DRACONIAN – Under A Godless Veil – Review deutsch

DRACONIAN – Die Düstermetaller

DRACONIAN (Facebook) haben sich auf eine neue Reise durch die Dunkelwelt begeben. Fünf Jahre nach ihrem letzten Longplayer „Sovran“ wollen DRACONIAN uns am 30.10.2020 mit „Under A Goodless Veil“ („Unter Einem Gottlosen Schleier“) an ihrer Reise teilhaben lassen und tauchen dabei in ein göttliches Dilemma ein.

Wenn Götter Langeweile haben,

dann kommt meist nichts Gutes dabei raus. Und wenn dann noch Eitelkeit und Selbstüberschätzung eine Rolle spielt, dann ist das Chaos vorprogrammiert. Die Thematik des Albums ist in der Tat eine sehr tragische und lehnt sich an dem gnostischen Weltbild an. Sophia als Untergöttin wollte es ihrem allmächtigen vollkommenen Vater gleichtun und etwas eigenes erschaffen, doch das ging völlig in die Buxe. Letztlich schuf sie ungewollt die Finsternis und das Böse. Und das Ergebnis des göttlichen Experiments war die Erde mit den Menschen als unvollkommene Wesen, die aber den göttlichen Funken in sich tragen. Es herrscht nun ein Kampf zwischen Göttern und Engeln auf zwei verschiedenen Seiten, ein Kampf zwischen Gut und Böse. Der Mensch diesem Kampf nun seit Anbeginn ausgeliefert. Wer ein wenig mehr von dieser Thematik erfahren will, der möge die Absätze am Schluss der Rezension durchlesen. Hier soll erst einmal die Musik im Vordergrund stehen.

In ein schwarzes Loch

haben mich DRACONIAN direkt mir ihrem ersten Song „Sorrow Of Sophia“ gezogen. Als die ersten zarten Töne erklangen, war ich war umgehend in einer anderen Welt. Man sollte sich das Album mal in einem dunklen Raum nur mit einer Kerze beleuchtet anhören. Das intensiviert den Hörgenuß ungemein. Der Song ist so berauschend schön, dass sich diesem keiner entziehen kann. Der Gesang von Heike Langhans ist so betörend wie die Sirenen aus der Sage von Odysseus, so dass ich auf dunklen Schwingen mit der Musik dahinschwebe. Es wird auch Euch gefangen nehmen und ihr werdet voll bezaubernder Melancholie hinabgleiten in die Tiefen von „Under A Godless Veil“.

Und so schön es begonnen hat, so faszinierend setzt es sich fort, und zwar in jedem Lied und in jeder Note. Auch die ausdruckstarken Growls von Anders Jakobsson sind schon immer ein verdammt mächtiges Element von DRACONIAN gewesen. Das Zusammenspiel der beiden Stimmen wird hier tatsächlich bis zur Perfektion dargeboten und bilden eine ultimative Konnexion.

Eine bittere Süße

zieht sich durch die Songs. Sie ist wie dunkle Schokolade. Einerseits zartschmelzend und andererseits schön knackig mit Biss. Dementsprechend entwickelt die Musik ein feines und filigranes Bild der Dunkelheit und Melancholie. Gleichzeitig tritt der Sound immer wieder mit Vehemenz und Kraft hervor. Dabei werden Emotionen wie Trauer und Verzweiflung oder Enttäuschung und Wut erzeugt.

Insgesamt betrachtet unterscheidet sich das aktuelle Album vom Vorgänger dadurch, dass häufiger ruhige zurückhaltende, ja fast verletzliche Momente einfließen, die mit den kraftvollen Phasen eine Koexistenz bilden. Das schafft eine gewaltige Tiefe und Emotionalität.

Fazit zu DRACONIAN „Under A Godless Veil“

DRACONIAN erschaffen ein berauschendes ergreifendes Monument! Das ist eine bis auf die letzte Note glanzvolle Demonstration von dem, wofür DRACONIAN seit vielen Jahren steht. Es besitzt eine atmosphärische Dimension unfassbaren Ausmaßes. Für mich jetzt schon das GOTHIK-DOOM-Metal-Album des Jahres. Ich kann wahrlich nichts kritisieren. Ich liebe dieses Album über alles und auch nach unzähligem Hören verliert es nichts von seiner Faszination. Es ist eine dunkelschöne bittersüße Offenbarung!

DRACONIAN und das göttliche Chaos

DRACONIAN bedienen sich bei „Under A Godless Veil“ mit der gnostischen Glaubensrichtung keiner einfachen Thematik, aber dafür ist sie recht bizarr. Daher sollte man sich damit auseinandersetzen, um das Album in seiner Gesamtheit zu verstehen und im gleichen Zuge der Band den Respekt zu erweisen, die sich nicht nur musikalisch, sondern sich auch textlich sehr ins Zeug gelegt haben.

Es handelt sich um eine Glaubensauffassung, die zusammen mit dem Christentum entstanden ist und einen anderen Ansatz verfolgt. Die Menschen sind demnach nicht von einem allmächtigen gütigen Gott erschaffen worden, sondern es war alles ganz anders.

Entstehung der Unvollkommenheit

Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass nach dem gnostischen (Gnosis=Erkenntnis) Weltbild einst eine vollkommen reine Gottheit in Form einer geistigen Existenz vorhanden war und ist. Diese allmächtige Existenz schuf einst das All, dessen Oberhaupt Christus ist. Zu ihm gehören vier große Lichter, die sich in 12 Äonen (Gottheiten) aufteilen. Zu diesen Göttern gehört auch die Sophia (=Weisheit). Sophia war scheinbar doch nicht ganz so weise, denn sie war sehr selbstverliebt und sie langweilte sich tierisch.

Die Geburt der Finsternis

Sophia war zwar mächtig, aber eben nicht allmächtig und so vollkommen wie der allmächtige Gott, das ursprüngliche Licht. So versuchte sie ohne Absprache mit dem großen Geist vor lauter Eitelkeit und Selbstüberschätzung selber etwas zu erschaffen und so entstand ein Geschöpf, der Demiurgen. Doch sie erschrak bei seinem Anblick und stieß ihn weg. Der Demiurg hat aber die göttliche Macht von Sophia in sich und ist daher selber ein göttliches Wesen. Damals wusste er aber von seiner Herkunft nichts und hielt sich für den einzig wahren Gott. So dümpelte der Demiurg zunächst unwissentlich seiner Herkunft so durch die geistige Finsternis und dachte sich irgendwann: Warum sollte ich meine Macht nicht nutzen und etwas erschaffen? Das machen Götter nun mal so. So manifestierte er die Finsternis und das Universum entstand. Er formte unter sich ebenfalls geistige Wesen bzw. Engel und schießlich schuf er auch den Menschen.

Der göttliche Funke im Menschen

Der Demiurg hauchte dem Menschen Leben ein ohne zu wissen, dass etwas von der göttlichen Kraft (Seele) auf diesen übertragen würde. Die Menschen waren zwar ebenfalls mit „Fehlern“ behaftet, besaßen aber nun den göttlichen Funken. Der Demiurg war damit sehr unzufrieden. Er konnte seine Schöpfung aber nicht mehr vernichten. Und seither versucht er die Menschen „klein“ zu halten bzw. darüber im Unklaren zu lassen, dass sie göttliches in sich tragen. Dafür dienen ihm die von ihm geschaffenen bösen Geister sogenannten Archonten. Böse Geistwesen, die alles Schlechte in sich haben. Sie ergreifen von den Menschen unbemerkt Besitz und stiften permanent Unruhe, damit die Menschen mit sich und ihren Problemen mehr beschäftigt sind und nicht zur göttlichen Erkenntnis gelangen. Als Gegenspieler tritt Sophia auf, die über die Folgen ihres Handelns todunglücklich war und fortan versuchte zu retten, was noch zu retten ist. Sie bat den Allmächtigen um Hilfe, der ihr dann Christus an die Seite stellte. Seitdem gibt es einen Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen.

So sieht es in stark verkürzter Form mit dem gnostischen Weltbild aus. Eine sehr komplizierte bizarre Angelegenheit, die nicht viel Optimismus verbreitet. So, wie es auf der Welt zuging und aktuell zugeht, könnte man dieser bizarren Anschauung sogar noch etwas abgewinnen.

HIER gibt es die Review auf englisch.

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Bildquellen

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