hat. Was aber immer klar ist: beide Elemente lassen sich jeweils ausreichend Platz. So schwebt bei jedem Gitarrenriff auch schon eine Streichermelodie mit, oder bei einem Horneinsatz wissen wir auch schon, wie es mit einem einer schnellen Double-Bass klingt.

dream ocean band

Was ist für dich das Besondere/das Kennzeichen des Symphonic Metal: die orchestralen Klänge, die Art des Gesangs, die Rolle der Keyboards oder die Progressiv Metal Anteile?
Das Orchester. Es ist ja auch im Grunde namensgebend. Der Symphonic Metal hat zwar das Orchester nicht allein für sich gepachtet, aber es gibt ja auch andere Metalspielarten, die durch den extensiven Einsatz von Orchesterarrangements das „Symphonic“ zugesprochen bekommen haben, wie zB DIMMU BORGIR als Symphonic Black Metal-Band.

Oft werden NIGHTWISH mit Keyboarder Tuomas Holopainen und Tarja Turunen (Sopran) als Weichensteller in Richtung des Symphonic Metal bezeichnet. Seht ihr euch in dieser Tradition oder sind eure Quellen und Wurzeln woanders? 
NIGHTWISH ist zweifelsohne eine der wichtigsten Bands in der Geschichte des Symphonic Metal. Sie haben bei mir und bei meinen Bandkollegen das Interesse und die Leidenschaft für diese Spielart hervorgerufen.
Allerdings nehmen wir in unserer Musik auch noch deutlich andere Einflüsse wahr. Zum Beispiel haben wir deutlich mehr moderne Metalriffs und mehr elektronische Elemente als Nightwish sie nutzen.

Ein knapper Rückblick: Veränderungen, Loslassen und neue Bandmitglieder

Du hast 2015 zusammen mit Oz Khan DREAM OCEAN ins Leben gerufen. Seitdem hat sich viel verändert. Was waren für dich die entscheidenden Schritte und Entwicklungen seit der Gründung?
Der erste große Schritt war natürlich mein Umzug nach Deutschland. Dadurch, dass ich in Deutschland war, mussten wir neue Mitglieder suchen. Oz Khan zog zur selben Zeit nach Österreich. Allerdings waren die langen Fahrten zu den Konzerten sehr anstrengend für ihn. Als dann auch noch gesundheitliche Probleme hinzukamen, musste er sich leider aus der musikalischen Rolle bei DREAM OCEAN zurückziehen. Er unterstützt uns aber noch auf andere Weise. Diese Entwicklung war leider sehr traurig, aber führ ihn die beste Lösung.

Zu Beginn waren wir noch sehr vorsichtig mit Besetzungswechseln, haben aber inzwischen festgestellt, dass man einfach loslassen muss, wenn es nicht klappt. Daher hatten wir in den Jahren zunächst einige weitere Wechsel, bis wir Mitglieder gefunden haben, mit denen wir und die bei uns sehr glücklich sind.

Motivation, Hingabe und die Verbindung verschiedener Musiktraditionen

Spielt die frühe Idee, mit DREAM OCEAN eine Verbindung zwischen östlicher Musiktradition und europäischen Elementen herzustellen, heute / beim neuen Album noch eine Rolle? 
Für uns ist diese Verbindung eine Inspirationsgrundlage. Das heißt auch, dass nicht zwingend in jedem Lied alles einfließen muss. Allein dadurch, dass ich musikalisch anders groß geworden bin als meine Bandkollegen entstehen automatisch andere Wendungen, harmonisch, melodisch oder strukturell, als der jeweils andere erwartete hätte.

Ihr habt mit Frederic Denuell (Gitarre) und Timo Schneider (Drums) zwei neue Musiker in euren Reihen. Sind sie jetzt feste Mitglieder bei DREAM OCEAN?  Nach welchen Kriterien habt ihr die beiden ausgewählt?
Frederic ist seit letztem Jahr unser neuer Gitarrist und er hat auch das gesamte Album grandios eingespielt. Er ist ein toller Musiker und ein toller Mensch, den wir gerne in unseren Reihen haben.

Timo ist erst vor Kurzem, nach den Recordings zum Album, zu uns gestoßen. Er hat in den Proben einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Wir haben noch nichts in Stein gemeißelt, aber es sieht alles sehr vielversprechend für die Zukunft aus und wir freuen uns auf die kommenden Konzerte. Sollte es aber doch nicht funktionieren, wäre das für uns kein Weltuntergang, wie eben schon erwähnt.
Für uns sind die Hingabe und die Motivation wirklich ausschlaggebend. Gute Musiker findet man schnell, aber in einer so engen Gemeinschaft wie einer Band muss jeder das gleiche Ziel verfolgen, ansonsten kommt schnell das ganze Projekt ins Stolpern.

„Und auf einmal war ich eine professionelle Opernsängerin“

Başak, du bist ausgebildete Opernsängerin und Musik und Gesang haben dein Leben schon früh geprägt. Wie bist du zur Oper und dann zum Metal gekommen? Oder war es andersherum?
Tatsächlich wollte ich zu Beginn Gesangsunterricht nehmen, um Symphonic Metal zu machen und eine Rock-Karriere zu verfolgen. Aber ich hatte kein Geld für den Unterricht. Daher habe ich mich stattdessen direkt an der Musikhochschule in Istanbul beworben.
Die Musik habe ich nur nach dem Gehör gelernt und bin ohne eine einzige Gesangsstunde zur Aufnahmeprüfung gegangen. Dennoch wurde ich dort angenommen und mir wurde von meinen Lehrern gesagt, dass ich auch eine Opernkarriere in Betracht ziehen könnte.

Verschiedene Agenturen und Produktionen haben mich dann auch aus der Türkei in alle Welt reisen lassen. Und auf einmal war ich eine professionelle Opernsängerin und meine Rock-Karriere wurde zum Nebenprojekt.
Leider ist es schwer, als Metalmusiker ein gutes Einkommen zu generieren. Viele – auch berühmte Metalmusiker – verdienen ihr Geld auch außerhalb ihrer Bands. Für mich ist dies die Opernbühne.

Was ist für dich der größte Unterschied zwischen der Opernbühne und Metal-Konzerten? Worin liegt jeweils die Herausforderung?  
Auf der Opernbühne kommt das Publikum zumeist, um die Werke anderer Komponisten zu hören und es geht vor allem um Technik und Interpretation. Es ist eine wunderbare Arbeit, in der die tiefe Kenntnis der eigenen Rolle und die perfekte Ausführung auf der Bühne, auch szenisch, im Vordergrund stehen. Die Organisation hinter und auf der Bühne ist komplett durchstrukturiert und durch Förderungen ist es auch eine Arbeit, die angemessen vergütet wird.

Der Spaßfaktor und die Selbstverwirklichung ist auf Metalkonzerten im Vordergrund, ich kann mich durch meine eigene Musik und meine Texte vollständig ausdrücken. Das ist nicht nur eine schöne Nebentätigkeit, als Musikerin ist es für mich eine absolute Notwendigkeit. Allerdings ist jedes Konzert eine neue Aufgabe, da natürlich jede Bühne und jedes Publikum anders ist. Wie eben schon erwähnt sind nur die absolut größten Bands in der Lage, ausschließlich von ihrer Musik zu leben. Für uns kleinere Bands ist es viel Aufwand für wenig (monetären) Ertrag.

Release Show: live und online

„The Missing Stone“ ist inzwischen in die Produktion gegangen. Es wird auch eine Release Show geben. Wie wird sie ablaufen (live und im Stream)? 

Genau. Am 24. September werden wir im Underground in Wuppertal die Veröffentlichung mit einem Konzert feiern (Ticket-Link: https://www.wuppertal-live.de/?379233). Für alle, die aus Gesundheits- oder Distanzgründen das Konzert nicht vor Ort verfolgen können, werden wir auch einen Stream anbieten (Ticket-Link: https://www.wuppertal-live.de/?381014)

Ich wünsche euch für das Album und die zukünftigen Konzerte viel Erfolg und bedanke mich für die Antworten!

Vielen Dank und gerne!

Gibt es noch etwas, das du unseren Lesern mit auf den Weg geben möchtest?

Jedes Lied, dass ihr euch anhört und teilt, jeder Klick bei einem Video, jeder gekaufte Merchandise-Artikel ist ein weiterer Pflasterstein auf unserem Weg, damit wir diesen weitergehen können. Nur mit eurer Hilfe können wir die Musik machen, die wir alle so schätzen und gerade am (hoffentlichen) Ende dieser langen Pandemie ist es eure Unterstützung, die uns Bands wieder in die Spur bringt.

Besucht unsere Social Media-Profile, unseren Online-shop oder noch besser: Kommt zu unseren Konzerten, feiert mit uns und sprecht uns danach beim Merchandise-Stand an. Bleibt alle gesund!

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Bildquellen

  • Dream Ocean METALCOLONIA Festival 2019 Köln: Bildrechte beim Autor
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Birgit

Iron Butterfly und Jethro Tull haben mir gezeigt, dass es neben Uriah Heep, Black Sabbath und Whitesnake noch etwas anderes gibt. Neugierig geworden höre ich seitdem alles, was sich unter dem Oberbegriff Metal und Rock versammelt. Je nach Stimmung eher Metalcore oder instrumentalen Rock. Mein Herz hängt allerdings am ganzen Spektrum skandinavischer Metalmusik: ob nun Folk-, Progressiv oder Doom-Metal.

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