HIIDENHAUTA: Riivin

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HIIDENHAUTA  „Riivin“: über Teufel

„Riivin“ das neue Album von HIIDENHAUTA (VÖ 18.September 2020): eindeutig von finnischem Black Metal und Folk geprägt und doch ganz klar HIIDENHAUTA. Auch auf dem neuen Album gelingt es ihnen, Elemente aus verschiedenen Stilen zu einem einzigartigen Klang zu verbinden.

Auf ihrem neuen Album „Riivin“ geht es um Teufel. Nicht um „den“ Teufel, sondern um Teufel im finnischen Volksglauben. Die Idee kam bei Tuomas Keskimäki, der neben den Vocals für die Lyrics verantwortlich ist, nach dem Lesen von Büchern wie „Suomalainen piru“ auf, in denen es um die Rolle und Bedeutung dieser Teufel geht. Die Teufel der finnischen Erzählungen haben nichts mit dem Teufel des Christentums gemeinsam. Denn sie sind nicht nur vielschichtig, sondern haben einen sehr realistischen Platz in den Erfahrungen der Menschen. Sie sind verspielt oder grausam, rachsüchtig oder hilfsbereit. Die einen sichtbar, die anderen unsichtbar. Doch immer Ausdruck einer Menschlichkeit, die unter Umständen Rache nimmt an Unmenschlichem und Ungerechtigkeit.

Kontraste und teuflische Nuancierungen

So vielschichtig wie die Charaktere der Teufel sind auch die Songs des Albums „Riivin“. Mal mächtig und wild, mal verspielt, dann wieder kontrastreich und voller Überraschungen.

Die Vocals gefallen mir bei diesem Album noch besser als beim Vorgänger „1695“ . Sie ergänzen sich sinnvoll auch in den Passagen, in denen sie sich kontrastierend gegenüberstehen. Entweder, weil sie die Rollen innerhalb der erzählenden Texte entsprechend aufgeteilt haben. Oder weil sie in einen Dialog gehen. Und natürlich wirkt auch hier wieder der konkrete Kontrast der hellen Stimme von Emma Keskimäki mit den rauen Vocals von Tuomas. Tuomas Keskimäki variiert seine Vocals innerhalb einer Bandbreite von Black Metal bis Hardcore.

Bemerkenswert ist auch, wie HIIDENHAUTA  im gesamten Album aber auch innerhalb eines Songs die Rhythmen variieren und mit atmosphärischen  Aspekten spielen.

Mal dicht und dunkel, dann wieder hell und optimistisch.

Das Riffing reicht von schlicht bis komplex mit Übergängen zu hörenswerten Melodien oder auch nur kurzen Tonfolgen. Tremolo Picking kombiniert mit Bassläufen sorgt für eine atmosphärische Mischung, aus der heraus sie eine dunkle Stimmung schaffen oder das Tempo forcieren.

Das Drumming wechselt zwischen metallischem Gewitter und bewundernswert zurückhaltender Akzentuierung. Mal klingen HIIDENHAUTA ungeschliffen und rau, dann wieder lieblich und hell. Das ist eine Palette, die nicht nur die Grenzen des Black Metal erweitert, sondern in Erwartung weiterer Facettierungen die Spannung über das gesamte Album aufrecht erhält.

Außerdem haben HIIDENHAUTA sich mit den folkloristischen ‚Teufelsgeschichten‘ wieder ein ungewöhnliches und interessantes Thema vorgenommen. Die Songtitel sind allerdings – wie man erwarten könnte – nach den Teufeln benannt, sondern nach in Finnland beheimateten Pflanzen.

Tunnen kuolevan kehosi – ich fühle, wie dein Körper stirbt

Schon der Opener „Riidenlieko“ bietet einen ersten Einblick in die Vielfältigkeit und Überraschungen, die das Album musikalisch so abwechslungsreich machen.  

Der Song beginnt mit einem Riff, mit dem auch ein Punk-Song beginnen könnte. Die Vocals zunächst rau und aggressiv, mit denen Tuomas den Rahmen der Geschichte spannt, bis Emma mit melancholischer Stimme aus der Perspektive des Teufels erzählt.

hiidenhauta-promopic-2020

Bei „Lettorikko“ gibt es zunächst ein donnerndes Drumming, das sich dann ebenso zurücknimmt wie die anderen Instrumente. Auf diese Weise lassen sie dem schwebenden Klargesang viel Raum. Das Tempo zieht an, Rhythmus und Melodie verbinden sich zu einer schwungvollen Energie, bis die Elemente des Anfangs mit den anklagenden Growls wieder aufgenommen werden.

Der Rhythmus von „Raate“ hat mich schon beim ersten Hören gefangen genommen. Dazu die wunderbar sphärische Melodie. Doch bevor man sich darin verliert, wird man durch die Growls wieder auf den Boden zurückgeholt.

Schöne Läufe im Bass und sich darin einfügende Riffs bilden einen Unterbau, der im Verlauf an Dynamik zunimmt. Das energische Drumming setzt einen weiteren Akzent.

Minä itte Perkeleen – ich bin der Teufel

Eine unheimliche Atmosphäre entsteht in „Leväkkö“ durch die sparsame Instrumentierung. Verstärkt wird der Eindruck durch die Klaviermelodien und den flüsternden Sprechgesang im Hintergrund.

„Petäjä“, „Halava“ und „Yövilkka“ machen ordentlich Tempo, haben eingängige Melodien und sinfonische Anklänge. Verbunden mit Eckpfeilern des Black Metal sind dynamische Songs entstanden, bei denen der Dialog zwischen Growls und süßem Gesang zu einem der tragenden Element wird.

„Ahonoidanlukko“ ist einer der Songs, die durch das Spiel mit den Halbtönen seine Akzente erhält und eine enorme Spannung aufbaut.

Mit „Harmio“ und einem Black Metal Gewitter werden wir aus dem Album entlassen.

Sillä tuuleksi tulisin – denn der Wind wird kommen

Stürmisch und umschmeichelnd wie ein Herbstwind erweitern HIIDENHAUTA  die Grenzen des Black Metal mit Elementen der Folk Musik und die männlichen  Vocals mit den Hardcore-Einschlägen sowie den punkigen Anteilen

Der dialogische Wechsel zwischen den Growls und dem mädchenhaften Klargesang sind gelungen und klingen sinnvoll. Ebenso wie die Kontraste zwischen den Black Metal Riffs und den melodischen Leads. Kraftvolle Klänge mit fast schon zärtlichem Gesang, rauer Black Metal mit punklastigen Riffs eingebunden in einen dunklen Sound: das ist schon ein ganz eigener Klang.

HIIDENHAUTA sind:

Tuomas Keskimäki (Vocals)
Emma Keskimäki (Vocals)
Henri Hakala (Bass)
Otto Hyvärinen (Guitar)
Eetu Ritakorpi (Drums)

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Bildquellen

  • hiidenhauta-promopic-2020: Inverse Records
  • hiidenhauta riivin album: Inverse Records
Birgit

Birgit

Iron Butterfly und Jethro Tull haben mir gezeigt, dass es neben Uriah Heep, Black Sabbath und Whitesnake noch etwas anderes gibt. Neugierig geworden höre ich seitdem alles, was sich unter dem Oberbegriff Metal und Rock versammelt. Je nach Stimmung eher Metalcore oder instrumentalen Rock. Mein Herz hängt allerdings am ganzen Spektrum skandinavischer Metalmusik: ob nun Folk-, Progressiv oder Doom-Metal.

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