ANGRA – live im Turock (Essen) – 19.04.2018

Angra Jam and Party 19.04.18 Turock Essen

ANGRA – live im Turock (Essen) – 19.04.2018

Vor etwa zwei Monaten ist das aktuelle Release von ANGRA auf den Markt gekommen und unsere Review dazu findet ihr hier. Die Scheibe überzeugt und da ich schon ewig keinen Live-Auftritt der Brasilianer mehr erleben durfte, freute ich mich entsprechend auf die Reise in die Metal-Hochburg nach Essen. Im TUROCK hatte es in den letzten Monaten einige sehenswerte Konzerte gegeben und wir von metal-heads.de haben für euch berichtet (schaut mal hier und dort).

ANGRA plus 3 Supportbands – ein langer Konzertabend in Essen

Bevor es aber um den Headliner ging, sollte das mit 19:15 Uhr früh angesetzte Event erst einmal mit 3 Supportacts aufwarten. Den Opener (dieser Slot wechselte auf der Tour mehrfach) machten RAVENSCRY. Der italienische Fünfer mit weiblicher Frontfrau startete absolut pünktlich und wenn man sich den Bandnamen anschaut, dann scheint es angesagt zu sein, RAVEN im Namen zu haben (siehe auch u.a. THE RAVEN AGE, RAVENEYE). Anfangs gab es Soundprobleme und so war Sängerin Giulia Stefani zunächst kaum zu hören. Das besserte sich zum Glück bald. Leider standen anfangs nur ca. 50 Zuschauer vor der Bühne, als man Songs wie „The witness“ performte. Der kleinen Fläche der voll gestellten Bühne geschuldet hatten man wenig Aktionsradius. Spielfreude kann man dem Fünfer aus Südeuropa aber auf jeden Fall bescheinigen.

Ravenscry 19.04.18 Turock Essen

Die Band aus der Nähe von Mailand spielte melodischen Metal und die Klimaanlage schaffte es zu diesem Zeitpunkt auch noch, den Anwesenden ein gewisses Gefühl von Kühle zu vermitteln. Ja, es ist ein undankbarer Job, als Opener so früh am Abend, „unter der Woche“ antreten zu müssen. Gegen Ende des Sets sprang dann Gitarrist Federico Schiavoni mit seinem Instrument von der Bühne und spielte im Zuschauerraum weiter. Schräg. Fazit: Sympathisch und ordentlich gemacht. Nicht mehr und auch nicht weniger.

Italien, Amerika und mehr

Gegen 20:05 Uhr ging es nach einer Umbaupause weiter. HALCYON WAY geben selber an, dass sie nur schwer zu kategorisieren seien. Einflüsse von hochwertigem Progressive Rock bis hin zu hartem Metal führen beim eigenen Material zu einer besonderen Mischung. Die Band aus Atlanta (USA) spielte für die Fans Tracks wie z.B. „Hatred is my cause“ (vom 2014er Release „Conquer“), bei dem ANGRA-Gitarrist Rafael Bittencourt als Gast auf er Bühne mitwirkte und „Blame“ vom bald erscheinenden neuen Album.

Die Amerikaner erfüllten einige Klischees, von den schwarz lackierten Fingernägeln, der Sonnenbrille in Kombination mit dem Irokesenhaarschnitt etc. Mit ihrem High Speed Metal servierten sie viel Power, aber auch genug Melodie. Neben dem Gesang von Frontmann Steve Braun steuerte der Bassist immer wieder seine Growls bei. Man klärte auf, dass heute Alles etwas anders sei, das sei so üblich beim letzten Gig einer Tour (der war eben heute Abend). Das sollte sich auch an verschiedenen Stellen des heutigen Konzertabends noch zeigen.

Halcyon Way 19.04.18 Turock Essen

Weitere Stücke in der Performance von ca. 40 Minuten waren „Desecration day“, „Home“ aus dem oben erwähnten Release und aus dem Film „Rock Star“ dann noch „Stand up“. Beim letztgenannten Song wurde die Band vom RAVENSCRY-Drummer am Schlagzeug begleitet und auch der O:M-Gitarrist wirkte auf der Bühne mit.

Ein Entertainer geht auf die 60 zu – Geoff Tate…

OPERATION:MINDCRIME. Der Kenner der Szene weiß Bescheid. Hinter diesem legendären Titel verbirgt sich mit Geoff Tate der ehemalige Frontmann der Prog-Formation QUEENSRYCHE, der dort langjährig des Mikro in Händen hielt. Diese Zeiten sind längst vorbei und so tourt der gute Mann mit Songs von damals und eigenem Material durch die Weltgeschichte. Über seine Releases der letzten Jahre haben wir euch (u.a. hier) ausführlich berichtet.

Heute also in der direkten Warm up-Position vor dem Hauptact. Das mit dem „Aufwärmen“ war nun an diesem sommerlichen Donnerstagabend im April (tagsüber hatte das Thermometer bis zu 28 Grad angezeigt!) im – überraschend für das hochwertige Billing (bei einem Ticketpreis von ca. 30 Euro – nicht mal zur Hälfte gefüllten TUROCK keine allzu schwere Aufgabe. Aber ich kann es vorwegnehmen, Mr. Tate hat´s noch drauf. Passend zum 30. Geburtstag des Kultalbums „Operation mindcrime“ sollte es zu einer Komplettaufführung kommen. Großartig.

Operation Mindcrime 19.04.18 Turock Essen

Besonders ergreifend war es, als die junge Frau vom Merch-Stand die Bühne erklomm und mit dem ehemaligen QUEENSRYCHE-Sänger „Suite sister Mary“ sang. Dabei handelte es sich um seine Tochter Emily (die ihrerseits selber in einer Band namens TIL DEATH DO US APART singt). Wer heute nicht da war, verpasste das Gesangsduett von Vater und Tochter. Die Stimmung war klasse und die Fans – mit Recht – begeistert! Eine Stunde Spielzeit waren angemessen. Das Resümee: der Mann ist ein echter Entertainer und ja, er ist vielleicht nicht mehr so 100%-ig auf dem Niveau von früher, aber wenn ich mit fast 60 noch so etwas auf die Beine stellen könnte, wäre ich dankbar. Respekt!

Brasil…schalalalalala Brasil…

Für einen Donnerstagabend recht spät gingen dann ANGRA gegen 22:30 Uhr als Headliner an den Start. Noch vor der anstehenden Fußball-WM kam also schon ein Touch Brasilien auf. Mit der Ur-Formation, wie sie manche von euch vielleicht von früher kennen hat das nichts mehr zu tun. Lediglich Gitarrist Rafael Bittencourt ist noch von den Bandgründern dabei. Am Mikro gibt es den „neuen“ Sänger (obwohl man nach 5 Jahren fast nicht mehr davon sprechen mag) Fabio Lione, 3 Musiker komplettieren das Line up.

Angra Jam and Party 19.04.18 Turock Essen

Schon die Eröffnung ist stark mit einem der – aus meiner Sicht – herausragendsten Songs der Bandgeschichte: „Nothing to say“. Wir erlebten eine tighte Perfoemance. Musikalisch stark, kraftvoll und gut eingespielt. Vorher tönende skeptische Stimmen bzgl. der aktuellen Verfassung der Band sah ich als zu negativ an. Der noch sehr jung anmutende Drummer Bruno Valverde überzeugte mit präzisem und wuchtigem Schlagzeugspiel (und einer für den Metal-Bereich ungewöhnlichen Stickhaltung, die man eher aus dem Jazz kennt).

Melodie und Tempo. Wer vorher aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit müde zu werden drohte, der erwachte jetzt. Der Gesang kam bei manchen Tracks sehr angestrengt und dann nicht so recht überzeugend herüber, aber es ist ja schließlich nicht das ganze Material für diesen Frontmann geschrieben worden. Das sollte man fairerweise berücksichtigen. Der Sound war druckvoll – vielleicht etwas zu laut – das war zuvor besser gewesen. Vom aktuellen Release „ØMNI“ gab´s u.a. den Song „Insania“ auf die Lauscher. Gelungen fand ich auch die Darbietung von „Lisbon“. Vom 2016er Album „Rebirth“ gab´s den Titeltrack. Gegen 23 Uhr traten schon einige Fans den Heimweg an (unter der Woche halt und wenn man noch eine Strecke zu fahren hat bzw. am nächsten Morgen früh raus muss…).

Ein überraschendes Highlight – ein starker Abgang!

Sie verpassten damit das – aus meiner Sicht – Highlight des Abends: „Silent lucidity“ gesungen von Geoff Tate und mit musikalischer Verstärkung des OPERATION:MINDCRIME-Gitarristen. Großartig! Gegen 23:45 Uhr endete der Gig und damit ein wirklich ansehnlicher Konzertabend. Value for money und die Befürchtung, es würde extrem heiß (und man könnte einen Aufguss  machen), wurde so nicht bestätigt.

Und hier seht ihr die Bilderserien, die unser Fotograf Chipsy an dem Abend geschossen hat:

Zunächst die Italiener von RAVENSCRY:


 

Dann der Sprung nach Amerika zu HALCYON WAY:


 

Geoff Tate mit OPERATION:MINDCRIME:


 

ANGRA, der Headliner aus Brasilien:


 

Und zum Abschluss noch der Menschenauflauf auf der Bühne zum finalen Jam:


 

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Bildquellen

  • Ravenscry 19.04.18 Turock Essen: (c) Chipsy-Karsten Frölich/www.metal-heads.de
  • Halcyon Way 19.04.18 Turock Essen: (c) Chipsy-Karsten Frölich/www.metal-heads.de
  • Operation Mindcrime 19.04.18 Turock Essen: (c) Chipsy-Karsten Frölich/www.metal-heads.de
  • Angra 19.04.18 Turock Essen: (c) Chipsy-Karsten Frölich/www.metal-heads.de
  • Angra Jam and Party 19.04.18 Turock Essen: (c) Chipsy-Karsten Frölich/www.metal-heads.de
Doc Rock

Doc Rock

Meine erste Metal-Platte liegt lange zurück: LIVE AFTER DEATH von IRON MAIDEN war´s. Ansonsten fühle ich mich in der Progressive Metal-Ecke wohl!

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