Mono – Pilgrimage of the Soul (VÖ: 17.09.21)

Mono

Unser Gastschreiber Brandy hat sich mit der Japanischen Postrock-Truppe Mono und deren neuem Album “ Pilgrimage of the Soul“ auseinandergesetzt. Hier kommt seine Review auf metal-heads.de zu der 57:42 Minuten langen Scheibe, die bereits im September bei Pelagic Records in allen gängigen Formaten erschienen ist.

Die einen sagen so, die anderen sagen so

Postrock ist, wenn die Musik zu dir spricht, ohne ein literarisches Wort zu sagen. Sagen die einen. Gänzlich langweilig, Melodien klingen wie bei einer Mischung aus gewöhnlicher Popmusik und Studentinnen im zweiten Jahr,die gern Amateur-Post-rock-Techno-Trendies sein wollen. Meinen die anderen. Nicht jedermanns Sache. Schweres Thema. Jedoch: Mono trat 2019 immerhin auf dem Roadburn – dem Festival für extreme Musik – in Tilburg auf. Und die Mädels und Jungs, die sich dort für das Line-Up verantwortlich zeichnen, haben verdammt noch mal Ahnung von der Materie. Soviel vorweg.

Ein paar Hördurchläufe benötigt

Das vor uns liegende, schöne, beschwingte Album zum Entspannen und Wohlfühlen. Es braucht eventuell ein paar Hördurchläufe, bevor es bei jedem zündet. Es erfüllt uns in dieser Zeit mit Wut und Hoffnung auf eine noch nicht gefundene Zukunft. Die japanische experimentelle Rockgruppe Mono kam im Jahr 2000 zusammen und entschied sich dafür, auf Gesang zu verzichten und sich stattdessen auf atmosphärische, klassisch inspirierte Rockmusik zu konzentrieren. Sie haben einen dynamischen, formwandelnden Sound geschaffen, der sich für lange Kompositionen eignet. Man bekommt eine in unterschiedlichen Dynamikbereichen mit Improvisation, Zurückhaltung und einer Energie gelieferte Post-Rock- und Heavy-Metal-Energie.

Mono verzichten auf Gesang

Ihre Aufnahmen bewegen sich auf der Linie zwischen weiträumiger Atmosphäre, einer üppigen, aber zarten Schönheit und übersteuerter, verstimmter roher Kraft. Um die Torte ihrer 20-jährigen Jubiläumsfeier zu versüßen, kehrte Mono während einer Tourpause in Albinis Studio in Chicago zurück. Im Januar 2021 veröffentlichte Mono bereits ein Dokument seines bemerkenswerten britischen Konzerts 2019 als Beyond the Past: Live in London with the Platinum Anniversary Orchestra. Nachdem das Ereignis, das uns allen bekannt sein dürfte, ihre Welttournee beendet hatte, verbrachten die japanisch/amerikanischen Klangtüftler von Mono den Sommer 2020 damit, zu schreiben, aufzunehmen und zu mischen. Das Endergebnis: Pilgrimage of the Soul.

Das Album „Pilgrimage of the Soul“

Deren elfter Studio-Longplayer insgesamt wurde nunmehr in unseren Gefilden veröffentlich. Es zeigt einen weiterentwickelten Sound mit schnelleren Tempi, Elektronik und Rhythmen, die von Disco, Techno und anderer Tanzmusik beeinflusst wurden. Ein wirklich wundervolles Album, das man als eine Art Klassikalbum im Rockgewand ansehen und schätzen kann. Eine Wallfahrt eben.

Eine Wallfahrt

Die lange, über zwanzigjährige Reise, welche die Band seit ihren Beginn bis zum heutigen Tage gegangen ist, wird hier geschildert. Eine Reise, die über hohe Berge und durch weite Täler führt und an deren Ende der Pilger zu innerer Ruhe finden kann. Doch bis zum Ziel hat der Hörer so einige Strapazen und Abenteuer durchzustehen. Denn kaum meint man, den Einklang mit seinem Innersten gefunden zu haben, reißen Mono einen immer wieder aus der inneren Gelassenheit. Bestes Beispiel hierfür ist bereits der Opener ‘Riptide’, die erste Single des Albums. Denn was als zarte, stimmungsvolle Pianoballade beginnt, reißt einen genau wie die namensgebende Brandungsströmung von einem auf den anderen Moment in die Tiefe und lässt einen auch nicht mehr los.

Die Songs im Detail

Auch ‘Imperfect Souls’ beginnt eher beschaulich und wirkt fast wie Balsam für die Seele. Doch je weiter der Song fortschreitet, desto unruhiger wird das Stück. Eine Nervosität wird spürbar, die nach knapp dreieinhalb Minuten kulminiert, als das Lied mit einer Art Disco-Beat unterlegt wird. Klingt schräg, funktioniert aber wunderbar. Die erste wirkliche Verschnaufpause verschaffen einem die Japaner dann mit dem gut siebenminütigen ‘Heaven in a Wild Flower’. Ein Lied wie eine Andacht, welches, nicht nur wegen seiner Instrumentierung mit Streichern, Bläsern und Electronica, Erinnerungen an die Hochzeiten von Sigur Rós aufkommen lässt. Herkömmlicher, sprich Mono-typischer wird es im Mittelteil des Albums, denn ‘To See a World’, ‘Innocence’ und ‘The Auguries’ stehen in bester Bandtradition.

Herausragend

Vor allem ‘To See a World’ kann aus dieser Riege besonders herausstechen, da die Band hier den klassischen Stimmungsaufbau eines Post Rock-Songs in nur vier Minuten verbringt. Dabei besitzt das Lied eine solch einprägsame Melodie, dass sie sich durch ihre immer wiederkehrenden Wiederholungen schon nach einmaligem Hören in die Hirnwindungen gebrannt hat. Höhepunkt des Albums ist mit ‘Hold Infinity in the Palm of Your Hand’ jedoch das Mammutstück der Platte. Es ist ein Lied mit Meditationscharakter. Denn das Zusammenspiel aus kindlich naivem Glockenspiel und an summende Bienchen erinnernden, elektronischen Soundeffekten wirkt beruhigend und entspannend zugleich. Ein Umstand, an dem auch das unumgängliche Crescendo des Stückes nichts ändern kann. Es stellt so etwas wie den letzten zu erklimmender Gipfel vor dem abschließenden ‘And Eternity in an Hour’ dar, bei welchem Mono praktisch ausschließlich auf Piano und Orchester setzen. Es ist das lang ersehnte Ende einer erlebnisreichen Reise und ein beschaulicher Ausklang, welcher dem Hörer endlich die angestrebte Ruhe bereitet.

Die Tracklist

1. ‘Riptide’ (5:52)
2. ‘Imperfect Things’ (6:26)
3. ‘Heaven in a Wild Flower’ (7:10)
4. ‘To See a World’ (4:00)
5. ‘Innocence’ (8:10)
6. ‘The Auguries’ (7:30)
7. ‘Hold Infinity in the Palm of Your Hand’ (12:22)
8. ‘And Eternity in an Hour’ (5:52)

Das Line-Up

Mono spielen in folgender Besetzung:
Takaakira ‘Taka’ Goto (Gitarre)
Tamaki Kunishi (Bass, Piano)
Hideki ‘Yoda’ Suematsu (Gitarre)
Dahm Majuri Cipolla (Ein nicht überkandideltes, frisch klingendes Schlagzeug.).

Mehr Infos zu Mono findet ihr auf deren Homepage. Mehr Gast-Reviews unseres Schreiberlings Brandy findet ihr hier bei uns!

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Bildquellen

  • Mono: Amazon

Ralfi Ralf

Als ich mir mit 14 zum ersten Mal das Nasenbein beim Moshen mit dem Tennisschläger im heimischen Kinderzimmer brach, war es um mich geschehen! METAL...

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