KATLA.: „Allt þetta helvítis myrkur“

katla allt þetta helvítis myrkur

„Allt þetta helvítis myrkur“ von KATLA. erscheint am 13. November 2020 via Prophecy Productions. Mit „Villuljós“ hatten sie bereits einen Song veröffentlicht, der einen Ausblick auf das Album gibt. Was hier noch dunkel klingt, von Finsternis und einem Licht, das eine falsche Hoffnung vermittelt, erzählt, ist dennoch voller positiver Energie. Dies ist quasi der rote Faden, der sich durch das Album zieht: die dunklen Momente und Gedanken werden in Klängen und Melodien eingefangen. Sie werden von verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, was zu ganz unterschiedlichen Stimmungen führt, denen man sich nicht entziehen kann.

Dunkel, geheimnisvoll, mächtig und präsent

katla allt þetta helvitis myrkur cover

„Ást orðum ofar“ klingt wie eine Einleitung oder ein Vorwort. KATLA beginnen mit Klängen, die auch im Folgenden wie Geister in den Songs auftauchen. Ein ruhiger Gesang über Angst und Stürme, die Trauer auflösen können, und der Bedeutung von Worten der Liebe. Ausklingend mit wie hingeworfenen Tönen, spricht es von Zerbrechlichkeit.

Darauf folgt „Villuljós“, das die dunkle Atmosphäre aufgreift und vertieft.

„Líkfundur á Sólheimasandi“  geleitet die Seele  mit dumpfen Tommelschlägen und erzählenden  Streichnistrumenten in den Schlaf. Denn so (Schlaf der Seele) kann man  „Sálarsvefn“ übersetzen.

Geheimnisvoll und zugleich mächtig, zurückhaltend und dann wieder unheimlich in einer gewaltigen Präsenz. Der Song führt uns in die dunkelsten Stellen einer Seele, in die schwarze Hölle, in der das Herz zu Stein wird und in die hineingezogen wird, wer dieser Seele helfen will. Im Video zu  „Sálarsvefn“ wird dies durch die Bilder eindrücklich dargestellt.

Leichte Momente und schöne Melodien

Diese Symbiose aus Verletzlichkeit und machtvoller Präsenz setzen KATLA mit „Vergangur“ fort. Hier gibt es neben Einar Thorberg Guðmundssons ausdrucksvollen Stimme, schönen Gitarrenmelodien und leichte Momente. Immer wieder werden die Melodielinien gebündelt, so dass sie mit den Drums energiereiche Passagen schaffen. Es geht um Hoffnung ebenso wie um Tod. All dies wird in und durch die Musik spürbar.

Da sind sie wieder: die Geister. Vielleicht habe ich in den letzten Tagen auch nur zu viele Märchen und Gespenstergeschichten aus Island gelesen. Doch dieser Song, bei dem es um die Idee von einer weißen Dunkelheit geht, schafft genau diese Atmosphäre. Ein Song, der mit seiner Wehmut  ein leichtes Schaudern auslöst.

Und nun zu dem Song, von dem ich bisher nicht genug bekommen konnte: Die Geschichte vom unglücklichen „Húsavíkur-Jón“ umgesetzt in eine kraftvolle und dynamische Musik, in der Energie und Verzögerung eine enorme Spannung aufbauen. Diese Spannung, die  voller Traurigkeit wie Zuversicht ist, bleibt über den gesamten Song bestehen.

Eine Reise in die höllische Dunkelheit


Der Titelsong „Allt þetta helvítis myrkur“ nimmt uns auf eine knapp 12minütige Reise mit in die höllische Dunkelheit. Während Einar uns mit seiner Stimme umschmeichelt, führt er uns in den Sturm. Die Kälte wird spürbar, die Musik lässt uns um den Weggang der Sonne trauern. Sie umfasst die Seele. Doch immer wieder tritt kraftvoll der Wille hervor, sich der Dunkelheit zu widersetzen. Ein großartiges Stück, für das man sich Zeit nehmen sollte.

Angekommen am Ende des Albums und in der schwarzen Nacht „Svartnætti“, geht es um Zwischenräume und Übergänge: von der Nacht in den Tag, um Wunden, die sich noch nicht geschlossen haben. Der Gedanke: irgendwann verlieren wir steht

Einars Stimme sowie das akzentuierte Drumming von Guðmundur Óli Pálmason, das sich nie in den Vordergrund spielt, sondern sich in Dynamik und Variation auf die Melodien einstellt, schaffen eine Welt aus Emotion und Klang, die den Hörer an unbekannte Orte und auch zu sich selbst führt.

Wenn man sich darauf einlässt, kann man in eine ergreifende Klangwelt eintauchen, in der man immer neue Facetten entdeckt.

KATLA.: Ein ganzheitliches DiY-Projekt

Dass bei der Produktion des Albums sowie der Gestaltung des Artworks alles in den Händen von Einar und Guðmundur sowie engen Freunden und Familienmitgliedern, wird dazu beigetragen haben, dass die Musik so intensiv ist und sich mit Lyrics und Artwork zu einem vielschichtigen Ganzen zusammenfügt.

Darüber und über viele andere Dinge habe ich mit Guðmundur gesprochen. Das Interview könnt ihr am Nachmittag hier lesen.

„Allt þetta helvítis myrkur“ gibt es als CD, 2LP Gatefold Vinyl in schwarz und weiß, CD mit 48-seitigem Artbook mit Fotos von Guðmundur Óli Pálmason und 4 weiteren Songs. U.a. mit „Farg“, zu dem es ja bereits ein Video gibt. Es gibt noch weitere spezielle Zusammenstellungen. Dazu findet ihr hier mehr.

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Bildquellen

  • katla allt þetta helvitis myrkur cover: Prophecy Productions
  • Katla013B: Bildrechte beim Autor
  • katla allt þetta helvítis myrkur: Prophecy Productions
Birgit

Birgit

Iron Butterfly und Jethro Tull haben mir gezeigt, dass es neben Uriah Heep, Black Sabbath und Whitesnake noch etwas anderes gibt. Neugierig geworden höre ich seitdem alles, was sich unter dem Oberbegriff Metal und Rock versammelt. Je nach Stimmung eher Metalcore oder instrumentalen Rock. Mein Herz hängt allerdings am ganzen Spektrum skandinavischer Metalmusik: ob nun Folk-, Progressiv oder Doom-Metal.

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