DREAM THEATER – „Distant memories – live in London“ (VÖ: 27.11.2020)

Albumcover DREAM THEATER Distant memories - Live in London - Beitragsbild

DREAM THEATER – „Distant memories – live in London“ (VÖ: 27.11.2020)

Das bisherige Gesamtwerk dieser Band in der über 30 Jahre währenden Karriere ist mehr als beeindruckend. Nicht nur diverse Studioalben (nicht zu sprechen von EPs mit 40 Minuten Spielzeit) hat die Band um Frontmann James LaBrie in diesem Zeitraum herausgebracht – es steht jetzt auch das bereits neunte (!!!) Live-Release vor der Veröffentlichung. DREAM THEATER haben immer schon Musiker fasziniert. Die Bandmitglieder beherrschen ihre Instrumente und eigentlich müsste man als Zuschauer im Publikum umgehend beschließen, sein Instrument an den Nagel zu hängen, weil man im Vergleich zu den Herrschaften auf der Bühne um Längen zurücksteht.

Aber interessanterweise ist das Gegenteil der Fall. Wenn man sich die gecoverten Songs auf YouTube anschaut und die mit den Jahrzehnten gewachsene Anhängerschaft, dann haben die New Yorker irgendwas richtig gemacht. In der weltweiten Prog-Szene ist man jedenfalls ganz weit vorne mit dabei. Und so werden tausende von Fans rund um den Globus, den 27.11.2020 heiß erwarten, denn da kommt das Live-Release und wir können uns ein wenig in der Corona-Pandemie die Zeit ohne Konzerte vertreiben. Wer auf der Tour dabei war (wir von metal-heads.de haben euch ja hier einen Konzertbericht aus Oberhausen geliefert) – ja das waren die guten alten Zeiten VOR dem Aufschlag von Covid-19 – kann in Erinnerungen schwelgen. Für die anderen gibt es den glasklaren Beweis, dass man was verpasst hat und unbedingt beim nächsten Mal ein Ticket kaufen sollte.

Ein erster Eindruck vom Live-Footage

Bevor wir in die Betrachtung des Live-Footage einsteigen, erst einmal ein kleiner Vorgeschmack in Form des Songs „Pale blue dot“:

Wir wollen uns insbesondere dem Videomaterial widmen, denn auf den CDs sind natürlich die gleichen Songs in rein akustischer Verarbeitung festgehalten. Zunächst einmal gibt es ein längeres Intro. Das fand ich schon beim Konzert im Januar zu langatmig…aber gut. Darüber kann man hinwegsehen. Der erste richtige Track des Konzertes ist auch gleichzeitig die erste Single vom „Distance over time“-Album. Die Rede ist natürlich von „Untethered angel“. Mensch, wie oft habe ich mir den Song angehört, bevor das Release damals rauskam. Dieser Beginn der Performance an jenem Abend legt den Schwerpunkt auf die aktuelle Studioscheibe, mit Stücken wie „Fall into the light“, „Barstool warrior“ oder dem eben gezeigten Video. Schließlich ist es ja die Tour zum Album.

Viele Kameras fangen hochklassige Musiker gekonnt ein

Die abwechslungsreiche Kameraführung zeigt einerseits Ansichten in der Totalen und einen Blick auf das Publikum. Andererseits bekommen wir mehr oder weniger Nahaufnahmen von den großartigen Musikern bei der Arbeit an ihrem jeweiligen Instrument. Die flinken Finger des ansonsten eher unscheinbaren Ruhepols John Myung am Bass oder den Keyboard Wizard Jordan Rudess mit seinem drehbaren Tasteninstrument bzw. für mehr Fannähe mit seinem Umhänge-Keyboard. Auch bei ihm bewundere ich immer wieder die flotten Bewegungen seiner Finger. Da ich selber Schlagzeuger bin, liegt mein Augenmerk naturgemäß auf der Tätigkeit des Drummers. Mike Mangini habe ich schon bei verschiedenen Bands agieren gesehen (angefangen bei ANNIHILATOR) und sein präzises Trommeln fasziniert mich jedes Mal erneut.

DREAM THEATER – „Distant memories – live in London“ (VÖ: 27.11.2020)

Albumcover DREAM THEATER Distant memories - Live in London

Mit welcher Leichtigkeit er in hoher Geschwindigkeit und dann aber auch wieder sehr progressiv die Songs performed. Beeindruckend! Dann haben wir John Petrucci. Schon stark, dass es diese Band schafft solch komplexe Arrangements mit einer einzigen Gitarre abzubilden. Mit filigraner Technik bearbeitet der Berklee-Absolvent sein Instrument. Klasse! Das ist ein musikalisches Quartett auf höchstem Niveau und man kann eigentlich keine Schwachstellen ausmachen. Die treten jedoch teils unüberhörbar bei Frontmann James LaBrie zutage. Der arme Kerl musste ja in der Vergangenheit teils schon herbe Kritik einstecken. Und auch bei der jetzigen Performance gibt es Passagen, wo der Gesang schwächelt.

Geburtstagsfeier zum 20. Jubiläum – Metropolis Pt. 2

Neben der aktuellen Langrille gibt es u.a. das phasenweise ziemlich heavy angelegte „A nightmare to remember“. Es ist irgendwie ungewöhnlich ein völlig bestuhltes Rockkonzert anzusehen. Aber der Stimmung tut das Ganze keinen Abbruch. Als zweiter Schwerpunkt des Abends in London (bzw. auf der Tour generell) sollte ein Geburtstag gefeiert werden. Die Rede ist von 20 Jahren „Metropolis Pt. 2 – Scenes from a memory“ – Kinder wie die Zeit vergeht. Nach dem Intro geht es los mit „Scene one: Regression“, es ertönt das bekannte Ticken der Uhr. Dazu die Stimme des Therapeuten…

Zum Rückblick auf das gereifte Songmaterial wechselt der DREAM THEATER-Frontmann den Mikroständer. Der Kanadier, dessen rechter Arm mittlerweile ein großflächiges Tattoo an der Außenseite ziert, begibt sich mit seinen Bandkollegen und den Fans auf eine Zeitreise. Das gesamte Album in seiner Gänze. Das kommt bei den Fans an. Es ist ein evening with-Konzert. Also keine Vorband, sondern ein reines Headliner-Set. Pianoklänge, der emotionale Gesang, dazu heavy Gitarrenriffs. Der Backgroundgesang von John Petrucci. Die Bassläufe von Mr. Myung. Und natürlich immer wieder der großartige Mike Mangini mit Doublebass-Salven und beeindruckender Technik an den Drumsticks. Ich hatte vergessen, wie flott und heavy das Material war. Jordan Rudess hängt sich bei „Fatal tragedy“ ein Keyboard um und erweitert damit seinen sonst ja eher eingeschränkten Bewegungsradius.

Zurück im Jahr 2020 und unser Fazit

Zum Ende des Konzertabends geht es dann wieder in die Jetztzeit. Mit „At wit’s end“ und dem Bonustrack „Paralyzed“ (beide wieder vom „Distance over time“-Longplayer) endet die Aufzeichnung des Gigs in London. Eine gute Mischung des aktuellen Materials und der Jubiläumssongs mit der derzeitigen Bandbesetzung.

Unser Fazit bei metal-heads.de: in diesen besonderen Zeiten von Corona mit all den Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens und damit auch monatelangen Zwangspausen ohne Konzerte ist es eine Wohltat, wenn man hochwertiges Live-Material von Konzerten serviert bekommt. Dann kann man sich wenigstens etwas an der Betrachtung toller Performances erfreuen…auch wenn sie natürlich letztlich „aus der Konserve“ kommen. Aber die heutige Technik ermöglicht ja glücklicherweise mit qualitativ starken Kameras und Soundaufnahmen, dass man schon recht nah an ein Konzerterlebnis herankommt. Für DREAM THEATER -Fans ist dieses Live-Release definitiv ein Pflichtkauf und auch für den Prog-Fan an sich lohnt ein antesten!

Mehr zur Band findet ihr hier.

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Bildquellen

  • Albumcover DREAM THEATER Distant memories – Live in London: www.amazon.de
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Doc Rock

Doc Rock

Meine erste Metal-Platte liegt lange zurück: LIVE AFTER DEATH von IRON MAIDEN war´s. Ansonsten fühle ich mich in der Progressive Metal-Ecke wohl!

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