Der Festivalsommer 2022 und seine Probleme

WOA2019

Lange mussten wir uns gedulden, denn 2 volle Festivalsaisons sind ausgefallen. Weder 2020, noch 2021 gab es die gewohnten Events…oder zumindest die meisten davon gab es nicht. Nun haben wir 2022, Corona ist wenigstens etwas in den Hintergrund getreten und eigentlich könnte der Festivalsommer 2022 für alle so richtig starten. Wenn…ja wenn das Wörtchen wenn nicht wäre. Denn so einfach gestaltet sich die Sache anscheinend gar nicht.

Absage des „Rock am Stück“ Festivals

Nun hat es zum Beispiel das Rock am Stück Festival erwischt. Die Veranstalter mußten leider absagen. Hier mal eine Kopie des original Textes:

Hallo zusammen, wie die gesamte Branche haben auch wir seitens ROCK AM STÜCK uns darauf gefreut, dass Live-Events endlich wieder im normalen, gewohnten Umfang statt finden dürfen. Normal und wie gewohnt läuft momentan jedoch leider gar nichts: ein spürbarer Vorverkauf findet nicht statt, wir liegen sehr weit hinter den benötigten Ticketzahlen zurück. Zudem explodieren die Preise der Festival-Infrastruktur mit heftigsten Preissteigerungen. Der Vorverkauf ist das Vertrauen der Fans in die Veranstaltung; leider ist dieses in diesem wichtigen, ersten Jahr nach der Pandemie nicht wirklich vorhanden bzw. deutlich zu schwach gewesen. Denn jedes Festival lebt vom Ticket-Vorverkauf; im Vorfeld sind – neben den Gagen-Anzahlungen der Bands – jede Menge Dinge vor zu finanzieren. RaS war immer ein Festival von Fans für Fans. Bei aller Fanliebe müssen wir als Veranstalter unser Open-Air-Festival auch wirtschaftlich betrachten. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, ROCK AM STÜCK 2022 schweren Herzens abzusagen. Wir werden die Zeit nutzen, uns neu aufzustellen, um zukünftig wieder mit Euch durchzustarten. Uns würde es enorm helfen, wenn Ihr die Tickets behaltet. Was uns bleibt, ist auf Euer Verständnis zu hoffen. Rockige Grüße! LohrBergWerk Rock-Promotion und die gesamte RaS-Crew

Probleme für die Festivals

Ihr lest es oben selbst. Der Vorverkauf stockt, die Kosten sind teilweise extrem gestiegen. Und ohne Vorverkauf kann man verständlicherweise gar nichts planen. Dazu kommt noch das Problem, dass aus den Jahren 2020 und 2021 ohne Ende Konzerte anstehen, die nachgeholt werden wollen. Hat man also noch Tickets aus den Vorjahren, dann kann es schon mal stressiger werden. Dazu sind die Leute verunsichert, ob das anstehende Event überhaupt stattfinden wird, da viele Regelungen und Auflagen rund um Corona ja noch gar nicht geklärt sind. Teilweise pro Bundesland andere Regelungen. Wie können Massenveranstaltungen in Zelten z.B. statt finden? Im Zug zum Festival brauche ich ne Maske, im Festivalzelt dann aber nicht? Fragen über Fragen.
Dazu kommt das nächste Problem…die freiwilligen Helfer werden knapp. Zumindest machen wir selbst die Erfahrung gerade beim Rage Against Racism Open Air.

Probleme für die Bands

Nicht nur die Festivals sind betroffen. Auch die Bands schauen mit ihren Touren teilweise in die Röhre. So mussten Manticora gerade ihre Tour abbrechen, weil im Vorverkauf viel zu wenig Tickets abgesetzt wurden. Kaum schreibe ich hier diesen Text, hat mein Kollege Metalhead zu dieser Thematik ebenfalls berichtet KLICK.

Corona hat bleibenden Schaden hinterlassen

Warum haben die Leute keine Lust mehr? Es liegt ja nicht nur an der Unsicherheit, ob jetzt Festival X oder Y statt findet. Es liegt bei einigen sicher auch daran, dass man sich mit der Situation während Corona irgendwie abgefunden hat. Die Besucher haben sich die Konzerte quasi gezwungenermaßen abgewöhnt. Ich merke es an mir selbst…man ist faul und träge geworden. Dazu kommt noch folgendes Problem. Die Zeit, die früher für Konzerte oder Festivals drauf ging, die hat man inzwischen anders verplant, das Leben einfach angepasst. Und last but not least, wollen wir die Inflation nicht vergessen. Leider wird gefühlt gerade sämtlicher Kram des täglichen Bedarfs scheiße teuer.

Wacken und andere Festivals

Und weil alles scheiße teuer wird, hat man die Kohlen für so ein dickes Ding wie das Wacken z.B. auch nicht mehr so locker sitzen. Mit Ticket, Fahrt hin und zurück sowie der Verpflegung ist man sehr schnell bei 600-700 Euro gelandet. Und dann hat man sich noch nicht mal groß angestrengt und den halben Campingplatz auf ein Bier eingeladen. Man liest jedenfalls im Moment verstärkt von Leuten, die ihre Wacken Tickets über die offizielle Tauschbörse nicht los werden. Auch für das Rock Hard kursieren sehr viele Tickets in der entsprechenden Facebookgruppe. Ist aber nur so ein Gefühl von mir, dass hier mehr angeboten wird, als die Jahre davor.

Die Zwickmühle für die Veranstalter

Wenn man sein Festival ein weiteres Jahr verschiebt, werden die Leute, die bereits ihr Ticket gekauft haben, vermutlich gar keine Lust mehr haben. Aber mit Verlust veranstalten, weil eben der Vorverkauf nicht gut lief, geht ebenso wenig. Gerade die kleineren Events werden oft von Vereinen ausgerichtet, da geht es gar nicht um Geld verdienen. Die müssen sich aber irgendwie rechnen und finanzieren. Und die Großen, die müssen davon leben, denn da gibt es zig festangestellte Mitarbeiter. Genau so wie die Bands, die ihre Gage brauchen. Irgendwie sind alle gerade gefangen in einem Teufelskreis und alles steht und fällt mit den Besuchern.

Fazit zum Festivalsommer

Was also tun, sprach Zeus? Ich weiß es wirklich nicht. Vielleicht müssen die Festivals eine Nummer kleiner wieder von vorne anfangen, mit „günstigeren“ Bands und bezahlbaren Preisen. Und sich so das Interesse der (potentiellen) Besucher Stück für Stück zurück holen. Fakt ist, wenn die Leute den Arsch nicht hochkriegen, dann wird das nix mehr. Denn leider braucht niemand Festivals und Konzerte, die nicht besucht werden. Aber dann dürfen wir alle hinterher nicht meckern, wenn Veranstaltungen sterben und vielleicht für immer von der Bildfläche verschwinden.

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Bildquellen

  • WackenBeitrag: Bildrechte beim Autor

Moldi

Angefangen hat der Metal Virus im zarten Alter von 15 mit einer Iron Maiden LP aus dem Gebrauchtplattenladen. Mein Geschmack ist inzwischen sehr breitbandig, gehört wird, was gefällt.

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3 Antworten

  1. Paul sagt:

    Da kann man nur traurig zustimmen. Als Veranstalter habe ich selbst erlebt, wie das Vertrauen der Fans geschwunden ist – und habe einen vierstelligen Verlust eingefahren. Es steht und fällt mit den Fans – wenn die nicht aus ihrer Lethargie erwachen, sterben Veranstalter und kleinere Bands…

  2. Eric sagt:

    Vieles davon ist wahr, aber das, was einige Veranstalter aktuell treiben, wird nicht dazu beitragen, die Kundschaft zufrieden zu stellen sondern eher, ihnen Festivals zu vermiesen.
    Ganz vorne dabei in dieser Disziplin ist nach der laut in sozialen Medien vorgetragenen Meinungen Rock am Ring. Die Leute fühlen sich mittlerweile abgezockt, kleinlich gegängelt und übervorteilt und werden sich zweimal überlegen, ob sie darauf noch Lust haben. Das ist nicht das übliche Gemecker, das geht viel tiefer. Die Besucher, das sollten die Veranstalter bitte verstehen, haben nämlich auch nicht mehr Geld als vor der Krise.

  3. Jay Jay sagt:

    Hi. Wir waren gerade auf Rock am Ring. Die 600-700 Euro sind sehr schnell erreicht. 6 Euro ein Bier plus 3 Euro Becherpfand sind schon happig. Dazu kommt dann noch Essen zwischen 6 bis 10 Euro. Dann hat man noch keinen T-shirt( 35 Euro ) oder einen Pulli (60). Dann hat man noch so einen Chip am Handgelenk, der die halbe Zeit nicht funktioniert und beim bezahlen auch recht unübersichtlich ist. Die Damen mussten ewig anstehen um auf Toiletten zu kommen, hier wurde richtig gespart. Es gibt sehr viele Erfahrungen von anderen Konzerten, die man hier am Ring besser machen könnte. Aber scheinbar versucht man nur Geld zu machen. Sehr Schade. Dennoch muss ich sagen, die Fans auf den Zeltplätzen waren absolut überragend. Der Spaß war riesig und ich werde wohl nächstes Jahr wieder fahren. Will ja wieder mal mit abrocken.Also fang ich schonmal mit dem Sparen an….

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