Nordic Night mit WARDRUNA

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Nordic Night mit WARDRUNA, Lindy-Fay Hella & Dei Farne, KALANDRA und Eivør

Unter diesem Titel sind WARDRUNA mit KALANDRA und Lindy-Fay Hella & Dei Farne zurzeit in Europa unterwegs.

Am 2. Juli 2022 haben sie ein Konzert im Amphitheater von Gelsenkirchen gegeben. Mit dabei war auch Eivør, was dem Abend einen weiteren besonderen Moment hinzugefügt hat.

Zweimal ist die Tour verschoben worden. Auch die Release-Show zum Album „Kvitravn“ konnte nicht live stattfinden. Dafür gab es ein „Live im Studio“ – Streaming-Event (mehr dazu HIER), dass trotz der Distanz eine einzigartige Stimmung erzeugen konnte. Um so mehr habe ich mich darauf gefreut, die neuen und die bekannten Lieder live zu hören.

Das Amphitheater bietet grundsätzlich eine großartige Kulisse: das weite Rund, sonnendurchflutet (was anfangs gut, später beim Auftritt von WARDRUNA eher ungünstig war), Schiffe, die auf dem direkt hinter der Bühne liegenden Rheine-Herne-Kanal vorbeifuhren, eine leichte Brise und ein erwartungsvolles Publikum.

Lindy-Fay Hella & Dei Farne eröffnen die Nordic Night

lindy fay hella & dei farne 2 nordic night 2.7.22

Lindy-Fay Hella, die mit ihrer Stimme auch wesentlich zum Klang von WARDRUNA beiträgt, eröffnet den Abend. Sie hat mit der Band DEI FARNE 2021 das Album „Hildring“ veröffentlicht.  Auf der Bühne stehen zwei Schlagzeuge mit weiteren Percussions-Instrumenten sowie Keyboards, was bereits einen Hinweis auf die klangliche Basis gibt. Ein ungewohntes Bild ist es, Lindy-Fay barfuß, aber in einem robengleichen, schulterfreien Kleid und mit violett schimmernden Haaren zu sehen. Doch sobald sie zu singen beginnt, stehen ihre klare, ausdrucksvolle Stimme und die Musik im Vordergrund.

lindy fay hella & dei farne nordic night 2.7.22

In eine Grundstruktur aus Folk, elektronischer Musik und komplexer Percussion webt Lindy-Fay mal kraftvolle, mal zarte Melodien hinein, die dann regelrecht über dem Ganzen schweben. Interessante rhythmische Strukturen, verträumte und dann wieder düstere Klänge erschaffen Lieder voll Schlichtheit und Tiefe. Ein gelungener Auftakt für diesen Abend.

KALANDRA bezaubern mit ihren Melodien und Klängen

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Auch Sängerin Katrine Stenbekk ist später noch bei WARDRUNA dabei. Doch zunächst steht sie mit KALANDRA auf der Bühne. KALANDRA scheinen auch in Deutschland eine Fanbasis zu haben, wenn man die Stärke des Applauses betrachtet, mit dem sie bedacht werden, als sie die Bühne betreten. Eventuell hat es auch damit zu tun, dass KALANDRA den Soundtrack zum Video-Spiel „Kingdom Two Crowns: Norse Land“ komponiert haben. Das Bühnen-Outfit ist fantasievoll, mit Farben und Mustern, die die Atmosphäre der Musik unterstreichen.

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Ruhig und gelassen beginnen sie ihr Set. Und bereits jetzt wird deutlich, was sich über das Set fortsetzt. Die zauberhafte Stimme von Katrine Stenbekk bildet das Zentrum der Songs. KALANDRA präsentieren nordisch – alternative Folk-Pop-Musik mit einer ganz besonderen Note. Und das nicht nur, wenn ein Bogen genutzt wird, um der Gitarre sphärische Klänge zu entlocken. Abwechslungsreich und fokussiert, auf Englisch und in ihrer Muttersprache gesungen, klingen KALANDRA harmonisch und entspannt.

EIVØR:  Songs, die Sehnsucht nach dem Norden auslösen

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Auch Eivør wird mit großem Applaus begrüßt.
Eivør gelingt es wie kaum einer anderen Künstlerin, Pop-Musik mit traditioneller Musik zu etwas Neuem zu verbinden. Ihre musikalischen Wurzeln liegen u.a. in alten zum Tanz gesungenen Balladen aber genauso auch in Rock- und Popmusik. Wie sie selbst sagt, hat sie ihr Set für den heutigen Abend angepasst. Begleitet wird sie von Mattias Kapnas am Keyboard.

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Für Eivør ist die Stimme wohl das wichtigste Instrument. Sie nutzt ihre in einer Varianz von zart bis intensiv, immer glockenklar und voller Energie. Die Intensität, mit der sie ihre Lieder präsentiert, erreicht spürbar das ganze Publikum. Die Lieder sind wie eine Umarmung mit Klängen. Vor allen Dingen dann, wenn sie sie mit der Rahmentrommel begleitet: minimalistisch und dabei eindringlich und bewegend. Eivørs Präsenz, der Rhythmus und die wunderbaren Melodien ermöglichen ein intensives Erleben und lösen Sehnsucht nach dem Norden aus.

WARDRUNA: „Kvitravn“ – Neues entstanden aus Zeitlosigkeit

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Bevor WARDRUNA die Bühne betreten, werden Stoffbahnen ausgerollt, die als Hintergrund für die Lichteffekte dienen werden, und die Instrumente – u.a. die großen Bronzeluren – platziert. Noch mit der Release-Show im Gedächtnis, bin ich gespannt, wie Licht und Schatten hier eingesetzt werden können (da es um diese Zeit in Gelsenkirchen noch die Sonne scheint).

In schlichtem Schwarz gekleidet und durch feine Accessoires wie Fibeln und Gürteln ergänzt, kommen WARDRUNA auf die Bühne. Die Art, wie die Instrumente gespielt werden, erlauben den Musikern nicht viel Bewegung. Dafür erzeugt die Beleuchtung, das Spiel mit Farben und Schatten eine Dynamik, die die Wirkung der Lieder unterstützt. Dass Einar Selvik zwischen den Liedern auf Kommentare verzichtet, trägt ebenfalls dazu bei, dass die Musik im Vordergrund steht.

Neue und alte Lieder ausgewogen aufeinander bezogen

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Das Bühnenbild, die eher leise gemischt Musik, die Konzentration der Musiker und auch der Zuschauer tragen dazu bei, dass sich eine fast schon andächtig-meditative Stimmung über die Arena senkt. WARDRUNA beginnen ihr Set mit „Kvitravn“ vom aktuellen Album. Nach und nach entfalten sich Klänge, die die Verbindung des Menschen zur Natur und zu sich selbst herstellen können, wenn man sich darauf einlassen will. Und das Publikum hat sich darauf eingelassen!

WARDRUNA spielen sowohl Lieder vom neuen Album als auch aus der Runen-Trilogie. Interessant, wie Einar Selvik Gestik und Körperhaltung zur Übermittlung der Lieder einsetzte. Erzählend bei den „Kvitravn“-Liedern, beschwörend bei den Runenliedern. Das Publikum ging entsprechend mit. Die neuen Lieder wurden mit viel Applaus bedacht und die Runen-Lieder wie „Odal“ und „Fehu“ mitgesungen und teilweise von „Odin“-Rufen begleitet.

 „Helvegen“ – vom bindenden Band befreit

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Bei den Konzerten von WARDRUNA darf „Helvegen“ (vom 2013er Album „Yggdrasil„) nicht fehlen. Es wurde auch heute vom Publikum lautstark eingefordert.

Einar Selvik sagt über „Helvegen“, dass es vom Tod handle und davon, loszulassen und sich zu erinnern. Er nimmt das Lied auch zum Anlass, das Konzept hinter WARDRUNA zu erläutern: In einer Musik, die so alt ist, dass sie zeitlos sei, die Gegenwart zu reflektieren, die Resonanz zu spüren und daraus etwas Neues zu schaffen. Er spricht über die Verbindung des Menschen zur Natur und darüber, dass es wichtig ist, keine Grenzen im Denken zu ziehen. Daraus zieht er den Schluss, dass keine Kultur besser ist als die andere, und dass es wichtig ist, den Bezug zur Natur und zu den eigenen Traditionen nicht zu verlieren. Dann fordert er die Zuhörer auf, öfter zu singen!

„Go home and sing more! Singing is medicine.”  

Das Publikum honoriert dies mit zustimmendem Applaus. „Helvegen“ ist – zumindest emotional – der Höhepunkt des Abends, der in Standig-Ovations  mündet. Es ist gut, dass Einar Selvik diese Energie mit der skaldischen Version von „Voluspá“ aufnimmt und für einen weiteren intensiven, aber ruhigeren Moment sorgt. Mit frenetischem Applaus werden WARDRUNA verabschiedet.  

Nordic Night – Fazit

Die „Nordic Night“ war voller zauberhafter, anregender und intensiver Momente. Die Musik der vier Bands – so unterschiedlich sie auch ist – hat ein Klanguniversum geschaffen, das Sehnsucht nach nordischen Landstrichen und der Begegnung mit Mythen und Natur hervorruft.

Insbesondere die Gedanken zum Verhältnis von Vergangenheit und Gegenwart sowie dem animistische Hintergrund hinter der Musik von WARDRUNA, die auch von den anderen Bands geteilt werden, tragen dazu bei, Grenzen zu erweitern.  Die Anziehungskraft dieser Ideen und der Musik, in der sie ausgedrückt werden, wurde auch an diesem Abend wieder spürbar. Und es war an der Zeit, dass diese „Nordic Night“ endlich stattfinden konnte.  

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Bildquellen

  • lindy fay hella & dei farne 2 nordic night 2.7.22: birgit@metal-heads.de
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Birgit

Iron Butterfly und Jethro Tull haben mir gezeigt, dass es neben Uriah Heep, Black Sabbath und Whitesnake noch etwas anderes gibt. Neugierig geworden höre ich seitdem alles, was sich unter dem Oberbegriff Metal und Rock versammelt. Je nach Stimmung eher Metalcore oder instrumentalen Rock. Mein Herz hängt allerdings am ganzen Spektrum skandinavischer Metalmusik: ob nun Folk-, Progressiv oder Doom-Metal.

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