FLYING COLORS, Support DILEMMA

Flying Colors 12.12.19 Essigfabrik Köln

FLYING COLORS, Support DILEMMA

Es ist Mitte Dezember, konkret der 12.12.2019, aber bei für die Jahreszeit an vielen Tagen viel zu warmen immer wieder zweistelligen Tageshöchsttemperaturen und eher regnerischem Wetter ist man kaum in Adventsstimmung. Da fährt man doch mit der Hoffnung nach Köln, ein herzerwärmendes Konzert zu erleben. Die FLYING COLORS spielen auf und da es das einzige Konzert in ganz Deutschland ist und ansonsten nur am Folgetag ein Konzert im nahegelegenen Tilburg angesetzt ist, ist die Essigfabrik längst A U S V E R K A U F T !!

Keine Eintagsfliege – FLYING COLORS

Die FLYING COLORS haben Anfang Oktober ihr drittes Studiorelease mit dem passenden Titel „Third degree“ veröffentlicht (hier bekommt ihr die Review dazu) und spätestens damit bewiesen, dass man ernsthafte Ambitionen hat, sich als Band zu etablieren und keine Eintagsfliege als Zusammenkunft von ein paar großartigen Musikern aus verschiedenen Bands zu sein.

Flying Colors 12.12.19 Essigfabrik Köln

Bevor jedoch die Formation um den Ex-DREAM THEATER Drummer Mike Portnoy die Bühne in der alten Kölner Industriekulisse am Rhein enterte, sollte es noch eine Supportband geben. DILEMMA…kennt ihr nicht!? Dann lest doch mal hier in unseren Konzertbericht von der Tour der SONS OF APOLLO hinein oder seht euch die Review zum Album „Random acts of liberation“ an. Die Band war also für uns keine unbekannte Größe und reisten wir mit einer gewissen Vorfreude in die Domstadt.

Kein Parkplatz bei eisigem Wind

Das Parken ist an diesem Venue immer so eine Sache, gerade wenn die Hütte voll ist. Ansonsten finde ich, ist die Essigfabrik vom Format her speziell. Das liegt daran, dass die Halle eher breit ist und weniger Tiefe hat. So steht man auch ganz hinten nicht so weit von der Bühne weg. Wir sind also voller Erwartung auf einen feinen Konzertabend angereist. Und was haben wir bekommen?

An diesem Dezemberabend fegte ein eisiger Wind um die Häuser, leider mussten wir recht weit weg parken und so kamen wir recht frostig an der Halle an. Zunächst einmal begannen pünktlich um 20 Uhr die oben angekündigten DILEMMA. Tja, wie soll man diese Musik beschreiben. Progressive Rock trifft es vermutlich am besten.

Würdiger Ersatz aus traurigem Anlass

Das Set, dass man dem Opener zugestanden hat, hatte eine Spielzeit von ca. 45 Minuten. Es gab vor allem Songs vom oben erwähnten Album, wie z.B. als Erstes den Opener „The space between the waves“ oder zum Abschluss „The inner darkness“ und besonders haben mir die beeindruckenden Fähigkeiten von Gitarrist Paul Crezee gefallen. Mit dem Plektrum, mit bloßen Fingern und auch unter Einsatz eines Bottleneck. Drummer Collin Leijenaar überzeugte durch präzises Drumming, mal eher simple, dann wieder ordentlich progressiv. Die Kollegen an Bass und Keyboard blieben da eher unscheinbar im Hintergrund. Das besondere auf dieser Tour für DILEMMA? Aufgrund des Todes seines Vaters hat verständlicherweise der reguläre Frontmann eine Auszeit erbeten und so wurde der Platz für diese Mini-Tour durch einen jungen Mann namens Wudstick ausgefüllt, der nach nur 2 gemeinsamen Proben die Bühne enterte. Emotional ging der charismatische Sänger den Job an. Starke Leistung und großen Respekt für das professionelle Zusammenspiel mit den Musikern, die sich ja ihrerseits schon länger kennen.

Dilemma 12.12.19 Essigfabrik Köln

Dann kam die obligatorische Umbaupause (die mit gut einer halben Stunde recht lang ausfiel), bevor wir einmal mehr eine Ansammlung geballter Spielfreude live on stage erlebten. Bei den gut gefüllten beruflichen Kalendern der einzelnen Musiker ist es gar nicht so einfach, Zeit für gemeinsame Aktivitäten wie Studioaufnahmen oder gar eine Tour zu finden. Daher dürfen wir uns freuen, dass wir mit unserer Region zu den Auserwählten für einen Gig zählten. Wer kein Ticket mehr bekommen hat, der kann sich auf den wenige Tage später anstehenden Live-Mitschnitt vom Konzert in London freuen. Das wird bestimmt auch ein cooles Live-Release.

Vorfreude auf das Köln-Konzert

Aber erst einmal zum heutigen Abend. Mike Portnoy ist ja für einen Drummer ungewöhnlich gesprächig und ergreift öfter mal auch auf der Bühne das Wort (ein eigenes Mikro hat er ja dank der Backing Vocals sowieso). Heute meint er (nach dem Gig im legendären Z7 im schweizerischen Pratteln), dass er die Fans dort liebe, aber das sie ein bisschen „mellow“ (finde ich schwer angemessen zu übersetzen) seien. Umso mehr freue er sich auf Deutschland, auf Köln am heutigen Abend. Die Bühne ist schlicht gehalten, kräftiges Licht beim Hauptact nach den üblichen abgespeckten Möglichkeiten beim Support. Dazu eine größere Projektionsfläche im Bühnenhintergrund, die Videos bzw. Animationen passend zu den jeweiligen Songs zeigt.

Insbesondere Neal Morse und Mike Portnoy verbindet ja eine intensive und langjährige Freundschaft und diese spiegelt sich auch in der Interaktion auf der Bühne wieder. Viel Blickkontakt, Späßchen hier und da etc. – ansonsten zeichnen sich die FLYING COLORS allgemein durch eine große Spielfreude aus. Als die Fans zu hunderten bei „Heaceful harbour“ mitsingen…da kommt schon Gänsehautfeeling auf. Auch „You are not alone“ bekommt eine emotionale Note, denn Frontmann Casey McPherson berichtet von seiner Hilfe für die Opfer des 2017er Hurricanes. Entsprechende Bilder des Sängers im Schlauchboot sind dann auch auf der Leinwand zu sehen. Respekt für den Einsatz!

Flying Colors 12.12.19 Essigfabrik Köln

Mal sentimental, mal funky

Mal sentimental, dann wieder recht funky. Das Set von fast anderthalb Stunden zeichnete sich durch eine ordentliche Vielseitigkeit aus. Dave LaRue ließ die Finger über den Bass flitzen, Gitarrist Steve Morse zeichnete sich durch filigranes und präzises Saitenspiel auf, während Neal Morse an den Keyboards neben der instrumentellen Leistung seinen Humor einbrachte. Der Gesang gefiel mir ebenfalls gut, so hat Casey McPherson mittlerweile in seine Rolle eingefunden und die „Schüchternheit“ der ersten Zeit in der Band abgelegt. Eine eingespielte Truppe. So spielte man ein Set von 15 Songs. Da blieben wenig Wünsche unerfüllt. Wenn mich meine Augen nicht getäuscht haben, habe ich sogar den aus hamburg weit (an-)gereisten Sebastian Harnack (Bassist u.a. von SYLVAN) im Publikum erspäht! Für gute Musik nimmt man halt schon mal eine längere Anfahrt auf sich.

Fazit: eine starke und absolut sehens- und hörenswerte Vorband eröffnete den Konzertabend auf erfreulich hohem Niveau. Musikalisch passte das nicht so hundertprozentig zu den FLYING COLORS, aber wer sagt denn, dass beide Bands den gleichen Stil haben müssen. Man kann ja ruhig mal über den Tellerrand schauen. Das Publikum war von der Tendenz her „alt und männlich“. Für gute Musik ist man halt nie zu alt, aber selten fühlt man sich mit den eigenen 48 Jahren eher jung.

Spaß bis zuletzt bei schlechter Belüftung

Flying Colors 12.12.19 Essigfabrik Köln

Es war ein tolles Konzert und es hat wirklich auch bis zum Ende Spaß gemacht. Kurzweilig und musikalisch unterhaltsam. Der Sound war auch für die Essigfabrik ziemlich gut. Was aber wirklich ein Manko war: die Luft! Es war ja ausverkauft und die Halle brechend voll. Die Fans standen bis zum Anschlag…also bis zum Ausgang. Da war man froh, wenn die Tür mal aufging und man etwas frische Luft erhaschen konnte. Schlechte Kombination: keine gute Klimatisierung und dann so eine voll gepackte Halle. Ich habe mit einem Konzertbesucher gesprochen, der sogar Kreislaufprobleme bekommen hatte und zwischenzeitlich mal draußen war, um etwas Sauerstoff zu „tanken“. Auch der Weg zu den Toiletten bzw. dem Merch-Stand war eher eine schmale Schneise…puuuh! Das soll aber das generell positive Fazit eines feinen Konzertabends nicht zu sehr schmälern. Immer gerne wieder FLYING COLORS!!

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Bildquellen

  • Dilemma 12.12.19 Essigfabrik Köln: (c) Chipsy-Karsten Frölich/www.metal-heads.de
  • Flying Colors 12.12.19 Essigfabrik Köln: (c) Chipsy-Karsten Frölich/www.metal-heads.de
Doc Rock

Doc Rock

Meine erste Metal-Platte liegt lange zurück: LIVE AFTER DEATH von IRON MAIDEN war´s. Ansonsten fühle ich mich in der Progressive Metal-Ecke wohl!

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