VARG – Interview – deutsch

Neue alte Zeiten

Mit dem neuen Album „Zeichen“ zeigen die Wölfe Zähne und beißen kraftvoll zu (Review hier ). Thematisch haben sie sich auf dem Album komplett der nordischen Mythologie und den Wikingern gewidmet. In ihren Videos präsentieren sie sich sehr authentisch mit aufwendig geschneiderten Gewändern. VARG (Facebook) scheint sich also intensiv und ausgiebig mit der Thematik auseinandergesetzt zu haben. Außerdem haben sie ein neues Mitglied in ihrer Mitte begrüßt und die eine oder andere Überraschung hält die neue Veröffentlichung „Zeichen“ zusätzlich noch bereit. Bei so einer Leidenschaft für das Thema Wikinger und nordische Mythologie drängen sich natürlich einige Fragen auf. Und wie es der Zufall so will, hat sich das neue Mitglied Fylgja VARG unseren Fragen gewidmet.

Faszination Wikingerkult

MH: Woher kommt Eurer Meinung nach die allgemeine und Eure persönliche Faszination für die Sagen und Geschichten rund um das Thema Wikinger?

Fylgja: Grundsätzlich denke ich, dass die Menschen die Wikinger aufgrund ihrer Wertvorstellungen bewundern. Gemeinschaft, Familie, Ehre und Freiheit sind von großer Bedeutung für die Wikinger gewesen. Ich denke, dass macht die Wikingerzeit so mitreißend. Starke, konsequente Persönlichkeiten, für die Mystik, Gemeinschaft, Familie, Ehre und Freiheit an höchster Stelle stehen. Allein die Vorstellung einen ehrenvollen Tod zu erleben, nach Walhalla zu kommen und all jene wiederzusehen die man verloren hat, ist doch eine schöne und mitreißende Sache, oder? 

In der Wikingerzeit leben?

MH: In welche Zeit würdest Du reisen, wenn es die Möglichkeit einer Zeitreise gäbe? Wäre es tatsächlich die Zeitspanne um 793 n. Chr. als Wikinger in den nordischen Ländern?  Wo und wie würdest Du leben wollen? 

Fylgja: So mitreißend und interessant diese Zeit auch ist würde ich persönlich nicht gerne eine Zeitreise machen, um dort dann wirklich zu leben. Die Zeit damals war hart, gewaltvoll und ohne moderne Medizin. Das ist Luxus, den man heute nicht missen möchte, zumal die Lebenserwartung damals wirklich sehr niedrig war. Jedoch würde ich gerne mal einen 2-Tages Ausflug ins Haithabu von damals machen, um wirklich live mit anzusehen wie es damals war.

Alter Ego

MH: Die Songtexte sind passend zu Eurem brettharten Sound per se nicht gerade zimperlich, sondern es geht schon recht hart und brutal zu. Ist dies eine Art sein Alter Ego auszuleben oder ist es einfach nur Eure Art Musik zu spielen mit Texten aus Bereichen, die Euch gerade beschäftigen?

Fylgja: Richtig, dieser Musikstil begleitet uns nun schon seit unseren Anfängen und reißt uns persönlich einfach mit. In Symbiose mit passenden Texten ist das einfach unsere Leidenschaft. Wir möchten gute harte Musik machen mit Texten, die den Leuten die früheren Werte nahe bringen und die alten Geschichten aufleben zu lassen.

MH: Kommen wir mal auf das neue Album „Zeichen“ zu sprechen. Wie seid ihr grundsätzlich an das neue Album herangegangen? 

Fylgja: Zunächst einmal haben wir die Musik komponiert. Dann jedes Lied einzeln auf uns wirken lassen, um herauszuhören welche Geschichte es uns erzählt. So sind nach und nach die Texte und das gesamte Thema um „Zeichen“ entstanden.

Ideen und Ziele

MH: Von wem kamen die Ideen für die Songs und deren Inhalt?

Fylgja: Die instrumentale Kompositionen kamen größtenteils von Morkai, Garm und Freki. Die Texte und die Geschichten hinter jedem einzelnen Song stammen von Freki und mir.

MH: Gab es bestimmte Ziele hinsichtlich Verbesserungen oder Veränderungen für das neue Album? 

Fylgja: Allgemeines Ziel war es unsere Fans der ersten Stunde wieder genau da abzuholen wo sich manche stehen gelassen gefühlt haben, nämlich bei unseren Wurzeln, dem Pagan metal. Wir wollten auf authentische und glaubwürdige Weise die alten Werte und Geschichten aufleben lassen und in gewohnter Härte zurückkehren, was uns meiner Meinung nach gelungen ist.

Veränderungen

MH: In diesem Zusammenhang spielen auch die zwei folgenden Themen eine Rolle:„Auf die Götter“ spielt in einer kurzen Sequenz mit folkloristischen Elementen und cleanem Chorus. Könnte man erwarten, dass Ihr in Zukunft mehr mit solchen Elementen arbeitet?

Fylgja: Aufgrund der Tatsache, dass wir uns sehr viel mit den heidnischen Bräuchen und deren Lebensart auseinandersetzen (auch privat) und Musik Teil dieser Kultur war und ist, werden wir dies sicherlich für künftige Projekte beibehalten und einfließen lassen, wo es passend ist.

MH: Nun zum zweiten Thema: Du wurdest als neues aktives Mitglied bei VARG aufgenommen. Wie kam diese Zusammenkunft zustande? 

Fylgja: Ich bin seit 2016 an Frekis Seite und war bis auf die Ausnahme des Versterbens meines Vaters Ende 2019 auf jedem Konzert dabei und habe mich nützlich gemacht. Ursprünglich bin ich klassische Sängerin und war am Landestheater in Coburg tätig. Meine private Begeisterung für das Heidentum und die Zeit der Wikinger hatte, so denke ich, großen Einfuss auf das Album „Zeichen“. Und wenn man schon eine professionelle Sängerin mitschleppt, wieso das dann nicht nutzen 🙂 So entstand die Idee und aus der Idee wurde dann ganz schnell Musik, was mir unglaublich Spaß macht und eine tolle Erfahrung ist.

VARG als Female-Fronted-Band?

MH: Du bist mit Deinem Gesang bei dem Lied „Fara Til Ranar“ zu hören. Ich persönlich finde das Lied genial. Es verbindet Gefühl mit Kraft und Stärke. Gibt es Bestrebungen Dich in Zukunft ein gesanglich ein wenig mehr einzubinden? 

Fylgja: Vielen Dank, das ehrt mich sehr! Mein Mitwirken hatte von Anfang an nie das Ziel eine Female-Fronted-Band aus Varg zu machen, ich denke das würde auch nicht passen. Sicherlich haben wir schon einige Ideen für kommende Projekte und als neues Mitglied werde ich selbstverständlich auch zu hören sein.

MH: Welche Rolle spieltst Du noch bei VARG? 

Fylgja: Ich bin eigentlich Mädchen für alles. Ideenfindung, Kostüme, Musik, Gesang, Show und nebenbei Mama 🙂

Verrat

MH: Der Song „Verräter“ hat die längste Spielzeit auf dem Album. Ihr habt diesem Thema also viel Zeit gewidmet. Ist es Zufall oder hat es damit einen besonderen, vielleicht persönlichen Hintergrund?

Fylgja: Die Musik hat Garm komponiert und hat diesen Freki und mir tatsächlich als einen seiner ersten für VARG geschriebenen Songs präsentiert. Wir waren beide sofort begeistert. Freki nahm sich viele Stunden Zeit um sich zu überlegen was für eine Geschichte dieser Song für ihn erzählt. So wurde aus dem instrumentalen Gerüst nach ein paar Tagen der erste Song für das neue Album. Ich persönlich denke dass nahezu jeder von uns schon mal einen Ehrbruch im engsten Kreis erleben musste und verbindet damit ähnliche Gefühle wie sie der Song Verräter übermittelt. Deshalb hat dieser Song denke ich für jeden einen persönlichen Hintergrund, so auch für jeden von uns.

Freunde

MH: Bei der zweiteiligen Mediabook-Edition Eures Albums sind alle Songs von „Zeichen“ zusätzlich durch Gastmusikern interpretiert worden. Wie kam es dazu? 

Fylgja: Die Idee kam von Freki, der gerne mit befreundeten Bands der vergangenen Jahre ein gemeinsames Projekt machen wollte und eine Verbindung schaffen wollte.

MH: Wie hat die Auswahl der Künstler stattgefunden und hat jeder Wunschkandidat auch zugesagt? Hatten die Gastmusiker freie Hand bei Interpretation der Songs, so dass stilistisch völlig neue Songs entstanden sind?

Fylgja: Da wir voller stolz sagen können dass Gastsänger Freunde von uns geworden sind, haben glücklicherweise all unsere Wunschkandidaten zugesagt. Natürlich hat jeder Musiker seine individuelle Art Musik zu machen, deshalb wäre es auch nicht schön zu viele Vorgaben zu machen. Musik ist Herzblut und so hat jeder genau das was er gemacht hat perfekt gemacht und das jeweilige Lied besonders werden lassen. Es war unser Ziel verschiedene Facetten auf CD 2 einzubringen und das ist so gelungen.

Fans und Gänsehaut

MH: Nun seid ihr keine jungen Welpen mehr im Musikgeschäft, sondern habt schon viele Jahre hinter Euch. Ihr seid viel rumgekommen und habt viel erlebt? Nenn uns doch zwei Ereignisse, die Dich am meisten beeindruckt haben.

Fylgja: Am beeindruckendsten für mich ist immer wenn die Fans unsere Texte so laut mitschreien, dass ich mich selbst auf der Bühne nicht mehr von den Fanstimmen unterscheiden kann. 

Ein besonderer Gänsehautmoment war sicher auch unser Auftritt beim Wacken Open Air 2010 (das Jahr indem unser wir unseren „ Durchbruch“ hatten) bei dem wir nicht wussten wie voll es vor der Bühne wird und du dann mit einer Menschenmasse so weit das Auge reicht überrascht wirst. 

MH: Ihr seid auch außerhalb von Deutschland erfolgreich unterwegs. Bestehen Unterschiede bei Konzerten in Deutschland und bei Gigs in anderen Ländern? Hat jedes Land seine eigene Art von Fankultur oder sind die Metalfans alle aus dem gleichen Holz geschnitzt?

Fylgja: Es gibt in jedem Land tolle Fans. Am euphorischsten sind aber sicher die Metalheads in den USA und Kanada!

Wölfe und ihre Haustiere

MH: Haben die „VARG-Wölfe“ eigentlich Haustiere?

Fylgja: Freki und ich haben 2 Katzen, Garm hat ebenfalls eine Katze genau wie Morkai. Er hat eine wunderschöne Maine Coon. Fenrier hat aktuell keine Haustiere, da er beruflich sehr viel unterwegs ist.

MH: Die letzten Worte gebühren immer den Interviewpartnern. Also falls Du noch was loswerden möchtest…

Fylgja: Passt gut auf Euch auf und bleibt uns treu!

Bleibt auch uns treu…

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Bildquellen

  • VARG mit Fylgja_Oliver König-skaliert: VARG Bandfoto über Napalm Records Foto by Oliver König
  • VARG 1_main_Stefan Schuman-skaliert: VARG Bandfoto über Napalm Records Photo Credit: Stefan Schuman

Metalhead

Seit meiner Kindheit höre ich gerne Rockmusik. Es hat mit Gary Moore, Scorpions, Billy Idol, Bon Jovi, Dire Straits, AC/DC usw. angefangen, also quasi mit den Großen der 80'er und 90'er Jahre. Mit zunehmendem Alter ging der Musikgeschmack immer mehr auch in die härtere Richtung. So finden sich mittlerweile auch viele Core-Platten, so wie Black-und Death-Metal Kracher in meiner Sammlung. Daher bin ich in fast allen Bereichen des Rock und Metal unterwegs. Eine besondere Vorliebe habe ich für den Underground entwickelt, wo es richtig brennt und es viele hochklassige Bands gibt, die den Großen der Branche in nichts nachstehen, ganz im Gegenteil. In diesen Sinne: Stay tough, stay heavy!

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