CHAPEL OF DISEASE – zweiter Teil des Interviews

chapel of disease the mysterious ways.... cover

Gestern gab es den ersten Teil des Interviews mit CHAPEL OF DISEASE zu lesen, in dem es neben Musik und Songwriting vor allem um Texte und Literatur ging.

Heute stehen Artwork und die Verbindung zur bildenden Kunst im Vordergrund. Das Stichwort „repetitive Kunst“ war hier der Ausgangspunkt. Heißt doch auch das Album von 2015 „The Mysterious Ways of Repetitive Art“.

„Wir wollen den Fans mehr bieten als „nur“ die Musik“

chapel of disease as we have seen the storm coverMH: Interessant finde ich auch das Artwork eurer Alben. Cover und Booklets sind aufwändig gestaltet, es werden viele Symbole (künstlerisch, sprachlich) verwendet. Doch alles ist so angelegt, dass es offen für eigenen Interpretationen bleibt. Was ist das Verbindende zwischen Musik, Artwork, Videos? Gibt es so etwas wie ein Gesamtkonzept dazu?

CT: Der visuelle Aspekt ist eine Erweiterung unserer Musik. Es bietet sich wunderbar an, um
durch das Betrachten der Bilder und Lesen der Texte, tiefer in die Musik einzutauchen und die ein oder andere Botschaft der einzelnen Lieder zu erkennen. Egal ob Musik, Film oder eben Artworks, es ist alles Kunst. Und all dies kann, wenn es mit Bedacht und Sorgfalt kombiniert und angewendet wird, auf diese Weise weitere Sphären eröffnen. Wir haben uns auch diesmal bewusst dazu entschieden, die Bilder sehr subtil und offen zu lassen, um eben Interpretationen mit einfließen zu lassen. Jedoch haben Laurent und ich uns sehr viele Gedanken bei jedem einzelnen Bild gemacht und waren sehr eng im Austausch mit Rebecca Waeik, die für die Illustrationen im Booklet zuständig war. Ich glaube, dass wir uns als auch dem Hörer mehr bieten wollen als eben „nur“ die Musik. Zumal wir ja auch selbst als Fans auf so ein Gesamtkonzept, dem Zusammenspiel zwischen Ton und Bild, stehen.

MH: Welche Künstler/Kunstrichtung (außerhalb der Musik) haben dich/euch beeinflusst und
inspiriert?

CT: Ich selbst bin ein großer Freund des Films, insbesondere des Horror Genres. Natürlich haben mich Filme wie „Suspiria“, der ja ebenfalls mit Licht, Farben und Musik unglaubliches heraufbeschwört, beeinflusst. Ich muss jedoch gestehen, dass ich dies jetzt nicht als Inspiration für die Musik auffassen würde. Ebenso gab es keine genauen Vorstellungen oder Vorgaben gewisser Künstler unsererseits, was die Illustrationen anging. Wir hatten nur die klare Vision, dass das Frontcover ein Gemälde sein sollte und die Illustrationen im Booklet sehr roh wirken sollten, quasi im Ink and Paper Stil. Uns war aber auch bewusst, dass wir sowohl mit Rebecca Waeik als auch mit Timo Ketola zwei Künstler an unserer Seite haben, die unsere Visionen genauso umsetzen können. Es wäre wohl gelogen, wenn ich sagen würde, dass wir nicht von anderen Kunstformen beeinflusst wären, jedoch kann ich für mich sprechen, dass dies eher im Unterbewusstsein stattfindet.

Minimalistische Mittel, Wiederholungen – repetitive Formen in der Musik

MH: Euer Album von 2015 hat den Titel „The Mysterious Ways of Repetitive Art“. Ihr verwendet in euren Songstrukturen wiederkehrende Themen. Und „The Mysterious Ways of Repetitive Art“ zelebriert das Repetitive in epischer Weise.
Was bedeutet für dich ‚repetitive Art‘? Haben euch repetitive Ansätze in der Kunst interessiert und vielleicht auch inspiriert? Oder eher die Philosophie von Utopien, die über repetitive, modulare Aspekte dem Prinzip von Homogenität und Gerechtigkeit näherkommen möchte?

chapel of disease the mysterious way ... coverCT: Repetitive Kunst hat für mich mehrere Bedeutungen. Zum einen wörtlich, die Kunst, etwas zu wiederholen, so dass ein mantraartiges Feeling herauskommt, in dem man sich verlieren kann. Ich denke hierbei an Bands wie SUNN O))) oder auch Doom Bands wie WARNING. Mit minimalistischen Stilmitteln ein großes Gefühl auslösen, sei es Ruhe, Unbehagen oder Trauer. Das ist für mich eine Kunst, die sehr schwer zu beherrschen ist. Wie schaffe ich den Spagat zwischen meditativen Abläufen ohne zu langweilen und das Gegenteil, Spannung, zu kreieren. Ich sehe aber auch immer wiederkommende Strömungen verschiedener Musikstile (um mal bei dieser Kunstform zu bleiben) als repetitive Kunst. Sei es das Interesse an Death Metal der 90er, Heavy Metal der 80er oder Post Punk: es kommt immer wieder. Und das mit einer großen Leidenschaft und Interesse von Leuten, die, wie ich ja auch, diese Zeit gar nicht miterlebt haben. Doch es steckt eine Menge Seriosität dahinter. Die meisten dieser Musiker, würde ich jetzt mal behaupten, sind sehr stolz und fokussiert auf ihre Musik. Sie zollen einerseits ganz klar Tribut an Musiker und Zeiten, die sie meist nur durch Erzählungen und Interviews kennen. Sie kopieren aber nicht einfach, sondern lassen diese Einflüsse in ihr Songwriting einfließen. Und auch daraus entsteht wunderbare Musik, die für mich authentisch und lebendig wirkt, aber ganz klar auch ein Muster wiederkehrender Elemente aus einer schon vergangenen Epoche beinhaltet. Und darunter müssen wir uns ja auch zählen. Die Idee hinter dem Titel entstand jedoch dadurch, dass Laurent im Rahmen seines Studiums „Unverhofftes Wiedersehen“ von Johann Peter Hebel gelesen hat und sehr angetan war von den dort anzutreffenden immer wiederkehrenden Elementen. Dies wurde auch von den anderen Bandmitgliedern als spannend empfunden. Daher haben wir uns näher damit beschäftigt und ein wenig mit wiederkehrenden Strukturen bei den Songs gespielt.

Strukturen, repetitive Elemente und die Vermeidung von Monotonie

MH: Welche ‚Module’/modularen Strukturen verwendet ihr?

CT: Ich würde mal behaupten, dass wir hier gewissermaßen von Song zu Song anders
arbeiten. Jedoch haben wir schon ein, ich nenne es mal ‚Rockschema‘, was wir einsetzen. Sprich, wir arbeiten mit einer Strophe, Refrain und Bridge oder Mittelteil. Diese können natürlich variieren und einen unterschiedlichen Stellenwert haben, jedoch nutzen wir diese als Struktur, an der wir uns im Song entlanghangeln. Dieses Schema bietet uns auch große Sicherheit beim Schreiben neuer Songs.

MH: Wie verhindert ihr, dass aus dem Repetitiven Monotonie wird?

CT: Ich würde mal behaupten, dass dies geschieht, indem wir uns bei Proben intensiv mit den Songs auseinandersetzen und diese immer wieder spielen, darüber diskutieren und auch mal Parts verwerfen. Du merkst ja selbst sehr schnell, wenn dich etwas langweilt, anödet oder nervt. Diese Passagen werden genau betrachtet und es wird diskutiert, ob es an der Struktur liegt, an der Spielweise oder tatsächlich am Riff. Dies erfordert Zeit, Fingerspitzengefühl und auch das Vertrauen in einander.

MH: In welcher Weise spielt das Repetitive auf „As We Have Seen The Storm…“ eine Rolle?

Chapel Of Disease Köln EssigfabrikCT: Ich empfinde dies in Bezug auf das letzte Album als eher untergeordnet. Natürlich könnte ich argumentieren, dass auch diesmal wieder Riffs vorkommen, die über einen längeren Zeitraum gespielt werden. Jedoch passiert darüber eine ganze Menge, so dass es sich, zumindest für mich, sich nicht repetitiv anhört. Das letzte Album ist meiner Meinung nach viel straighter, wenn auch verspielt, so dass die Elemente aus dem zweiten Album gar nicht viel Platz einnehmen konnten. Es ist zudem auch viel durchdachter und mit mehr Präzision ausgeführt.

MH: Hast du auf dem Album einen Lieblingssong? Wenn ja: was macht gerade diesen Song  dazu?

CT: Schwierig. Ich bin sehr stolz auf „Null“ und den Text, den ich dazu verfasst habe. Er ist darüber
hinaus auch schön zu spielen und die Band zeigt innerhalb von 9 Minuten verschiedene Stile. Aber auch die restlichen Songs sind mir sehr ans Herz gewachsen. Dieses Album ist eine Herausforderung für mich was das Spielen angeht und das genieße ich.

MH: Welche Band oder welches Album haben dich in letzter Zeit beeindruckt?

CT: Ich bin immer auf der Suche nach Neuem und finde ständig spannendes. Zurzeit feiere ich „Gates Ajar“ von SABIRE ab, ein Heavy Metal Album, das wirklich unglaubliche Hooks hat. Ebenso REVERSED aus Kanada, die mit „Widow Recluse“ einen fiesen Death Metal Bastard erschaffen haben. Die letzte FUNEREAL PRESENCE ist fantastisch, ebenso wie die „Sulphur Soul“ von GEVURAH. Aber auch die erste SAVIOR MACHINE habe ich für mich entdeckt und in den letzten Wochen intensiv gehört. Wundervolle Gitarrenarbeit und eine Stimme zum Niederknien. Und die letzte NOCTURNAL WITCH LP ist ja mal unglaublich. Diese rohe Energie, Wahnnsinn. Worauf ich mich grad am meisten freue ist die neue DRAB MAJESTY, die ja noch im Juli rauskommen soll. Ich kann es kaum noch abwarten.

Köln als Zuhause erkoren

MH: Wie seid ihr eigentlich auf den Bandnamen gekommen?

CT: Gute Frage, das weiß keiner von uns mehr so genau. Irgendwann stand er einfach im
Raum. Es wurde ja schon öfters gesagt, dass es ein Zusammenspiel von den beiden MORBID ANGEL Songs „Chapel of Ghouls“ und „Angel of Disease“ ist, was auch nicht abwegig wäre. Jedoch kann ich das auch nicht bestätigen und muss somit jeden weiter spekulieren lassen.

MH: Ihr werdet ja als Kölner Band geführt. Wohnt ihr alle in Köln?

CT: Ja, wir wohnen alle in Köln. Manche von uns sogar recht nah beieinander. Auch der
Proberaum ist bei uns in der Nähe. Ich könnte mir auch nicht vorstellen, woanders zu wohnen. Es ist schön hier.

MH: Seid ihr auch aus Köln? Oder aus welchem Grund seid ihr nach Köln gezogen?

CT: Nun, unser Schlagzeuger kommt aus Leverkusen und unser Basser ursprünglich aus
dem bergischen Land. Das ist beides ja nicht weit von Köln entfernt. Mein Bruder und ich sind jedoch vor einiger Zeit hierhingezogen. Zuvor sind wir relativ viel rumgekommen, was jetzt den Rahmen sprengen würde. Aber wir haben beide hier eine sichere Basis gefunden und Köln als unser Zuhause erkoren. Ich persönlich würde mich mittlerweile als Kölner bezeichnen, auch wenn ich hier nicht aufgewachsen bin.

…ein letztes Wort

MH: Danke für die ausführlichen Antworten und vielfältigen Anregungen! Das Schlusswort gehört wie immer dem Interviewten: Gibt es etwas, das du unseren  Lesern sagen/mit auf den Weg geben möchtest?

CT: Ich möchte mich im Namen der Band aufrichtig bei jedem bedanken, der uns in irgendeiner Weise unterstützt hat! Glaubt mir, ihr habt meinen tiefsten Respekt!

 

Zuletzt habe ich CHAPEL OF DISEASE in der Kölner Essigfabrik zusammen mit DOWNFALL OF GAIA und MATAR erlebt. Den Konzertbericht könnt ihr HIER noch einmal lesen.

 

 

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Bildquellen

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Birgit

Birgit

Iron Butterfly und Jethro Tull haben mir gezeigt, dass es neben Uriah Heep, Black Sabbath und Whitesnake noch etwas anderes gibt. Neugierig geworden höre ich seitdem alles, was sich unter dem Oberbegriff Metal und Rock versammelt. Je nach Stimmung eher Metalcore oder instrumentalen Rock. Mein Herz hängt allerdings am ganzen Spektrum skandinavischer Metalmusik: ob nun Folk-, Progressiv oder Doom-Metal.

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