CRUACHAN mit neuem Album: Nine Years Of Battle (VÖ: 27.04.2018)

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CruachanCRUACHAN feiern in diesem Jahr ihr 25jähriges Jubiläum. Bei so einem Jubiläum bin ich natürlich noch mehr gespannt als ich es sonst wäre, was das neue und  8. Album der Band bringen wird: Altbewährtes oder ganz Neues.

CRUACHAN stehen seit einem Vierteljahrhundert für den Celtic Folk Black Metal. Man darf also Geigen und Flöten erwarten. Ebenso aber auch Blastbeats und wilde Schreie.

Neun Jahre Krieg

Nine Years Of Blood ist ein Konzeptalbum, das sich mit dem Krieg zwischen Irland und England in den Jahren 1593 bis 1603 beschäftigt. Es geht um Helden und Triumphe aber auch um Schurken und Niederlagen.

Der rein instrumentale Opener  I Am Tuan ist eine remasterte Version des Songs vom Album Tuatha na Gael (1995). In der neuen Version stehen allerdings die energischen Gitarrenriffs mehr im Vordergrund als beim Original. Die Folkelemente wurden zugunsten des Black Metal zurück gestellt, was den Song kraftvoll und massiv macht. Man bekommt hier schon einen Eindruck davon, worauf CRUACHAN mit den elf folgenden Songs hinaus wollen: dem Kriegergeist Hymnen singen.

Der nächste Song Hugh O’Neill – Earl of Tyrone ist dem Clanführer gewidmet, der in dem besungenen Krieg eine führende Rolle im Widerstand gegen die englischen Truppen einnahmen. Entsprechend martialisch kommt der Song daher. Mit metallischem Gerassel und schnellen Schlagzeugparts, die die Grundlage für einen bösartigen Gesang bieten, der sich mit Gitarrenriffs abwechselt, die dann von Flöten zu einer schönen Melodie entwickelt werden. Um kurz darauf wieder vom Gesang zerstört zu werden.

Blood and Victory startet mit schwerem Riffing und einem richtig dunklen Sound. Das Tempo zieht an und man sieht regelrecht, wie die Horden aufeinander zustürmen. Und dann auf einmal: ruhige Geigenmomente und ein fast tanzbarer Rhythmus. Aber auch hier wird die aufziehende Idylle durch den rauen Gesang wieder zerstört.

CruachanBalladen und Mythen

Queen of War ist eine wunderschöne Ballade. Hier wird in Folk-Manier eine Geschichte erzählt. Der Gesang wird von der Geige begleitet. Nach und nach finden sich die anderen Instrumente ein und greifen die Melodie auf, bis sie vielstimmig und eindrucksvoll klingt.  Der Song handelt von Morrígan, einer mythischen Frauengestalt, die in den keltischen Sagen eng mit Kampf und Krieg verbunden ist.

Schlachtengetümmel leitet The Battle of the Yellow Ford  ein. Die Vocals bilden einen mehrstimmigen Gesang, der an mittelalterliche Gesänge erinnert. Die Gitarren greifen den traditionellen Rhythmus in ihren Riffs auf. Wenn die Geigen hinzu kommen, nimmt auch das Pathetische zu.

Cath na Brioscai setzt dies fort. Nur dass hier die Black Metal Elemente kräftiger genutzt werden. Bis zum Ende hin dann doch wieder das folkloristische Lied gewinnt.

The Harp, the Lion, the Dragon and the Sword hat alles, was einen Pagan Folklore Metal Song ausmacht: sich aufbauenden mehrstimmigen Gesang, Geigen, die ein Tanzlied spielen. Und da hinein brechen schwere Riffs und hämmerndes Schlagzeug. Es klingt wie ein mittelalterlicher Markt, mit Musikern auf einer Bühne, vor der betrunkene Krieger tanzen.

An Ale Before Battle entführt den Hörer in ein Gasthaus: noch wird gelacht und getrunken. Ein letztes Bier, bevor die Schlacht weitergeht.

Niederlage, Stolz und Rebellion

Der wieder instrumentale Titelsong Nine Years Of Blood begleitet die Krieger immer noch leichtfüßig auf ihrem Weg.

Da The Siege Of Kinsale von der Niederlage der irischen Truppe gegen die Engländer handelt. Ich hatte einen grimmigen und kriegerischen Song erwartet. Über die Hälfte des Stückes ist instrumental gehalten, bis dann ein wütender Gesang einsetzt, der in einem Schrei endet.

Eigentlich hätte das Album hier zuende sein können: die Schlacht ist verloren, die Niederlage verheerend. Aber es folgen noch zwei weitere Lieder.

In  Flight Of The Earls wird davon erzählt, dass der eingangs besungene Hugh O’Neill ins Exil gehen muss. Dazu wird die traditionelle Form des irischen Liedes verwendet. Dann brechen wieder die knüppelnden Drums ein und machen mit den Geigen trotzig deutlich, dass zwar die Schlacht verloren, aber der Sieg der anderen nur vorübergehend ist.

Auch der letzte Track Back Home In Derry ist traditionell gehalten. Zum Abschluss noch einmal ein entschlossener und eindringlicher Song, der nach Rebellion klingt.

Ausgereifter Folk Metal

Fazit: Nine Years Of Blood ist ein packendes Album, mit dem CRUACHAN selbstbewusst und technisch überzeugend metallisch angehauchten Celtic Folk darbieten. Geigen und Flöten fügen sich mit hämmernden Rhythmen, harten Riffs und dunklem Gesang zu einem ausgereiften Folk Metal zusammen. Wer Melodien, die sonst eher in Pubs gesungen werden, auf Black Metal Basis mag, ist mit dem Album gut bedient. Wer meint, dass Flöten im Metal nichts zu suchen haben, sollte trotzdem reinhören und sich von der Wirkung traditioneller Weisen beeindrucken lassen – am besten mit einem Glas Ale.

CRUACHAN sind:

Keith Fay (Vocals, Electric Guitar, Acoustic Guitar, Keyboard, Tin-Whistle, Bouzouki,

Mandolin, Bodhrán, Percussion)

Kieran Ball (Electric Guitar, Acoustic Guitar)

Eric Fletcher (Bass)

John Ryan  (Violin, Cello, Bowed Bass)

Mauro Frison (Drums, Percussion)

Tracklist

01 I am Tuan
02 Hugh O’Neill – Earl of Tyrone
03 Blood and Victory
04 Queen of War
05 The Battle of the Yellow Ford
06 Cath na Brioscai
07 The Harp, the Lion, the Dragon and the Sword
08 An Ale before Battle
09 Nine Years of Blood
10 The Siege of Kinsale
11 Flight of the Earls
12 Back Home in Derry

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Bildquellen

  • Cruachan_Promo_2018_1: Sueshotworx
  • Cruachan_Cover: Sureshotworx
  • cruachan: Sureshotworx
Birgit

Birgit

Iron Butterfly und Jethro Tull haben mir gezeigt, dass es neben Uriah Heep, Black Sabbath und Whitesnake noch etwas anderes gibt. Neugierig geworden höre ich seitdem alles, was sich unter dem Oberbegriff Metal und Rock versammelt. Je nach Stimmung eher Metalcore oder instrumentalen Rock. Mein Herz hängt allerdings am ganzen Spektrum skandinavischer Metalmusik: ob nun Folk-, Progressiv oder Doom-Metal.

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