Tū von ALIEN WEAPONRY

Alien Weaponry Tu Album Cover

Am 1. Juni 2018 haben ALIEN WEAPONRY ihr Album Tū via Napalm Records auf den Weg geschickt. Was die drei Jungs mit ihren 15 bzw. 17 Jahren da auf einem Album versammelt haben, ist beachtenswert. In vielerlei Hinsicht. Mit ihren Songs erzählen sie nicht nur über die Geschichte der Maori, sondern auch über Ängste von Jugendlichen, von Gleichaltrigen oder der Gesellschaft, verurteilt oder ausgeschlossen zu werden. Das Thema Anerkennung und Achtung von Menschen voreinander zieht sich durch das gesamte Album.

Alien WeaponryALIEN WEAPONRY schaffen es, mit ihrer Verbindung aus traditionellen Elementen, thrashendem und groovenden Metal, fetten Riffs, kriegerischen Schreien und melodiösem Gesang den Pulsschlag zu erhöhen und einfach zu beeindrucken. Vieles klingt noch ungeschliffen, was aber den besonderen Reiz ausmacht.

Die Verwendung von Te Reo Māori, der neuseeländischen Amtssprache, sorgt nicht nur für Aufmerksamkeit, sondern ist auch ein rhythmisierendes Element, das viel Spannung in die Songs bringt. ALIEN  WEAPONRY geht es auch um die Auseinandersetzung mit ihrer Herkunft. Lewis de Jong (Vocals, Gitarre) und Henry de Jong (Drums) besuchten eine Kura kaupapa Māori (eine Schule, in der die Sprache Te Reo Māori Unterrichtssprache ist). Diese Schulen und das Interesse gerade jüngerer Neuseeländer an der Sprache der Maori tragen dazu bei, dass diese Sprache, wieder von mehr Menschen gesprochen wird.

Der maorische Tanz Haka ist wie Metal

Das Intro Whaikōrero beinhaltet, was der Titel meint: eine formale Ansprache, die hier mit Flötenklängen unterlegt ist und wie eine Beschwörung klingt.

Rū Ana Te Whenua setzt mit den Rufen, die den Haka (Tanz) begleiten ein. Dann donnern die Drums los und ALIEN WEAPONRY bauen einen rhythmisch akzentuierten Sound auf, der eine der Grundstrukturen des Albums ist.  Kontrastierend dazu die Stimme von Lewis de Jong, die noch jung klingt und dennoch energisch. Einige der eindringlichen Rufe übernimmt Henry de Jong. Der Song ist einem Vorfahren der De Jong – Brüder, Te Ahoaho, gewidmet, der im Kampf gegen die britische Armee sein Leben ließ. Mir gefällt dieser Song mit seiner Eindringlichkeit und Energie.

 

Mit Holding My Breath geht es schwungvoll mit einprägsamenRiffs weiter. Dieser Song wird auf englisch gesungen. Geschrieben wurde er von Lewis, der hier über die Angst, von Gleichaltrigen und der Gesellschaft ausgeschlossen und missachtet zu werden. Dazu Lewis:

It’s about something that actually happened to me. I felt so bad that I literally stayed in my room and couldn’t bring myself to leave the house or talk to anyone…I wrote the song at that time, and it was one of the things that helped me work through it, so I hope it will resonate with other people going through similar things.

 

 

Raupatu groovt so richtig schön los und bringt einige großartige und eingängige Riffs, die den Song vorantreiben.

Kai Tangata – einfach umwerfend

Kai Tangata haut einen wirklich um: eine massive Klangwand wird aufgebaut, die Drums trommeln sich in die Magengegend, der Sprechgesang baut darauf auf, um dann einer Gesangsmelodie Platz zu machen, in der Lewis de Jong deutlich macht, dass seine stimmlichen Möglichkeiten variabel und noch ausbaufähig sind.

Dies macht er auch in Rage – It Takes Over Again deutlich. Dieser Song ist deutlich schneller angelegt als die bisherigen. Es wird mit Gitarreneffekten und Rhythmusvarianten experimentiert.

The Things That You Know legt den Gesang über energische Riffs und Basslinien.

Whispers beschäftigt sich mit der Rolle der Kolonisierung auf die Maori. Hier wird noch einmal die Herablassung, mit der die Kultur der Maori betrachtet wurde, deutlich. Musikalisch wechseln ALIEN WEAPONRY mit diesem Song in den Metalcorebereich. Energie und Aggression verbinden sich mit Tradition und Experiment

Mit PC Bro geht es aggressiv weiter. Urutaa beginnt sanft mit Klavierakkorden, auf die sich das Schlagzeugt mit einem tollen Beat setzt. Im fesselnden Refrain wird das Wort ‚Urutaa‘ über fette Riffs hinweggeschrien.

Der Wechsel zwischen hämmernden Drums und Akkorden, eindringlichen Rufen, macht auch Nobody Here zu einem interessanten Song.

Te Ara beginnt mit traditionellen Elementen: Trommel, mystischem Summen, Sprechgesang. Dann setzen Drums und Gitarre die bedrückende Stimmung fort, die trotz des zunehmenden Tempos erhalten bleibt. Drums und Saiteninstrumente liefern sich in ein energisches Duell, das sich in einer kurzen helleren Passage zunächst auflöst, um dann um so kräftiger wieder einzusetzen. Ein fast beängstigendes Stück, insbesondere dann, wenn zum Schluss wieder ein Sprechgesang einsetzt.

Hypocrite haut einem abschließend noch einem ordentlich etwas um die Ohren. Tiefer wummernder Bass, repetitives Riffing und darauf coremäßige Vocals – hiermit kommen ALIEN WEAPONRY  ganz woanders raus, als sie zu Beginn des Albums gestartet sind.

Maori-Kultur und Thrash Metal: Fusion für Neues

ALIEN WEAPONRY haben einen erstaunlich groovenden und massiven Sound geschaffen. Es hat ja schon viele Bands gegeben, die traditionelle Elemente in ihre Musik mit aufgenommen haben. Die Ernsthaftigkeit verbunden mit jugendlicher Lässigkeit, mit der ALIEN WEAPONRY die Sache angehen, lässt darauf hoffen, dass aus diesen Wurzeln zukünftig noch Experimentierfreudigeres wächst. Der Titel ist nicht nur ein Hinweis auf den Kriegsgott Tūmatauenga sondern bedeutet auch: stark und stolz sein und für etwas einstehen. Ich bin sehr gespannt darauf, welchen Weg das Trio einschlagen wird, um weiterhin für ihr kulturelles Erbe einzustehen und dies mit der Gegenwart und Zukunft zu verbinden.

Auf jeden Fall haben sie mit Tū ein Debüt hingelegt, das zeigt, welches Potential in ihnen steckt und auch, wie lebendig und wandlungsfähig Metal sein kann.

Tracklist

01   Whaikorero
02   Ru Ana Te Whenua
03   Holding My Breath
04   Raupatu
05   Kai Tangata
06   Rage – It Takes Over Again
07   The Things That You Know
08   Whispers
09   PC Bro
10   Urutaa
11   Nobody Here
12   Te Ara
13   Hypocrite

 

ALIEN WEAPONRY sind:

Lewis de Jong (Vocals, Gitarre)
Ethan Trembath (Bass)
Henry de Jong (Drums)

 

ALIEN WEAPONRY könnt ihr hier live erleben:

2.- 4.8.2018     │ Wacken Open Air

15.-18.8. 2018 │ Summer Breeze (Dinkelsbühl)

sowie

27.8.2018 │ München (Backstage) zusammen mit NERVOSA

 

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Bildquellen

  • Alien Weaponry: Napalm Records Pic by Maryanne Bilham
  • Alien Weaponry Tu Album Cover: Napalm Records
Birgit

Birgit

Iron Butterfly und Jethro Tull haben mir gezeigt, dass es neben Uriah Heep, Black Sabbath und Whitesnake noch etwas anderes gibt. Neugierig geworden höre ich seitdem alles, was sich unter dem Oberbegriff Metal und Rock versammelt. Je nach Stimmung eher Metalcore oder instrumentalen Rock. Mein Herz hängt allerdings am ganzen Spektrum skandinavischer Metalmusik: ob nun Folk-, Progressiv oder Doom-Metal.

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