Interview mit Christopher von Abaddon

Abaddon Band Foto

Interview mit Christopher von Abaddon

Da wir ja besonders gern über Bands berichten, die sich nicht in den Top10 der Metal Charts wieder finden, habe ich mir mal Christopher geschnappt, der bei Abaddon die Felle verprügelt. Und bei wem es jetzt klingelt…vielleicht hattest Du ja mein Review zu „The Wayfarer“ gelesen KLICK.

MH: Hi Christopher, vielen Dank, das Du dir die Zeit für ein paar Fragen nimmst. Bitte stell eure Band Abaddon doch mal kurz vor.

CL: Hey Frank, gerne doch! Wir sind Abaddon aus der Rockmetropole Wesel am Niederrhein. Die Band existiert bereits seit über 20 Jahren mit bewegter Biografie und einigen Besetzungswechseln. In unserer heutigen Form spielen wir seit ca. 2009 zusammen und bestehen aus:

Lead vocals and symphonic arrangements: Darius Widera (ex- Nebular Moon, Project Entropy)

Guitars and backing vocals: Marek Widera (Project Entropy)

Drums and backing vocals: Christopher Lankes (ex- In Chasm, Shockgnosis)

Guitars and backing vocals: Thorsten Stoltenow (Someone`s Missing)

Bass and backing vocals: Steffen Schmitz

Stilistisch bewegen wir uns wohl irgendwo außerhalb der Schubladen zwischen Melo-Death und einigen Symphonic Einflüssen. Frag mich jetzt nicht nach Helden oder anderen Bands, die uns früher beeinflusst haben – da muss ich (schon allein aus Altersgründen) passen, hehe.

Abaddon Album CoverThe Seeker’s Vow

MH: In diesen Tagen erscheint, nach etwas „längerer Schaffensphase“, euer neues Album The Seeker’s Vow. Geplant ist vorerst nur ein Release über Streaming Plattformen. Soll das Album zum späteren Zeitpunkt auch noch gepresst werden oder was sind eure Pläne?

CL: Ohja, da ist tatsächlich wieder sehr viel Zeit seit unserem letzten Album The Wayfarer vergangen. Wir sind da wohl tatsächlich nicht die Schnellsten unter der Sonne. Die Songs sind über einen relativ langen Zeitraum entstanden. Trotzdem tragen alle die gleiche Grundstimmung in sich, die sich durch das gesamte Album zieht. Während der Produktion haben wir uns dann dazu entschieden, die Songs zunächst nur via Streaming Plattformen zu verbreiten. Bei uns im Studio lagern noch so viele Kartons mit Alben und EPs, dass ich damit schon die Proberaum Wand fliesen wollte. Gerade für kleinere Bands wie uns, bietet Streaming heutzutage die Möglichkeit, seine Musik unkompliziert, schnell und kostengünstig einem viel größeren Publikum zu präsentieren, als wir das mit CDs könnten. Momentan sind wir einfach glücklich, dass das Ding endlich veröffentlicht wird. Klar – es wäre auch toll nach der ganzen Arbeit, Schweiß und Herzblut das fertige Produkt in den Händen halten zu können. Darum will ich auch nicht ausschließen, dass wir zum kommenden Jahr The Seeker’s Vow als CD herausbringen werden. Ich hab da selbst Bock drauf und ein bisschen Platz für weitere Kisten mit CDs finden wir im Studio mit Sicherheit. 😉

Jens Basten

MH: Jens Basten (Night in Gales und Gloryful) hat auch was zu eurer neuen Scheibe beigetragen. In welchem Umfang war er denn beteiligt und wie kam es dazu?

CL: Jens hat für den Song „Settling the Void“ ein Gitarrensolo eingespielt. Die Idee dazu kam spontan, erst während der Recordings. Auch auf unserem letzten Album The Wayfarer war er ebenfalls schon mit einem Solo auf „Abaddon“ vertreten. Auf den ersten Gloryful Alben sind bei den Groupshouts die engelsgleichen Stimmen von Marek, Darius und mir zu hören. Jens ist ein absolut großartiger Gitarrist und noch besserer Freund von Abaddon seit vielen Jahren. Durch unsere Zusammenarbeit im Studio für Gloryful und Night in Gales tauchen wir immer mal wieder gegenseitig auf unseren Alben auf und pflegen das auch gerne. Quasi hat das jetzt schon fast Tradition und wir waren sehr glücklich, dass er auch dieses Mal wieder amtlich abgeliefert hat.

Sängerin oder keine Sängerin?

MH: Euer letztes Werk „The Wayfarer“ war ja zum Teil im Symphonic Metal Bereich angeordnet und es war auch einiges an weiblichem Gesang zu finden. Eure damalige Sängerin ist ja glaube ich kein Mitglied der Band mehr. Soll es auf dem Posten bald einen Ersatz geben?

CL: Wer die Bandgeschichte von Abaddon von Beginn an verfolgt (und die ist lang!), der weiß, dass die Wurzeln ursprünglich absolut im Symphonic Metal Bereich lagen. Viel Orchester, viel Pathos und Bombast. Das war cool und hat vor 20 Jahren auch in die Zeit gepasst. Mit den Jahren hat sich da jedoch viel verändert. Der Stil hat sich grundsätzlich durch den Besetzungswechsel in 2010 gewandelt, als beide Posten an der Gitarre und mit mir am Schlagzeug neu besetzt wurden. Seitdem gibt’s etwas mehr auf die Fresse und weniger Bombast 😉 Nach dem Ausstieg unserer damaligen Sängerin ist es dann noch einmal klarer in eine Richtung weg vom Symphonic geworden. Ich will jetzt nicht kategorisch ausschließen, dass es in Zukunft auch mal weiblichen Gesang auf einem Song geben wird. Das wird jedoch die Ausnahme bleiben. Einzelne Key- und Orchesterparts  werden wir auch auf den kommenden Werken einsetzen, jedoch wesentlich reduzierter als in den Gründungsjahren.  Für die Zukunft wird es daher eher keine neue feste Dame am Mikrofon geben. Abaddon 2020 bleibt eine reine Boygroup.

Der Furz in der Lederhose

MH: Eure letzte Platte habt ihr noch komplett im eigenen Studio aufgenommen. Wie ist es dieses Mal abgelaufen?

CL: Wie du ja vorhin schon festgestellt hast, gehört Abaddon nicht gerade zu den effektivsten Bands. Das liegt zum einen daran, dass wir uns immer wieder sehr viel Zeit mit dem Songwriting nehmen und die Vorproduktion der Songs im eigenen Studio (Synesthesy Studios Wesel) gemacht haben. Einerseits ist es ein absoluter Luxus und toll auf das Studio zurückgreifen zu können und sich mit viel Zeit und Ruhe der Vorproduktion zu widmen – andererseits zieht es sich dadurch bei uns wie ein Furz durch ´ne Lederhose. Fluch und Segen. Unser letztes Album The Wayfarer haben wir komplett in Eigenregie aufgenommen und selbst gemischt. Das war ein Prozess von über 2 Jahren und am Ende hatten wir die Songs schon satt gehört, bevor auch nur eine CD gepresst war. Irgendwie schade. Beim aktuellen Album wollten wir das unbedingt vermeiden. Daher haben wir uns schon frühzeitig dafür entschieden, die fertigen Aufnahmen in die Hände von Mr. Dan Swanö zu legen. Das war wohl die beste Entscheidung, die wir treffen konnten. Ab dem ersten Kontakt hatten wir mit Dan schon ein gutes Gefühl und wussten, dass es das richtige ist. Das Ergebnis ist absolut großartig und fett geworden. Auch für die Covergestaltung haben wir uns an einen Profi gewandt und Björn Gooßes von Killustrations mit dem Entwurf des Frontcovers beauftragt.

Abaddon Band LiveDas Songwriting

MH: Euer Sänger Darius wohnt in England. Wie funktioniert da die Zusammenarbeit über diese Distanz?

CL: Well, mittlerweile haben wir uns mit der Situation ganz gut eingegroovt. Da auch unser Gitarrist Marek in diesem Herbst aus beruflichen Gründen mit seiner Familie nach Frankfurt gezogen ist, findet der Songwriting Prozess bei uns fast ausschließlich vor dem eigenen Rechner  daheim statt. Wir tauschen Ideen und Projekte aus, fügen hinzu und testen die Rohfassungen der Songs dann alle 2-3 Monate im Proberaum unter Gefechtsbedingungen aus. Wir haben damit den für uns besten Weg gefunden, auch über die Distanz die Band aktiv zu halten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das heutzutage bei sehr vielen Band(-projekten) der normale Weg ist. Dank der Technik, der Möglichkeit zum fast synchronen Austausch von Daten, ist es auch wesentlich einfacher geworden, miteinander arbeiten zu können. Du kennst das ja auch, Frank. Oder sitzt du etwa gerade in einem Lounge-Sessel einer Redaktion und hältst einen Notizblock in der Hand?! 😉

MH: Wie sieht denn unter diesen Umständen die Zukunft für Abaddon aus? Wollt ihr eure Livepräsenz wieder etwas ausbauen oder wohin wird die Reise gehen?

CL: Abaddon ist mehr als nur die Band, die Musik veröffentlicht. Uns 5 Jungs verbindet über die Jahre eine tiefe Freundschaft und die Leidenschaft zur Musik. Das will keiner von uns aufgeben, weswegen wir – auch mit etwas erschwerten Bedingungen – weiter Musik schreiben und veröffentlichen werden. Wahrscheinlich werden die Abstände zwischen den Releases ähnlich weit auseinander liegen, wie bisher…aber was soll‘s. Scheiß drauf. Die Reise geht in jedem Fall weiter und wir arbeiten parallel bereits an neuem Material für das Album 2025 (bitte nicht so lang…)

Live wird man uns weiterhin regelmäßig auf Konzerten direkt vor unserer Haus-…ääh -Studiotür am Krachgarten in Wesel finden (Der Krachgarten auf Facebook) Dort spielen wir einmal im Jahr beim Open Air und schieben die Amps quasi eben aus dem Proberaum auf die Bühne. Der kürzeste Anfahrtsweg, den du dir denken kannst. Spaß beiseite – es wäre schön, noch ein paar Gigs im Jahr auf den Kalender zu schreiben. Das müssen wir jedoch leider tatsächlich von der räumlichen und zeitlichen Verfügbarkeit der Jungs abhängig machen. Ein bisschen was sollte für 2020 aber gehen.

Shockgnosis

MH: Du bist seit diesem Jahr festes Bandmitglied bei Shockgnosis (Interview mit Shockgnosis). Wie kam es zu der Zusammenarbeit und wie kriegst Du 2 Bands und Job unter einen Hut?

CL: Der Kontakt zum Shockgnosis Mastermind (sorry Kai!) kam über einen gemeinsamen Bekannten. Kai war im Grunde nur auf der Suche nach einem Studio oder Proberaum um für die kommende Shockgnosis Platte mit Sängern zu experimentieren. Wir haben uns im Studio getroffen und nach 3 Stunden intensiven Quatschens über Bands, persönliche Ziele und Bock auf Liveaktivität waren wir beiden uns dann einig, dass wir das Projekt Shockgnosis zusammen unbedingt auf die Bühne bringen möchten. Wie gerade schon erwähnt, bin ich durch Abaddon und den Studiobetrieb zurzeit nicht zu stark eingespannt und habe einfach definitiv Bock auf die Musik. Geprobt wird ebenfalls in Wesel im gleichen Studio, was die Sache für uns alle relativ einfach macht. Ich bin also entweder das eine Wochenende mit Abaddon oder das darauffolgende Wochenende mit Shockgnosis im Proberaum. Dazwischen bin ich selbstständig im Garten- und Landschaftsbau, was meine Zeit unter der Woche ziemlich ausfüllt. In zeitliche Nöte bringt mich zurzeit aber weniger mein Job oder die Musik, sondern viel mehr die Geburt meines Sohnes im September diesen Jahres 😉 Das ist gerade natürlich das wichtigste Projekt in meinem Leben und ich möchte die Zeit so sehr es nur geht zu dritt genießen. Dafür schiebe ich natürlich auch alles andere gerne mal beiseite. Meine wunderbare Frau räumt mir aber wirklich sehr viel Zeit für die Musik ein. Danke, Nadja!

Danke für das nette Interview

MH: Das letzte Wort hat bei uns der Gast und Du darfst gerne noch was loswerden. Nochmals vielen Dank für deine Zeit 🙂

CL: Vielen Dank fürs Lesen! Wen ich jetzt noch nicht erreichen oder überzeugen konnte: Zieht euch einfach Abaddon (KLICK) und Shockgnosis (KLICK) bei Spotify rein und gebt uns n ehrliches Feedback. Keine falsche Scheu, wir können es verkraften. Danke für das Interview, Frank!

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Bildquellen

  • Abaddon – The Seeker’s Vow: Christopher Lankes / Abaddon
  • Abaddon-Live: Christopher Lankes / Abaddon
  • Abaddon-Band: Christopher Lankes / Abaddon
Moldi

Moldi

Angefangen hat der Metal Virus im zarten Alter von 15 mit einer Iron Maiden LP aus dem Gebrauchtplattenladen. Mein Geschmack ist inzwischen sehr breitbandig, gehört wird, was gefällt.

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