Andi The Wicked: Sexually Transmitted Mojo

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ANDI THE WICKED hat am 11. März 2022 das Solo-Album „Sexually Transmitted Mojo“ herausgebracht. 

Andi The Wicked sagt euch nichts? Das ist Andreas Dötsch, der nicht nur bei STEELPREACHER für coole Soli zuständig ist, sondern auch bei WOLFEN und THE WICKED CHAMBERS gespielt hat.
Außerdem hat er bereits 2016 mit „Freaks on Frets“ ein reines Instrumentalalbum veröffentlicht. Auch sein aktuelles Album „Sexually Transmitted Mojo“ ist ein reines Instrumentalalbum, auf dem Andi zeigt, dass eine virtuos gespielte Gitarre genauso gut Geschichten erzählen kann, wie der Gesang.

Straight and wicked instrumental metal

Die Frage, was von diesem Album musikalisch erwartet werden kann, ist leicht beantwortet: Straight and wicked Heavy Metal. Aber nicht nur das. Der Heavy Metal zieht sich wie ein roter Faden durch die Songs, verknüpft sich aber auch mit Hard Rock, Blues und klassischen Elementen. Andi zeigt, dass sich diese gut verbinden lassen. Gleichzeitig gibt ihm diese Vielfalt die Möglichkeit, ganz unterschiedliche Geschichten zu erzählten.

Oder wie er es in dem Interview sagte, das ich mit ihm geführt habe:

Die Idee war, es komplett instrumental zu machen, wobei die Gitarre den Part des Sängers komplett übernimmt. Daher habe ich auch auf viel Gefrickel verzichtet und mehr mit wiedererkennbaren Melodien und langsamem Legato gearbeitet.
Den Spagat hinzukriegen, dass die Gitarre den Platz des Sängers komplett ersetzt, das ist das Spannende. Das kriegt man nur hin, indem man die Gitarre sozusagen sprechen lässt.

Und das ist ihm erstklassig gelungen!

Sexually Transmitted

Andy The Wicked

Los geht es mit „Staccato Mayhem“. Der Song selbst bietet einen temporeichen Einstieg, der zeigt, zu welcher Saitenhexerei Andi The Wicked in der Lage ist. Aber auch, welche Rolle die Melodie und ein Songaufbau mit Strophe und Chorus auf dem Album spielt. Schon hier zeigt sich, dass es eine gute Entscheidung war, den Drumpart einem ‚echten‘ Drummer zu überlassen. Jan Hinz setzt nicht nur Akzente, sondern treibt den Song mit energischem Drumming an, bis  Andi schließlich ein schön herausgespieltes Solo abliefert.

„Just A Tale“ beginnt langsam, weich und ein wenig verträumt, um dann zunehmend kraftvoller und schneller zu werden. Die Effekte durch die Verzerrung machen den Sound satt und fett. Ab 2:50 gibt es eine wunderschöne Melodie und ab 3:30 kann man sich so richtig in den Song fallen und Bilder entstehen lassen. Das Tapping-Solo setzt ein akustisches Sahnehäubchen auf den Song.

Was unter dem Titel des folgenden Songs „Sexually Transmitted Mojo“ zu verstehen ist? Das darf sich jeder selbst ausmalen. Ob der Hinweis, dass der Besuch beim Urologen etwas damit zu tun hat, dann eher an „sexually transmitted“ denken lässt oder an „Mojos“ im eigenen Leben, ist dem Hörer überlassen. Harte Riffs und melodische Parts formen auch diesen Song.

Dass Andi The Wicked neben fuzziger Saitenakrobatik auch klassisch akustisches Gitarrenspiel drauf hat, zeigt er mit „The Wicked Interlude“ und später mit „The Classical Part Act 2“.

Drama in Four Chapters – der Mittelpunkt des Albums

andi the wicked

„Four Chapters“ besteht aus vier Abschnitten, die durchaus jeweils für sich stehen könnten. Miteinander verbunden ergeben sie ein Drama in vier Akten.

So erzeugt „Four Chapters“ durch verschiedene Spieltechniken, Tempi und Intensität unterschiedliche Stimmungen. Mit einem entrückten Anfang, der von einer heilen Welt erzählen soll, wird es zunehmend rauer und dunkler. Bedrohung wird Zerstörung. In einem großartigen Solo kämpft das Gute gegen das Böse.

Mit diesem Song zeigt Andi The Wicked nicht nur seine spiel-technischen Möglichkeiten, sondern auch seine Qualitäten als Songschreiber und Geschichtenerzähler.

Gut gefallen hat mir hier auch das Drum – Arrangement, das mit dazu beiträgt, dass die Spannung über die 10 Minuten Dauer des Songs nicht abnimmt.

„Heavy Blues“ – so klingt ein Stück, wenn Blues und Heavy Metal sich verbinden. Es ist ein eher fröhlicher Blues, der gerade durch das metallische Fundament einen feinen Groove hat und somit nicht die Schwere, die Bluessongs schon mal haben.

„Too Dumb To Quit“ ist ein witziger Titel für den Schlusstrack eines Albums. Von Drummer Jan Hinz als „Pokémonsong“ bezeichnet – eventuell da der Anfang mit seinem marschierenden Rhythmus und einer strahlenden Melodie durchaus an den Titelsong bzw. das Motto „Schnapp sie dir“ erinnert. Aber der Eindruck bleibt so nicht bestehen, da der Song ein Feuerwerk an Licks, Riffs und Melodien ist. 

„Drunk And Dirty Guitar Solo“ ist eigentlich ein Bonus-Track. Das Solo hat Andi bei der STEELPREACHER-Show gespielt, die auf der „Masters of the Underground“ zu sehen ist.

Dieses Solo greift den roten Faden des Albums noch einmal auf und präsentiert sich als ein Heavy Metal – Solo vom Feinsten.

Instrumental Metal – straight, wicked, rau

Andi The Wicked hat die Saiten sprechen lassen und sein Vorhaben, der Gitarre die Rolle des Sängers zu geben, konsequent umgesetzt. Er hat Geschichten erzählt, die sich der Hörer selbst ausschmücken kann. Dabei zeigt er unaufdringlich seine Virtuosität. Ausgearbeitete Strukturen mit feinen Melodien, rockige und metallische Riffs, Tempiwechsel und gut arrangiertes Power-Drumming machen „Sexually Transmitted Mojo“ zu einem abwechslungsreichen und spannenden Album mit einem fetten Sound.  

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Bildquellen

  • Andy The Wicked: (c) Sebastian Freitag
  • andi the wicked: ACFM Records
  • andi the wicked sexually transmitted mojo review: ACFM Records

Birgit

Iron Butterfly und Jethro Tull haben mir gezeigt, dass es neben Uriah Heep, Black Sabbath und Whitesnake noch etwas anderes gibt. Neugierig geworden höre ich seitdem alles, was sich unter dem Oberbegriff Metal und Rock versammelt. Je nach Stimmung eher Metalcore oder instrumentalen Rock. Mein Herz hängt allerdings am ganzen Spektrum skandinavischer Metalmusik: ob nun Folk-, Progressiv oder Doom-Metal.

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