Dan Patlansky + Support Florian Lohoff Band, 31.05.16 FZW Dortmund

Dan Patlansky FZW Dortmund 31.05.16

Wetter von Moll bis Dur

Ein lauer Sommerabend, nach den letzten verregneten Tagen ist das genau die richtige Stimmung für ein Blues-Rock Konzert. Nachdem ich Dan Patlansky bereits im Vorprogramm der Joe Satriani Tour gesehen habe, war ich total gespannt auf einen Headlinergig von Dan. Die Spielzeit als Satriani-Support war mir eindeutig zu kurz.

Doch erstmal ist Florian Lohoff mit seiner Band dran. Die geräumige, kleine Halle bietet geschätzt Platz für 400 Zuschauer. Leider haben an diesem Abend jedoch nur ca. 40 Personen den Weg ins FZW nach Dortmund gefunden. Wie sich später herausstellt, war das für den Zuschauer nicht von Nachteil.

Die Florian Lohoff Band betritt die Bühne. Florian wünscht den Anwesenden einen guten Abend. Hierzu ist bei der privaten Atmosphäre kein Mikro nötig. Proberaumfeeling. Der Vierer mit Bass, Gesang/Gitarre, Drums und Keyboard zeigt uns, dass hier zwar Proberaumfeeling herrscht, dies aber kein Nachteil für die Show ist. Als ob 2000 Mann im Publikum stehen würden geht’s los. Florian spielt eine schöne Gibson Les Paul aus dem Jahre 2008 in Honeyburst. Sieht toll aus und klingt auch so. Fett. Ähnlichkeiten beim Aussehen mit der berühmten „Greenie“ sind nicht von der Hand zu weisen. Die Jungs rocken wie Sau. Mal mehr bluesig, mal mehr rockig.

Florian Lohoff Band FZW Dortmund 31.05.16

Florian haut ab und zu mal ein fetziges Solo raus. Wow. Das macht Spaß. Der Berliner und seine Hamburger Bandunterstützung geben alles trotz kleinem Publikum. So soll es sein. Florian setzt sich zu einem Soloteil eines Songs auf den Bühnenrand. Musik hautnah. Das geht nur bei kleineren Veranstaltungen. Alles in allem eine super Performance der ganzen Band, obwohl das Hauptaugenmerk auf dem Gitarristen/Sänger Florian liegt. Die Bandmitglieder werden einzeln vorgestellt und bekommen auch ihren verdienten Applaus. Trotz meiner größeren Affinität zu Metal, bin ich von den Socken und kauf mir nach dem Aufritt bei Florian die neueste CD. Ebenen noch auf der Showbühne, jetzt am Merch. Einen neuen Fan hat er heute schon mal dazu gewonnen. Würde ich gerne nochmal sehen. Augen aufhalten.

Warten auf Dan Patlansky

Die kurze Umbaupause wird von den meisten zum Frischlufttanken bzw. Zigarrettenluft atmen genutzt. In der Halle ist es schwül und ein frischer Luftzug tut gut, bevor es gleich bei Dan Patlansky heiß hergehen wird. Die ordentlich abgerockte Fender steht schon hinten am Bühnenrand und wartet sehnsüchtig darauf, dass man sie endlich benutzt. Dan greift sich seine Gitarre, begrüßt kurz das Publikum und legt mit dem rockigen Track „Sonnova Faith“ los. „Stop the Messin'“ schlägt in die gleiche Kerbe. Patlansky hat einen super Sound und zieht die wenigen Zuschauer doch direkt in seinen Bann. Neben seinen Fähigkeiten an der Gitarre macht Dan Patlansky auch so auf der Bühne eine gute Figur. Hier kann man sehen, dass er die Musik lebt, die er spielt. Das ist nicht einfach nur so heruntergespielt, hier wird bei jeder Note mitgelitten und mit vollem Körpereinsatz mitgelebt.

Gear Talk

Dans Fender Stratocaster ist ein übelst abgerocktes Model. Sieht wahnsinnig gut aus. Er hat die Gitarre bei Vintage Gear auf dem Sunset Strip in Los Angeles gekauft, nachdem er dachte, dass seine 63er Strat „Old Red“ bei Hurricane Kathrina zerstört worden wäre. Seine neue nennt er liebevoll „The Beast“, eine 61er Custom Shop Strat. Patlansky hatte zwischenzeitlich mal den Hals der Original 63er Strat auf „The Beast“ geschraubt, und nannte sie die „Mega Strat“ weil sie sich so perfekt spielen lies. Eine schreckliche Vorstellung für alle Vintage-Puristen. Genug Gear-Talk.

Rip it up

Der größte Teil der heute Abend gespielten Songs stammen von seiner brandneuen CD „Introvertigo“. Das Review dazu gibt es HIER. Manche Songs sind bluesiger gehalten („Poor old John“), aber die meisten rocken richtig nach vorne. Zusammen mit einer Prise Funk und Dans wohlklingender Stimme, eine gute Mischung. Für „Heartbeat“ nimmt Patlansky seine zweite Gitarre, eine weiße Fender Strat, gestimmt in Drop Stimmung, und sein goldenes Bottleneck zur Hand. „Heartbeat“ ist ein etwas härterer Song mit einem coolen Slideriff. Einfach großartig.

Dan Patlansky FZW Dortmund 31.05.16

Dynamics for President

Um nochmal auf die kleinere Location mit wenigen Zuschauern zurückzukommen. Hier zeigt sich wozu so ein Gig, Face to Face mit dem Musiker gut sein kann. Patlansky spielt unheimlich viel mit der Dynamik seiner Gitarre. Er benutzt sehr oft den Volumeregler, um von cleanem Sound zu verzerrtem Sound zu wechseln, und umgekehrt. An manchen Stellen spielt er so leise, dass man fast eine Stecknadel im Raum fallen hören könnte, um im nächsten Moment mit Vollgas ein Solo zu spielen, dass einem fast das Hosenbein wegweht. Das führt soweit, dass er sogar einmal das Volumen ganz zurückdreht und man sein Spiel nur noch pur und trocken von der Gitarre selbst hört. Das geht nur bei so kleinem Publikum. Kein Zuschauer wagte, in diesen Sekunden der Stille auch nur ein Wort zu sagen, so leise war es in der Halle. So was habe ich vorher noch nie gesehen.

Solotime

Am regulären Ende des Sets gibt es noch ein Solo von Dan, auf das ich schon sehnsüchtig gewartet habe, da ich ihn auf Tour mit Joe Satriani bereits gesehen hatte. Ich sollte nicht enttäuscht werden. Als Patlansky den Gurt seiner Gitarre abnimmt, weiß ich: Jetzt geht’s los. Er hält die Gitarre vor sich und schüttelt sie ein wenig. Dann hält er sie hochkant mit einer Hand und bearbeitet die Saiten mit den einzelnen Fingern wie ein Klavier. Auch am offenen Tremolofach wird sich zu schaffen gemacht, um dem Instrument wohlige, lustvoll schreiende Töne zu entlocken. Alles das kann ich gar nicht so faszinierend beschreiben, wie es in Wirklichkeit ist. Ich hoffe, die von mir gemachten Fotos (unten im Artikel) lassen euch ein wenig den Reiz des Abends und des Solos nachempfinden.

Da es bei so einem Gig hauptsächlich um Gitarristen/Sänger Dan Patlansky geht, habe ich nicht viele Worte über seine Mitstreiter auf der Bühne verloren. Die Band bestehend aus einem Drummer, Keyboarder und Bassisten, hat ein solides Fundament gelegt, worauf der Hauptdarsteller sein Feuerwerk aus Riff, Licks und Gesang bestens abfeuern konnte. Der Abend hätte nicht besser laufen können.

Fazit

Auf der einen Seite bin ich froh, dass heute Abend eine so familiäre Athmosphäre in Dortmund geherrscht hat. Ein Konzert dieser Art zu erleben, ist etwas ganz besonderes. Andererseits wünsche ich Dan Patlansky, dass er vor einem riesen Publikum spielen kann, weil er es einfach verdient hat. Jeder, der an diesem Abend nicht dabei war, hat definitiv so einiges verpasst. Da bleiben mir nur noch zwei Bitten übrig. Erstens: Leute, rafft euch auf und geht zu einem Auftritt von Dan Patlansky! Zweitens: Dan, bitte mach eine Live Blu-Ray von einem Konzert dieser Tour. Ich muss das einfach nochmal sehen. Dan hat auch einen Facebook Account, den er selbst unterhält. Lasst ihm mal ein Like da.

In diesem Sinne. Wir sehen uns auf einem der nächsten Gigs.

Euer Chipsy


 


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Bildquellen

  • Florian Lohoff Band FZW Dortmund 31.05.16: (c) Chipsy/www.metal-heads.de
  • Dan Patlansky FZW Dortmund 31.05.16: (c) Chipsy/www.metal-heads.de
Chipsy

Chipsy

Mag am liebsten Prog, 80's Metal, Thrash und instrumentelle Gitarrenmusik. Gitarrenverrückter Gear Sammler.

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