LORD OF THE LOST – „Judas“ Review

(German & English)

Die dunklen Lords

bewegen sich auf biblischen Pfaden. Wie man dem Albumtitel „Judas“ entnehmen kann, geht es um die tragischste Geschichte überhaupt im Neuen Testament. Der Verrat an Jesus durch einen seiner Jünger führte letztlich zur Festnahmen und Kreuzigung von Jesus. Eigentlich eine glasklare Geschichte um den Verrat eines vermeintlich treu ergebenen Freundes und Gefolgsmannes. Doch für LORD OF THE LOST (Facebook ) ist diese Geschichte nicht so glasklar und beleuchten das Thema von verschiedenen Seiten.

Letztlich ist das durch den Verrat aufgezwungene Opfer, welches Jesus in Form seiner Kreuzigung auf sich nehmen musste, ein zentraler Kern des christlichen Glaubens. Die Songtexte beziehen sich auch auf das sogenannte Judas-Evangelium, das man nicht in der Bibel findet. Diese apokryphen Schriften ( Wikipedia ) tauchten später auf und sollen Gespräche zwischen Jesus und Judas als Inhalt haben. Ein sensibles Thema also, dem sich LORD OF THE LOST mit ihrem Album „Judas“ angenommen haben und viel Raum für Interpretationen lässt. Sie haben es aber sehr gewissenhaft getan und daher ist ein randvoll gepacktes Doppelkonzeptalbum entstanden, welches am 02.07.2021 über Napalm Records veröffentlich wird.

Grenzen

waren für LORD OF THE LOST noch nie ein Thema, denn sie haben ihre Musik stets sehr facettenreich in Szene gesetzt und sind auch den ruhigen emotionalen Tönen sehr zugetan, wie man z.B. an den Veröffentlichungen der „Swan Songs“-Reihe entnehmen kann. Sie haben bereits in heiligen Stätten, sprich in einigen Kirchen Konzerte gegeben. Grundsätzlich wandern LORD OF THE LOST eher auf dunklen Pfaden, haben dementsprechend Gothik, Dark Wave, Dark Rock und sogar Metal mit im Gepäck. Dabei legen sie viel Wert auf eine tiefe greifbare Atmosphäre, wobei die Lords gerne auch mal sehr hart zur Sache gehen und es richtig rappelt im Karton. Man darf also gespannt sein, was die Männer nach ihrem letzten Top 10-Album „Thornstar“ komponiert haben.

Photo Credit –> Jan Season / VDPictures

Unschuld und Sünde

bzw. Gut und Böse in der klassischen Interpretion durch die Farben Schwarz und Weiß dominieren das Cover des Albums. Zwei schwarze Augen auf einem weiß gehaltenen Gesicht, auf dessen Stirn ein umgedrehtes schwarzes Kreuz zu sehen ist. Für mich ein passendes Artwork, dass mit seiner schlichten Schönheit und Eleganz ohne viel Schnickschnack dem Thema angemessen beikommt.

Mehr Mythologie als Religion

steckt hinter der interessanten Betrachtung der Judas-Geschichte. In einem Interview bei RTL (Tja, ich konnte es auch kaum glauben… Ein Interview beim DSDS-Sender, aber hier ist der Link ) erzählt Chris Harms über den Ansatz dieses Albums:

Genau genommen war unser Initialversuch gar nicht, seine Geschichte zu interpretieren, weil wir es weniger historisch sehen, sondern eher mythologisch. Aber darum geht es tatsächlich nicht. Was wir so interessant fanden, war die Vielseitigkeit, wie man den Charakter Judas Iskariot interpretieren kann….. Das heißt, „JUDAS“ ist weder ein religiöses noch ein antireligiöses Album, es ist weder kirchenkritisch oder pro-kirchlich. Es ging uns eher um die Faszination an diesem Charakter.

Auszüge vom Interview RTL mit Chris Harms (Artikel vom 20.06.2021)

Die Ehre des Grand Opening

wird dem Song „Priest“ beim ersten Teil „Damnation“ zuteil. Tatsächlich ist dieser Song ein perfekter Einstieg in das kolossale Werk. Majestätische Trommeln und mystischer Frauengesang bereiten Chris Harms den Weg für seinen Einstieg. Dieser weiß wie eh und je mit seinem tollen Gesang den Hörer sofort einzufangen. Mit einem Paukenschlag setzt der Song dann seine Energie frei und die harschen Gitarrenriffs werden freigelassen. Seine mystische Note behält der Song bei. Mit einem epischen aber zeitgleich kraftvollen Chorus setzt der Song ein weiteres Markenzeichen.

Viel Gefühl und mit Wucht

eingebettet in wunderschöne Melodien, die eine ganz eigene Dimension erschaffen. In diesem Zusammenhang sei beispielhaft der Song „The 13th“ genannt, der in seinem Refrain Melodien zum Niederknien hervorzaubert und eine traurig tragische Emotionalität vermittelt und doch zum Ende ein kraftvolle anklagende Passage bereit hält, bevor es wieder mit sanfter Melodik dem Ende entgegenschwebt.

Zu den ausgiebig vorhandenen erhabenen Melodien gesellen sich wuchtige Parts, die den Sound in die Bereiche des Metal ausufern lassen. Dies sind wir von LORD OF THE LOST aber schon gewohnt, doch gestalten sich die Ausbrüche hier etwas zurückhaltender als auf früheren Alben. Trotzdem wirken die Songs in diesen Passagen massiv und brechen imposant hervor.

Sie wissen genau, was sie tun

LORD OF THE LOST haben schon immer viel Wert auf atmosphärische Sounds gelegt. Für „Judas“ haben sie sich vieler Elemente bedient, um eine einzigartige stimmige Atmosphäre zu erschaffen. Dies betrifft sowohl die gesanglichen Elemente wie die Einbindung eines professionellen Chors oder frauliche ätherische Klänge ( z.B. Song „Priest“). Zudem kommen die ausgeklügelten Synthies und orchestralen Arrangements wunderbar zur Geltung, welche das musikalische Gesamtbild authentisch verfeinern. Es ertönen sogar Klänge einer Kirchenorgel in Songs wie „Death Is Just A Kiss Away“ oder „My Constellation“, was den sakralen Charakter zusätzlich unterstützt.

Zart und hart ist die Devise beim Song „For They Know What They Do“! Ein mit Kontrasten geprägter perfekt arrangierter Song, bei dem der Chor eindrucksvoll zur stimmigen Atmosphäre beiträgt.

„Salvation“

wurde der zweite Teil des Doppelalbums getauft und wird eingeleitet vom düsteren „The Gospel Of Judas“. Insgesamt gelingt es LORD OF THE LOST auf „Salvation“ das hohe Niveau zu halten und bieten damit ein wahrlich opulentes Meisterwerk großartiger Kompositionen. Hier findet sich mit „A War Within“ ein weiteres Beispiel für eine beeindruckende Symbiose von Chris Gesang und dem sakralen Chor, die eine majestätische sondergleichen entfaltet. Als Krönung obendrauf wird noch ein wunderbares Cellosolo von Chris eingebettet.

Das gewaltige „Viva Vendetta“ nimmt eine Sonderrolle im Konzept ein. Dieser Song dient als Grundlage für ein besonderes Projekt ausgewählt hat. In den sehr limitierten Sondereditionen des Albums (Earbook 500 Stück, Holzbox 1500 Stück) gibt es zusätzliche CDs, auf denen 32! Bands bzw. Künstler ihre Interpretation dieses Songs präsentieren. Dabei wurde das Grundkonzept des Songs erhalten, aber die originalen Texte durch eigene ersetzt und hier und da etwas am Klangbild individualisiert. Einen Vorgeschmack davon gibt es im folgenden Video:

Fazit

LORD OF THE LOST feiern mit der Auferstehung des kolossalen Konzeptalbums „Judas“ das wohl am meisten ausgereifte Album der Bandgeschichte. Dies zieht sich von dem schlichten aber gelungenen Cover-Artwork, über die lyrischen gehaltvollen Texte, die Raum für Interpretationen lassen, bis hin zu einem facettenreichen harmonischen musikalischen Erscheinungsbild.

Hierbei brilliert man mit großen Emotionen und brillanten Melodien, welche eine bedächtige und fesselnde Atmosphäre erschaffen. Eine sehr ausgewogene Balance zwischen bedächtigen leichten Liedern und härteren fundamentaleren Tracks. Ganz ungezügelte extreme Ausbrüche roher ungeschliffener Natur, wie man sie teilweise von anderen früheren Alben kennt, wird man hier nicht finden. Ich hatte mich gefragt, ob gerade diese „Ausbrüche“ noch eine bösere Facette hätten forcieren können. Allerdings kam mir nach mehrmaligem Durchhören der Gedanke, dass diese den musikalischen Leitfaden des Albums vielleicht zu sehr belastet und zerrissen hätten.

Mit allem gebotenen Respekt und völlig verdienter Anerkennung für dieses mit aller Sorgfalt und Akribie komponierte Album möchte ich mich bei LORD OF THE LOST mit voller Punktzahl bedanken. Sie haben ein wahrhaftig homogenes Gesamtkunstwerk vollendet. Dabei üben die Songs eine ungemeine Faszination aus, die auf jeden Fall zu fesseln vermag! (Das kann ich nach etlichen Durchläufen jedenfalls von mir behaupten.) Dies ist neben der hervorragenden Leistung im kompositorischen bzw. instrumentalen Bereich vor allem Sänger Chris Harms mit seiner immens ergreifenden Stimme und überragenden Gesangsleistung zu verdanken. So verkörpert das Album „Judas“ ein Erlebnis der ganz besonderen Art, dass man nicht verpassen sollte.

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Review English

The dark lords

move on biblical paths. As you can see from the album title „Judas“, it is about the most tragic story ever in the New Testament. The betrayal of Jesus by one of his disciples ultimately led to the arrest and crucifixion of Jesus. Actually a crystal clear story about the betrayal of a supposedly loyal friend and follower. But for LORD OF THE LOST (Facebook ), this story is not so crystal clear and illuminate the issue from different angles.

Ultimately, the sacrifice imposed by betrayal, which Jesus had to take upon himself in the form of his crucifixion, is a central core of the Christian faith. The song lyrics also refer to the so-called Gospel of Judas, which is not found in the Bible. These apocryphal writings ( Wikipedia ) emerged later and are supposed to have conversations between Jesus and Judas as content. A sensitive topic, therefore, which LORD OF THE LOST have taken on with their album „Judas“ and leaves a lot of room for interpretation. But they have done it very conscientiously and therefore a jam-packed double concept album has been created, which will be released on 02.07.2021 via Napalm Records.

Borders

have never been an issue for LORD OF THE LOST, because they have always staged their music in a very multi-faceted way and are also very fond of the quiet emotional tones, as can be seen, for example, in the releases of the „Swan Songs“ series. They have already given concerts in holy places, i.e. in some churches. Basically, LORD OF THE LOST walk rather on dark paths, have accordingly Gothic, Dark Wave, Dark Rock and even Metal in the luggage. They put a lot of emphasis on a deep, tangible atmosphere, but the Lords also like to get down to rock in a very hard way. So you can be curious what the men have composed after their last Top 10 album „Thornstar“.

Photo Credit –> Jan Season / VDPictures

Innocence and sin

or good and evil in the classic interpretation by the colors black and white dominate the cover of the album. Two black eyes on a white face, on whose forehead an inverted black cross can be seen. For me, a fitting artwork, that with its simple beauty and elegance appropriately meets the theme.

More mythology than religion

is behind the interesting consideration of the Judas story. In an interview at TV-Channel RTL (Link ) Chris Harms tells about the approach of this album:

Strictly speaking, our initial attempt was not to interpret his story at all, because we see it less historically and more mythologically. But that’s really not the point. What we found so interesting was the versatility of how you can interpret the character Judas Iscariot….. That is, „JUDAS“ is neither a religious nor an anti-religious album, it is neither critical of the church nor pro-church. We were more concerned with the fascination with this character.

Auszüge vom Interview RTL mit Chris Harms (Artikel vom 20.06.2021)

The honor of the Grand Opening

is given to the song „Priest“ during the first part „Damnation“. In fact, this song is a perfect introduction to the colossal work. Majestic drums and mystical female vocals pave the way for Chris Harms to enter. This knows how to capture the listener immediately as ever with his great vocals. With a bang, the song then releases its energy and the harsh guitar riffs are released. The song retains its mystical feel. With an epic but at the same time powerful chorus, the song sets another trademark.

Much feeling and with force

embedded in beautiful melodies that create a dimension all their own. In this context, the song „The 13th“ should be mentioned, which in its chorus conjures up melodies to kneel down and conveys a sad tragic emotionality and yet at the end holds a powerful accusatory passage ready, before it floats again with gentle melodicism towards the end.

The extensively present sublime melodies are joined by massive parts, which let the sound escalate into the realms of metal. We are already used to this from LORD OF THE LOST, but the outbreaks are a bit more restrained here than on the earlier albums. Nevertheless, the songs seem more powerful in these passages and break out imposingly.

They know exactly what they are doing

LORD OF THE LOST have always put a lot of emphasis on atmospheric sounds. For „Judas“ they have used many elements to create a unique coherent atmosphere. This concerns both the vocal elements like the integration of a professional choir or womanly ethereal sounds ( e.g. song „Priest“). In addition, the sophisticated synths and orchestral arrangements come into their own wonderfully, which authentically refine the overall musical picture. There are even sounds of a church organ in songs like „Death Is Just A Kiss Away“ or „My Constellation“, which additionally supports the sacral character.

Soft and hard is the motto of the song „For They Know What They Do“! A perfectly arranged song marked with contrasts, in which the choir contributes impressively to the harmonious atmosphere.

„Salvation“

the second part of the double album was baptized and is introduced by the gloomy „The Gospel Of Judas“. Overall, LORD OF THE LOST succeeds in maintaining the high level on „Salvation“ and thus offer a truly opulent masterpiece of great compositions. Here, „A War Within“ is another example of an impressive symbiosis of Chris‘ vocals and the sacred choir, which unfolds a majestic unparalleled. To top it off, a wonderful cello solo by Chris is embedded.

The powerful „Viva Vendetta“ takes a special role in the concept. This song serves as the basis for a special project has selected. In the very limited special editions of the album (Earbook 500 pieces, wooden box 1500 pieces) there are additional CDs on which 32! bands or artists present their interpretation of this song. The basic concept of the song was preserved, but the original lyrics were replaced by own ones and here and there something was individualized at the sound concept. You can get a taste of it in the following video:

Result

LORD OF THE LOST celebrate with the resurrection of the colossal concept album „Judas“ probably the most mature album in the band’s history. This starts with the successful cover artwork, continues with the lyrically substantial lyrics that leave room for interpretation, and ends with a multi-faceted, harmonious musical appearance. Here they shine with great emotions and brilliant melodies, which create a thoughtful and captivating atmosphere.

A very balanced equilibrium between thoughtful light songs and harder more fundamental tracks. Completely unbridled extreme outbursts, as known in part from the other early albums, are dispensed with. I had wondered if just these „outbursts“ could have forced a more evil facet. However, after several times of listening through, it occurred to me that these might have strained and torn the musical thread of the album too much.

With all due respect and fully deserved recognition for this album composed with all care and meticulousness, I would like to thank LORD OF THE LOST with full marks. They have completed a truly homogeneous work of art. At the same time, the songs exert an immense fascination that is definitely able to captivate in any case! This is due to the excellent performance in the compositional or instrumental area, especially singer Chris Harms with his immensely moving voice and outstanding vocal performance. Thus, the album „Judas“ embodies an experience of a very special kind that you should not miss.

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Bildquellen

  • LOTL Band DARK BG 1_RGB-1-: Napalm Records / Photo Credit-->Jan Season / VDPictures
  • 989_LOTL_OFFICIAL_RGB: Napalm Records
  • LOTL Cover+Infos-1-schwarz weiß: Cover+Infos-->Napalm Records//Background created with help of Pixabay
  • LORD OF THE LOST Judas Titel: Napalm Records

Metalhead

Seit meiner Kindheit höre ich gerne Rockmusik. Es hat mit Gary Moore, Scorpions, Billy Idol, Bon Jovi, Dire Straits, AC/DC usw. angefangen, also quasi mit den Großen der 80'er und 90'er Jahre. Mit zunehmendem Alter ging der Musikgeschmack immer mehr auch in die härtere Richtung. So finden sich mittlerweile auch viele Core-Platten, so wie Black-und Death-Metal Kracher in meiner Sammlung. Daher bin ich in fast allen Bereichen des Rock und Metal unterwegs. Eine besondere Vorliebe habe ich für den Underground entwickelt, wo es richtig brennt und es viele hochklassige Bands gibt, die den Großen der Branche in nichts nachstehen, ganz im Gegenteil. In diesen Sinne: Stay tough, stay heavy!

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