Rotting Christ, Carach Angren, Svart Crown, 26.01.18, Turock, Essen

Carach Angren live in Essen

Freitag, 26.01.18, Turock, Essen: Rotting Christ, Carach Angren, Svart Crown

Rituals amongst the Rotten Tour

Endlich wieder Carach Angren sehen!

Eine Sehnsucht, die uns seit Mai 2016 umtreibt. Zwar konnte man sich mit dem neuen Album „Dance and Laugh amongst the Rotten“ seit Juni 2017 die Zeit vertreiben… aber mal ganz ehrlich, sich das Ding am Stück anzuhören ist schon extrem anstrengend.

Für mich wirken die Alben der Band immer ein wenig wie Experimente durchgeknallter Musikstudenten, der Sound mit den vielen Breaks, Tempi- und Stilwechseln wie Freejazz übersetzt in Blackmetal. Ist interessant, gefällt, ist einzigartig… aber irgendwann schaltet sich mein Hirn ab und die Musik zieht wie das Geklimper im Fahrstuhl durch meinen Kopf ohne mir wirklich die Gelegenheit zu geben einzelne Songs festzuhalten. Sehr entspannend…

Muss ich meiner Freundin mal mit zum Yoga geben… Egal. Bekloppte gibt es überall, ich bin froh zwei davon direkt in der Nachbarschaft zu haben. So ne aufstrebende Kleinstadt scheint ein Hort für Menschen zu sein mit skurriler Spießerfassade und umgedrehten Kreuzen im Herzen. Also meine beiden Lieblingssatanisten eingepackt und ab nach Essen ins Turock! Hier bin ich seit Ewigkeiten nicht mehr gewesen…

Ich hatte den Laden nicht so klein in Erinnerung.

Wobei das natürlich relativ ist. Es ist kein kleiner Laden, ich bin halt ziemlich groß geworden seit damals, als wir hier noch regelmäßig in die Metaldisco gegangen sind (Anm. der Redaktion: groß ist relativ 😉 ). Schicke Theke, große Bühne, alles professionell organisiert, direkt mal den glasklaren Sound bei allen Bands loben, der ja so nicht immer und überall hinzubekommen zu sein scheint… Bier läuft, nettes Personal, also eine perfekte Location.

Noch perfekter natürlich, dass das Nord direkt an der Ecke liegt, auch wir trinken uns dort schonmal warm, sind aber sehr pünktlich zu Svart Crown da, die scheinbar nicht alle Ticketinhaber interessieren.

So ist es erst gut zur Hälfte gefüllt, wir haben noch ein paar Minuten und ich check schonmal die Kamera. Professionelles Teil, gehört nicht wirklich mir, aber gut vorbereitet wie ich bin hatte ich natürlich die Batterie voll durchgeladen… Hm. Leider stelle ich fest, dass ich sie zuhause liegen gelassen habe.
Hell Yeah. Da hat sich das Geschleppe ja gelohnt. Also nur Handybilder. Auch wenn keiner wirklich weiß, dass ich hier bin um über das Konzert zu berichten, doch irgendwo ein peinlicher Moment.

Wenigstens bleibt mir so genug Zeit mich umzuschauen

und ich entdecke neben einem hohen Frauenanteil, der beim Metal ja kurioserweise nicht allzu hoch ist, ca. 2 Meter neben mir direkt meinen Lieblingszuschauer des Abends. Ein junger Mann, ganz in schwarz, lange schwarze Haare, schwarzes Tuch, welches er wohl um den Kopf gewickelt hatte, an eine Gürtelöse der Hose geknotet, römisch-griechische Nase und im Vergleich zu den vielen dicken, tätowierten Jungs mit „Oh mein Gott, sehet meinen Bart“ – Bart irgendwie erfrischend anders… zu ihm gleich mehr.

Svart Crown aus Frankreich entern die Bühne.

Puh… ich lehn mich da jetzt mal wieder weit aus dem Fenster… aber außer „Massacra“ kann französischer Metal nix. Die haben sich bekanntlich 1997 aufgelöst. Seit 2004 sind Svart Crown aus Nizza am Start, diese sind aber durch meinen internen „Ignore“ – Button für französische Bands komplett durch mein Raster gefallen. Schade eigentlich, denn zumindest das Orgasmic Spiritual Ecstasy – Video gefällt mir ziemlich gut. Leider muss ich sagen, dass trotz des cleanen Sounds der Funke zu mir und dem Rest des Publikums nicht so recht überspringen will. Gitarrist Kevin Verlay und auch Sänger JB Le Bail liefern eine solide Show, der einzige, der richtig „rockt“ ist aber Ludovic Veyssière am Bass. Ohne große Ansagen und Animation fällt die Publikumsreaktion dürftig aus. Hoffen wir mal, dass die Jungs während der Tour lockerer geworden sind und sich ein paar neue Fans erspielen konnten. Musikalisch gibt es nicht zu meckern.

 

Carach Angren

spalten leider das Publikum in absolute Ablehnung und totale Begeisterung. Dabei ist das Gesamtkonzept der Band meines Erachtens genial. Auch wenn man sich beim reinen Hören der Longplayer schwer tut, ist es doch ein wenig so, wie mein ehemaliger Deutschlehrer es sagte:
Wer zu Goethe und Shakespeare keinen Zugang findet und lieber Triviales liest, der sollte vielleicht sich selbst hinterfragen statt die Literatur und Kunst abzulehnen, zu der er/sie keinen Zugang findet. Das war auf mich gemünzt… aber ich wollte das unbedingt auch mal in die Welt hinausposaunen. Ist schon irgendwie beleidigend, oder? 😉

Für mich ist Carach Angren eine der besten Livebands,

das individuelle Stageacting des Sängers Seregor und des „Orchesterleiters“ Ardek und die Gesamtkomposition von Musik, Schauspiel und Energieübertragung ans Publikum ist einzigartig. Ehrlich gesagt: Die Band hätte an dem Abend ein besseres Publikum verdient gehabt!

Dieses ist aber vor allem wegen des Headliners gekommen. Rotting Christ!

Und jetzt mal ehrlich? Die darf man nicht verpassen!

Die Griechen präsentieren sich auf breiter Front vorne an der Bühne und ballern mit roher Energie das Publikum in Ekstase.

Ich hab mir im Vorfeld nicht das gesamte Lebenswerk der Band angehört, deren Song „Four Horsemen“ mir aber auf Anhieb gefiel und „In Yumen Xibalba“ ist für mich ein Meisterwerk des Genres.

 

Worauf ich aber nicht gefasst war ist die „Tanzbarkeit“ so mancher Songs, deren Tempi so variantenreich und dennoch „massiv“ und „energetisch“ sind, dass sie sowohl den verhältnismäßig vielen Mädels die Gelegenheit geben mitzutanzen und mir nicht zuletzt den bereits erwähnten jungen Mann in Schwarz zu meinem Herzensmenschen des Abends machen. Denn der Junge tanzt, rockt, schüttelt seinen Kopf und wirft sich in den Moshpit. Früher gingen die Leute dazu noch stagediven… aber irgendwas müssen die Alten den Jungen ja noch voraus haben. Ansonsten: Junge, stay Metal!

Wenn man im Jahr 2018 noch immer auf die Musik steht, die man als Teenager mochte und das Alter eben auch ein wenig Entwicklung mitgebracht hat, dann kommt man an Rotting Christ nicht vorbei. Moderner kann man Death-/Doom-/Blackmetal nicht interpretieren. Wer lieber Morbid Angel hört… Uiuiui… sprecht doch mal mit meinem ehemaligen Deutschlehrer…

Wir haben Rotting Christ eingeladen das Rage against Racism Festival Anfang Juni zu headlinen.

Wie ein User auf Facebook unter unsere Ankündigung schrieb: „Sehr gut! Die zur Zeit beste Live Combo!!!“. Das kann ich nach diesem Konzert nur bestätigen! Die Tour ist jetzt irgendwie schon gelaufen, ich hab unendlich lange gebraucht den Bericht zu erstellen. Da könnte man glauben, dass ich Euch alle nicht zur Tour, sondern zum Rage against Racism locken wollte… dem ist nicht so, ich bin einfach nur unglaublich unprofessionell 😉

Wo auch immer ihr die Gelegenheit habt Euch Rotting Christ und Carach Angren live reinzuziehen…

Don´t fucking dare to miss it!!!

 

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Bildquellen

  • Carach Angren Bühne: (c) metal-heads.de - Yioni Rage
  • Rotting Christ Live: (c) metal-heads.de - Yioni Rage
  • Carach Angren Live: (c) metal-heads.de - Yioni Rage
Yioni Rage

Yioni Rage

In der Jugend passionierter Stagediver. Musik gehört zu allen Situationen im Leben, so geht von Fredrik Vahle über Macklemore bis Satyricon eigentlich Alles!

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