Persistence Tour 2020 – Oberhausen – Teil 2

Persistence Tour - 2020 - Sammy Siegler
Gorilla Biscuits - Persistence Tour - 2020

Zweiter Teil des Konzertberichts der Persistence Tour 2020 in Oberhausen.

Oberhausen – 25.01.2020 – Teil 2

Herzlich willkommen zu unserem 2. Teil der Berichterstattung von der Persistence Tour 2020 in der Oberhausener Turbinenhalle. Wie ihr in Teil 1 (Hier) bereits lesen konntet, waren die Auftritte von den Vorbands Countime LA, Cutthroat LA, Wisdom In Chains und Billy Bio der absolute Wahnsinn. Ob der eingeschlagene Siegeszug von den folgenden Bands weiter ausgebaut werden konnte, erfahrt ihr direkt jetzt!

H2O bringt Oberhausen zum Siedepunkt

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Nachdem die Billy Bio Band die Bühne verlassen hat und diese im Nullkommanichts umgebaut wird, steht ab 20:20 Uhr die New Yorker Hardcore Band H2O bereit. Die Formation um Frontmann und Szene-Persönlichkeit Toby Morse tritt sofort mit „1995“ vom 2008 erschienenen Album „Nothing To Prove“ die Flucht nach vorne an. Die Zuschauer in der Turbinenhalle sind gleich Feuer und Flamme. Endlich geben sich die Amis mal wieder die Ehre. Allen voran Toby, der unaufhörlich die ganze Stage bearbeitet. Dieser blondierte Herr hat diese typische New York Hardcore Energie. Oder wie er es selbst wohl bezeichnen würde: die PMA (Positive Mental Attitude).

Ohrwürmer mit Gänsehautfaktor

Der Auftritt macht richtig Spaß! Die fünf Musiker garnieren ihren, nur 30 Minuten dauernden, Auftritt mit zahlreichen Hits. „One Life One Chance“ , „5 Year Plan“ oder „Guilty By Association“ werden von den Fans begeistert und inbrünstig abgefeiert. Genauso wie die, von Walter Schreifels performte, Dead Kennedys Coverversion „Nazi Punks Fuck Off“ die in Napalm Death Geschwindigkeit runter geschreddert wird. Die Folge: Pogo- und Circle-Pits in der ganzen Halle. Das bedeutet Schwerstarbeit für die Männer von der Security, die aber jederzeit Herren der Lage sind. An dieser Stelle mal ein Lob dorthin! Mit der Gänsehaut-Hymne „What Happened“ und mit der Unterstützung von W.I.C. – Frontmann Mad Joe Black endet diese atemberaubende H2O-Show!

Street Dogs aus Boston

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Da sich die Straight Edge-Legende von H2O ganz penibel an die Bühnenzeit gehalten hat, können die Bostoner Folk-Punker von den Street Dogs ganz pünktlich kurz nach 21 Uhr die Bühne stürmen. Die Band um Gründungsmitglied und ex-Dropkick Murphys Sänger Mike McColgan ist in diesem Jahr zuständig für die musikalische Abwechslung. Wie im letzten Jahr (Bericht Hier) Booze & Glory, spielen auch die Straßenhunde Folk-beeinflussten Streetpunk-Hardcore. Leider muss der Verfasser dieser Zeilen zugeben, bisher niemals mit dieser Band konfrontiert worden zu sein. Aber dafür geht man ja auf ein Festival. Um mal etwas Neues zu sehen. Also, Scheuklappen runter und ab ins Gefecht!

Punk Rock And Roll

Die Band spielt ebenfalls in der klassischen 5 Mann Besetzung und macht, zu unserer Überraschung, ordentlich Druck nach vorne. Angefangen mit dem Opener „Stand For Something Or Die For Nothing“ vom gleichnamigen Album. Der Sound klingt ähnlich wie der von Booze & Glory und wie bei den bekannten Dropkick Murphys geht es im Publikum sehr rustikal zur Sache. Sänger und Schiebemützen-Träger Mike gibt sich sehr Hardcore-like und wagt den einen oder anderen Sprung. Hey, diese Band rockt! Alle Musiker sind in Bewegung, geizen nicht mit Posen und haben keine Angst vor der Masse. Ausflüge runter in den Fotograben sind daher keine Seltenheit.

Wolfgang Petry und die Feuerwehr

Apropos, wo wir gerade bei den Fans sind. Wer zum Teufel hat denn dem armen Mike den Wolfgang Petry Ultra-Sticker auf sein T-Shirt gepinnt? Ob der weiß, wer das ist? Naja, nur eine Randnotiz! Der Auftritt läuft wirklich rund und die Songs entbehren nicht eines gewissen Party-Potentials, bis die Sirene ertönt. Da wir uns gerade auf dem Weg in den Presse-Bereich befinden, nehmen wir das Warnsignal schätzungsweise als Erste wahr. Wie auf der Arbeit wird das Signal erst mal ignoriert. Solange bis ein Herr von der Veranstaltung wirklich das Publikum dazu auffordert, geschlossen die Halle zu verlassen. Was man nicht alles so Erleben kann. Naja, jedenfalls müssen wir raus in die Kälte und warten ab 21:15 Uhr auf die Feuerwehr.

Nach der Zwangspause

Das ganze Szenario dauert zirka 15 Minuten, wonach es ganz normal mit den Folk-Punkern weitergeht. Die Spielzeit wird jedoch nicht nachgeholt, was für die Band natürlich sehr schade ist. Nichtsdestotrotz spielt das Bostoner Punkrock Quintett seinen Stiefel unbeeindruckt runter und hat nach der soliden Show einige neue Fans! Aber leider gibt die Band einige Tage später prompt ihre Auflösung bekannt. Schade! Wirklich sehr schade!

Agnostic Front aus New York

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Wir nähern uns mit riesigen Schritten den ältesten Gruppen der Persistence Tour. Als nächste Band und somit als Co-Headliner stehen die mächtigen Agnostic Front auf dem Plan. Na klar, die kennt jeder in der Halle und die hat auch jeder schon mal gesehen. Aber es bleibt ein Faktum: die Band um die Szene-Urgesteine Vinnie Stigma (g.) und Roger Miret (voc.) geht einfach immer! Auch heute Abend. Die Rocker sind unserer Meinung nach auch der heimliche Headliner. Warum danach noch die Gorilla Biscuits ran sollen, erschließt sich uns jedenfalls nicht.

Jubel für Pokey Mo und Co.

Als die Godfathers Of Hardcore um 22 Uhr die Bühne betreten, werden sie mit frenetischem Jubel empfangen. Nach den ersten Tönen von AF Stomp gibt es kein Halten mehr. Die Band ist vollständig und präsentiert sich agil wie eh und je. Der drahtige Pokey Mo hinter dem Schlagzeug gibt den Takt vor und bildet mit Bassmann und Graffiti-Künstler Mike Gallo das musikalische Gerüst der Band. Ebenso wie Craig Silverman an der Main-Gitarre, dessen musikalische Einflüsse mittlerweile unverzichtbar sind. Mit bester Spiellaune werden Songs wie „Eliminator“, „My Life, My Way“ oder „Old New York“ geboten, die niemals ihre Wirkung verfehlen. Die Fans recken die Fäuste in die Luft, oder benutzen sie im Pogo-Pit, der sich jetzt flächendeckend ausbreitet.

Vinnie Stiiiigmaaa AF

Das Publikum hat derbe Spaß am Auftritt der Band und feiert ihre Helden ab. Ihre Helden, dass sind zweifelsohne Vinnie Stigma (der dieses Jahr 65! Jahre alt wird) und Roger Miret. Eine Institution in Sachen New York Hardcore Lifestyle. Es ist wirklich beachtenswert, was die beiden noch auf die Bretter bringen. Und noch wichtiger ist, dass sie immer noch so einen Spaß daran haben. Vor allem Vinnies Laune ist bestechend gut. Der stolziert permanent über die Bühne und posiert für die Fotografen. Dabei ist er sich für keine Grimasse zu schade und nimmt, genauso wie Roger, auch gerne ein Bad in der Menge. Diese Band muss man einfach lieben!

Besprühte Wände

Musikalisch gesehen gibt es eine delikate Auswahl aus dem ganzen Schaffen der New Yorker. Mit „Spray Painted Walls“ hat es auch ein Song aus dem ganz neuen Album „Get Loud“ auf die Setlist geschafft. Der Track wird mindestens genauso angenommen, wie die folgende Hymne „For My Family“, die allen Bands der Tour gewidmet wird. Highlight der Show werden wie immer „Gotta Go“ und die von Billy Bio und Mad Joe Black unterstützte Version des Ramones-Klassikers „Blitzkrieg Bop“. Nach gut 45 Minuten stehen, zumindest für uns, die Sieger der diesjährigen Persistence Tour fest. Hoffentlich dürfen wir noch einige Auftritte dieser wirklich außergewöhnlichen Band verfolgen. Oberhausen, das war richtig fett!

Gorilla Biscuits aus New York

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Die letzte Band des Abends und somit Headliner der Show sind die Alte Schule Hardcorer und Straight Edge Pioniere Gorilla Biscuits. Jetzt wird es noch einmal richtig old-schoolig. Na klar, es ist immer gut, so eine gestandene Band und Musiker an Bord zu haben, aber es lässt sich darüber Streiten, ob die Männer der adäquate Headliner der Tour sind. Nach unserem Ermessen, wäre eine Show vor Agnostic Front mit getauschten Spielzeiten sicherlich auch sehr okay gewesen. Aber seien wir froh, dass Walter Schreifels (g.), Anthony Civarelli (voc.), Sammy Siegler (dr.), Arthur Smilios (b.) und Charlie Garriga (g.) heute Abend hier in Oberhausen zu Gast sind. Immerhin handelt es sich hier um eine der einflussreichsten Hardcore-Bands des Planeten!

Der Feind des Stagedivers

Schwer zu sagen, ob sich die Turbinenhalle nach dem AF-Auftritt etwas geleert hat. Vor der Bühne herrscht jedenfalls immer noch reges Treiben. Alle warten nur auf das legendäre Trompeten Intro! Damals in Eindhoven haben wir das Intro mit einem Teil unseres Foto-Equipments bezahlt. Dank des sehr geräumigen Fotograbens wird uns das heute nicht passieren. Was des einen Freud, ist aber auch des anderen Leid. Eine Band wie GB lebt von seinen Fans, den Stagedivern und den Crowd-Shoutings. In Oberhausen wird es definitiv keine richtige Eskalation geben. Nach den Trompeten, die dieses Jahr vom Band kommen, geht es mit dem Klassiker „New Direction“ los.

Der Gorilla lacht

Der Ruhrpott versucht zusammen mit CIV die letzten Reserven zu mobilisieren. Immerhin gibt es auf der Persistence Tour endlich mal wieder ein sehr schönes Gorilla-Backdrop. Der Kult Gorilla grinst uns frech ins Gesicht. Davor sitzt Sammy auf seinem Drumriser und demonstriert sein ausgeklügeltes Schlagzeugspiel. Dieser Herr ist wirklich eine richtige HC-Koryphäe, genauso wie Walter auf der rechten Bühnenseite, der mit seinen langen Haaren optisch ein wenig an Kurt Cobain erinnert. Haare hat der tätowierte CIV dafür gar keine mehr, was vorteilhaft ist, denn so kann sich auch kein Fan daran fest halten, wenn der Frontmann mit dem Mikro im Publikum sitzt.

Klassische Setlist

Und so erzählt sich der Auftritt eigentlich von selbst. Für die Action während der Songs ist hauptsächlich CIV zuständig, während der Rest der Bande mehr oder weniger statisch wirkt. Aber auch diese Herren sind mittlerweile in einem Alter, wo man besser auf seine Knochen aufpasst. Auf der wirklich guten Setlist gibt es jedoch keine großen Überraschungen. Es geht über „High Hopes“ , „Big Mouth“ oder „Hold Your Ground“ bis „Minor Threat“ und wieder zurück. Die Show kommt gut an und hinterlässt breites Grinsen in den Gesichtern der Musiker.

Der MVP der Persistence Tour 2020

Mamaluke MVP

Da 60 Minuten auch für die Pioniere aus New York ziemlich lang sind, gibt es nach circa 50 Minuten ein kleines Break. Und somit kommen wir auch zum festlichen Teil des Abends und lüften ein Geheimnis. Und zwar, wer von allen Bandmitgliedern zum MVP (zur wichtigsten Person) der Persistence Tour 2020 gekürt wird. Favorit Vinnie Stigma fällt leider direkt aus dem Rennen, denn der darf das Ergebnis verkünden. Lange Rede, kurzer Sinn und Tusch: das Official Certificate Of Achievement geht an Wisdom In Chains Drummer Luke „Mamaluke“ Rota für überaus erfolgreiches Singen, Tanzen, Trinken, Screamen und gute Laune verbreiten. Ach ja, nebenbei spielt er auch noch super Schlagzeug.

Das Ende naht

Nachdem sich Luke, freudestrahlend bei allen Musikern und Fans hier in Oberhausen bedankt hat, spielen die Biscuits noch die Tracks „As One“ und ihren obligatorischen Rausschmeißer „Start Today“. Letzterer Song wird natürlich nochmal über alle Maßen abgefeiert und beendet die Persistence Tour 2020 in Oberhausen.

MH.DE-Fazit

Eigentlich brauchen wir von Metal-Heads.de gar keine weiteren Worte mehr verlieren, da wir das finale Statement in Beitrag Nummer Eins schon vorweg genommen haben. Wir können uns nur wiederholen und uns den unzähligen Musikern anschließen, die für diese Persistence Tour Auflage nur Superlative übrig haben. Diese Zusammenstellung war komplett grandios! Ausgelassen gute Stimmung wohin man sah und so viele Gastmusiker haben wir selten bis nirgends erlebt. Irgendwie konnte man bei diesen Bands das Gefühl bekommen, hier handele es um einen Mannschaftsausflug.

Wie soll das noch getoppt werden

Vielleicht haben wir ja hier eine Art Festival-Marktlücke entdeckt. Unser Vorschlag lautet deshalb: einfach eine halbwegs professionelle PA samt Instrumenten auf eine Bühne bringen und jede Band spielt 1-2 Tracks. Danach geht’s mit der nächsten Kombo direkt weiter oder mit denen die gerade Lust verspüren einen Track zu spielen. Okay, wir schweifen ab. Nein, ganz im Ernst! Diese Auflage war wirklich sensationell und besonders. Wir können uns nur bei allen Beteiligten und bei M.A.D. Tourbooking dafür bedanken, dass wir wieder dabei sein durften! Wir sind jetzt schon gespannt darauf, wie ihr das nächstes Jahr noch toppen möchtet? Wir wären definitiv dabei!

1: Photostrecke: H2O:

2: Photostrecke: Street Dogs:

3: Photostrecke: Agnostic Front:

4: Photostrecke: Gorilla Biscuits:

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Bildquellen

  • H2O- Persistence Tour2020 – Oberhausen – 25.01.2020: ©2020 by Metal-Heads.de/Treasureman
  • Street Dogs- Persistence Tour2020 – Oberhausen – 25.01.2020 – Dan Schuetze: ©2020 by Metal-Heads.de/Treasureman
  • Agnostic Front- Persistence Tour2020 – Oberhausen – 25.01.2020 – Dan Schuetze -01: ©2020 by Metal-Heads.de/Treasureman
  • Gorilla Biscuits – Persistence Tour2020 – Oberhausen – 25.01.2020 – Dan Schuetze -01: ©2020 by Metal-Heads.de/Treasureman
  • Titelbild: ©2020 by Metal-Heads.de/Treasureman
Treasureman

Treasureman

Seit 1987 mit dem Metal- Virus infiziert. Der Einstieg erfolgte mit Twisted Sister, Iron Maiden und den Onkelz. Meine Themenschwerpunkte liegen seit langem im Hardcore- und Crossover/Punkrock Bereich. Ihr findet mich da, wo das Herz auf der Bühne steht!

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