Die Musikreise – heute: Liverpool

Liverpool Titelbild

Da Reisen bekanntlich bildet, berichtet eure metal-heads-Redaktion ab sofort in loser Reihenfolge von ausgewählten Orten der Musikgeschichte und den Anfang machen wir heute mit Liverpool. Der 500.000 Einwohner-Stadt im Nordwesten Englands.

Über Erwartungen und Realität

Zugegebenermaßen: Der Autor dieser Zeilen hatte sich im November 2021 vorsorglich auf den Anblick einer dahinsiechenden, ehemaligen Hafen- und Industriestadt eingestellt. Und entsprechend gering war die Erwartungshaltung vom Stadtbild. Und dann noch die recht beschwerliche Anreise. Denn während Direktflüge zum Liverpooler Flughafen derzeit nur von Berlin (und bald auch von Frankfurt/Main) möglich sind, ist Manchester Airport Endstation für Flüge von sämtlichen übrigen deutschen Flughäfen. Dort angekommen, geht es für über eine Stunde mit der Bahn zum End- und Sackbahnhof Lime Street weiter (Zugtickets kann man problemlos vor Ort noch kaufen, getreu dem Motto: VISA, die Freiheit nehme ich mir). Endlich in Liverpool angekommen, ist man mehr als überrascht von der Sauberkeit des edel anmutenden Bahnhofs. Und dann dieser erste Blick von außerhalb des Bahnhofsgebäudes auf das historische The Liner Hotel. Dazu dieser markante Radioturm und direkt beginnt das Kopfkino: wurden dort in den 60´ern des vergangenen Jahrtausends auch die bekannteste Band der Stadt, The Beatles, rauf und runter gespielt? Willkommen in Liverpool mit seinen 30 Stadtbezirken. Wir machen uns auf nach Riverside, denn wir wohnen direkt in der City, nur wenige Fußminuten von den bekannten Albert Docks entfernt. Und das historische Hafengebiet war immerhin bis letztes Jahr Weltkulturerbe. Und daher ist die Gegend auch mächtig rausgeputzt worden mit Museen, Lokalen, der Promenade und natürlich dem Fähranleger für die von Gerry & The Pacemakers besungene „Ferry across the Mersey“ (das Lied wird natürlich auch gespielt, wenn man nach Birkenhead übersetzt) . Standesgemäß heißt unsere Bleibe für drei Nächte Hard Days Night Hotel. 24 Stunden visuelle und akustische Beschallung durch die Beatles inklusive.

Abendstimmung
Abends auf der Mathew Street

Über Sklaverei und The Beatles

Direkt um die Ecke des Hotels beginnt mit der Mathew Street ein Straßenzug, der Musikgeschichte geschrieben hat. Denn hier findet sich noch heute der – zugegeben – Nachbau des legendären Cavern Club wieder. Dort – und natürlich in Hamburg – begann die Weltkarriere von John Lennon, Paul McCartney, Ringo Starr und George Harrison. Die Wenigsten wissen allerdings, dass die Kellerräume auf der Mathey Street, für die man drei Stockwerke in die Tiefe wandern muss, früher als Sklaven-Lager ge- oder besser missbraucht wurden. Aber dies vergisst die feierwütige Meute vor Ort, die sich für 5 Pfund Eintritt einen Abend zurück in die 60´er Jahre des letzten Jahrtausends schießt. Inzwischen auf zwei Bühnen aufgestockt, covern und rocken, singern und songwritern sich diverse Lokalgrößen durch das Repertoire der Merseybeat-Zeiten. Ein echter Genuss, denn handwerklich sind sämtliche Künstlerlinnen und Künstler einfach großartig.

Tunnelblick
Hier spielten die Beatles 292 Mal

Das LIPA macht die Stars von Morgen

Unzählige musikhistorische Devotionalien von den Stones, den Beatles oder B.B. King, aber auch von aktuelleren Musikgrößen wie Oasis oder Bonamassa finden sich hier in den Glasvitrinen wieder. Aber eigentlich schauen sich die wenigsten nur um, sondern es wird eher getrunken, getanzt und vor allem kräftig mitgesungen. Und letzteres macht quasi jeder. Eine unglaubliche Stimmung und von drei Abenden verschlug es uns daher auch direkt zweimal in diese heiligen Hallen (geöffnet bereits ab 11.30h morgens). Am zweiten Abend durften wir – nach dem wir uns am ersten Abend taktisch klug mit dem Türsteher unten angefreundet hatten – dann auch an der Ur-Auffühung der Studenten des LIPA – die Abkürzung steht für das Liverpool Institute of Performing Arts – beiwohnen. Eine Ehre, denn eigentlich hatten nur die Eltern der 16 bis 18-jährigen sowie die Presse Zutritt zu dieser Performance. Leider war der LIPA-Gründer und Mäzen an diesem Abend nicht live vor Ort. Aber das wäre dann auch zu Viel des Guten gewesen, Sir Paul McCartney direkt beim ersten Besuch in Liverpool gleich auch noch live gegenüberzutreten.

Bretter, die die Welt bedeuten
Bühne des legendären Monday Clubs

Ein Muss: Ian Prowse und sein Monday Club

Wen man aber in dieser Musik-Metropole unbedingt gegenübertreten muss, ist der Gastgeber des berühmten Monday Clubs. Ian Prowse, Urgestein, Vollblut-Musiker (eigene Bands: Amsterdam und Pele) und charmanter Gastgeber im Cavern Pub. Ja, richtig gehört. Genau gegenüber vom Cavern Club gibt es mir dem Cavern Pub ebenfalls auf der Mathew Street ein kleines, aber feines „Geschwisterchen“ . Und da ist Montags die Hölle los. Denn für umsonst gibt es ab 20.00h alles und jeden zu hören, der an dem Abend Bock hat, drei eigene Songs zu performen. Mit tollen Ansagen, einem dankbaren und sehr musikaffinen Publikum macht es hier noch mehr Spaß, denn Abwechslung und Können sind garantiert. Sprich: ein Muss! Wer mit Ian ins Gespräch kommt, erfährt dann auch so Einiges über die Liverpooler Musikszene, über seinen Spezi Elvis Costello, den er schon mal auf Tour begleitet und überhaupt. Aber genug gespoilert. Guckt und hört euch den feinen Kerl einfach mal an. Hier seine Single „Battle“ , in deren Genuss wir im November 2021 im Cavern Club sogar live kamen:

Die Scousers, der verrückte Montag und Live-Fußball

Die Einheimischen, die nach der lokalen Eintopfspezialität „Scouse“ (Labskaus) benannt sind und daher als Scousers bezeichnet werden, sind echt der Hammer. Liebenswert, hilfsbereit, megawitzig. Ob im Endbahnhof Lime Street, der Hotel-Lobby oder einer der zahlreichen Pinten. Man kommt leicht ins Gespräch. In den Kneipen wie dem The Grapes (Wo? Natürlich auf der Mathew Street) singt man auch ziemlich schnell gemeinsam mit der textsicheren Bedienung, die auch schon mal selbst ins Mikro trällert, mit. Denn Karaoke ist in Liverpool (wie bei allen Briten) eine Art Lebensgefühl. Und überhaupt sind ja Engländer bereits an sich ziemlich feierwütig. Freitags und Samstags wird die Sau rausgelassen. Sonntags sind die meisten dann depressiv, weil es Montag wieder für fünf Tage an die Schüppe geht. Und damit dem nicht so ist, haben die Liverpooler einfach den „Maniac Monday“ erfunden. Sprich: Montags abends ist noch mehr los als am Wochenende. So lässt sich die lästige Arbeitswoche echt verkürzen und sie beginnt auch gut – zumindest nach Feierabend. Wen es also einmal nach Liverpool zieht, der sollte sich ein Wochenende bis mindestens Dienstags gönnen. Und vergesst die Idee, an Fußball-Tickets zu kommen. Da habt ihr allenfalls Chancen auf ein FA-Cup-Match gegen einen Drittligisten oder auf Hospitality-VIP-Tickets für über 200 Pfund pro Stück. Wir haben es vergeblich versucht und daher als Trostpflaster „nur“ die Stadiontouren des FC Liverpool und des FC Everton besuchen können. Die aber auch lohnen. Apropos Fußball.

Stadiontour
Über den Dächern der Anfield Road

Wo Campino sein Bier trinkt

Es ist wahrlich kein großes Geheimnis, dass der gebürtige Düsseldorfer Andreas Frege zum einen halber Brite und zum anderen glühender Fan des Liverpool Football Club ist. Und wie es sich in der Welt der Prominenz gehört, freundet man sich unter Berühmtheiten sehr schnell und gerne an. Daher ist Herr Frege, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Campino, auch mit dem Trainer der Reds, Jürgen Klopp, befreundet und hin und wieder zum Fussi-Gucken in der Mersey-Metropole am Start. Während der Sänger der Toten Hosen in seiner Wahlheimat Berlin nicht unerkannt über die Straßen laufen kann, ist dies in Liverpool etwas anders. Hier kann er ungestört und in Ruhe sein Bierchen in sich reinkippen. Konnte, muss man wohl besser sagen. Denn in der bislang nur auf Englisch erschienenen Autobiographie („My Fifty Years with Liverpool FC“, Seite 310) des Stadionsprechers vom Liverpool FC, der legendären „Voice of Anfield“, verrät besagter George Sephton, wo sich Campino am liebsten einen brennt. Und zwar in den Philharmonic Dining Rooms. Dem edelsten und teuersten Pub der Stadt. Und der liegt auf der Hope Street. Wenn das kein Zufall ist, denn so lautet bekanntlich auch der Titel des gleichnamigen Buches von Campino.

Cheers, Scousers
Heute im Ausschank: 9 gezapfte Biere im Philharmonic Dining Room

Carpool Karaoke mit Sir Paul McCartney

Wir von metal-heads.de machten natürlich den Test in besagtem Etablissement. Und wir müssen sagen, die hochpreisigen 5,05 Pfund für einen Pint lohnen sich. Denn zum Wieder-Ausspülen darf man als Gast edle Marmortoiletten besuchen und überhaupt bietet der Laden ein edles Ambiente. Vielleicht kenn ihr die Philharmonic Dining Rooms durch die Carpool Karaoke-Filmchen von James Corden (The Late Late Show). Der war mit Sir Paul McCartney nämlich hier vor Ort. Wie uns die Bedienung aber berichtete, war natürlich der ganze Film von vorne bis hinten fake. Alle Gäste, der Laden selbst und die Presse wussten natürlich Tage vorher, dass der berühmte Sohn der Stadt wieder mal „Nachhause“ kommt. Der große Saal wurde extra umgebaut, eine Bühne gibt es an der Fensterfront des Pubs mit Restaurant auch gar nicht.

Der Raum, wo die Bühne von Paul McCartney stand

Aber dies tat diesem Spektakel damals keinen Abbruch. Und da es auch Jahre später immer wieder anrührend ist, diesen Film anzuschauen, zeigen wir euch das Ganze hier noch einmal sehr gerne. Der Spaß im Philharmonic Dining Rooms beginnt übrigens ab ca. Minute 15 und 45 Sekunden….

Ach ja, wir geraten ins Schwärmen. Und könnten euch daher noch von Besuchen in Plattenläden wie Probe Records berichten. Aber wir heben uns noch was für einen weiteren Bericht auf und möchten euch auch bald ein tolle, junge Künstlerin – made in Germany – vorstellen, die hier am LIPA erfolgreich studiert hat und gerade ihre Karriere startet. Bleibt gespannt und freut euch auf „The One and Only…“ . Mehr wird hier noch nicht verraten!

Die Link-Liste

Wer nun neugierig geworden ist auf diese Stadt mit den tollen Einwohnern, für den haben wir hier eine kleine Liste mit Empfehlungen und Tipps zur Reisevorbereitung zusammengestellt (für die Inhalte der dortigen Seiten übernehmen wir aber keine Haftung):

  1. The Cavern Club
  2. Monday Club im Cavern Pub
  3. Stadiontour beim FC Liverpool
  4. Jacaranda (Plattenladen plus Live-Location)
  5. Karaokebar The Grapes
  6. Buchbestellung George Sephton – The Voice Of Anfield
  7. The Philharmonic Dining Rooms
  8. Probe Records (spärlicher Internetauftritt, ist halt 1971 etabliert worden)

Weitere Szenetipps

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Bildquellen

  • Abendstimmung Mathew Street: (c) Ralf, metal-heads.de
  • Bühne im Cavern Club: (c) Ralf, metal-heads.de
  • Bühne Cavern Pub: (c) Ralf, metal-heads.de
  • Liverpool FC Stadiontour: (c) Ralf, metal-heads.de
  • Philharmonic Dining Rooms Theke: (c) Ralf, metal-heads.de
  • Philharmonic Dining Rooms Saal: (c) Ralf, metal-heads.de
  • Beatles Statue und Royal Liver Buidling: (c) Ralf, metal-heads.de

Ralfi Ralf

Als ich mir mit 14 zum ersten Mal das Nasenbein beim Moshen mit dem Tennisschläger im heimischen Kinderzimmer brach, war es um mich geschehen! METAL...

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