WOLFSFEST Matrix Bochum-Konzertbericht

Varg auf der Bühne. Das Publikum streckt die Hände mit den Fingern als Teufelsgruß in die Luft.

In den Katakomben

Am 11.11.’22 luden VARG (Facebook/Homepage) zum WOLFSFEST in Bochum ein. In den Katakomben der altehrwürdigen MATRIX (Facebook) trafen sich zudem die Bands ASENBLUT (Facebook/Homepage), OBSCURITY (Facebook/Homepage) und KANONENFIEBER (Facebook/Homepage), um der Meute einzuheizen.

Als mein Kollege Matt und ich nach einer kleiner Stärkung bei Brunos Imbiss (Facebook) direkt vor der Matrix in die Matrixgrotte hinabstiegen, waren wir bereits von vielen Metallern umgeben und der Matrix-Tunnel unter der Erde füllte sich zusehends. Letztlich fanden sich so ca. 200-250 Leute ein, so dass es nicht bis zum Bersten voll war, aber dennoch gut gefüllt. So konnten auch Fans mit klaustrophobischen Ansätzen entspannt dem Konzert weiter hinten folgen. Wer mehr auf Tuchfühlung gehen wollte, der begab sich in den Bereich vor dem Mischpult. Dort kämpfte sich später auch mein Kollege Matt immer wieder tapfer bis zur Bühne durch, um ein paar schicke Fotos zu schießen.

Vom Merch-Geist besessen

Nett anzusehen war auch der ausladende Merchbereich, wo alle Bands ihre Waren präsentierten. Ich hatte mir eigentlich fest vorgenommen nichts zu kaufen. Ich konnte mir nicht erklären, wie sich dann trotzdem plötzlich ein kleines VARG-Patch in meine Hosentasche verirren konnte. Na ja gut… So ein Patch ist ja nix wildes. Doch dann hatte ich plötzlich einen Zipper von VARG an und schwupps wanderten 60 Euronen über den Tisch für das Teil. Front und Back sind mit goldenen gestickten Motiven versehen. Stoff und Verarbeitung sind von erstklassiger Qualität. Das kann man ruhig mal erwähnen, denn gute Qualität bekommt man nicht immer beim Merch.

Der Merch-Geist ergriff also Besitz von mir und führte mich dann noch zu einer fantastischen Vinyl des Wahnsinnsalbums „Menschenmühle“ von KANONENFIEBER. Und als ich die nette Frau hinter dem Stand nach dem Preis fragte, sagte sie 20 Euro. Ungläubig fragte ich noch einmal nach, denn es war nicht nur eine schöne mehrfarbige Vinyl. Es war ein aufwendig gestaltetes Gatefold und ein mehrseitiges themenbezogenes Booklet dabei. Alles hochwertig! Aber die Dame wiederholte den für mich unglaublich günstigen Preis und schwupps… Die Scheibe landete ebenfalls in meiner Tasche. Mittlerweile hörte ich die ersten Töne von ASENBLUT und sodann begaben wir uns in den heiligen Tunnel.

ASENBLUT

Die Band Asenblut auf der Bühne. Die beiden Gitarristen flankieren den Sänger. Der Sänger zeigt seinen nackten Oberkörper, der sehr muskulös und stark tätowiert ist.

Mein lieber Scholli… Man musste gar nicht so nah an die Bühne, um Sänger Tim „Tetzel“ Schmidt zu sehen. Was für ein Berg von Mann! Stimmlich machte Tetzel seinem äußeren Erscheinungsbild alle Ehre und seine brutalen Vocals schmetterte er mit ordentlich Volumen und Kraft in die Menge. Der Sound hat mir gut gefallen. Als Soundmixer braucht man schon ein gutes Händchen, um in dieser für den Sound unvorteilhaften Ziegelsteinröhre einen gutes Klangbild zu schaffen.

Der Sänger von Asenblut hält eine Hand ans Ohr, als ob er das feiernde Publikum vermeintlich nicht hören würde.

Die Männer schmetterten einen Brecher nach dem anderen ins Publikum, dass sichtlich und hörbar Gefallen an dem Auftritt fand und so langsam schon mal auf Betriebstemperatur kam. Schnell wurde es auch dem Sänger Tetzel sehr heiß und er entledigte sich seiner Oberbekleidung, was bestimmt die weiblichen Fans in Verzückung geraten ließ, wobei jedoch niemand in Ohnmacht gefallen ist. Aber wir sind ja auch nicht auf einem Boy-Group-Teenie-Konzert, sondern beim WOLFSFEST. Da bleibt man standhaft! Wie auch immer…. Der Auftritt war sehr gelungen und ich war positiv überrascht. Sehr nett fand ich, dass Tetzel sich nach einer erfrischenden Dusche noch am Merch-Stand blicken ließ, um Kontakt mit den Fans aufzunehmen. Die Meute war dementsprechend gut aufgeheizt und bestens gelaunt für den nächsten Auftritt von

OBSCURITY

Der Sänger von Obscurity streckt die gehörnte Hand in die Höhe, während ihm das Publikum das nachmacht.

Damit ist wohl die dienstälteste Band an diesem Abend auf der Bühne, denn sie wurden 1997 gegründet. Allerdings ist nur noch Sänger Agalaz von der ursprünglichen Besetzung übrig. Dieser hatte in der Vergangenheit wirklich für das Überleben seiner Band gekämpft. Jedenfalls konnte Agalaz eine gute Bindung zum Publikum aufbauen, so dass die Stimmung weiter hochkochte. Der Sound war meiner Meinung nach nicht ganz so gut wie beim Act davor. Er war zwar lauter, aber es schepperte oft ein wenig. Aber es hielt sich noch in Grenzen. Die Männer ließen sich von den eigenen sehr energisch prügelnden Songs anstecken und setzten viel körperliche Energie frei. Da ging zwischendurch immer mal die Post ab, wenn beispielsweise zusammen die Haarmatten geschwungen wurden. Das übertrug sich auch auf die Fans, die ihre Leiber vor der Bühne freudig bewegten. Sehr neugierig war ich auf den nächsten Act….

Obscurity auf der Bühne. Der Sänger ganz links schreit ins Mikrofon. Ein Gitarrist und der Bassist headbangen.

KANONENFIEBER

Kanonenfieber im Gegenlicht. Die Musiker haben schwarz verhüllte Gesichter. Alle tragen Uniformen aus der Zeit des ersten Weltkriegs. Der Sänger sticht aufgrund seiner Pickelhaube heraus.

Das noch junge Musikprojekt KANONENFIEBER mit den anonymen Soldaten hatte letztes Jahr mit dem Album „Menschenmühle“ einen unglaublichen Erfolg, was den Musiker selbst wohl am meisten überraschte. Aber das Album mit dem extrem krassen Cover gehört ohne Zweifel zu den besten Black Metal Alben der letzten Jahre und dazu noch mit deutschen Texten. Dies hat Seltenheitswert. Man könnte es mit der ukrainischen Band 1914 vergleichen, die ebenfalls das Grauen und die Gräueltaten des Krieges als Themen ihrer Alben haben. Erfolgsbedingt musste er also Musiker um sich scharen, denn zwangsläufig gierten die Fans nach Live-Auftritten. Und da waren sie nun…

Der Sänger der Band Kanonenfieber trägt eine Skelett- beziehungsweise Totenschädel-Maske unter einer Pickelhaube.

Bedingt durch das Konzept der anonymen Soldaten waren alle Musiker maskiert. Die Bühne wurde mit einigen Utensilien zum Kriegsschauplatz umfunktioniert. KANONENFIEBER brachten ein wenig Abwechslung in den Sound des Abends, denn abseits vom Viking Metal der anderen Protagonisten feuerten KANONENFIEBER knallharten düstersten Black Metal aus den Rohren. Der sehr atmosphärische Sound wurde eindrucksvoll auf die Bühne übertragen und entfesselte dort einen gewaltigen Sturm, der sich auf das Publikum übertrug. KANONENFIEBER wurde ordentlich abgefeiert. Ein Steigerung konnte es dann nur noch beim Headliner geben.

VARG

Varg auf der Bühne. Das Publikum streckt die Hände mit den Fingern als Teufelsgruß in die Luft.

sind gleichfalls erfahrene Krieger im Musikbusiness und wissen, wie man die Meute begeistert. So hatte Sänger Philipp „Freki“ Seiler als Leitwolf sein Wolfsrufel voll im Griff. Er machte richtig Stimmung, war in ständiger Bewegung und forderte das Publikum gestikulierend und verbal zum Mitmachen auf. Die Fans honorierten das und feierten VARG voll ab. Vor der Bühne gab es den einen oder anderen Moshpit, wo die Fans auf Tuchfühlung gingen. VARG zelebrierten ihre harschen Schlachtengesänge. Aggressive Vocals treffen auf massives Riffing und schwertscharfe Gitarrenleads, vorangetrieben durch rüde Angriffe aus der Schießbude. Sänger Freki schreit seine Vocals mit aller Wucht hinaus. Aber es waren nicht nur die brachialen Songs, die für Begeisterung sorgten.

Denn auf dem Album „Zeichen“ ist der Song „Fara Til Ranar“ ein echtes Highlight im Ozean der brutalen Hymnen. Der Kontrast zwischen den aggressiven Vocals von Freki und den lieblichen weiblichen Vocals vor dem harten instrumentalen Hintergrund geht voll unter die Haut. Zudem bot Sängerin Fylgja eine schöne optische und akustische Abwechslung, und das nicht nur beim Song „Fara Til Ranar“. Sie brachte sich auch bei anderen Songs ein und es gab sogar eine ruhige Ballade, die die Kriegerseelen für kurze Zeit besänftigte. So bot das Set von VARG ein abwechslungreiches Erlebnis und alle Fans gingen hochzufrieden nach Hause.

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Bildquellen

  • WOLFSFEST VARG -4-: metalhead/metal-heads.de
  • WOLSFEST VARG Zipper: metalhead / metal-heads.de
  • WOLFSFEST KANONENFIEBER -Vinyl-skaliert: metalhead / metal-heads.de
  • Asenblut live Bochum 2022 – 02: (c) 2022 Matt / metal-heads.de
  • WOLFSFEST ASENBLUT-2-: metalhead/metal-heads.de
  • Asenblut live Bochum 2022 – 03: (c) 2022 Matt / metal-heads.de
  • Obscurity live Bochum 2022 – 02: (c) 2022 Matt / metal-heads.de
  • WOLFSFEST OBSCURITY -5-: metalhead/metal-heads.de
  • Obscurity live Bochum 2022 – 01: (c) 2022 Matt / metal-heads.de
  • Kanonenfieber live Bochum 2022 – 02: (c) 2022 Matt / metal-heads.de
  • Kanonenfieber live Bochum 2022 – 01: (c) 2022 Matt / metal-heads.de
  • WOLFSFEST KANONENFIEBER -1-: metalhead/metal-heads.de
  • Varg live Bochum 2022 – 01: (c) 2022 Matt / metal-heads.de
  • WOLFSFEST VARG -3-: metalhead/metal-heads.de
  • WOLFSFEST VARG -6-: metalhead/metal-heads.de
  • WOLFSFEST VARG -5-: metalhead/metal-heads.de

Metalhead

Seit meiner Kindheit höre ich gerne Rockmusik. Es hat mit Gary Moore, Scorpions, Billy Idol, Bon Jovi, Dire Straits, AC/DC usw. angefangen, also quasi mit den Großen der 80'er und 90'er Jahre. Mit zunehmendem Alter ging der Musikgeschmack immer mehr auch in die härtere Richtung. So finden sich mittlerweile auch viele Core-Platten, so wie Black-und Death-Metal Kracher in meiner Sammlung. Daher bin ich in fast allen Bereichen des Rock und Metal unterwegs. Eine besondere Vorliebe habe ich für den Underground entwickelt, wo es richtig brennt und es viele hochklassige Bands gibt, die den Großen der Branche in nichts nachstehen, ganz im Gegenteil. In diesen Sinne: Stay tough, stay heavy!

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