Joe Bonamassa – 24.02.2016 Konzertreview – Dortmund, Westfalenhalle

Der Meister ruft seine Jünger

Der gute Joe ruft – und seine Jünger kommen. Stop, halt! In Jünger steckt das Wort „jung“ und gemessen am Durchschnittsalter der an diesem Tage Anwesenden (uns anwesende metal-heads.de eingeschlossen), korrigieren wir einfach mal auf Mitteljünger, ohne hier jemandem auf die Füße treten zu wollen. Joe Bonamassas Musik spricht glücklicherweise Jung und Alt zugleich an, allerdings sind die knackig teuren Tickets eher nichts für „Jung“.

Spärlich gefüllte Ränge

Die Westfalenhalle füllt sich an diesem Abend leider nur spärlich, etliche Plätze auf den Rängen und in den unteren Reihen bleiben unbesetzt – eventuell gibt es einen Zusammenhang mit den oben erwähnten, knackigen Preisen.

Der alte und der neue Joe

Als ich Joe das erste Mal in 2005 live vor 50 zahlenden Gästen erlebte, kam der Schweiß von der Decke, die Menge tobte und bewegte sich zur Musik, der Gitarrengott explodierte förmlich vor Energie und Spielleidenschaft. 11 Jahre später sieht die Welt etwas anders aus. Schweiß tropft hier nirgendwo mehr, und als eine Dame aufsteht um sich zur Musik zu bewegen, wird sie gebeten sich wieder zu setzen. Willkommen im professionellen Entertainment.

Tolle Setlist, wahnsinniger Sound

Joe ist trotz aller Veränderung immer noch richtig gut und bietet am 24.02. eine tolle Setlist mit grandiosem Sound. Begleitet wird er von seinen Buddies Anton Fig (dr), Michael Rhodes (b) und dem unfassbar grandiosen Reese Wynans, der einst mit dem wohl besten Texas Blues Gitarristen aller Zeiten, nämlich Stevie Ray Vaughan, bis zu seinem viel zu frühen Tod im August 1992 zusammenspielte. Damit nicht genug, denn für die funkigen Grooves sorgten die beiden Größen Paulie Cerra (sax) und Lee Thornburg (tr) auf extrem hohen Niveau! Letzterer bekannt durch seine Arbeit bei Tower Of Power.

Simples Bühnenbild

Die Bühne ist für diese Tour simpel gehalten. Keine Extras, keine Bildschirme oder Sonstiges. Dennoch begeistert das Licht. Geschmackvoll wechseln sich Orange- und Gelbtöne, das ganze wird unspektakulär, hat aber seinen speziellen Reiz.

Als Intro ertönt Johnny CashsRing Of Fire“, danach entert der Meister bewaffnet mit einer Strat die Bühne. Langsam, bis sehr langsam groovt der Trupp sich ein, um bei „Blues Of Desperation„die ersten Höhepunkte zu setzen. Orientalische Klänge und fette Slides wechseln mit tollem Dynamikspiel. Dabei klingt die Les Paul fantastisch. „No Good For The Lonely“ erinnert dann direkt an Gary Moore und kulminiert in einen hitverdächtigen Refrain. Bisher fehlen zwar die großen Momente, doch dann greift Joe durch und lässt das Instrument aufheulen und singen – der Abend kann also beginnen.

Der Blick des Chefs

Never Make Your move To Soon“ wird uns in einer extrem funkigen und relaxten Version serviert. Klasse. Das paßt. Und das Sax-Solo garniert das Ganze entsprechend stilvoll. Routiniert lenkt Joe die Band mit Blicken und stillen Anweisungen und so bekommt jeder der Musiker seinen Slot. Der Mann hinter der Vintage Les Paul ist warm gelaufen – nein er schwitzt noch nicht! Und die Menge kocht auch noch nicht! Doch zumindest fühlt sich Joe Bonamassa  bereits so locker und geschmeidig, dass er im Song „Angel Of Mercy“ ein fulminantes Introsolo zum Besten gibt. Hiernach begleiten ihn die Mitmusiker gewählt sparsam durch einen klassischen Blues, der mit einem geschmackvollen Drumsolo endet.

Über sieben Songs musst du gehen….

Erst nach dem siebten Song wird das Publikum begrüßt. Die Kommunikation ist mager an diesem Abdend und der Faden zwischen Zuschauern und Musikern will nicht so richtig gesponnen werden. In kurzen Worten gibt es das übliche „Ich bin so gerne in Deutschland“ und das war es auch schon.

Vielleicht hängt dem Saitenverbieger scheinbar noch der Jetlag im grau gesteppten Anzug an.

Jimi wird es richten

Als Jimi Hendrix „Hey Baby“ angestimmt wird, zeigt das Hallen-Publikum endlich einmal die gewünschte Reaktion. Klar, Hendrix sorgt immer für Begeisterung und das ist auch gut so. Joe interpretiert das Stück besser als es wohl irgendjemand sonst könnte. Logischerweise folgt „Oh Beautiful“ vom letzten Album, welches nahtlos in „Love Ain’t A Lovesong“ übergeht. Zu erwähnen wäre, dass Joe hier die Dynamik bis auf ein Null-Level herunterbringt. Heißt für alle Gitarren-Experten unter uns: man hört fast schon den akustischen Anschlag! Joe treibt die Vintage Strat mit Swells zu einer kleinen Soloextase – Hut ab. Die vier Tweed Amps, die wie gewohnt hinter Plexiglas gesperrt werden, tun ihr Übriges zum perfekten Sound.

Freies Spiel bei den letzten drei Nummern

Insgesamt nimmt man sich jedoch leider bis zu den letzten drei Nummern viel zu wenig Freiheiten. Oft wirkt das Programm straff durchorganisiert und abgestimmt. Selten kommen die Musiker aus dem Flow heraus in Improvisationen oder spielen sich die Bälle zu. Letzlich wartet man bis zur 15. Nummer „Ballad Of John Henry“ , bei welcher Bonamassa ganz im Stile eines Derek Trucks mit dem Slide improvisiert und einen Hauch indischer Sitarmusik durch die Halle strömen lässt.

Sloe Gin ist der Überhit

„Sloe Gin“ und „Nobody Loves Me But My Mother“ erzeugen dann aber richtiges Hit-Feeling. Die beiden Nummern werden abgefeiert – zivilisiert versteht sich – Joes Ode an BB King ist grandios.

Irgendwie geht es immer besser

Was bleibt unterm Strich? Gemischte Gefühle, denn irgendwie sprang der Funke nicht über und das hat Joe Bonamassa nicht verdient. Dennoch trägt er auch selbst etwas dazu bei. Unbestuhlt in einer kleineren Halle, mit etwas mehr Kommunikation, hätte der Abend vielleicht den nötigen Glanz gehabt. So bleibt ein wenig der Eindruck einer Werksschau, die trotzdem zu begeistern wusste aber auch Fragezeichen – vor allem hinsichtlich der Ticketpreise im Vergleich zum Gebotenen – hinterlässt.

Playlist:

Locomotive Intro – Reese

This Train

Mountain Climbing

Blues Of Desperation

No Good Place For The Lonely

See See Baby

Never Make Your Move To Soon

Angel Of Mercy

Hey Baby

Oh Beautiful

Love Ain’t A Lovesong

Nobody Loves Me But My Mother

Gave Up Everything For You

Going Down

Sloe Gin

Ballad Of John Henry

All Aboard

 

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Bildquellen

  • Joe Bonamassa 24.02.16 Dortmund Westfalenhalle 1: (c) metal-heads.de/ Chipsy
  • Joe Bonamassa 24.02.16 Dortmund Westfalenhalle 1: Bildrechte beim Autor
  • Joe Bonamassa 24.02.16 Dortmund Westfalenhalle 1: Bildrechte beim Autor
  • Joe Bonamassa 24.02.16 Dortmund Westfalenhalle 1: Bildrechte beim Autor
  • Joe Bonamassa 24.02.16 Dortmund Westfalenhalle 1: Bildrechte beim Autor
  • Joe Bonamassa 2015 -Titelfoto: Bildrechte beim Autor

Blues Mike

Als ich 12 war, gab mir ein Freund die Nummer des Teufels. Unter dieser Nummer meldete sich sein Assistent, der Meister der Puppen. Er sagte mir, dass es Rost im Frieden gibt und ich fortan mit meiner Gitarre um Gerechtigkeit für Alle kämpfen sollte!

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Eine Antwort

  1. Gabi Höhmann sagt:

    Hallo zusammen, auch ich war im Konzert in der Westfalenhalle und denke ebenso sehnsüchtig zurück an die großartigen Gigs im alten FZW vor über 10 Jahren. Ja, da durfte man noch so richtig mitfeiern, mitklatschen und sich begeistert zeigen. Irgendwie hätte ich es auch ahnen können, dass Joes Musik und eine Saalbestuhlung absolut inkompatibel sind. Dann schwelge ich jetzt doch lieber in der Vergangenheit und erinnere mich an wunderbare Auftritte in kleinen Clubs und Joe direkt vor meiner Nase. Den Artikel habe ich mit großer Freude und Zustimmung gelesen.

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