SAVATAGE-„Edge Of Thorns“ & „Handful Of Rain“ als Vinyl

Die begnadete Band

SAVATAGE (Homepage/Facebook) hatten das Kultalbum „Streets-A Rock Opera“ erschaffen, was allen Beteiligten viel Blut, Tränen und Schweiß abverlangt hatte. Dafür war es ein Album, dass in die Analen der Musikhistorie einging. Daher ist es auch Teil unserer Serie von „Streets“, die ihr hier seit einiger Zeit lesen könnt und die sehr interessanten Hintergründe dieses Albums offenbart (Link zu Teil-1-). Nach „Streets“ gab es das

Album „Edge Of Thorns“.

Dieses war für mich auch immer eines meiner Lieblingsalben der Band. Es ist ein vollendetes Album, das die ganzen Stärken der Band auf vortreffliche Art wieder einmal offenbarte und man merkte den Songs an, dass sie an der wahnsinnigen Herausforderung mit „Streets“ gewachsen waren. Es zeigte offenkundig, was sie bei der Produktion von „Streets“ gelernt hatten. Für mich gab es damals nichts vergleichbares. Einen Wehrmutstropfen gab es dann allerdings doch. Jon Oliva musste aufgrund gesundheitlicher Probleme, die seine Stimmbänder betrafen, das Mikro aufgeben. Dafür fiel die Wahl auf

Sänger Zachary „Zak“ Stevens,

der gesanglich ebenfalls ganz großes Kino darstellt. Er klingt nicht ganz so rau wie Jon, aber seine Stimme ist trotzdem großartig und wird dem hohen Anspruch bei SAVATAGE mehr als gerecht. Auf diesem Album vereint die komplette Band alles, was man sich wünscht. Melodien zum Niederknien, Power bis zum Abwinken und eine Songwriting, dass keine Wünsche offen lässt und traumhafte Unterhaltung bietet, die eine tiefe Atmosphäre entstehen lässt (auch wenn nicht ganz so ergreifend wie bei „Streets“). Traurigerweise war es das letzte Album mit dem unvergleichlichen Gitarristen Criss Oliva, der nach Veröffentlichung des Albums im Jahre 1993 durch einen tragischen Verkehrusunfall ums Leben kam (besoffener Autofahrer knallte bei einem Überholvorgang frontal in das Auto von Criss und seiner Frau, die auf dem Weg zu einem Festival waren.)

Höhepunkt jagt Höhepunkt

Es fällt schwer irgendwelche Highlights auf einem Album herauszustellen, welches nur so vor Genialität strotzt. Meiner Meinung nach zeigen sie sich noch variabler. Härte, Gefühl und kreative Ideen gehen hier noch mehr Hand in Hand. Das Songwriting ist noch extravaganter, doch immer noch original SAVATAGE. Sie waren ihrer Zeit irgendwie voraus. Noch heute könnten sich viele Bands ein Beispiel an diesem spannenden Songwritingkonzept nehmen.

Der Opener und Titelsong „Edge Of Thorns“ beweist sofort, was hervorragendes Songwriting bedeutet. Beginnend mit dem sanften melodischen Teardrop Piano geht es mit dem Riffing langsam in die kraftvolle Richtung. Eine schöne Atmosphäre wird aufgebaut, bei der Zak eine erste beeindruckende Kostprobe seiner Künste präsentiert. Und gerade, wenn man denkt, dass noch etwas mehr passieren könnte, erfüllen SAVATAGE diesen Wunsch. Die Stimmung wird wilder und man bekommt das erste geniale Gitarrensolo zu hören. Dann lässt ein treibender Bass seine Muskeln zum Solo spielen. Super gemacht!

Die Stimmung bleibt melancholisch

He Carves His Stone „ wird so gefühlvoll mit cleaner Gitarre und zartem Gesang eröffnet und dann schlackert man mit den Ohren, wenn der Song langsam aber sicher zu einem rasenden Kracher mutiert. Man rechnet wirklich nicht damit, denn SAVATAGE setzen immer noch einen drauf. Die Gitarrensoli von Criss sind mal wieder unvergleichlich und atemberaubend. Die letzte Minute ist Ekstase pur.

Weiter geht’s mit dem massiven Schnellrocker „Lights Out“ oder dem groovigen „Scraggy’s Tomb“. Die dunkle Power Ballade „Follow Me“ kann man einfach nicht besser machen. Dieser ungewöhnliche Gesangspart ab der zweiten Minute kommt völlig überraschend und leitet nach einem emotionalen Ausbruch das mystische Solo an.

Auf diesem Album wagt sich Zak an die Ballade „All That I Bleed“, die zu Beginn nur mit einem Piano begleitet wird. Dies erinnert an die Ballade „A Little To Far“ vom Album „Streets“. Im Unterschied zu dieser wird aus „All That I Bleed“ im Verlauf jedoch eine kraftvolle Nummer. Und es offenbart sich wieder mal, dass Criss Oliva ein begnadeter Gitarrist war, der es einfach drauf hatte sich perfekt in einen Song einzufügen. Sein Gespür für die Musik und sein Gitarrenspiel waren legendär.

Dazu passt auch der Kommentar von Jon Oliva zu dem Album:

Viele der Songs wurden für Criss‘ Gitarrenspiel geschrieben. Ich erinnere mich, dass die letzten Songs, die Criss, Paul und ich zusammen geschrieben haben, ‚All That I Bleed‘ und ‚Miles Away‘ waren. Das sind noch immer meine beiden Lieblingsstücke auf dem Album.“

Pressetext CMM GMBH / earMUSIC

Das Album „Handful Of Rain“

Die Band musste also einen harten Schicksalsschlag mit dem Tod von Criss Oliva verkraften. Sie ehrten ihn mit dem Album „Handful Of Rain“. Ebenfalls ein sehr starkes Album, das mit überragenden Songs glänzt. Den Beginn erkämpft sich der wütende Song „Taunted Cobra“, der direkt mit gestreckter Faust einschlägt. Nach dem ersten K.O.-Schlag beginnt der Titelsong „Handful Of Rain“ rein akustisch mystisch melodisch. Allerdings lassen die Riffs nicht lange auf sich warten und man wird mit einer saftigen Rocknummer belohnt. Die schmutzigen Leads kommen richtig gut rüber. Und dann plötzlich kommt die Passage mit ein wenig Südstaaten-Country-Feeling.

Das ist das Wunderbare an den Songs von SAVATAGE. Man weiß nie genau, was in dem Song passieren wird. Und was noch zählt, ist die Tatsache, dass die Songs von SAVATAGE alle so individuell gestaltet sind, dass sie sich ohne Probleme unterscheiden und erkennen lassen. So findet man

die ungewöhnlichste Gesangsnummer

wohl im Song „Chances“. Eine sehr progressive Erscheinung, was sich zum Ende nach dem orchestralen Ausbruch in einem fantastischen Kanon steigert. Wer hat so was schon mal im Bereich Rock oder Metal gehört? Total crazy, aber eben einzigartig und super umgesetzt mit einem monumentalen theatralischen Finale.

Ein wenig Blues gefällig? Ja, kein Problem! Der eher bedächtige Song „Stare Under The Sun“ erfüllt diesen Wunsch sehr gerne und kommt mit leichten Blues Anleihen daher, was der coolen Leadgitarre zu vedanken ist. „Watching You Fall“ greift dieses Thema auch noch mal auf. Bei diesem Album fällt die

teils immense Orchestrierung

auf, die den Songs einen krassen Bombast verleiht. Doch es gibt auch rassige Arsch-Tritt-Rock-Nummern wie „Nothing’s Going On“, die einfach mal konseqent nach vorne beschleunigen ohne großartig nach rechts oder links abzubiegen.

Für SAVATAGE war das „Handful Of Rain“ eine Herzensangelegenheit. Jon kommentiert:

„Handful of Rain“ war das erste Album nach dem Tod von Criss Oliva. Keiner von uns wusste damals, ob das, was wir taten, richtig war, oder ob wir einfach hätten aufhören sollen. Man bot uns viermal so viel Geld für das Live-Tribute an, als wir für ‚Handful of Rain‘ bekamen, aber wir wollten ‚Alone You Breathe‘ machen. Paul und ich mussten diesen Song veröffentlichen, Criss zuliebe. So seltsam es klingt, aber das war das Wichtigste für uns.

Pressetext CMM GMBH / earMUSIC

Und „Alone You Breath“ fährt dementsprechend großes Gefühlskino auf. Der ergreifende Song geht über die Distanz von 07:30 und ist eine mehr als würdige Hommage an den großartigen Musiker Criss Oliva.

Großartige Vinyl-Editionen

von beiden Alben gibt es nun wieder von EarMusic.

“Edge of Thorns“ erscheint als High Quality 45rpm Doppel-LP auf 180g Vinyl im Gatefold sowie als streng limitierte Sammler-Edition auf sonnengelbem Vinyl. Beide Editionen wurden für Vinyl gemastert und mit dem Original-Cover-Design und erweitertem Artwork, einschließlich eines 12-seitigen LP-Booklets, ausgestattet. Die limitierte Sammler-Edition beinhaltet zudem einen Print mit der ikonischen Cover-Illustration.

“Handful of Rain“ gibt es wie gewohnt ebenfalls als 180g Black LP Gatefold Edition sowie als limitierte Collector’s Edition auf transparent blauem Vinyl inklusive dem 12-seitigen Booklet. Die limitierte Sammler-Edition beinhaltet zudem eine Slipmat mit Cover-Print.

Diese Meisterwerke könnte ihr unter folgendem Link erwerben:

earMusic-SAVATAGE return on vinyl !

Newsletter bestellen für wöchentliches Update!

Bildquellen

  • Savatage_EoT_Black: CMM GMBH / earMUSIC
  • Savatage_EoT_Limited: CMM GMBH / earMUSIC
  • Savatage_HoR_Black: CMM GMBH / earMUSIC
  • Savatage_HoR_Limited: CMM GMBH / earMUSIC
  • SAVATAGE HoR Titelbild: CMM GMBH / earMUSIC

Metalhead

Seit meiner Kindheit höre ich gerne Rockmusik. Es hat mit Gary Moore, Scorpions, Billy Idol, Bon Jovi, Dire Straits, AC/DC usw. angefangen, also quasi mit den Großen der 80'er und 90'er Jahre. Mit zunehmendem Alter ging der Musikgeschmack immer mehr auch in die härtere Richtung. So finden sich mittlerweile auch viele Core-Platten, so wie Black-und Death-Metal Kracher in meiner Sammlung. Daher bin ich in fast allen Bereichen des Rock und Metal unterwegs. Eine besondere Vorliebe habe ich für den Underground entwickelt, wo es richtig brennt und es viele hochklassige Bands gibt, die den Großen der Branche in nichts nachstehen, ganz im Gegenteil. In diesen Sinne: Stay tough, stay heavy!

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

2 × eins =