Hallig live im Planetarium Bochum

Blick ins Planetarium Bochum. Links die Band "Hallig", rechts der riesige kugelrunde Projektor.

Hallig live im Planetarium Bochum war eine kosmische Show der ganz besonderen Art. Atmosphärischer, melodischer Black Metal im Sitzen in einem Saal. Das allein ist schon ungewöhnlich. Aber das Ganze dann unter einem projezierten Sternenhimmel, unter gewaltigen Gewitterstürmen oder einfach unter fließenden, geometrischen Formen? Bizarr, surreal, aber eindrucksvoll. Und vollkommen stimmig.

Thematisch passt der druckvolle, melodiöse und vielschichte Black Metal von Hallig hervorragend in das Planetarium Bochum. Denn deren Musik handelt in ihren Metaphern häufig vom Firmament und den Sternen. Auch von Stürmen und Gewittern. Oder vom Universum oder von der umgekehrten Schwerkraft. Folglich finden sich auf den beiden Alben beispielsweise Titel wie If I Am The Storm oder Am Firmament (beide von 13 Keys to Lunacy), A Dawn beneath Titanium Clouds oder Im Aufwärtsfall sowie The Starless Dark (alle von A Distant Reflection of the Void).

Hallig live im Planetarium Bochum: Brillante Lightshow, hervorragender Sound

Insgesamt rund zwei Stunden spielten Hallig live im Planetarium Bochum. Ein Heimspiel für die Band. Und wie es sich für eine Kulturveranstaltung in einem städtischen (Sternen-)Theater gehört mit der obligatorischen, halbstündigen Pause. In dieser gab es dann auch Getränke und Snacks. Im gleichen Format fand am Tag zuvor übrigens ein ähnlich konzipiertes Konzert mit der Death-Metal-Formation Damnation Defaced aus Celle statt. Und diese Konzert-Reihe im Planetarium Bochum heißt dann Stellar Darkness.

Gruppenfoto der Band Hallig. Die stehen mit etwas Abstand auf einem offenen Platz.

Das Planetarium Bochum liefert nicht nur in Sachen Lightshow eine brillante Kulisse für Extreme-Metal-Konzerte. Vor fünf Jahren wurde der Saal unter der rund 20 Meter durchmessenden Kuppel mit einem neuen Raumklang-System ausgestattet. Und das stammt vom Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie (IDMT). Folglich war der Sound rundum perfekt. Obwohl am Merch-Stand auch Ohrenstöpsel angeboten wurden, war Gehörschutz kaum nötig. Die Lautstärke war hoch, aber immer noch moderat. Durch die Anlage war Hallig im Planetarium Bochum dennoch gut abgemischt und hervorragend austariert.

Und dieses kosmische Metal-Ereignis durften dann rund 250 Gäste im ausverkauftem Saal erleben. Licht und Ton sogen das Publikum förmlich in die Lichtprojektionen und Videoanimationen hinein. Die Zuhörenden wurden zu Protagonisten eines einzigen, gewaltigen, beeindruckenden Musikvideos. Teils drehte sich der Himmel im gesamten Gesichtsfeld. Und teils wirkte das Firmament auch nur zu ruhen. Dann entstand vielmehr die Illusion, dass Band und Publikum gemeinsam wogten zur epischen, düster-transzendierenden Black-Metal-Gewalt von Hallig.

Hallig live im Planetarium Bochum: Interview zur Show und ihrer Entstehung

Was ihre Namen angeht, so treten die Musiker von Hallig auf ihren Alben nur mit Kürzel in Erscheinung. Im Planetarium Bochum spielten A. und F. (beide Gitarren), K. und L. (beide Vocals), M. (Bass) sowie MS (Drums, Set 2) und JP (Drums, Set 1). „JP war als Gastmusiker da und hat das erste Set mit den vorwiegend älteren Songs übernommen“, erklärt die Band gegenüber Metal-Heads.de. „Er war bis 2019 auch Mitglied bei Hallig. MS übernahm dann für das zweite Set mit den drei neuen Songs.“ Und im Interview mit Metal-Heads.de gibt Gitarrist A. umfangreiche Einblicke in die Show und deren Entstehung.

MH: Im Jahr 2019 wart Ihr schon mal live im Planetarium Bochum. Das war nach Euren eigenen Aussagen das erste Metal-Konzert dort. Wie kam die Idee für diese Art von Konzerten zustande? Seid Ihr die geistigen Väter dieser Form von Shows?

A.: Die Idee ist 2019 zusammen mit dem technischen Leiter des Planetariums entstanden. Wir sind uns damals eher zufällig in einer Kneipe über den Weg gelaufen. Und kamen schnell ins Gespräch über unsere Musik und seine Planetarium-Shows. Im Planetarium gab es in der Vergangenheit bereits Live-Konzert-Projektionen, z. B. mit der Space-Rock Band Electric Moon.

Hallig live im Planetarium Bochum: „Viele Astrale Elemente in der Musik“

A.: Da wir viele „astrale“ Elemente in unserer Musik haben und die Songs auch oft Bezug zu solchen Themen aufgreifen, passte das tatsächlich sehr gut zusammen. So nahm das Projekt Fahrt auf. Mir ist nicht bekannt, dass zuvor eine Metal-Band, schon gar nicht aus dem Black-Metal-Bereich, in einem Planetarium gespielt haben.

MH.: Ist die Licht- und Projektionsshow auf Eure Musik und Eure Setlist abgestimmt, konzipiert und gestaltet worden? Oder wurden hier Elemente bereits bestehender Vorführungen des Planetariums wiederverwendet?

A.: Sowohl als auch. Das Planetarium hat einen großen Grundstock an Projektionen, die natürlich auch in anderen, zum Teil sehr abgefahrenen Shows verwendet werden. Dazu kamen auch noch einige 360-Grad-Aufnahmen, die für unsere Shows 2019 und dieses Jahr angefertigt wurden. Das waren die Zutaten, die dann wie beim Kochen unterschiedlich eingesetzt und gemischt werden können. Während 2019 alles noch eher „Live-Cooking“ war, sind die gesamten Visuals diesmal im Vorfeld entstanden und auf unsere Setlist abgestimmt. Die ganze Show war dadurch einfach noch viel intensiver.

Hallig live im Planetarium Bochum. Die untere Hälfte des Bildes ist schwarz. Darin sind die Silhouetten der Band erkennbar. Die obere Bildhälfte zeigt die Lichtshow mit einem dunkelblauen Gewitterhimmel.

Hallig spielt in fast völliger Dunkelheit

MH.: In nahezu völliger Dunkelheit zu spielen, stelle ich mir sehr anspruchsvoll vor. Hat das gut funktioniert? Und bekommt Ihr von der Projektion auf der Bühne überhaupt irgendwas mit?

A.: Das ist kein großes Problem, da wir ganz schwach und gezielt von Scheinwerfern angestrahlt werden. Das ist völlig ausreichend. Nur die kurzen, sehr hellen Passagen an der Kuppel sind etwas schwierig, da sie zum Teil etwas blenden für einen Moment. Wir bekommen natürlich auch einiges mit von den Projektionen, sicherlich die Sänger etwas mehr als die übrige Band. Reicht aber voll aus, um zu sehen, wie geil das Ganze einfach ist. Klar hätte ich persönlich gerne noch mehr davon mitbekommen, aber in erster Linie machen wir das ja für unser Publikum.

MH.: Euer aktuelles Album ist inzwischen rund vier Jahre alt. Ihr habt in einer der Moderationen kurz eine kommende Split erwähnt. Was genau erwartet die Fans hier?

A.: Einige unserer neuen Songs haben wir bei der Show bereits angespielt, das Feedback war sehr gut. Geplant ist eine Split mit der norddeutschen Band Friisk, die über Vendetta als Vinyl erscheinen soll.

MH.: Ist auch ein neues Album in Planung? Was könnt Ihr schon verraten?

A.: Nach der Split ist vor dem Album. Da wird sich nächstes Jahr auf jeden Fall einiges tun. Wenn dann das Presswerk endlich aus dem Arsch kommt, ist auch endlich die Vinyl-Version unseres letzten Albums erhältlich. Ein ganz schickes Teil mit neuem Layout, soviel darf ich verraten.

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Nachtrag:

Ergänzend gibt es mittlerweile (und daher haben wir das Video nachträglich eingefügt), Filmmaterial vom Auftritt für einen entsprechenden umfassenderen Einblick:

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Bildquellen

  • Bandfoto Hallig: Pressemitteilung Planetarium Bochum
  • Hallig live 2022 Planetarium Bochum Gewitterhimmel: (c) 2022 Matt / metal-heads.de
  • Hallig live 2022 Planetarium Bochum mit Projektor: (c) 2022 Matt / metal-heads.de

Matt

In der Unterstufe Metallica und lange Haare. Heute vor allem Black- und Death-Metal, aber nur noch Buzz-Cut. Innere Langhaarigkeit muss reichen... ;)

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