My Dying Bride – Feel The Misery – Album Review

MDB Band Pic

Der Blick aus dem Fenster zeigt, dass der Nebel auch Mittags noch in den Bäumen steht und sich die Sonne auch mit gutem Willen heute nicht zeigen wird.

Es gäbe keinen geeigneteren Zeitpunkt, sich den mittlerweile 12. Langspieler Feel The Misery der britischen Formation My Dying Bride anzuhören. Zum 25. Bandjubiläum kehrt mit Gitarrist Calvin Robertshaw auch ein Gründer in den Schoß, der immer noch bei Peaceville gezeichneten, Urgesteine des Dooms zurück. Mich erwarten auf dem am 18. September erschienenen Silberling 10 düstere, schleppende Tracks mit einer Spielzeit von rund 64 Min.

MDB Feel The Misery Cover

Das derzeit düsterste Album der Briten

Direkt beim Opener And My Father Left Forever ist klar, dass sich an den Gitarren von Andrew Craighan und Calvin Robertshaw etwas geändert hat. Sie klingen härter, düsterer, es wird mehr geshredded und auch der gewohnt und geliebte eigenwillige, leidende Gesang von Frontmann Aaron Stainthorpe kann den Eindruck nicht verhindern, dass man richtig finster ans Werk gehen wollte. Dies wird durch das treibende Schlagzeug von Drummer Dan Mullins noch verstärkt. Bassistin Lena Abé fügt sich ebenfalls stark in den Klangteppich ein und auch die wiederum gut akzentuierte Violine von Shaun Macgowan sorgt für die ein oder andere Oger-Pelle.

Auch der Übergang in den Track To Shiver In Empty Halls, bei dem Aaron’s Growls sogar aggressiver und tiefer, als bei den Alben aus den frühen 90ern klingen, zeigt mir: hier geht’s weiterhin zur Sache. Das Riff und die melodischen Gitarren harmonieren perfekt und es ist, als wäre Calvin nie weg gewesen. Auch wenn MDB hier schon fast eine Mid-Tempo Nummer liefern, drückt der schön schwere Klangteppich ordentlich auf das Gemüt – und das gehört sich auch so. Der Song fällt noch auf herrliche 30 BPM ab, das ist Ultra-Slow-Doom der ersten Klasse!

Diese Geschwindigkeit wird im 3. Song der Band aus Halifax fortgesetzt. A Cold New Curse zeichnet sich durch perfekt gegenläufig melodisch gespielte Gitarren-Sequenzen aus, welche dann in einen aggressiveren Shred-Part mit Doublebass und Growls übergehen. Die Saitenvirtuosen schaffen es trotz der langsamen Geschwindigkeit ordentlich Druck aufzubauen. Dies liegt sicherlich auch an der guten Aufnahme in den Academy Studios. Der Song hat im letzten Drittel gute Horror-Soundtrack-Qualitäten.

Titeltrack Feel The Misery liefert ungefähr in der Mitte einen Violinen-Part, der einem die Haare fast vom Körper wirft. Auch hier sind die druckvollen Gitarren und Schlagzeuger Dan die treibende Kraft und geben der Düsternis noch einen gewaltigen Schub nach vorne.

My Dying Bride verbinden Härte und Dunkelheit mit mystischen Melodien

Bei A Thorn OF Wisdom wird man direkt zu Beginn von Shaun’s Klavierspiel weggetragen und Aaron’s gezogener Gesang und Basserin Lena geben dem Track eine ordentliche Tragweite. Leider klingen hier die eingespielten Chöre zu sehr nach Bontempi-Orgel, so dass die Nummer an der Stelle für mich etwas einbricht. Sobald aber die Gitarren einsetzen, hat man dieses kleine Manko schnell vergessen. Jedoch für mich leider ein schwächerer Song auf dem Album

Die Glocken läuten zu I Celebrate Your Skin. Die Stimmung dieses Songs erinnert mich stark an das Erstlingsalbum As The Flower Withers von 1992. Überhaupt ist es positiv zu notieren, dass Aaron auch wieder mehr auf Growls setzt, die den Songs noch eine andere Stimmung mitgeben. Die Chöre und Glocken im letzten Drittel, bis zum Wiedereinsetzen der Gitarren sind hier brutal gut – was für ein Song. Als dann zum Schluss noch die Kirchenorgel einsetzt, ist mir klar, dass dies für mich einer der besten Songs auf dem Album ist.

Mystisch geht es auch bei I Almost Loved You zu. Klavier, sphärische Klänge, Violine und Gesang tragen einen sehr weit weg. Sehr minimalistisch gehalten und trotzdem nicht leer oder langweilig – eine sehr feine Komposition die tief geht.

Zum Abschluss wird es mit Within A Sleeping Forest soundtechnisch noch mal voller und Gitarre und Violine liefern sich hier ein schön gegenläufiges Spiel. Spätestens als die Kirchenorgeln einsetzen ist klar, dass wir jetzt noch mal die volle Düsternis und Melancholie abbekommen. Auch gesanglich zeigt sich der Song mit Growls und cleanem Gesang sehr abwechslungsreich. Mit 10:43 Spielzeit ist das auch eher Doom der alten Schule, bei der man sich einfach mehr Zeit gelassen hat, seine Geschichte zu erzählen. Sehr abwechslungsreiche Nummer mit vielen unterschiedlichen Passagen und Stimmungswechseln.

Fazit

Das ist mal ein düsteres Album! Die Geschwindigkeit, die zum Teil auf 30 BPM runter geht ist ein Thema, aber was My Dying Bride hier kompositorisch abliefern ist ein Brett, Ebenholz, schwarz lackiert, mit Spinnweben, 300 Jahre alt, unter einer Kirche vergraben. Natürlich ist man dem bekannten Stil treu geblieben und viele Änderungen gibt es auf dem neuen Album auch nicht. Aber durch den Druck der Gitarren und der ultradüsteren Stimmung ist es doch wiederum eine positive Entwicklung. Auf jeden Fall ist es eine perfekte Doom-Scheibe geworden, die ich jedem, der auf düstere Stimmung steht, wärmstens ans Herz legen möchte!

Bleibt zu hoffen, dass die Jungs und das Mädel den Sprung von der Insel schaffen und mit dem Album zeitnah auf Tour gehen.

Tracklist

01 – And My Father Left Forever   09:22
02 – To Shiver In Empty Halls        09:47
03 – A Cold New Curse        09:15
04 – Feel The Misery           06:20
05 – A Thorn Of Wisdom     05:14
06 – I Celebrate Your Skin  06:53
07 – I Almost Loved You      05:26
08 – Within A Sleeping Forest        10:43

Lineup

Aaron Stainthorpe | Vocals
Andrew Craighan| Gitarre
Calvin Robertshaw | Gitarre
Lena Abé | Bass
Dan Mullins | Schlagzeug
Shaun Macgowan | Keyboards / Violine

NEWSLETTER. FREITAGS. KOSTENLOS.

Bildquellen

  • MDB Feel The Misery Cover: Label: Peaceville/Edel
  • MDB Band Pic: Label: Peaceville/Edel
Toby the Ogre

Toby the Ogre

Früher aktiver Death-Schreihals und Sänger, heute passiver Schreihals. Lieblingsgeräusche: Konzert-Tinnitus und Motorräder. Lieblingsbands: Gojira, Meshuggah, Nile, Rivers of Nihil, Parkway Drive. Wenn der Tinnitus nachlässt höre ich auch gerne in andere Genre rein.

Das könnte Dich auch interessieren...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

neunzehn − 18 =