NEMUS – Die Ein-Mann-Armee im Interview

NEMUS – Die Ein Mann Armee im Interview

NEMUS – Die Ein Mann Armee im Interview

metal-heads.de hat sich mit Frank Riegler der Ein-Mann-Armee Nemus für ein Interview Zeit genommen und präsentiert nun stolz das Resultat dieser Konversation. Dabei redeten wir über sein neues Album „Wald-Mensch“ sowie mit welchen Tools die Platte eingespielt wurde. HIER kann man sich das gute Stück für nur 8€ zulegen.

Der Soundtrack zum Interview

Um die richtige Stimmung zu erhalten, findet ihr hier das komplette Album von Nemus zum Genießen.

Unser Waldlauf mit Frank…

Hey Frank! Wir gehen heute gemeinsam auf einen Spaziergang durch den Wald und reden über dein 1-Mann-Projekt „Nemus“. Wo wir gerade bei dem Thema sind, ich habe mir erlaubt den Bandnamen zu recherchieren und bin auf den lateinischen Begriff Wald/Hain gestoßen. Ich denke, daher kommt der Name? Steckt sonst noch eine weitere, tiefere Bedeutung hinter dem Begriff?

Deine Recherche trifft voll ins Schwarze! Der Begriff „Hain“ hat für mich auf jeden Fall eine tiefere Bedeutung als ein plumper Wald. Ich verbinde damit irgendwie etwas Magisches, Verträumtes und Wunderschönes. Die Verbindung von allen Elementen der Natur zu einem Großen und Ganzen. Da ich versuche bzw. versuchen werde Stück für Stück alle Elemente in Konzeptalben zu verpacken, kam mir der Name Nemus dann doch ziemlich passend vor. Außerdem ist er ziemlich prägnant.

Ich höre in deiner Musik ein Schlagzeug, Flöten, zwei Gitarren (plus Akustik-Gitarre) sowie Gesang. Über den Bass kann ich nichts sagen, weil ich mir dein Album auf YouTube angehört habe und die Qualität über den Laptop nicht toll ist wegen der Komprimierung. Aber ich denke, er wird auf CD besser zu hören sein. Bei dem Begriff 1-Mann-Projekt frage ich mich, wie du die Sachen aufgenommen hast? Hast du das Schlagzeug programmiert oder alles analog eingespielt?

Also der Bass ist auf jeden Fall dabei. Am Anfang von „Lass mich wachsen“ hab ich ihn auch mal bisschen mehr aus der Reserve gelockt. Bass ist für mich ultra wichtig im Mix. Aber nur eben in entsprechenden Mengen, sodass er die Kickdrum nicht maskiert. Also zum Thema Schlagzeug, ich glaube man kann unschwer hören, dass es programmiert ist. Ich habe leider nur ein kleines Homestudio in meinem alten Kinderzimmer eingerichtet und da ist kein Platz, um ein akustisches Set dementsprechend abzunehmen. Ich würde es liebend gerne tun! Ich spiele sehr gerne Schlagzeug. Es war auch das Instrument, mit dem ich richtig in die Musikwelt eingestiegen bin vor neun Jahren.

„Hain hat für mich auf jeden Fall eine tiefere Bedeutung als ein plumper Wald.

Der Ablauf des Aufnehmens ist bei mir eigentlich immer der gleiche. Interface anschmeißen, Gitarre einstöpseln und mit dem Preamp rumspielen bis mir die trockene DI-Spur genug Eier hat. Dann such ich mir eine Taktgeschwindigkeit aus, auf die ich Lust habe und los gehts. Meistens fange ich dann mit einem Riff an, das ich irgendwann mal geschrieben habe und spiele diesen ein, um damit die Grundstimmung zu definieren. Im Anschluss wird dann Riff für Riff frei Schnauze hinten dran gesetzt. Das Ganze wird dann hin und her geschoben, Übergänge werden gebastelt und dann schicke ich das ganze durch meine Reampbox direkt in meinen Hughes&Kettner Grandmeister und nehme das ganze entweder mit meinem CV-12 Röhrenmikrofon von Avantone, oder dem schlichten SM57 ab. Genug Gerede über Technik.

Die Drums werden als nächstes via Midi einprogrammiert und anschließend der Bass aufgenommen. Das Klavier habe ich teilweise echt abgenommen im Wintergarten, oder mit meinen Masterkeyboard im PC gesampled. Je nach dem wie wichtig der Sound des Klaviers für den Track ist. Anschließend hab ich das „Rufen“ aufgenommen und die Samples eingefügt.

Hat dir wer bei den Aufnahmen geholfen? Oder ist das Album auch im Punkt Produktion alles eine ich-AG?

Von der ersten bis zur letzten Sekunde ist die Scheibe auf meinem Mist gewachsen, inklusive Mixing und Mastering. Ich wollte etwas Eigenes kreieren. Und auch wenn der Sound mit professionellen Aufnahmen natürlich nicht mithalten kann, bin ich doch recht stolz auf das Ergebnis.

Mit welchen Tools oder Plugins hast du das Album aufgenommen, produziert sowie gemastert?

Ich habe Studio One von Presonus auf meinem iMac. Als Preamp benutze ich den ISA One von Focusrite. Das Ding ist supergeil! Meine Micros sind bis auf das schon genannte CV-12, welches ich für akustische Gitarre sehr gerne benutze, ein SM57 und mein SM7b, welches auf jeden Fall den Industriestandart für Metalgesang darstellt. Ansonsten ist der Rest in-the-box entstanden. Am liebsten arbeite ich mit den Plugins von UAD, da der analoge Aspekt mit den Equalizern und Kompressoren perfekt eingefangen wurde. Ansonsten Plugins von Waves und Steven Slate. Da gibt es das eine oder andere Plugin, dass einem helfen kann einen analogen Vibe in den Sound zu bekommen. Mehr habe ich für Wald-Mensch nicht benutzt. Vielleicht noch mein Zoom H4n Pro Handrecorder, mit dem ich die Waldgeräusche sample.

Wie ist das Konzept zu dem Album entstanden? Wie lange hast du an den Texten sowie der Musik gearbeitet und dann alles aufgenommen?

Das Konzept ist aus ein paar Zeilen Text die ich im Unterricht geschrieben habe entstanden. Das Album Ashes Against The Grain von Agalloch hat wohl den Ausschlag gegeben für die Idee. Das Lied „Limbs“ auf eben dieser Scheibe mit Sätzen wie „earth to flesh, flesh to wood, cast these limbs into the water“ haben mich glaube ich zu der Idee von einer Seele in der Natur inspiriert. Das ganze ging dann soweit, dass ich mich fragte wie es wohl sein könnte in einem Baum gefangen zu sein. Anfangs waren die Texte noch Englisch, aber als ich gemerkt habe, dass ich mich im deutschen viel besser und gewählter ausdrücken kann, habe ich alles verworfen und neu angefangen. Das Spiel Fallout 3 mit dem Charakter „Bob der Baum“ hat vielleicht noch seinen Senf dazu gegeben. Auch der hat mich schwer beeindruckt als ich 16 war. Vom Unterricht habe ich in der Zeit leider nicht viel mitbekommen…

„Von der ersten bis zur letzten Sekunde ist die Scheibe auf meinem Mist gewachsen“

Ich glaube ich habe effektiv vielleicht 5 Wochen an dem Album gearbeitet. Und davon aber auch nur die Wochenenden, da ich unter der Woche meine Ausbildung 165 Kilometer entfernt von meinem Studio mache, zu meinem Bedauern.

Die Texte habe ich dann parallel im Unterricht, oder eben direkt vorm PC mit den Tracks im Ohr geschrieben. Ich bin mit den Texten teilweise unzufrieden, da ich es doch ein wenig mit der Produktionsgeschwindigkeit übertrieben habe, aber ich wollte endlich meine erste eigene Scheibe fertig haben.

Wann bzw. wie hast du entschieden, dass ein Song fertig bzw. perfekt war? Würdest du nachträglich gewisse Dinge an der Musik ändern wollen?

Keiner meiner Songs ist perfekt. Ich habe überall Stellen in den Songs die mich verrückt machen, da sie mir erst im Nachhinein aufgefallen sind. Wenn ich aber nicht auf den Rat meiner Mutter hin einfach gesagt hätte: „Fertig“ wäre ich heute noch am Mischen. Die Songs habe ich alle erst im Mixing-Prozess ganze fertig geschrieben. Manche stellen nochmal eingespielt oder eingesungen. Das ist das Schöne, wenn man selbst das Mischen übernimmt. Man kann jeder Zeit kleine Fehler bearbeiten, oder die Songs umarbeiten. Um die Antwort abzuschließen, es gibt Sachen die ich ändern würde, aber ich hab die kleinen Makel mittlerweile auch irgendwo lieben gelernt.

Im Videobeitrag vom Alex sagst du, die Platte wurde im Januar aufgenommen. Diverse Ambient Elemente hast du live im Wald recorded. Unter uns, wie lange hast du im kalten Winter von Bamberg dort aufgenommen?

Im Winter habe ich relativ wenig aufgenommen. Es war eigentlich mehr der Sommer 2016, in dem ich aus Spaß einfach mal alles aufgenommen habe was cool klang. Ob jetzt draußen im Wald, am Bach, oder bei Gewitter im Garten. Im Winter stelle ich mich nicht raus, ist doch arschkalt! Da friert man ja fest, wenn man sich nicht bewegen darf, um die Umgebung gut aufzunehmen. Außerdem hab ich im Winter noch nicht wirklich oft Vögel zwitschern hören. Obwohl die Winter ja mittlerweile so warm sind, dass es fast schön möglich ist im Dezember brütende Vögel aufzunehmen. Danke Klimawandel!

Was man deutlich hört, du verstehst was von Harmonien, Melodien und Rhythmen. Ich denke mir daher, Nemus ist nicht deine erste Band. In welchen Bands hast du vorher gespielt oder spielst doch noch?

Ich habe um ehrlich zu sein nicht auch nur einen Hauch von theoretischem Wissen was Musik angeht. Ich mach einfach das was sich in meinen Ohren gut anhört. Bin damit bis jetzt auch immer ganz gut gefahren. Das macht das ganze viel intuitiver, als sich zu überlegen in welcher Moll-Tonleiter man sich jetzt befindet. Glaub ich zumindest, ich weiß es ja nicht besser.

Nein, Nemus ist nicht meine erste Band. Ich hab in Schulbands angefangen und dann mit Deathcore und Metalcore Bands weiter gemacht in denen ich immer als Schlagzeuger gedient habe. Leider war ich immer der Einzige im Bekanntenkreis, der Blastbeats auf 220 BPM über 2 Minuten durchgehalten hat, deswegen durfte ich mich nie an die Gitarre begeben. Das hat mit Nemus jetzt aber zum Glück ein Ende gefunden! Black Metal war zudem meine große Liebe seitdem ich 11 bin. Ich habe aber leider nie Leute kennen gelernt, die Interesse an einem Black Metal Projekt hatten. Deswegen waren bzw. sind die Bands in denen ich spielte bzw. spiele sehr Corelastig. Die Band in der ich momentan noch am Schlagzeug sitze heißt So Far und ist in dem Genre Deathcore zu Hause.

Die Geschichte in deiner Musik ist schon sehr kreativ. Kraftwerk oder Fear Factory erzählen in ihrer Musik wie Mensch und Maschine verschmelzen und du Mensch und Baum. Welche Künstler oder Einflüsse haben dich für dieses Album inspiriert?

Wie schon gesagt waren Agalloch ein riesiger Einfluss. Aber auch Lantlos, Alcest, Der Weg Einer Freiheit, Agrypnie, Woods Of Desolation, Mgla unsw. Ansonsten ist der Unfug mit dem Mann-Baum eigentlich einfach nur in meinem Hirn herumgespukt und ich hab das ganze in Musik gebannt. Ich wollte eben im Stiel von Carach Angren eine ganze Geschichte mit Anfang und Ende schreiben. So etwas wie ein Metal-Hörbuch. Mit verschiedenen Abschnitten und Kapiteln in Form von Songs. Deswegen finde ich es auch doof, wenn mein Album auf einzelne Songs reduziert wird. Es ist ein in sich verwobenes Ganzes. Jeder Song trägt nur seinen Teil zu der Geschichte bei.

Wenn du jemanden die Geschichte zu dem Album erzählst, wie reagieren die Leute? Ich persönlich musste als erstes etwas Lachen und dachte: Wie abgedreht und geil ist sowas denn?!

Schön, dass du Lachen musstest! Vielleicht war das auch ein wenig meine Absicht mit dem Album zu amüsieren. Ich nehme mich und meine Musik nicht zu ernst. Ich liebe Black Metal, aber ich finde die Attitüde die dahinter steckt mit dem Elitegedanken ein wenig eingefahren. Ich brauche auch keine langen Haare und ausschließlich schwarze Klamotten, um Metal zu hören.

Meistens lachen die Leute, wenn ich von der Idee hinter dem Album erzähle. Oder sie fragen ob ich Drogen nehme. Um meine Aussage beim Parabelritter zu revidieren, ich nehme keine Drogen. Wirklich. Ich finde, dass mein Artwork, welches übrigens von meinem Schwager Simon (Cakesvy) gemalt wurde, den Leuten dann doch das Lachen ein bisschen im Hals stecken bleiben lässt. Wenn man das Cover ansieht glaube ich kann man ganz gut verstehen, um was es in meiner Musik geht. Eigentlich ein verdammt trauriges Thema. So das ganze mit dem im Baum stecken, aber trotzdem noch denken können. Ist ja nicht so, dass mein Baum-Mensch wie Steven Hawkins auf einen Knopf drücken könnte, um sich dann mitzuteilen. Wer hört einen auch so mitten im Wald.

Das Album gibt es seit paar Wochen als CD zu kaufen. Veröffentlichungen aus dem Black Metal sind bekannt für ihre limitierten Auflagen. Meine Frage daher, a) wie hoch ist die Auflage der CD und b) denkst du an einer Vinyl-Veröffentlichung mit einem Artwork aus Holz oder einer Vinyl aus Holz (ja sowas gibt es schon)?

Und darauf bin ich Stolz das ganze in physischer Form zu haben! 500 Stück gibt es, wenn die Nachfrage steigt werden noch mehr gepresst. Bis jetzt sieht es aber gut aus und ich glaube der Pressauftrag für die nächsten Scheiben könnte bald kommen, wenn es so weiter geht.
Ich hab da eigentlich nichts im Sinn gehabt bis jetzt, aber wenn sich ein Label dem annehmen will, gerne! Solange ich eine davon für meinen Plattenspieler und eine für den Plattenspielen meiner Oma bekomme, die meine Musik übrigens sehr mag, dann bin ich dabei!

„Es ist ein in sich verwobenes Ganzes. Jeder Song trägt nur seinen Teil zu der Geschichte bei“

Sind weitere Merchandise-Artikel wie Shirts oder Pullis in Planung?

Ich will auf jeden Fall in Eigenregie ein paar Patches fertigen lassen und vielleicht noch ein zwei Shirts. Aber überwiegend für meine Freunde und Bekannten. Ich glaube nicht, dass es sich genug Interessenten dafür finden lassen würden das ganze in großen Stückzahlen zu produzieren. Find ich aber auch ganz ok so. Somit bleibt es exklusiv!

Wie soll es mit Nemus weitergehen? Einige Besucher auf Facebook würden das Projekt gerne Live sehen. Könntest du dir vorstellen die Band um 3-4 Mitglieder zu vergrößern um auch Live die Musik zu präsentieren?

Ich habe das Projekt eigentlich nur aus dem Grund gegründet, um eine Plattform zu haben auf der ich Alltagsemotionen loswerden und bisschen mit meiner sehr ausgeprägten Fantasie rumspielen kann. Ich werde auf jeden Fall weiter Musik für Nemus machen, aber eine Live-Band habe ich im Moment noch nicht im Sinn. Vielleicht irgendwann, wenn ich hoffentlich noch ein wenig an Bekanntheit gewinne. Aber das kann man ja bekannter Weise nicht erzwingen. Ich werde auf jeden Fall versuchen Ende 2017 die zweite Platte fertig zu haben. Diesmal mit einem etwas H2O bezogenem Thema. Und was danach mit Nemus passiert steht in den Sternen. Übrigens hab ich noch ein zweites Ein-Mann-Projekt in den Startlöchern! Ist aber noch geheim!

Frank! Vielen Dank für deine Zeit und das Interview. Gibt es noch was du zum Abschluss loswerden möchtest?

Ich danke für die intensive Recherche und dein Engagement bezüglich Nemus! Das ehrt mich sehr! Ist echt ein super Gefühl zu wissen, dass es Menschen gibt die was mit meiner Musik anfangen können. Immer schön melancholisch bleiben!

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Bildquellen

  • NEMUS – Die Ein Mann Armee im Interview: Frank Riegler, Nemus
Kjo

Kjo

Die Basis für den Lärm den ich heute höre, legten in meiner Kindheit Elvis und The Rolling Stones. Beide Künstler sind „always on my mind“.

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