Fear Factory mit ihrem vielleicht letzten Streich

Fear Factory 2021

1995 habe ich Abi gemacht und Fear Factory ihr zweites Album „Demanufacture“ herausgebracht. Für mein Leben wichtiger war sicher ersteres, aber „Demanufacture“ lief damals rauf und runter und war irgendwie allgegenwärtig. Einfach ein Hammeralbum! Als ich dann das Video zu „Disruptor“ das erste mal gesehen hatte, war das alte Feeling direkt wieder da. Am 18. Juni 2021 ist dann „Aggression Continuum“ bei Nuclear Blast erschienen. Leider wird das zehnte Album wohl auch das letzte bleiben. Sänger Burton C. Bell hat die Band bereits 2020 verlassen und Dino Cazares ist das einzig verbliebene Gründungsmitglied. Aufgrund diverser Rechtstreitigkeiten war das Album zwar schon längst im Kasten (die Vocals wurden beispielsweise bereits 2017 aufgenommen), konnte aber erst jetzt veröffentlicht werden. Einfach schade, aber umso intensiver habe ich mich „Aggression Continuum“ gewidmet. Ob das Album am Ende meinen nostalgischen Erinnerungen und Erwartungen standhalten konnte, verrate ich euch nach dem eben erwähnten Video zu „Disruptor“.

Fear Factory – visuell wie akustisch überzeugend

„Recode“ beginnt mit einem Terminator Sample (aus Terminator Salvation) und gibt so direkt die Richtung vor. Es geht mal wieder um das Verhältnis Mensch und Maschine. Dino Cazares rifft alles in Grund und Boden und darüber thronen die charakteristischen Vocals von Burton C. Bell. Das dazugehörige Video setzt das Ganze auch noch visuell sehr gekonnt um. Grandioser Einstieg! „Disruptor“ bleibt nicht nur wegen des ersten Eindrucks mein Favorit. Das Video gefällt mir noch besser als das zu „Recode“, aber der Song zeigt alles was ich an Fear Factory liebe. Brutales Riffing, präzises Drumming und der Gesang von Burton C. Bell, der gekonnt zwischen Grows und Clear Gesang wechselt. Der Titelsong geht mehr Richtung Thrash als Industrial und mir gefällt besonders das geshoutete „No More“. Beim folgenden „Purity“ wird erstmals ein wenig Tempo rausgenommen, Keyboards kommen stärker zum Vorschein und auch der Gesang ist ein wenig anders. „Fuel Injected Suicide Machine“ klingt ziemlich angepisst und der melodische Refrain will diesmal in meinen Ohren nicht so recht passen und klingt etwas aufgesetzt.

Fear Is The Mindkiller

Die zweite Hälfte wird von „Collapse“ eingeleitet. Erholung gibt es diesmal nicht. Es dominiert Aggressivität, unterstrichen von düsteren Synthies und fast gar kein Klargesang. „Manufactured Hope“ besticht wieder durch die Kombination von fieses Gitarrenriffs und kontrastierenden, leicht dissonanten Keyboardklängen. Der Gesang ist diesmal (für Fear Factory Verhältnisse) nur durchschnittlich. „Cognitive Dissonance“ hat einen gewöhnungsbedürftigen Unterschied zu dem gewohnten Aufbau. Der Refrain ist zwar melodisch wird aber von Burton anders gesungen. Es folgen der kürzeste Song „Monolith“ und zum Abschluss der längste Song „End Of Line“. Ersterer klingt sehr modern, der Klargesang dominiert. Das passt zwar nicht zu meinen nostalgischen Erinnerungen, gefällt mir aber trotzdem. „End Of Line“ ist eine anfangs nicht endend wollende wütende Tirade Bells. Erst nach knapp zwei Minuten fragt er klagend und singend „How can this be reality?“. Das ist auch einer der beiden Songs an denen Rhys Fulber beteiligt ist und in das düstere, cineastische über zwei Minuten lange Outro streut er noch die Zeile „Fear is the mindkiller“ ein. Ein Verweis auf die erste EP Fear Factorys aus dem Jahre 1993.

Fear Factory – ein vielleicht würdiges Ende

Über ein Vierteljahrhundert liegt zwischen „Demanufacture“ und „Aggression Continuum“. Eigentlich also ein unfairer Vergleich. Auch gerade wegen der Erinnerungen die ich mit „Demanufacture“ verbinde. Aber Fear Factory haben es geschafft auch mit ihrem neuen Werk denselben Spirit hervorzurufen. Umso trauriger also, dass „Aggression Continuum“ vielleicht das letzte Werk von Fear Factory sein könnte. Aber wenn dem so ist, dann ist es ein würdiger Schwanengesang. Ganz subjektiv betrachtet reiht sich „Aggression Continuum“ hinter „Demanufacture“ ein. Aber mit „Agression Continuum“ katapultieren sich Fear Factory noch einmal an die Spitze des düsteren Industrial Metals und setzen sich selbst ein Denkmal.

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Bildquellen

  • Fear Factory 2021 720×340: Nuclear Blast

soundchaser

Angefangen hat es mit einer Kassette die ich von einem Kumpel bekam mit Running Wilds "Port Royal" und "Abigail" von King Diamond. Seitdem hat es mich nicht mehr losgelassen...

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