„The Otherworldly Big Band Experience“ von ENSLAVED

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Am 21. Dezember 2021, dem Tag der Wintersonnwende, haben ENSLAVED mit „The Otherworldy Big Band Experience“ ein besonderes Event gestreamt.

Dieser Konzertfilm war – um es direkt zu sagen – eine großartige Sache! Die Intention, die Nacht zu feiern, in der die Dunkelheit den immer länger werdenden Tagen weicht und gleichzeitig zu zeigen, was ENSLAVED ist, ist absolut gelungen.

Dazu ENSLAVED:

Bei „The Otherworldly Big Band Experience“ geht es darum, noch mehr von dem zu zeigen, was ENSLAVED ist: ENSLAVED ist auch eine Idee. Es ist eine Live-Band, die zähneknirschend Metal ist, Rock’n’Roll in ihrer DNA hat und gleichzeitig ihre Position als bahnbrechende progressive Metal-Band beibehält und ausbaut. Und das alles, während sie die Grenzen der nordischen Mythologie und Runenkunde, der Psychologie und der Geschichte auslotet.

Mit auf die Bühne genommen haben sie die junge Prog-Rock-Band SHAMAN ELEPHANT aus Bergen, mit denen sie zuletzt auf Tour waren.

In Zusammenarbeit mit Kolibri Media (ebenfalls aus Bergen) ist ein eindrucksvoller Film entstanden.

Die Setlist umfasste bekannte Songs, Tracks vom neuen Album, ein RØYKSOPP – Cover und  dazu Songs, die ENSLAVED bisher nicht live gespielt haben.

Scheiß auf die Konsequenzen, lasst es uns einfach tun

Bevor die Musik den Zuhörer in ihren Bann ziehen kann, gibt es Ausschnitte bzw. kurze Interviewteile mit Grutle Kjellson (Bass, Vocals), Håkon Vinje (Keyboard, Vocals) sowie Iver Sandøy (Drums).

Übermittelt wird das, was als ein ENSLAVED-Motto gelten kann:

Konformität war noch nie unser Ding. … Scheiß auf die Konsequenzen, lasst es uns einfach tun

Die Bühne ist in schwarz und silber-weiß gehalten. Die Musiker stehen eher jeder für sich, was ein gezieltes Ausleuchten – meist in Rot oder Blau– ermöglicht. Im Hintergrund eine Projektionsfläche für filmische Sequenzen und psychedelische Farbsensationen. Schon allein optisch ist dieser Film ein gelungenes Ereignis.

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Den Auftakt haben ENSLAVED mit „Ruun II – The Epitaph“ (von der EP „Caravans Of The Outer World“) gut gewählt, da dies einer der Songs ist, die sich langsam aufbauen. Wie in einer Jam-Session stellen sich die Musiker aufeinander ein. Der Grundschlag der Drums ist zunächst ruhig, ebenso der Gesang. Die Schattenspiele im Hintergrund schaffen eine psychedelische und dabei fast andächtige Stimmung.

„Bounded By Allegiance“ rockt mit metallischem Glanz. Wunderbar der Wechsel von Growls zu cleanem Gesang, die gut herausgearbeiteten Soli, die durch die Akustikgitarren ergänzt werden. Musik und Farbverläufe im Hintergrund zeigen: keine Band schafft den Übergang von Metal zu psychedelischen Momenten so stimmig und dynamisch wie ENSLAVED.

Das Unerwartete wird zum Erwarteten

Es folgt ein Interview mit Ivar Bjørnson (Gitarre), der etwas über die Idee hinter ENSLVED sagt. Er beschreibt die Musik der Band wie einen Raum, der sich ständig erweitert. Das, was zunächst unerwartet klingt, wird später zum Erwarteten. Auch er betont wieder, dass man tun und nicht zu viel darüber nachdenken sollte.

Mit „Sequence“ folgt mein Lieblingssong vom Album „Utgard“. Durch die zwei Drumsets wird der Song noch intensiver. Aber ENSLAVED haben sich hier nicht nur in progressiven Rhythmen ausgetobt. Hier erweitern der mehrstimmte Gesang, das virtuose Solo in Verbindung mit den Akustikgitarren und orchestralen elektronischen Klängen den Raum.  Während E-Piano und Keyboard für die psychedelischen Klänge sorgen, spiegeln die Bilder im Hintergrund das Pulsierende aber auch mythologische Aspekte wider: die Erde wird, umgeben von Feuer, in Krallenhänden gehalten.

„Caravans To The Outer World“ nimmt uns mit auf eine Reise in eine andere Stimmung, eine andere Welt. Mit diesem Song sind ENSLAVED in den progressiven Regionen angekommen, die sie auf „Utgard“ betreten haben. Das interessante Arrangement macht diesen Song dunkel, komplex und temporeich.

Mit Ice Dale in „Havenless“ hineinfließen

Im Interviewpart ist nun Arve Ice Dale Isdal an der Reihe, der erzählt, dass er eigentlich Schlagzeug spielen wollte, aber von seinem Vater eine Gitarre geschenkt bekam.

Hier ist zu sehen, dass der Interviewraum eigentlich Teil des Bühnenbildes ist. Ice Dale steht auf, nimmt die Gitarre und spielt „Havenless“ an. „Havenless“ vom 2003er-Album „Below The Lights“ hat über die Jahre nichts an Eindringlichkeit und Mächtigkeit verloren.

„Slaget I Skogen Bortenfor“ von 1993 ist einer dieser ‘Gänsehautsongs‘, der die  Finsternis dieses Abends aufgreift und den ENSLAVED  in dieser ‚Big-Band-Version‘ zu einem epischen Erlebnis machen.

Vom Monumentalen zum Einfachen

enslaved 21. Dezember 2021

Als einfachen Song kündigt Grutle „What Else Is There“ an. Sie hätten diesen Song (der im Original von der Elektronic-Band RØYKSOPP stammt) zu einem Hard-Rock-Song gemacht. Dem ist nichts weiter hinzuzufügen. Ich finde, das ist ein Supercover dieses Songs geworden.

Mit „Hiindsight“ folgt unterstützt durch atemberaubende Bilder und Effekte ein großartiges Finale. Immer dann, wenn man glaubt, dass sie gleich in psychedelische Sphären abheben, erden die Drums den Song wieder und die Reise ins Innere eröffnet wieder den Blick nach außen.

„The Otherworldly Big Band Experience” – ein gelungenes Event

Das war ein toller Abend. Auch nach 30 Jahren Bandgeschichte, die hier zumindest angerissen wurde, klingen ENSLAVED immer noch modern. Sie haben umgesetzt, was Grutle und Ivar im Interview von sich gefordert haben.

ENSLAVED haben wieder einmal gezeigt, dass zunächst umgrenzte Räume enorme Gestaltungsmöglichkeiten zulassen und neue Räume eröffnen.

Wie z.B. mit „What Else Is There” und der heutigen Version von „Slaget I Skogen Bortenfor“.

Ich hätte mir zwar ein paar Songs mehr gewünscht und bin noch hin und hergerissen, ob ich die Platzierung der Interviews günstig finde oder nicht (sie waren einerseits gute Überleitungen, andererseits haben sie es nicht leicht gemacht, sich ganz mit auf die Reise nehmen zu lassen).

Insgesamt kann ich mich dem mehrfach im Chat geäußerten Wunsch, „The Otherworldly Big Band Experience“ auf DVD oder als Video on demand zu veröffentlichen, nur anschließen.

Damit es auch etwas zu sehen und zu hören gibt: „Ruun II – The Epitaph“

ENSLAVED waren diesmal

Ivar Bjørnson (Gitarre)
Grutle Kjellson (Bass, Vocals)
Arve ‚Ice Dale‘ Isdal (Gitarre)
Håkon Vinje (Keyboards, Vocals)
Iver Sandøy (Drums, Vocals)

Und SHAMAN ELEPHANT sind

Jard Hole (Drums)
Jonas Særsten (Keyboard)
Eirik Sejersted Vognstølen (Gitarre, Vocals)
Ole-Andreas Sæbø Jensen (Bass)

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Bildquellen

  • enslaved the otherworldly big band experience enslaved: Enslaved / Kolibri Media
  • enslaved 21. Dezember 2021: Gordeon Music
  • enslaved the otherworldly big band experience rev: Gordeon Music

Birgit

Iron Butterfly und Jethro Tull haben mir gezeigt, dass es neben Uriah Heep, Black Sabbath und Whitesnake noch etwas anderes gibt. Neugierig geworden höre ich seitdem alles, was sich unter dem Oberbegriff Metal und Rock versammelt. Je nach Stimmung eher Metalcore oder instrumentalen Rock. Mein Herz hängt allerdings am ganzen Spektrum skandinavischer Metalmusik: ob nun Folk-, Progressiv oder Doom-Metal.

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