USA-Tourtagebuch – Part I – The way to promised land…

On the way to promised land

Lange Zeit habe ich diesen Roadtrip durch die USA intensiv geplant. Bissl Sightseeing in Chicago, weite Landschaften und die Route 66 genießen, Graceland besuchen etc… Hört sich schon alles gar nicht so verkehrt an, doch es fehlte definitiv noch was. RICHTIG!!! Konzerte besuchen.

Also wurde der bereits ziemlich sichere Reiseplan einer erneuten Prüfung unterzogen. Gar nicht so einfach, wenn man bedenkt, dass die Flüge schon gebucht waren und die Route sich auch nicht wesentlich verändern ließ.

Nach wochenlangem checken von Band-Tourdaten und regelmäßigen Besuchen auf sämtlichen Club- und Konzerthallen-Homepages des mittleren Westens, war es dann endlich vollbracht.

Ich konnte nach langem Hin und Her meine Route so umstellen, sodass ich mir insgesamt vier Shows von Monster Truck, Black Stone Cherry und Buckcherry gönnen konnte. Nach einigen bluesgetränkten Tagen in Chicago kam ich am 09.05.2016 in Nashville Tennessee an. Die Hauptstadt Tennessees hat nicht nur tonnenweise Country-Bars und Clubs am Start, sondern auch einen richtig amtlichen Rock Club zu bieten.

Das EXIT/IN. Alter Schwede. Hier hat seit 1971 so ziemlich alles gespielt was Rang und Namen hat. B.B. King, Red Hot Chilli Peppers, The Ramones und noch unzählige andere. Viele davon haben sogar ein eigenes Schild hinter der Theke bekommen.

Nach einem mehr als mittelmäßigen Burger in einer Rockkneipe gegenüber des Clubs ging’s dann vorbei an ein paar gut gelaunten Jungs vom Nachbartisch, Richtung Eingang des EXIT/IN. Über dem Eingang war schon in Retro-Leuchttafel (vermutlich auch noch von 1971) zu lesen, was heute im Club geboten wird.

Geht´s schon los, oder wie…?

Für schlappe 11$ (in Worten ELF DOLLAR), also nicht mal 10 Euro konnte man dabei sein. Ich hatte mir meine Karten schon im vorab online geordert und ausgedruckt um nach all den Planungsanstrengungen ein „Sorry we’re SOLD OUT tonight“ zu vermeiden. Sicher ist sicher…

Voller Vorfreude auf die Show war ich 30 Minuten nach Einlass angekommen und was ich beim Betreten des Clubs sah war kaum in Worte zu fassen.

Meine Begleitung, ich und vier Angestellte des EXIT/IN waren die einzigen (!!!) Personen im Raum. Ungläubig schauen wir uns an und können es kaum fassen. Es ist immerhin schon 20:30 Uhr. Naja evtl. ticken die Uhren in den USA etwas anders. Es sind ja immerhin noch 30 Minuten bis zur ersten Vorband. Hans Condor.

Die Zeit wurde sich dann mit Bier trinken und begutachten der ganzen Memorabilia vertrieben.

Um Punkt 21 Uhr, oh sorry. 9 p.m. meine ich natürlich, kam dann die dreiköpfige Band Hans Condor aus Nashville auf die Bühne. Mit Bass, singendem Gitarristen und Drummer haben sie knapp eine halbe Stunde lang die Anlage bis zum Maximum strapaziert. Es war unerträglich laut und die mittlerweile rund 40 Zuschauer haben glaube ich genau so viel mit der Band anfangen können wie ich. NICHTS. Hörte sich irgendwie an wie die 2. gemeinsame Probe der Jungs. Evtl. lag’s auch am Sound, aber das war leider nichts. Kurzer Mitleidsapplaus. UMBAUPAUSE.

Als nächstes Stand Wilson aus Detroit auf der Running Order. Das sieht schon wesentlich professioneller aus. Aber Moment, die kenn ich doch irgendwoher? Richtig, wie sich herausstellt sind die Jungs vom Nachbartisch der Rockkneipe von eben, die Band.

Mittlerweile hat sich der Club auch mit ca. 60 Gästen gefüllt. Die sehen aber auch eher aus als ob sie jeden Abend hierher kommen und nach einer Sportveranstaltung noch einen hier trinken. So sind sie auch gekleidet mit Hemden und Trikots verschiedenster US-Sportteams. Oh Mann, das kann ja was werden denke ich mir, als kurz darauf zwei weitere Gäste hinzu kommen und direkt die Bar ansteuern. Aus der Ferne denke ich mir die beiden sehen wenigstens mal aus wie echte Rockfans. Lederjacke, Stiefel, tighte Jeans, das volle Programm. Na also geht doch denk ich mir, als die junge Dame kurz darauf hinter mir steht und sich mit rauher tiefer Stimme vorstellt.

„Hi, I’m Lissi, how are you?“ sagt sie und unterhält sich mit einem Angestellten vom Club weiter. MOOOOOMENT, die Stimme hab ich schonmal irgendwo gehört und auch das Aussehen hat mich an Jemanden erinnert. Ich traue meinen Augen nicht, es ist tatsächlich LZZY HALE von HALESTORM in Begleitung von JOE HOTTINGER die sich die Show heute Abend mal aus anderer Perspektive betrachten.

Licht aus – Wilson Party an

21:45 Uhr geht das Licht aus und WILSON entern die Bühne. Man merkt direkt dass hier ein ganz anderer Wind weht. Die Fünf aus Detroit verstehen was von ihrem Handwerk. Die Songs sind super durchdacht, grooven an den richtigen Stellen und treten durchaus auch kräftig zu. Der Sänger hat eine enorme Bühnenpräsenz und erinnert vom Aussehen und Stil teilweise an Anders Fridén von IN FLAMES. Mit allerlei Gimmicks wird der Meute schon gewaltig eingeheizt und selbst LZZY HALE steht in der ersten Reihe und feiert die Band richtig ab. So marschiert der Sänger mal mit umgeschnallter Bassdrum durchs Publikum oder spielt ein kleines Solo mit Drumsticks auf Bierflaschen. Macht Spaß, den Jungs zuzuschauen, während einem schon der nächste Breakdown um die Ohren gefetzt wird. Leider ist nach 45 Min auch schon Schluß und die Kollegen aus Michigan verabschieden sich mit großem Applaus. Absoluter Anspieltip, falls ihr mal in der Nähe einer WILSON-Show seid. Auf jeden Fall hingehen. Es lohnt ich.

Puh, erstmal durchschnaufen. Nach nur 20 Minuten war die Bühne für MONSTER TRUCK hergerichtet und alles war gecheckt. Das Clublicht wurde erneut gedimmt und rote LED Scheinwerfer beleuchteten die Bühne. Zum Leid der Fotografen war das auch die komplette Lightshow des Konzerts. Vielen Dank auch dafür… 😉

Um kurz vor 23 Uhr !!! kamen die Jungs um Frontmann JON HARVEY dann endlich unter viel Jubel des Publikums auf die Bühne. Der Gitarrist stimmt auch gleich die erste Singleauskopplung des neuen Albums an: DON’T TELL ME HOW TO LIVE, gleich gefolgt von WHY AREN’T YOU ROCKING? und OLD TRAIN. Wahnsinn was für eine Energie vom „Kanada Vierer“ ausgeht. Was sich anhört, wie die Goldhoffnung der nächsten olympischen Winterspiele, ist in Wirklichkeit der neue aufgehende Stern am Rockhimmel. Grundsolide und kompromisslos wie man sie von ihren beiden Alben kennt, treten sie auch Live mächtig Arsch. Zwar hat der Sänger in „Captain Morgan Gedächtnisshaltung“ einen Bewegungsradius von einem Bierdeckel, dafür sorgt Gitarrist Jeremy Widerman für ordentlich Bewegung und Feuer auf der Bühne.

Als ich ein paar Bilder von der Seite machte und er auf mich zugerannt kam erinnerte er mich stark an den ANGUS YOUNG Ende der 70er-Jahre. Zufälligerweise malträtiert er auch eine Gibson SG. Nach dem etwas langsameren SHE’S A WITCH ging’s dann ab mit FOR THE PEOPLE. Der Songs ist wie für Nashville gemacht. Megastarker Countrysong mit der nötigen Monster Truck-Härte. Was für eine Nummer. Fett. Das Publikum steht Kopf.

Kurzer Gitarrenwechsel und schon ging’s weiter mit THINGS GET BETTER und THE ENFORCER, was in den USA oft im Hintergrund von Eishockey Werbung in Funk und Fernsehen vertreten ist.

Dann wird’s etwas ruhiger mit BLACK FOREST. Die Jungs haben einen ordentlichen Groove drauf. Anschließend wird eine meiner Lieblingssongs geschmettert: THE GIANT. Hier mal kurz die Kamera bei Seite gelegt und das Treiben auf der Bühne genossen. Die Band verzichtet fast komplett auf Ansagen zwischen den Songs und auch auf den Zugabenquatsch wird verzichtet. „Wir spielen unser komplettes Set und kommen dann zu euch runter um Bier mit euch zu trinken…“, lautet die unmissverständliche Ansage von Jeremy, der immerhin nach 3/4 des Sets schon eine ganze Flasche Rotwein geschafft hat. Merkt man ihm gar nicht an. Im Gegenteil. Man hat das Gefühl dass sich seine Leistung von Songs zu Song steigert. Weiter im Set. CALL IT A SPADE mit ZZ TOP Riff wird der Laden jetzt Stück für Stück abgebaut.

Kurz vor Schluß wird’s mit dem 7 Minuten Kracher FOR THE SUN noch mal richtig bluesig.

So gehen die insgesamt 17 Songs rasend schnell rum und um kurz nach 0 Uhr ist die Show mit einem mächtigen SWEET MOUNTAIN RIVER auch leider schon zu Ende.

Was für eine Party.

Monster Truck: Mitglieder: Jon Harvey – Bass and Vocals Brandon Bliss – Keys and Vocals Steve Kiely- Drums and Vocals Jeremy Widerman – Guitar and Vocals

Setlist

DON’T TELL ME HOW TO LIVE

WHY AREN’T YOU ROCKING?

OLD TRAIN

SHE’S A WITCH

FOR THE PEOPLE

THINGS GET BETTER

THE ENFORCER

BLACK FOREST

SEVEN SEAS

NEW SOUL

THE GIANT

TO THE FLAME

CALL IT A SPADE

RIGHTEOUS SMOKE

THE LION

FOR THE SUN

SWEET MOUNTAIN RIVER

 

Kurze Auszeit in the Capitals of Country and Blues

Nach einigen Tagen im Country-Mekka Nashville und unzähligen Live-Performances, die es an jeder Ecke zu bestaunen gab, führte die Route weiter Richtung Memphis, Tennessee.

Natürlich wird hier auch alles mitgenommen, was musikalisch von Bedeutung ist. Angefangen vom Rock & Soul-Museum über die Beale Street bis hin natürlich zu GRACELAND. Nicht zu vergessen, das herausragende SUN STUDIO (Auf jeden Fall eine Führung machen), zudem gibt´s hier echt guten Kaffee (Re-Fill natürlich) für 1$ und einen kostenlosen Parkplatz im Hinterhof, was in Memphis echt eine Seltenheit ist.

Nun stand auch schon der Weg zurück nach St. Louis an, da hier am 17.05.2016 die zweite Runde Monster Truck eingeläutet wird.

Diesmal spielen die Jungs im Blueberry Hill. Das ist genau der Club in dem alleine Großmeister CHUCK BERRY schon über 200 mal über die Bühne „geduckwalkt“ ist.

Der Laden selbst ist eine Mischung aus Rockkneipe und Flohmarkt. Überall ist in Vitrinen sämtlicher Nippes aus vergangenen Jahrzehnten ausgestellt. Jukeboxen, PEZ Spender, Baseballfiguren, Wimpel… einfach alles…

Nach dem Einlass und obligatorischem Check, ob man auch über 21 Jahre alt ist, ging’s die Treppe runter in den „Duck Room“, wo die Show stattfinden sollte. Kurz nach 19 Uhr dort angekommen, waren wir schonmal erleichtert, dass wir nicht die ersten Gäste waren. Was für uns allerdings sehr merkwürdig, für den Amerikaner aber scheinbar selbstverständlich, war die Tatsache, dass jeder neu eingetroffene Gast sich zuerst einmal einen Stuhl vom Stapel genommen hat, um sich hinzusetzen!!! In Reih und Glied saßen dann zu Beginn der ersten Vorband immerhin ca. 200 Zuschauer vor der Bühne…Was für ein Bild.

Der erste Support Slot wurde von Bald Eagle Mountain gefüllt, die gegen 20 Uhr loslegten.

Im Vergleich zu Nashville, konnte man sich die Jungs sehr gut anhören. Sowohl von der Lautstärke, als auch von den Songs. Sehr schöner Stoner Rock vom Quartett aus St. Louis. Dem Publikum gefiel es gut, man blieb aber trotzdem eisern sitzen.

Im Anschluß folgte Blackwater ’64 aus Edwardsville, Illinois. Für mich nicht ganz so stark. Musikalisch waren sie zwar gut, aber gesanglich kam nicht all zuviel rüber.

30 Minuten vor der geplanten Zeit schwenkte das bunte Bühnenlicht mal wieder in rot um und endlich war es so weit. MONSTER TRUCK die Zweite. Mittlerweile haben sich im gut gefüllten Club die ersten Reihen auch sehr gut mit stehenden Fans bestückt, die Bock auf die Show haben. Dahinter blieben zwar trotzdem viele Leute sitzen… selber Schuld. Wahrscheinlich nahmen sie den Titel der aktuellen Monster Truck Platte zu wörtlich…

Sittin´ heavy oder was…?

Los gings wieder mit DON’T TELL ME HOW TO LIVE und Alter was ging hier denn ab?!? Der Club steht jetzt schon Kopf. Einige sing- und trinkfreudige Fans in der ersten Reihe gehen steil und die Band merkt auch, dass heute Abend hier was großes in der Mache ist. PARTYTIME!!! Denkt sich auch Jeremy Widerman, der seine Pulle Rotwein in der Umkleide vergessen hat. Kurzerhand lässt er alles stehen und liegen und geht vor FOR THE PEOPLE schnell Backstage, um sich seinen 0,7er Kumpel zu holen. Prost.

Sänger „Marv“ Harvey ist heute auch viel lockerer und redseliger, im Vergleich zur Show in Nashville. Wer kann es ihm verdenken. Mittlerweile ist der Club auch kurz vor ausverkauft und es ist richtig geile Rock ´n´ Roll-Stimmung. Geiler Club, geile Band. Feuer Frei. JEREMY ist heute wieder in feinstem Tuch gekleidet und trägt stilsicher seine ärmellose Jeansweste mit Monster Truck-Backpatch über die Bühne.

Drummer „Cool Steve“ hat heute ein paar Special Moves drauf und überzeugt vor allem mit seiner genialen tiefen Zweitstimme, die super Sound sei Dank, besonders zu Geltung kommt.

Keyboarder Brandon Bliss bekommt heute auch mal etwas mehr Beachtung mit seiner schönen Improvisation vor SEVEN SEAS und richtig fetten Dopplungen der Gitarren- und Gesangsmelodien. Diesmal gab es auch die Songs SWEET MOUNTAIN RIVER und NEW SOUL als offizielle Zugabe. Hier sprangen kurzerhand noch zwei freudetrunkene US-Girls auf die Bühne um die letzten Songs zusammen mit der Band abzufeiern. Die ganze Show über herrschte eine Mega-Stimmung und die Amis sind auch während der Show stets höflich und zuvorkommend. Man bekommt direkt Platz gemacht, wenn man durch will egal, ob zum Bilder machen, nach vorne zur Bühne oder zum Klo. Das ist in Deutschland bei weitem nicht immer so der Fall. Leider. Sehr angenehmes Feeling.

Insgesamt wurden leider zwei Songs weniger gespielt im Vergleich zu Nashville. So fiel THE GIANT und der SEVEN SEAS BLUES leider dem Rotstift zum Opfer. Aufgrund jeder Menge Interaktion mit der Crowd blieb die Spielzeit mit 1h 20 Minuten aber gleich.

Nach der Show ging´s dann ab zum Merchandise Ständchen im Eck. Hier gab’s die erste EP für Schlappe 5$, LPs 20$ Shirts 25$ und sogar Eishockeypucks. Ganz USA-like bekam man bei jedem Kauf noch ein Promoposter gratis dazu. Sehr schön.

Mit etwas Merch eingedeckt haben wir dann noch auf die Band gewartet um unser „Roadtripbuch“ unterschreiben zu lassen, was alle natürlich gerne getan haben. Alle waren super freundlich und Keyboarder Brandon hat sich noch nett mit uns unterhalten. Ach ja das Ticket für heute Abend hat 12$ inkl. Gebühren gekostet. Himmlische Preise.

Setlist

DON’T TELL ME HOW TO LIVE

WHY AREN’T YOU ROCKING?

OLD TRAIN

SHE’S A WITCH

FOR THE PEOPLE

THINGS GET BETTER

THE ENFORCER

BLACK FOREST

FOR THE SUN

TO THE FLAME

CALL IT A SPADE

RIGHTEOUS SMOKE

THE LION

SWEET MOUNTAIN RIVER

NEW SOUL

Wenn man Teil 1 dieses anschaulich geschilderten Berichtes liest (den Teaser habt ihr hier sicher schon gesehen), dann bekommt man Lust auf mehr…also immer schön dran bleiben.

Bei metal-heads.de gibt es in Kürze den zweiten Teil der Story mit vielen weiteren Fotos.

 

(Fotos und Bericht von Sebastian)

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Bildquellen

  • Metalheads USA – Wilson – Nashville: Metalheads USA - Wilson - Nashville : (c) metal-heads.de Sebastian
  • Metalheads USA – Monster Truck – Nashville: Metalheads USA - Monster Truck - Nashville : (c) metal-heads.de Sebastian
  • Metalheads USA – Monster Truck – St. Louis: Metalheads USA - Monster Truck - Nashville : (c) metal-heads.de, Sebastian
Doc Rock

Doc Rock

Meine erste Metal-Platte liegt lange zurück: LIVE AFTER DEATH von IRON MAIDEN war´s. Ansonsten fühle ich mich in der Progressive Metal-Ecke wohl!

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