EINHERJER-Interview mit Gerhard und Frode

Das Review zu dem aktuellen Album „North Star“ von EINHERJER (Facebook ) könnt Ihr hier nachlesen. Gerhard (Drummer) hat sich den Fragen hauptsächlich angenommen. Zudem hat sich Frode (Sänger) auch zu zwei Fragen eingelassen.

Rückkehr zu Napalm Records

MH: Das aktuelle Album „North Star“ markiert die Rückkehr von EINHERJER zu Napalm Records nach 25 Jahren seit der Veröffentlichung des legendären „Dragons Of The North“-Albums (1996).
Warum die Rückkehr zum Label-Flaggschiff Napalm Records?

Gerhard: Nun, hauptsächlich war unser Vertrag mit Indie Recordings beendet. Wir waren nun schon seit einigen Jahren mit norwegischen Labeln unterwegs, und es war sozusagen an der Zeit, den Markt zu checken. Wir warfen unsere Angel aus und begannen zu fischen. Als Napalm Records ihr Interesse bekundeten, war es eine ziemlich einfache Entscheidung für uns. Wie du schon sagtest, haben wir eine Geschichte mit ihnen, was den Übergang leicht macht. Wir setzen große Hoffnungen in diese Verbindung.

Die ersten Wochen von „North Star“

MH: Nun ist „North Star“ schon seit ein paar Tagen auf dem Markt.
Wie ist Ihr neues Album aufgenommen worden?

Gerhard: Ja, es ist jetzt schon eine kleine Weile draußen. Eines der lohnendsten Dinge in diesem Prozess ist es, endlich die Früchte der eigenen Arbeit zu ernten. Es ist eine große Last, die von unseren Schultern genommen wird. Und es ist toll zu sehen, dass „North Star“ auf der ganzen Welt so gut ankommt. Ich denke, die Leute haben in etwa das bekommen, was sie erwartet haben, da dieses Album mehr oder weniger eine Fortsetzung von „Norrøne Spor“ ist.

Warum plötzlich englische Texte?

MH: Die Texte auf „North Star“ sind komplett in Englisch geschrieben. Das ist ungewöhnlich, da es bisher bei EINHERJER eigentlich die Ausnahme war. (Ich persönlich finde auch die nordischen Sprachen sehr ausdrucksstark.)
War das eine spontane Entscheidung im Laufe des Songwritings oder eine geplante Sache?

Gerhard: Nun, Inspiration funktioniert auf mysteriöse Weise. Ich denke, wir haben uns nie auf norwegische oder englische Texte festgelegt. Wir machen einfach das, was sich zu dem Zeitpunkt richtig anfühlt. Es ist allerdings unglaublich, wie viele Fragen wir jetzt nach bestimmten Lyrics bekommen, weil die Leute etwas darin sehen. Niemand hat die norwegischen Texte verstanden, also haben wir auch keine Fragen dazu bekommen. Aber andererseits, wer weiß, was wir das nächste Mal machen werden.

„Chasing The Serpent“


MH: „Du jagst die Schlange
Doch du reitest den Wolf
Auf der Jagd nach der Schlange
Immer und immer wieder“

Was bedeuten diese Zeilen aus dem Lied „Chasing The Serpent?

Frode: Die Essenz ist, dass die Dinge nicht immer das sind, was sie zu sein scheinen. Menschen sind nicht immer die, die sie vorgeben zu sein. Wir leben in einer Welt, in der wir leicht getäuscht werden können.

Der Vikingertrend

MH: Als Norweger seid ihr natürlich besonders mit den nordischen Sagen und Mythen verbunden. Die Musik von EINHERJER orientiert sich an dieser Thematik bzw. ist mit ihr verbunden.
Warum, glaubt Ihr, weckt dieses Thema großes Interesse und hat Anhänger im Rest der Welt?

Gerhard: Wegen den ganzen Vikingerserien! Es ist sicherlich nicht wegen uns. Ich glaube, das ist in den letzten Jahren zu einem großen Trend geworden, und ich denke, es ist für viele Menschen eine Flucht aus der Realität. Und ja, wir sind tief mit der Geschichte unserer Heimat verbunden, und ein gewisses Maß an Lokalpatriotismus muss erlaubt sein. Die Welt rast wie ein Güterzug auf die Zukunft zu, und so kehren die Menschen zurück, um eine Verschnaufpause einzulegen.

Das alte Blut

MH: Die Wikinger hatten ihre ganz eigene Kultur und Weltanschauung. Die Wikinger waren hart im Nehmen. Neben ihrem unerschütterlichen Glauben und der Bewahrung von Traditionen waren sie bekannt für ihren unerbittlichen Kampf ums Überleben, aber auch für ihren unerschütterlichen Drang zu erforschen und zu erobern. Was haben die Norweger noch von den Traditionen und Eigenschaften ihrer Vorfahren behalten?

Gerhard: Nun, um „Herr der Ringe“ zu zitieren. „Das Blut von Numenor ist so gut wie verbraucht, sein Stolz und seine Würde vergessen.“ Und das ist in gewisser Weise wahr. Die ganze Welt bewegt sich auf eine graue Masse zu, die keinen eigenen Charakter mehr hat. Das ist die Globalisierung. Das hat viele gute Seiten, aber man darf nicht vergessen, woher wir kommen.

Heimatliebe

MH: Die Wikinger waren sowohl zu Lande als auch zur See sehr gefürchtet, und es zog sie in ferne Länder. In diesem Fall ist zu erwähnen, dass das Album insgesamt recht aggressiv und geradlinig wirkt. Auf dem Album sticht für mich der Song „West Coast Groove“ heraus, der mit einem eingängigen Rhythmus daherkommt und etwas rockiger klingt als der Rest des Materials.
Wie ist dieser Song entstanden?

Frode: „West Coast Groove“ ist eine Hommage an unser Heimatgebiet. Die Gegend um Haugesund hat einen historischen Klang. Von diesen Ufern aus erstreckte sich der Einfluss der Wikinger weit. Bis in die Welt jenseits der Fjorde und der Berge und der Nordsee. Ich habe diesen Ort immer geliebt, und je älter ich werde, desto größer wird diese Liebe.

Jenseits des Regens und des Windes und des beschissenen Wetters gibt es hier einen Geist. Eine gute Energie, die uns inspiriert, die Dinge einen Schritt weiter zu treiben. Wie eine Hommage an den Mut und die Kühnheit der Männer, die vor tausend Jahren den gleichen Boden betreten haben. Den Boden, den wir jeden Tag betreten. Unser Zuhause! Es ist ein nostalgisches Thema und ich dachte, es bräuchte eine ebenso nostalgische musikalische Umhüllung. Ich habe mich tief in den klassischen Heavy Rock vertieft, um Inspiration zu finden, und ich denke, das Ergebnis ist eine groovige Hymne für die norwegische Westküste.

Gerhard: Ich würde sagen, es hat eine Aura von Heavy Metal. Mehr als bei unseren früheren Arbeiten. Für mich ist „West Coast Groove“ eine Hommage an uns selbst und an den Ort, der uns groß gemacht hat. Mehr als jede Form von Musik ist dieser Ort unsere größte Inspiration und wird immer wichtiger. Das Verrückte daran, in einer Band zu spielen, ist, dass andere Leute dich dafür bezahlen, in ihr Land zu kommen. Diese „Großzügigkeit“ hat uns im Grunde bis ans andere Ende der Welt gebracht. Ich denke, wir sind sehr privilegiert, uns auf diese Weise selbst zu verwirklichen. Wir sind ein paar glückliche Bastarde.

„Allemannsretten“

MH: Die Natur wird in Ihren Texten oft erwähnt und es scheint, dass Norwegen eine besonders enge Beziehung zur Natur hat und allen Menschen die Möglichkeit gibt, der Natur nahe zu sein, wo immer sie wollen.
In Norwegen darf man sich überall in der freien Natur (nicht eingezäuntes Land) aufhalten, unabhängig von den Eigentumsverhältnissen. Ich kann also überall mein Zelt aufschlagen, solange ich die Natur nicht schädige.
Das ist im Gesetz verankert, nämlich in den „Allemannsretten“.
Habt Ihr davon schon Gebrauch gemacht? Was war der abenteuerlichste oder abgelegenste Ort, an dem Sie in Norwegen übernachtet haben?

Gerhard: Ja, wie gesagt, das ist unser wichtigster Einfluss. Und ich denke, dass die Norweger im Allgemeinen gerne rausgehen, um sich mit der Natur zu verbinden. Das nimmt den Stress für eine Weile raus, in einer ansonsten chaotischen Welt. Ich bin der Typ, der, wenn ich nicht selbst rausgehen kann, YouTube-Videos von anderen Leuten beim Kaffeekochen im Wald anschaut.

Wie Du schon erwähntest, haben wir „allemannsretten“, was uns erlaubt, in der Natur zu campen, wo immer wir wollen, solange man Verantwortung übernimmt und keine Spuren hinterlässt. Ich weiß, dass z.B. in England das ganze Land jemandem gehört, und man braucht eine Erlaubnis von den Landbesitzern und so weiter. Das macht alles etwas schwieriger. Ich gehe normalerweise nicht weit weg. Es gibt viele schöne Plätze in der Nähe, wo ich in Ruhe sitzen kann. Das ist der Punkt für mich, um alle Ablenkungen loszuwerden. Schaltet Euer Telefon aus!

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Interview englisch

You can read the review of „North Star“ here. Gerhard (drummer) from EINHERJER (Facebook ) mainly took care of the questions. In addition, Frode (singer) has also answered two questions.

Back to Napalm Records

MH: The album marks the band’s return to Napalm Records after 25 years since the release of the legendary album „Dragons Of The North“ (1996).

Why EINHERJER returned to the flagship Napalm Records?

Gerhard: Well, mainly our contract with Indie Recordings was over. We’ve been with Norwegian labels for the later years now, and it was time to check the market so to speak. We pulled out our fishing rod, and started to fish. When Napalm Records showed their interest, It was a pretty easy choice for us. As you said, we have a history with them, which makes the trasition easien. We have high hopes for this.

The first weeks of „North Star“

MH: Now „North Star“ has been on the market for a few days. How has your new album been received?

Gerhard: Yeah, it’s been out for a little while now. One of the most rewarding thing about this process, is to finally reap the fruits of your labour. It’s a massive weight lifted from our shoulders. And it’s great to see that „North Star“ is so well liked around the world. I guess people got somewhat what they expected, as this album is more or less a continuation of „Norrøne Spor“.

Why english lyrics?

MH: The lyrics on „North Star“ are completely written in English. This is unusual, as it has actually been the exception at EINHERJER so far. (Personally, I also find the Nordic languages very expressive.)

Was that a spontaneous decision in the course of songwriting or a planned thing?

Gerhard: Well, inspiration works in mysterious ways. I guess we’ve never comitted to either Norwegian nor English lyrics. We just do what feels right at the time. It’s incredible though, how many questions we get now for specific lyricks, because people see something in them. No one understood the Norwegian lyrics, so we didn’t get any questions about them either. But then again, who knows what we’ll do next time.

„Chasing The Serpent“

MH:

„Chasing the serpent

Yet you are riding the wolf

Chasing the serpent

Over and over again“

What do these lines from the song „Chasing The Serpent“ mean?

Frode: The essence is that things aren’t always what they seem. People are not always who they claim to be. We live in a world where we can be easily deceived.

The Viking trend

MH: As Norwegians, you are of course particularly connected to the Nordic sagas and myths. The music of EINHERJER is oriented towards this theme respectively is connected with it.

Why do you think this theme arouses great interest and has followers in the rest of the world?

Gerhard: Because of The Vikings series. It certainly isn’t because of us. I think this has become a huge trend in the later years, and I think it’s an escape from reality for many people. And yes, we are deeply connected to the history of our home, and some sense of local patriotism must be allowed. The world is rushing towards the future like a freight train, and so people go back to take a breather.

Old blood

MH: The Vikings had their very own culture and world view. The Vikings were tough. In addition to their unwavering faith and preservation of traditions, they were known for their relentless struggle for survival, but also for their unwavering drive to explore and conquer.

What do the Norwegians have left of the traditions and characteristics of their ancestors?

Gerhard: Well, to quote Lord of the Rings: „The blood of Numenor is all but spent, its pride and dignity forgotten.“ And that’s true in a sense. The whole world is moving towards one grey mass with no distinctive character. There’s globalisation for you. Many good things about that, but it’s important not to forget where we come from.

Love for the home country

MH: The Vikings were very feared both on land and at sea, and they were drawn to distant lands. In this case it ist to be mentioned that the album as a whole seems quite aggressive and straightforward. The song „West Coast Groove“ stands out for me on the album, which comes along with a catchy rhythm and and sounds a bit more rocky  than the rest of the material.

How did this song come about?

Frode: „West Coast Groove“ is a tribute to our home turf. The area surrounding Haugesund rings with a historic sound. From these shores the influence of the Vikings stretched far. To the world beyond the fjords and the mountains and the North Sea. I’ve always loved this place and as I grow older, that love only increases. Beyond the rain and the wind and the shitty weather, there is a spirit here. A good energy, which inspire us to push things one step further. Like a homage to the courage and boldness of the men who tread the same ground a thousand years ago. The ground we walk every day. Our home. It’s a nostalgic theme and I thought it needed an equally nostalgic musical wrapping. I went deep into classic heavy rock to seek inspiration and I think the result is a groovy anthem for the Norwegian west coast.

Gerhard: I would say it has an aura of heavy metal to it. More so than our previous work. To me, „West Coast Groove“ is a homage to ourselves, and to the place that fostered us. More than any form of music, this place is our biggest inspiration and increasingly important. The weird thing about playing in a band, is that other people pay you to come to their country. That „generosity“ has taken us the far ends of this earth basically. I think we are very priviliged to self realize in this way. We are some lucky bastards.

Close to nature

MH: Nature is often mentioned in your lyrics and it seems that Norway has a particularly close relationship with nature and gives all people the opportunity to be close to nature, wherever they want. In Norway you are allowed to stay anywhere in open nature (unfenced land), regardless of ownership. So I can pitch my tent anywhere as long as I don’t harm nature. This is enshrined in the law, namely „Allemannsretten“. 

Have you already made use of this? What was the most adventurous or remote place where you spent the night in Norway?

Gerhard: Yes, as I said, it’s our most important influence. And I think the Norwegian people in general are fond of getting out to connect with nature. It takes the stress out for a while, in an otherwise messy world. I’m the type og guy that if I can’t go out myself, I watch YouTube videos of other people cooking coffe in the woods.

As you said, we have „allemannsretten“, which allowes us to camp wherever we want out in nature as long as you take responsibility and leave no trace. I know that in England for example, all the land is owned by someone, and you need permission from the land owners and so on. Makes everything more difficult. I usually don’t go far. There are many nice places close by, where I can sit in peace. That’s the point for me, to get rid of all the distractions. Turn your phone off.

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Bildquellen

  • EINHERJER – North Star–Cover+Infos: Logo,Cover,Infos --> Napalm Records//Background-->Pixabay
  • Einherjer 1_Photo Credit Jørgen Freim-Titel: Foto & Logo --> Napalm Records

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