Mary von Alarmbaby im Interview

Alarmbaby by Timo Ehlert (der Knipser)

Im November letzten Jahres erschien mit „Killamädchen“ das Debüt von Alarmbaby. Eine Band, die sich nicht scheut klare Worte zu wählen. Beispielhaft in „Alarmzustand für Deutschland“, das ich euch gerne unten noch einmal im Video vorstelle. Wenn ihr den Rest der Platte noch nicht kennt, lege ich euch mein Review ans Herz. Mir hat das Album richtig gut gefallen und da wollte ich gerne mehr wissen und habe Frontfrau Mary mit ein paar Fragen gelöchert. Diese und ihre Antworten gibt es nach dem Video. Viel Spaß!

Alarmbaby = Deutsch Elektropunk-Stonerrock

MH: Hallo Mary, hier ist der Jörg aka soundchaser von metal-heads.de. Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst meine Fragen zu beantworten. Mitte November erschien euer Debüt „Killamädchen“. Aber vielleicht kannst du für den Anfang erst einmal Alarmbaby unseren Lesern vorstellen?

Mary: Hey Jörg, vielen Dank für deine Zeit erstmal! Ja, wir sind Alarmbaby aus Mannheim machen Deutsch Elektropunk-Stonerrock (du merkst schon, es ist sehr schwer uns da irgendwo einzuordnen) und wir haben wie du ja schon sagtest am 20.11.2020 unser erstes Album „Killamädchen“ rausgebracht.

MH: Was mir besonders gut gefallen hat, dass ihr in euren Texten kein Blatt vor den Mund nehmt und klar Stellung bezieht. Gab es da auch Gegenwind? Gerade „Alarmzustand für Deutschland“ dürfte da ja eine bestimmte Fraktion auf den Plan gerufen haben

Mary: Wenn man sich dazu entscheidet, Songs zu schreiben, die einige negativ ansprechen ist man auf ziemlich viel Gegenwind gefasst. Grade als wir „Alarmzustand für Deutschland“ rausgebracht haben, waren wir darauf gefasst, dass das braun verseuchte Pack sauer wird. Aber ich muss sagen, es gab viel mehr positive Stimmen, die dem ein oder anderen AFD-Wähler in unsren Kommentaren ziemlich klein aussehen lassen haben. Das hat uns natürlich sehr gefreut. Es wird immer Leute geben die einen nicht mögen oder meckern über eine Textzeile oder sogar einen ganzen Song, aber das gehört nun mal einfach dazu.

Inhaltlich in guter, alter Punktradition

MH: Ohne der Musik jetzt den Sinn als Eskapismus absprechen zu wollen, aber sollte man als Künstler sich nicht immer auch politisch (im Sinne einer Meinung haben und vertreten) verstehen?Ihr tragt den Alarm ja schon im Namen. Wie würdet ihr euch da einordnen oder in welcher Tradition seht ihr euch?

Mary: Ich finde es total wichtig, dass grade Künstler ihre Meinung haben und diese auch nach außen vertreten, weil Künstler und vor allem Musiker ja meistens von vielen Leuten gehört werden. Für uns war es in erster Linie wichtig, ein Album zu schreiben, mit Texten hinter denen wir stehen können. Es geht in jedem Song um Themen die mich beschäftigen und über die ich gerne schreiben wollte, dass da dann einiges rausgekommen ist, was sozialkritisch ist hängt wohl einfach damit zusammen, dass mich sowas schon immer beschäftigt. Ich würde uns da schon in die alte Punktradition einordnen, die ja noch nie still geschwiegen hat, über Missstände oder ähnliches. Für mich ist es ein absoluter Gewinn, das Leute uns schreiben, dass sie wegen Song XY über das Thema nachgedacht haben, oder das Menschen wegen dem Song „Killamädchen“ vorm Spiegel stehen und sagen: „ja man, die hat voll recht, ich bin schön, so wie ich bin“.

MH: Um die Pandemie und ihre Auswirkungen kommt man nicht herum. Aber trotzdem habt ihr es geschafft mehrere Videos zu drehen und zumindest digital präsent zu sein. Was kannst du uns da über die Umstände und Entstehung erzählen?

Mary: Ich habe das Glück, dass mein Vater Director und Musikvideoproduzent war, in so fern, war es für uns etwas einfacher in dieser Zeit Videos zu drehen. Trotzdem hat uns das ganze vor eine große Herausforderung gestellt. Unser erstes Video „Alarmbaby“ hat jeder bei sich zu Hause gedreht und am Ende hat mein Vater dann alles zusammengeschnitten, das ist natürlich nicht der normale Prozess und war für uns als Band auch nicht einfach, da wir uns einfach nicht gesehen haben und gegenseitig supporten konnten. Bei den anderen Videos hatten wir dann etwas mehr Glück und konnten diese gemeinsam drehen, trotzdem ist es schon ziemlich anstrengend, sich an die Regeln zu halten. Masken aufziehen, Abstand halten etc. Da fehlt dann oft einfach die zwischenmenschliche Nähe. Uns war es aber wichtig, das Beste aus dieser Zeit zu machen und keine Pause einzulegen. Wir haben so ein tolles und großartiges Team hinter uns, die uns versucht haben alles zu ermöglichen, was im erlaubten Rahmen ist.

Besetzungswechsel und gute Aussichten für 2021

MH: Beim Thema Video fällt auf, dass ihr am Schlagzeug quasi schon vor eurem Debüt einen Besetzungswechsel hattet. Was steckt dahinter und wie kam es dazu?

Mary: Wir haben ziemlich schnell gemerkt, dass Raja einfach nicht zu uns passt und auch sie hatte das Gefühl. Raja steht einfach auf härtere Musik und deshalb haben wir uns von ihr getrennt. Man sagt ja immer „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“. Für uns war die Entscheidung nicht leicht, aber sie musste getroffen werden und im Endeffekt sind wir froh, dass es so früh war. Jonny ist ein Herzblatt und wir sind sehr froh, dass er unser Drummer ist. Es stimmt jetzt einfach alles.

MH: Live-Aktivitäten sind ja leider auf unbestimmte Zeit aufs Eis gelegt. Aber trotzdem möchte ich fragen ob ihr da schon was in Planung habt? Denn für mein Empfinden schreit eure Musik geradezu danach laut und persönlich auf der Bühne vor Publikum präsentiert zu werden.

Mary: Wir hatten für 2020 so viele Shows geplant, die aber eben alle abgesagt wurden. Das ist für uns sehr hart, denn so gerne wir Musikvideos drehen, noch viel lieber stehen wir auf der Bühne. Für mich ist die Bühne immer eine Art Therapie und die fehlt mir seit einem Jahr, da muss man machmal echt aufpassen, dass man nicht verrückt wird. Wir haben schon viele Pläne und Ideen für 2021, diese sind aber alle noch nicht Spruchreif, da ja momentan noch keiner weiß, wie es weiter geht.

MH: Alarmstufe Rot ist ein weiteres Stichwort. Wie ergeht es euch persönlich? Fühlt ihr euch von Politik und Gesellschaft genug geschätzt und wahrgenommen. Oder könnt der Krise sogar etwas Positives abgewinnen?

Mary: Als selbständige Musikerin ist es grade sehr sehr schwer. Ich habe den Luxus, dass ich eine tolle Familie im Hintergrund habe, die mich immer unterstützen, diesen Luxus haben aber leider nicht alle. Mir tut es im Herzen weh, wenn ich sehe wie einige Kollegen grade zu Grunde gehen und noch mehr blutet mein Herz, wenn ich an die ganzen Leute im Hintergrund denke, ohne die keine Show laufen würde. Man bekommt schon manchmal das Gefühl, dass diese Jobs nicht richtig wertgeschätzt werden. Ich denk halt immer, was wäre die Welt ohne all diese Leute, ohne Kunst und ohne Musik, vielleicht sollten sich das mal alle überlegen… Privat muss ich sagen, war die Anfangszeit sehr schwer, aber ich hab dann doch etwas positives ziehen können, nämlich, dass man einfach mal die Zeit hat sich mit sich selbst zu beschäftigen und mit seinen Liebsten. So langsam aber sich will ich aber wieder zurück auf die Bretter, mir juckt es richtig auf den Stimmbändern.

MH: Zum Abschluss vielleicht noch einen Blick in die Zukunft. Auf was können wir uns bei Alarmbaby in den nächsten Jahren noch freuen? Gibt es vielleicht schon konkrete Pläne?

Mary: Für uns hat jetzt oberste Priorität live zu spielen, sobald das wieder möglich ist. Ansonsten sind wir grad schon dabei unser 2. Album zu schreiben. Es kommt also noch einiges so viel steht fest.

MH: Liebe Mary, ich bedanke mich für das Gespräch und hoffe, dass wir uns 2021 noch livehaftig erleben können. Vielen Dank!

Alarmbaby – Line-Up und Kontakt

Mary-Anne – Gesang
Simon – Gitarre
Antonin – Bass
Jonny – Schlagzeug

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Bildquellen

  • Alarmbaby by Timo Ehlert (der Knipser) 720×340: Community Promotion oHG / Timo Ehlert (der Knipser)
soundchaser

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Angefangen hat es mit einer Kassette die ich von einem Kumpel bekam mit Running Wilds "Port Royal" und "Abigail" von King Diamond. Seitdem hat es mich nicht mehr losgelassen...

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