MAKE THEM SUFFER – How To Survive A Funeral

VÖ Digital 19.06.2020, CD 10.07.2020

METALCORE mit zwei Gesichtern

Die Australier MAKE THEM SUFFER veröffentlichen nach dem Vorgänger „Worlds Apart“ ihr mittlerweile viertes Album mit dem skurrilen Albumtitel „How To Survive A Funeral“. Das Album hat gemischte Gefühle in mir ausgelöst. Den Grund erfahrt ihr hier, aber fangen wir erst einmal von vorne an.

Knallhart und brutal

„Step One“ als Intro kommt erfreulicherweise nicht so belanglos daher wie es sonst oft der Fall ist. Nach schönen Synthieklängen und cleaner Gitarre explodiert das Intro und stimmt einen für den ersten Song „Falling Ashes“ ein. Schlussendlich hätte man das Intro genauso gut in den Song selber einbauen könnten, aber dann hätte man eben „nur“ neun Tracks gehabt. „Falling Ashes“ überrascht gnadenlos mit einer unglaublichen Vehemenz. Prügelnde Blastbeats fliegen Euch um die Ohren und der Sänger Sean lässt seinen wütenden Shouts mit der Kraft eines Orkans freien Lauf. Es wird alles in Schutt und Asche gelegt. Die krassen Breakdowns hauen richtig rein. Im Verlauf finden Wechsel zwischen energischen Shouts und dunklen Growls statt. Tastsächlich gönnt man Euch später eine kurze Verschnaufpause, doch so einfach lässt die Band Euch nicht zum Ende kommen und am Ende fliegen noch mal die Fetzen. Der Song ist ein wahrer Dampfhammer und es geht nicht minder hart weiter mit

„Bones“

Das Ding hat einen aggressiven energischen Drive mit einem geilen Rhythmus, der mit dem Charme eines Monster-Trucks auftritt. Es ist zunächst nicht schnell, aber einfach gewaltig und beeindruckend. Trockene sprunghafte Drums treffen auf kurze knackige Riffs, wobei der Song später mitunter durch thrashige Phasen hinwegfegt. Trotzdem gibt es ein wenig Auflockerung durch den shoutigen melodischen Refrain. Insgesamt ein irrer abwechslungsreicher Monstersong. Schon mal zwei durchschlagende Songs! Geile Sache!

Kontraste

MAKE THEM SUFFER prügeln sich zunächst mit „Drown With Me“ weiter durch das Album und ich bin voll auf Krawall gebürstet und bin bereit meinen Boxsack ins Jenseits zu schicken, als mich plötzlich eine hohe Engelsstimme völlig kalt erwischt und ich erst einmal „down“ bin. Booka Nile trällert mit ihrer lieblichen Stimme vor sich hin und ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich davon halten soll. Der Bruch ist sehr hart gesetzt und ich frage mich: Ist das jetzt ein toller Kontrast oder einfach nur ein störender Zwischenpart? Der Folgesong „Erase Me“ ist ähnlich zusammengestrickt und ich habe mich dabei ertappt, dass sich dieser lieblich gesungene Refrain im Kopf festgesetzt hat. Ist das gut oder schlecht? Hmmm??? Hören wir mal rein.

Der Song offenbart zum Schluss, dass die männlichen cleanen mehrstimmigen Vocals der Band ebenfalls was zu bieten haben. Dieser vielstimmige Chorus im Abgang ist wirklich super gelungen und kommt gut rüber. Nun verstummt das Engelchen zunächst und es geht weiter mit zwei weiteren Brechern.

„Soul Decay“

begeistert mich wieder voll und ganz mit einem tollen prägnanten sich einbrennenden Riffing und einem energischen Shouting im Refrain. Ja, das Ding hat wieder Power ohne Ende und ist ein glatter Durchschuss. Aber das soll nicht heißen, dass das nicht noch steigerungsfähig wäre. „Fake Your Own Death“ holt nun alles aus der Brutalokiste und hier gibt es noch einmal die volle Breitseite mit einer Extraladung Wahnsinn obendrauf.

„How To Survive A Funeral“

treibt das Kontrastspiel zwischen „In die Fresse“ und „Zarter Kuschelkurs“ weiter voran. Ich werde mit diesem Konzept in dieser Form wohl nicht mehr warm. Es fängt mich einfach nicht ein, obwohl ich grundsätzlich den seit langem häufig verwendeten Kontrast zwischen männlichen und weiblichen Vocals gut finde. So etwas kann in der Tat ein bereicherndes Element sein. Den nächsten Song „The Attendant“ lasse ich in Anbetracht des restlichen Materials mal als Ballade durchgehen. Der Track plätschert nach einem wunderschönen klingenden Gitarrenspiel dann leider so vor sich hin. Ist ganz nett, hinterlässt bei mir aber leider keinen bleibenden Eindruck.

Den Rausschmeisser gibt der Track „That´s just Life“, der nach geladenem Beginn im Verlauf vertrackt rüberkommt und wieder in den ruhigen Zwischenparts mit der lieblichen Stimme von Booka spielt.

Pro und Contra

Der Gesang von Booka Nile scheint mittlerweile ein Markenzeichen von MAKE THEM SUFFER zu sein, die mal im dunklen DEATHCORE unterwegs waren. Dadurch besitzt man einen Besonderheitsfaktor, mit dem man sich von der Masse abhebt und somit den Wiedererkennungswert steigert. Und diese Sequenzen klingen ja auch ganz nett… und „nett“ ist das Stichwort. Für mich passt das mit dem hier vorgetragenen brutalen Metalcore-Sound nicht so recht zusammen und führt zumindest bei mir in dieser sehr kontrastreichen Art zu Irritationen. Ich denke, dass man dieses Konzept harmonischer und stimmungsmäßig passender mit der weiblichen Stimme umsetzen könnte, so wie man es auch schon in der Vergangenheit meiner Meinung nach gut gelöst hatte. Interessant ist dabei die Entwicklung bei den letzten drei Alben.

„Old Souls“ (2015) und „Worlds Apart“ (2017)

„Old Souls“ war noch ein waschechtes düsteres atmosphärisches DEATHCORE-Album. MAKE THEM SUFFER hatte den weiblichen Gesang spärlicher und dezenter eingesetzt, dafür war das Pianospiel präsenter. Die weiblichen Vocals hatte man geschickter mit dem Sound verwoben anstatt damit krass zu kontrastieren. Dies hat meiner Meinung nach dem Sound besser zu Gesicht gestanden, siehe z.B. die Songs „Blood Moon“, „Timeless“ oder „Old Souls“. Bei „Worlds Apart“ verabschiedete man sich vom DEATHCORE und gab sich nicht mehr ganz so düster, nicht zuletzt deswegen, weil man den weiblichen Gesang in hohen Tonlagen stringenter verwendete. Diesen Ansatz hat man nun beim aktuellen Album bei manchen Songs auf die Spitze getrieben.

Fazit

So hinterlässt „How I Survive A Funeral“ bei mir gemischte Gefühle. Der Beginn hat mich voll weggehauen und ich war wie benommen von der brutalen Energie, mit der hier zu Werke gegangen wird. Das ist purer K.O.-Dampfhammer-Metalcore wie bei einem Wutanfall von Mike Tyson, wo man damals in seinen besten Zeiten einfach nur noch in Deckung gehen konnte. Doch dann kommt das Engelchen Booka in den Ring geflogen, küsst Tyson auf die Stirn und aus dem wütenden Muskelberg wird ein tanzender Balletbär. Irgendwie spektakulär, aber doch skurril, befremdlich und unpassend. So bleiben für mich vier geniale straight gehaltene Brechersongs übrig, wobei „Bones“ alles toppt. Bei den anderen Songs werden krasse Kontraste geboten, die zumindest den Wiedererkennungswert verstärken. Wer dieses Konzept mag, für den ist das Album eine Bombe. Ich kann mich damit nicht so richtig anfreunden und es gibt eine 6/10.

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Bildquellen

  • MAKE THEM SUFFER-Bandfoto: MAKE THEM SUFFER - Presse Bandfoto (Starkult Promotion)
  • MH-Bewertung 6 v. 10: Danke an Comfreak (Streichholz) und OpenClipart-Vectors (Daumen) pixabay
  • MAKE THEM SUFFER-Cover + Infos.jpg: MAKE THEM SUFFER-Cover + Infos (Background "Grave"-- Susanne Jutzeler, suju-foto auf pixabay)
  • MAKE THEM SUFFER-Cover-How To Survive A Funeral: MAKE THEM SUFFER - COVER "Howe I Survive A Funeral" (Starkult Promotion)

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