OSYRON – Foundations (VÖ: 10.07.2020)

Hochwertiger symphonischer (Prog-)Metal!

Die kanadischen Prog-Metaller OSYRON haben sich für das Thema ihrer EP ein sehr ernstes Thema zur Brust genommen und befassen sich mit leidvollen historischen Ereignissen in der Geschichte Kanadas. Hierzu steigen wir in der Zeitlinie im 18. Jahrhundert ein und zu dieser Zeit schreitet

die Assimiliation der First Nations

(Ureinwohner) immer schneller und brutaler voran. Wenn fortschrittliche Industrienationen und Militärmächte ihre Schiffe auf sogenannte Entdeckungsreisen schickten, kam für die Ureinwohner unentdeckter Länder nie etwas gutes dabei rum. So wurden Ureinwohner zurückgedrängt und/oder unterdrückt, um Gebiete für sich zu beanspruchen und zu besiedeln. Dies geschah fast ausschließlich mit Gewalt unter Ausnutzung moderner Waffen und forderte deswegen leider immer viele Opfer unter den Ureinwohnern. Hinsichtlich dessen gibt uns OSYRON nicht nur thematisch, sondern akustisch eine spannende Geschichtsstunde. So ist auch Kanada als Nation aus blutgetränkter Erde erwachsen.

OSYRON

rechnet sehr schonungslos und deutlich mit dem Thema der damaligen Kolonisierung Kanadas ab, bei der vorrangig die Engländer und Franzosen eine Rolle spielten. Dabei ist Kanada allerdings auch nur ein Beispiel von vielen für das brutale rücksichtslose Vorgehen bei der Entdeckung bzw. Eroberung neuer Länder seitens der weltlichen Großmächte. In diesem Zusammenhang verpasst OSYRON parallel der christlichen Mission(ierung) schmerzhafte verbale Hiebe. So wird im Song deutlich gemacht, dass unter dem Deckmantel des christlichen Glaubens im Namen Gottes versucht wurde die First Nations (Ureinwohner) zu bekehren. Knallhart gesagt: „Nehmt unsere Kultur und den Glauben an oder sterbt!

An empire, with no sun set, /We would conquer what was ours,/ Destroy the culture In favour of The king / And for God / They would learn to live like us / Or they would learn to die by the cross

Auszug Songtext „The Cross“

Als Sinnbild für den christlichen Glauben wurde als Songtitel

„The Cross“

gewählt. Dieser symphonische Power-Track vermittelt cineastisches Feeling, wobei es schon direkt bei der Einleitung gelingt eine bedrohliche Stimmung zu erzeugen. Dann erschüttern von einem fetten Bass unterstützte mächtige Drums Grund und Boden, was von rauem harten Riffing begleitet wird. Es ertönt hin und wieder ein aufputschender Schlachtruf, um das Thema klar zu machen. Das Soundgewand ist orchestral geprägt und wird dadurch zu einem waschechten Symphonic-Metal-Epos. Der mittig einsetzende von Streichern unterlegte Melodiebogen mit dem hervorragenden Gesang (beim oben zitierten Refrain) ist in seiner epischen Erscheinung fantastisch gelungen. Anschließend fügt sich ein gesanglich wie instrumental wütender aggressiver Part ein, der es mächtig krachen lässt. Der Funke ist entzündet und der folgende Song

„Ignite“

setzt mit gleicher Härte die Geschichtsschreibung fort. Allerdings befinden wir uns im 19. Jahrhundert, genauer gesagt im Ersten Weltkrieg. Hier wird uns die Sinnlosigkeit und gnadenlose Brutalität des Krieges vor Augen geführt. Die Arroganz von hochrangigen Militärs und von politischen Machthabern mit ihren Fehleinschätzungen führten zu einer der blutigsten und verlustreichsten, aber auch sinnlosesten Schlachten im Ersten Weltkrieg. Es war die Schlacht von Passendale im November 1917. Während dieser Schlacht und den monatelang andauernden Kämpfen davor verloren hunderdtausende Soldaten ihr Leben, unter anderem auch viele kanadische Soldaten (ca. 16.000).

Musikalisch tritt der Song „Ignite“ mit einer sehr dichten Atmosphäre auf. Die Riffs und der griffige Bass in Verbindung mit dem wuchtigen Drums führen zu einem wahnsinnig voluminösen Sound. Hier wird der Schlachtruf, der schon im ersten Song verwendet wurde, ebenfalls stellenweise eingesetzt. Der Song besitzt auf dem Album den progressivsten Touch und kommt ab Minute 02:44 sogar mit orientalisch anmutenden Klängen hervor und weist damit einen großen Besonderheitsfaktor auf.

Indianische Legende Tecumseh

Wir befinden uns im Jahr 1813. Es geht um die Schlacht am Fluss Thames, in denen die Amerikaner gegen ein englisches/indianisches Bündnis Krieg führten. Der Visionär Tecumseh war ein angesehener Häuptling vom Stamm der Shawnee. Dessen Traum war ein unabhängiges Nordamerika, in dem Indianer und Siedler in Frieden zusammen leben könnten. Er versuchte immer wieder alle indianischen Stämme zu vereinen, um sich gegen die Amerikaner zu wehren, die das Land erobern wollten. Dieses Ziel hatte er nie vollends erreichen können. Schlussendlich wurde er sogar von der britischen Armee im Stich gelassen und die Indianer erlitten eine verheerende Niederlage. In dieser Schlacht verlor auch Tecumseh sein Leben. Seine mutige Entschlossenheit ist bis heute legendär.

„Battle Of Thames“

ist ein atmosphärischer Track voller Gefühl und er trägt zu anfangs eine gewisse Traurigkeit mit sich. Er beginnt mit leise mit Akustikgitarre und Gesang. Im weiteren Verlauf steigen perfekt abgestimmte Drums mit ein. Hin und wieder klingen die Töne einer E-Gitarre durch. Vor dem furiosen Finale lässt der Sänger mit kraftvoller Stimme zusammen mit Chorgesang in Form von „Ohhhoooohooo“ indianisches heroisches Feeling aufkommen. Es schließen sich fabelhafte Gitarrensoli an und so wird der Song zum Ende noch eine kraftvolle epische Hommage auf den Kampfesgeist und den Mut der Indianer.

„The Ones Below“

greift das Thema Verlust und Trauer auf. Allerdings verarbeitet der Song musikalisch das Thema mit fetzigen Riffs und rockiger Attitüde. Zusammen mit den kraftvolle Vocals wird Song zu einer Kampfansage gegen die Trauer. Hier ist „Positive Thinking“ gefordert. Man soll in ehrenvollem Gedenken an diejenigen, die von uns gegangen sind, sein Leben lieben und leben und seine Sorgen und Ängste begraben.

„Foundations“

stellt am Ende des Albums den opulenten Titeltrack. Dieser kann durch schöne filigrane akustische Gitarren mit einem ruhigen faszinierenden Beginn aufwarten. Nach und nach gewinnt der Song an Kraft, bis die E-Gitarre schließlich den Ton angibt. Das epische Finale beendet das fulminante Album. In diesem Fall besitzt der Song inhaltlich eine immer fortwährende Aktualität. Dabei prangert OSYRON die Missstände und Ungerechtigkeit in der Welt an und verteufelt die Ohnmacht, mit welcher man all diesem Leid gegenübersteht. Über viele blutige Verbrechen der Vergangenheit ist Gras gewachsen, doch wir dürfen nicht vergessen. So müssen wir weiterhin der Ungerechtigkeit und dem Hass entgegenstehen!

Fazit

OSYRON kleiden ernste Themen in beeindruckende hochwertige Soundgewänder. Neben dem ansprechenden Hörvergnügen sollte man sich tatsächlich mit dem textlichen Inhalt beschäftigen, denn OSYRON hat eine wichtige Botschaft! Die Musik ist wie beschrieben allererste Sahne und wird belohnt mit

9/10 Punkten.

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Bildquellen

  • Osyron_promo-Bandfoto: Osyron Bandfoto über CMM GmbH
  • OSYRON Album-Infos: OSYRON Album Infos - Background www.pixabay.de (Orange Fox)
  • Osyron-Foundations_cover: Osyron-Foundations-COVER über CMM GmbH

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