BLAME TRACY – Live in Bochum

Zwei Ruhrpott-Rocker

aus Bochum haben Neuigkeiten für uns. BLAME TRACY (Facebook) waren bereits bei ‚metal-heads.de‘ zu Gast. Wer also noch unwissend ist und mehr über die zwei tollen Musiker erfahren will (und das solltet ihr wollen), dann klickt einfach auf diesen Link.

Wir von ‚metal-heads.de‘ haben eine Vorliebe für besondere Musik, die aus der Masse hervorsticht. Und die beiden Rocker von BLAME TRACY tun genau dies. Von daher war es mir aus aktuellem Anlaß mal wieder ein Vergnügen, mit Timo und Nils ein Interview zu machen.

Zwei harte Jahre im Beruf

MH: Hi BLAME TRACY. Ist schon etwas länger her. Im Dezember 2020 hatten wir das Vergnügen. Seitdem hatte uns die Pandemie lange im Griff. Wie ist es Euch in der Zeit ergangen? Habt Ihr die Ruhepause für Euch irgendwie nutzen können?

Nils: Ehrlich gesagt, kann ich das sehr direkt beantworten: Nein! Ich arbeite in der ambulanten Unterstützung von Menschen mit Hilfebedarf. Genau wie in der Pflege und anderen Bereichen aus dem Gesundheitswesen bzw. anderen Dienstleistungen waren das mit die zwei anstrengendsten Jahre überhaupt in dem Bereich.

Ab in den Wald – weg von allem

MH: Was habt ihr generell persönlich oder als Band so erlebt in der ganzen Zeit?

Nils: Als Band haben wir viel aufgenommen und uns Möglichkeiten gesucht, wie wir trotz Abstand aus unseren Wohnungen heraus zusammen Musik machen konnten. 

Timo: Genau, dazu noch zwei Videos zu unseren Songs „Whiplash“ und „Tracy“, die wir zusammen mit dem Bochumer Freelancer Dominik Führ aufgenommen haben. Mit ihm haben wir dann noch einen „Gig ohne Publikum“ gefilmt, woraus der Konzertfilm „Live in Bochum“ wurde. Danach haben wir uns ein langes Wochenende in eine Waldhütte verzogen, um Songs zu schreiben und „Deep Down“ aufzunehmen, für den ich erstmals auch Keyboards eingespielt habe.

Dazu hat Tracy noch das Wattenscheider Kulturprojekt „Wiesmann’s Kultur zum Mitnehmenunterstützt, dort Video- und Soundaufnahmen für deren YouTube-Kanal gemacht und auch selbst ohne Publikum gespielt.

Reisen in die Ferne

MH: Timo, von Dir weiß ich, dass Du eine außergewöhnliche Reise hinter Dir hast. Kannst Du ein wenig was darüber erzählen?

Timo: Ich war zwei Monate mit dem Rucksack in Südamerika: Ecuador und die Galapagos Inseln, Peru und zum Ende noch spontan Kolumbien. Meine Freundin bereist in ihrem „Sabbatjahr“ verspätet (Corona…) die Welt und ich hab‘ beruflich zum Glück die Möglichkeit, streckenweise dabei sein zu können.

MH: Wurdest Du auf dieser Reise musikalisch inspiriert?

Timo: Ja. Bei einem lagen Spaziergang am Strand kam mir die Idee zu einem Text und Melodie. Gedanklich war ich viel bei der Inka-Kultur (Machu Picchu haben wir kurz darauf erklommen – atemberaubend!) und habe mir bildlich vorgestellt, wie es wohl war, als plötzlich kleine Segel am Horizont zu sehen waren und wie nicht nur Pizarro und Co. in der Folge, sondern auch die Inka selbst zuvor die „Geschichte“ als siegreiche Kultur geprägt und geschrieben haben.

Musik hört man sowieso überall – vor allem in Kolumbien waren die Strände auch nicht so ruhig, um es mal so auszudrücken. Aus drei Bluetooth-Boxen, die hinterm Anschlag sind, kommt gleichzeitig Musik. Den extrem typischen Reggaeton-Beat, der mindestens in 9 von 10 Songs zu hören ist, hatte ich allerdings schon am Ende von „Drain the Swamp“ reingeschmuggelt – das reicht (lacht). Ansonsten war eine Ukulele im Gepäck, damit es nicht zwei musiklose Monate werden. Beim Üben hat sich ein sehr entspanntes Thema entwickelt, von dem ich aber nicht weiß, ob ich das in die Band tragen möchte.

Herausforderungen eines Duos

MH: Ich liebe Euren Sound, weil er so authentisch und persönlich rüberkommt. Ihr seid nur zu zweit und vermittelt trotzdem ein verdammt geiles Feeling. Die gesamte Atmosphäre hat eine sehr pure reduzierte persönliche Intimität und trotzdem springt der Funke und die Energie rüber. Da muss einfach alles passen und das tut es. Ich stelle mir das schwierig vor, da man sehr im Focus steht und jeder Fehler unweigerlich auffällt. Zum anderen sind die soundtechnischen Möglichkeiten als Duo eingeschränkt, oder empfindet Ihr das gar nicht so? Muss man als Duo anders an das Komponieren und Spielen von Songs herangehen?

Nils: Man muss sich Gedanken über das Arrangement des Songs machen. Wie soll er klingen, welche Stimmung, macht ein Tempowechsel Sinn, wohin soll der Song im Laufe seiner Länge hin. Das sind wichtige Gedanken. Da reicht nicht ein geiles Gitarrenriff und ein paar dicke Akkorde über den Ref, einfach weil die Stimmung ausreicht. Ich lasse immer mal wieder die dicke E-Saite über verschiedene Akkorde mitlaufen (spiele die mit an), damit der Akkord voller klingt. Ich arbeite mit Effekten, wie Hall oder mit einem Compressor, Reverb und Distortion. Es gibt auf der Gitarre mehrere Möglichkeiten Akkorde zu spielen. Hier versuche ich die auch oft breit zu spielen und nicht nur den Standard Power Akkord zu nutzen. Und ja, jeder Fehler ist wohl leichter zu hören, als bei einer Power Rock Band. Da muss man einfach üben und proben 🙂 

Timo: Bei Gesang und Drums ist es ähnlich. Wenn ich sofort in Strophe 1 losbretter, die Felle durchschlage und meine Stimmbänder verschleiße, wird’s schwierig, da noch einen „draufzusetzen“. Man geht‘s also anders an: Was soll der Song erzeugen und erzählen? Wie kommen wir da hin? Dynamik und Steigerung sind wichtig, damit es interessant bleibt.

Freud und Leid

MH: Eure neue Single „Smoke“ wurde jetzt als Video-Single rausgebracht. Der Song besteht aus zwei Teilen. Ich finde ihn super, weil er einfach überrascht. Passend zu dem Songtext plätschert der erste Part zunächst friedlich dahin, bis es dann in den energischen düsteren mitreißenden Part übergeht, der mich total weggeblasen hat. Diese Energie, welche Ihr zu zweit rüberbringt, ist spitzenmäßig. Ihr bringt so viel Power rein, dass es der pure Wahnsinn ist. Was ist der Gedanke dahinter?

Nils: Ich hatte die Idee zu dem Song, nachdem ich einen Text von jemanden gelesen habe, der in der Nähe eines Attentates mit einem Auto gewesen ist. Die Idee sich zu überlegen, wie die Situation für verschiedene Menschen, die daran beteiligt sind, musikalisch in einem Song zu verarbeiten hat mich nicht losgelassen. Gerade der letzte Part soll zum einen Verzweiflung, Angst und Kontrollverlust darstellen, aber auch den unbedingten Willen, irgendetwas tun zu müssen. Einen Drang in sich zu haben (so schrecklich er sein mag), der ausgelebt werden muss. Zum Beispiel aus purer Verzweiflung. Sodass sich der erste Part auf Menschen bezieht die in der Nähe sind, viel vom zweiten Part auf den Attentäter, sowie Menschen, die das direkt betrifft.

Timo: Nils hat mir die beiden Parts vorgespielt, den Gedanken dahinter erklärt und so war klar, dass lyrisch die Parts 1 „Picnic“ und 2 „Panic“ daraus werden. Die Musik hat vorgegeben, wie sich der Text entwickeln muss. Damit inhaltlich klar wird, dass Freud und Leid (sorry für die Phrase) sehr eng beieinander liegen, wechselt die Perspektive schon in Part 1.

Während die einen ihren freien Tag am Fluss, in der Sonne und Natur genießen und den Kopf ausschalten, kreisen die Gedanken beim späteren Amokfahrer unaufhörlich weiter, tiefer und können nicht aufgehalten werden. Er nimmt die ganze Situation am Fluss – natürlich ein fiktives, lyrisches Detail – komplett anders war. Dieser Perspektivwechsel zieht sich im zweiten Part weiter durch, ist auf die steigende Dynamik der Musik abgestimmt und spielt mit ähnlichen Worten und Zeilen.

Texte mit Tiefgang

MH: Die Texte sind lyrisch gehalten und bieten Raum für Interpretationen. Man fragt sich unweigerlich, was der Verfasser damit aussagen möchte und/oder in welcher Situation er diese Zeilen verfasst hat.

Timo: Immer unterschiedlich. Manchmal gibt die Musik wie bei Smoke ein klares Thema vor oder aber eine Richtung. Manchmal jammen wir, ich beginne mit einer Melodie und bleibe an einer interessanten Zeile oder auch nur einem Wort („Whiplash“) hängen und überlege danach, wohin ich lyrisch mit dem Song möchte und wie wir das musikalisch entwickeln können. Dann recherchiere ich manchmal regelrecht tagelang, lese extrem viel (falls sinnvoll auf Englisch) über die angepeilten Inhalte oder die Zeilen kommen in 30 Minuten automatisch aufs Papier und bei der nächsten Probe steht dann „nur noch“ Feinschliff an. Und natürlich hab‘ ich wiederum auch fertige Texte, auf die dann die Musik kommt.

Grundsätzlich brauch ich Ruhe, um zu schreiben und muss mich gedanklich völlig ins Thema reindenken können und quasi ein Bild vor Augen haben. Mehrere Ebenen und den angesprochenen Raum für Interpretationen versuche ich dabei immer ganz bewusst unterzubringen, damit es nicht mein „gesungenes Tagebuch“ wird, was ich persönlich nicht so spannend fände.

Live in Bochum – mit und ohne Publikum

MH: Bisher seid Ihr immer als Duo unterwegs gewesen. Ihr habt damals geäußert, dass Ihr das bewusst so entschieden habt. Bleibt es dabei oder gibt es evtl Ambitionen daran etwas zu ändern?

Nils: Für mich gibt es keine Änderung. Ich habe angefangen mal einen Bass im Studio einzuspielen, könnte mir vorstellen in Zukunft noch ein bisschen Backing-Gesang beizusteuern, aber dabei soll es bleiben. Die Möglichkeiten, live zu zweit Sound und Musik zu kreieren, sind fast unbegrenzt. 

Timo: Und ich hätte da ja auch noch ne Ukulele…!

MH: Ihr habt jetzt die EP „LIVE IN BOCHUM“ veröffentlicht. Erzähl uns doch mal ein wenig darüber!

Timo: Wir haben Video und EP in einem riesigen Raum in einem Bunker in Bochum aufgenommen, in dem auch unser Proberaum ist. Da unser Raum aber viel, viel kleiner ist und wir dort schon selbst zu zweit das erste Video zu „71“ und im Anschluss noch das „Whiplash“-Video mit Dominik Führ gedreht hatten, brauchten wir eine Location, die am besten auch noch eine Bühne hat. Da wurden wir zum Glück bei unserem Vermieter fündig, mussten unseren Kram nur ne Treppe tiefer schleppen und hatten eine Bühne komplett mit PA und Licht. Absoluter Luxus.

Dominik hat uns das Projekt vorgeschlagen, zusammen mit Martin Hinse gefilmt, gleichzeitig mit einer DAW den Sound mitgeschnitten und im Anschluss die komplette Bildbearbeitung, alle Schnitte etc. gemacht. Kurz: alles, was man sehen kann. Für den Feinschliff des Sounds haben wir uns auf ein Bier getroffen. Und was Dominik dann am Ende abgeliefert hat, sieht richtig gut aus, finden wir – mal wieder. Uns war dann schnell klar, dass wir „Live in Bochum“ auch als EP zum Streamen und Downloaden rausbringen möchten, weil wir seit mittlerweile 2,5 Jahren kein Konzert mehr spielen konnten. Dazu haben sich einige Songs seit den Studioaufnahmen während der Proben einfach weiterentwickelt.

Live im Bergbaumuseum Bochum – Eintritt frei

MH: Was stehen in nächster Zukunft für Auftritte an? Wo kann man Eurer musikalischen Darbietung lauschen?

Tracy: Am 22. Mai sind wir im Kumpels/Bergbaumuseum Bochum beim Sunday Jam vom Musikbüro Bochum. Das Konzert war für 2021 geplant, wurde aber aufgrund der Pandemie verschoben. Jetzt klappt’s hoffentlich. Drei Bands (neben uns Snowfall in June und Unplaces) sind dabei, Blame Tracy spielt um 18.30 Uhr, Eintritt frei! Karten kann man hier online reservieren.

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Bildquellen

  • BlameTracy-Bandfoto_002-mitLogo-skaliert: BLAME TRACY

Metalhead

Seit meiner Kindheit höre ich gerne Rockmusik. Es hat mit Gary Moore, Scorpions, Billy Idol, Bon Jovi, Dire Straits, AC/DC usw. angefangen, also quasi mit den Großen der 80'er und 90'er Jahre. Mit zunehmendem Alter ging der Musikgeschmack immer mehr auch in die härtere Richtung. So finden sich mittlerweile auch viele Core-Platten, so wie Black-und Death-Metal Kracher in meiner Sammlung. Daher bin ich in fast allen Bereichen des Rock und Metal unterwegs. Eine besondere Vorliebe habe ich für den Underground entwickelt, wo es richtig brennt und es viele hochklassige Bands gibt, die den Großen der Branche in nichts nachstehen, ganz im Gegenteil. In diesen Sinne: Stay tough, stay heavy!

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