MY OWN BLACK: Manuel Förderer im Interview

my own black jessica kessler

MY OWN BLACK: da haben sich mit Manuel Förderer und Achim Rauscher zwei kreative Köpfe zusammengetan und eine EP mit fünf kraftvollen und dabei melodischen Heavy Metal Songs in moderner Ausführung entwickelt. Mit Schlagzeuger Marcel Pfeil und Sänger Patrick Sühl schaffen MY OWN BLACK einen energetischen und fetten Sound, der das spannende Songwriting unterstreicht.

Da ich mehr wissen wollte, habe ich Manuel Förderer ein paar Fragen zur Band und zur EP gestellt. Seine Antworten informieren aber machen vor allen Dingen Spaß und Lust darauf, die Songs anzuhören! 

Songideen, Bandprojekt und Vorschlag für das Bundesverdienstkreuz

Ihr seid eine „neue“ Band – bzw. habt euch neu zusammengefunden. Wie ist es dazu gekommen? War es der Gedanke: wir gründen eine Band? Oder waren es musikalische / konzeptionelle Ideen, für deren Umsetzung entsprechende Musiker gesucht wurden?  Wer hatte die Ideen/wer hat ‚gesucht‘?

my own black manuel förderer jessica kessler

Am Anfang stand der Wunsch, die vielen Songs und Songideen, die sich bei mir und Achim gesammelt hatten, endlich auch auf CD zu pressen. Finden mussten wir beide uns da glücklicherweise nicht mehr, wir kennen uns seit gut 15 Jahren – was wir allerdings finden mussten, war der richtige Rahmen für unsere musikalischen Ideen. Wir hatten uns im Januar 2021 dann dafür entschieden, ein neues Bandprojekt ins Leben zu rufen und uns gezielt passende Mitmusiker zu suchen.

Über Umwege sind wir so zuletzt bei Patrick gelandet, den wir erfreulich wenig bearbeiten mussten, um ihn für die Songs zu gewinnen. Was letztlich für uns ein Riesengewinn war. Hier hatte Mischa Mang den Stein ins Rollen gebracht, der in den früheren 2000er Jahren für IVANHOE gesungen hat und heute seine Brötchen im Musical-Business verdient. Wir hatten zuerst Mischa angehauen, ob er das Album für uns einsingen will, er hat aber letztlich zwischen Brotberuf, Hausbau und Vaterdasein keine Zeit gefunden, uns aber an Patrick weitervermittelt. Dafür werden wir ihn beizeiten für das Bundesverdienstkreuz vorschlagen.

Normalerweise hätte ich an dieser Stelle nach der Herkunft / dem Hintergrund des Bandnamens gefragt. Aber da ich zunächst euer Album gehört hatte, hat sich die Frage für mich eigentlich schon geklärt.
Ich gehe mal davon aus, dass der Text von „If Darkness It Is…“  nicht um den Bandnamen herumgeschrieben wurde. Oder bin ich da auf einem falschen Weg und der Name ist ganz anders zustande gekommen?

Der Name kommt selbst aus dem Dunkel kreativer Prozesse. Weniger enigmatisch: Als wir uns für das Projekt entschieden hatten, stand für uns der Gedanke im Vordergrund, etwas Eigenes machen zu wollen, eigene Ideen und Vorstellungen umsetzen zu können. Die Jahre davor waren zum Teil geprägt gewesen von enttäuschenden Erfahrungen, von nicht zustande gekommenen Ansätzen und nicht enden wollenden Verschleppungen. Davon wollten wir weg. Der Bandname zeigt an, dass man selbst dann, wenn alles schon gesagt und getan zu sein scheint, noch seine eigene Nische finden kann. Wäre ich lyrisch veranlagt, würde ich sagen: Sein eigenes Schwarz in einem Ozean der Schwärze. Nun ja. Die Verwendung in dem von dir erwähnten Song hat, neben der fraglos melancholischen Dimension, aber auch eine ironische Pointe.

Das ‚Schwarz‘ und kreative Prozesse im Dunkel

Was verbindest du persönlich mit dem Namen?

Einen kreativen Auf- und Ausbruch

„Schwarz“ kommt in vielen Bandnamen vor. Hattet ihr keine Bedenken hinsichtlich einer möglichen „Verwechslungsgefahr“? Gerade so als neue Band?

Ja, da ist was dran, in der Rock- und Metalszene ist Schwarz die dauerhafte Farbe der Saison. Offen gesagt, waren mir aber mögliche Verwechslungen bei den Überlegungen zu unserem Bandnamen relativ egal. Im Vordergrund standen eher klangliche Argumente (ich finde drei einsilbige Wörter hintereinander irgendwie stimmig) und die schon erwähnten Gedanken zur Eigenständigkeit. Und gegen eine Verwechslung mit Black Sabbath hätte ich nichts einzuwenden.

Ihr macht nach eigenen Angaben modernen Heavy Metal. Was ist „modern“ an eurer Art, Metal zu spielen?

Wir wurden schon an anderer Stelle darauf hingewiesen, dass das Adjektiv „modern“ uns eventuell Probleme bereiten könnte, falls man darunter „zeitbezogen“ oder sogar „trendorientiert“ verstehen sollte. Die Gefahr besteht – ist aber unbegründet. Wir spielen einen Heavy Metal, der seine historischen Wurzeln kennt, sich aber nicht in ihnen erschöpft. In Sachen Riffing und Rhythmusarbeit ist in den letzten zwei, drei Jahrzehnten viel Spannendes passiert, da ist der ausschließliche Blick auf die vermeintlich goldenen 80er für uns nicht maßgeblich. Auch in Sachen Produktion wollen wir nicht so klingen, als ob wir analog in der Garage vom Nachbar aufgenommen hätten. Modern heißt für uns: In Produktion und Songwriting auf Augenhöhe mit den Entwicklungen unserer Gegenwart zu stehen.

Moderner Heavy Metal …

Viele Bands mit denen ich über ihren Musikstil gesprochen habe, wollen nicht mehr in Kategorien eingeteilt werden, weil sie verschiedene Richtungen miteinander verbinden bzw. Elemente verschiedener Stilrichtungen verwenden. Weshalb habt ihr euch selbst ein „Etikett“ gegeben?

Ich bin mir nicht sicher, ob das schon ein Etikett ist – aber wenn dem so wäre, könnte ich damit leben. Sind wir mal ehrlich: Sich gegen musikalische Kategorien zu wehren ist gleichermaßen ehrenhaft wie aussichtslos. Man wird rubriziert, come hell or high water. Ich habe damit auch kein Problem, obwohl man sich natürlich schon hier und da wundert, welchen Spielarten man dann im Zweifelsfalle zugerechnet wird. Und falsche Rubrizierungen können natürlich auch potentielle Hörer verschrecken. Deswegen antworte ich auf solche Fragen grundsätzlich: We are My Own Black – and we play Heavy Metal.

… Texte …

Und das macht ihr meiner Ansicht nach gut! Einmal abgesehen von der Musik haben mir die Texte gut gefallen. Ich finde, es lohnt sich, da einmal genauer hinzuhören. Worum geht es in den Texten? Woher kamen die Ideen dazu?

Vielen Dank vorweg für deinen wohlwollenden Blick auf die Songtexte. Die Ideen für Songtexte findet man eigentlich auf der Straße liegen: Etwa die Logik des aggressiven Selbstverwirklichungskapitalismus, der sich seit geraumer Zeit mit den immer gleichen, abgedroschen Aufsteigerphrasen am Leben erhält und mit einem Lächeln über die physischen und psychischen Zerstörungen, die er anrichtet, hinweggeht. Das wäre etwa das Thema bei „A Thousand Times“. Manchmal liegen die Themen aber auch auf dem eigenen Nachttisch; so war das bei „The End Of March“, der auf einem Roman basiert, den ich zur damaligen Zeit gerade gelesen habe (Heinar Kipphardts „März“).

Da ist ja einiges an Vielschichtigkeit und Humor des Stückes in den Song geflossen. Wie gelingt die Verbindung aus Komplexität und Leichtigkeit in euren Songs?

Was mir sehr hilft, ist die Konzentration auf zusammenhängende Themen, etwa Trauer, Verlust und das Gefühl, dass Dinge, Tiere und Menschen, die zum eigenen Leben dazugehört haben, im Verschwinden begriffen sind. Wer Augen hat zu sehen, dem kann nicht entgehen, dass das Leben um uns herum zunehmend stiller und einfarbiger wird. Der Klimawandel und das Kollabieren ökologischer Systeme ist kein Luxusthema weltfremder Öko-Teens, wie das manchmal dargestellt wird; hier und da ist diese Einsicht ja auch bereits in der Metal-Szene angekommen und unser Song „Inverse Evolution“ ist unser Beitrag zu diesem Themenkomplex. Unterm Strich sind die Songtexte ein Versuch, ein Minimum an Reflexions- und Sprachniveau mit Eingängigkeit und Singbarkeit zu vereinen. Nicht immer ganz einfach …

… und alte Schule

Wie verlief das Songwriting bei euch: war erst die Musik da, zu der der Text geschrieben wurde oder das Thema, aus dem sich beides entwickelt hat?

Ganz klar: Zuerst die Musik. Achim und ich hatten ja, wie erwähnt, schon über mehrere Monate hinweg Material gesammelt, teilweise ganze Songs, teilweise Melodiebögen, Riffs und Licks, die wir dann später zusammengefügt haben. Eigentlich hat Achim sie zusammengefügt, er ist gelernter Mechaniker und hat dafür definitiv das bessere Händchen. Unsere erste EP lebt von seinen Arrangements. Erst danach kamen die Texte und ich vermute, so wird das auch bleiben. Mittlerweile habe ich mir ein altes Rechnungsbuch angeschafft, in das ich immer dann, wenn mir Textzeilen oder Ideen einfallen, alles eintrage und später dann zu fertigen Songtexten ausarbeite. Ganz alte Schule!

Ihr seid nicht alle Berufsmusiker, wenn ich es richtig sehe. Welche Rolle spielt Musik, Musik machen, auf der Bühne stehen in eurem Leben?

Oh nein, ich bin kein Berufsmusiker, da hätte ich die Weichen wohl schon vor Jahrzehnten anders stellen müssen. Das ändert nichts daran, dass Musik ein zentraler, vielleicht der zentrale Bestandteil meines Lebens ist. Musik zu machen ist einfach ein großer Spaß. Und als Hobby ein finanzielles Loch ohne Boden …

Die Arbeit ohne Label und die Rolle von Freunden

In den Informationen über euch steht „Founded by Friends“ – hat es eine wichtige Rolle gespielt, dass ihr – also Achim und du –  befreundet seid? Die Beschreibung „Founded by friends – Meant for all“ liest sich für mich so, als wenn euch das wichtig ist bzw. dies euch von anderen Bands abhebt.

Ob es uns von anderen Bands abhebt, glaube ich nicht, wobei die Formulierung natürlich schon unterstreicht, dass wir kein profitorientiertes Zweckbündnis darstellen. Vor allem aber haben an „Songs of Disappearance“ viele Freunde mitgewirkt. Gitarren und Bass haben wir bei einem langjährigen Freund von Achim, Markus „Ulle“ Ullrich (Septagon, Them), aufgenommen, auf dessen kluge und wohlwollende Ratschläge wir immer zurückgreifen konnten und der den Songs den letzten Schliff gegeben hat. Das Coverartwork hat ein guter Freund von mir, Thorsten Gürntke, erstellt, ebenso das Layout für die CD. Marvin Kinkel, der Sänger von Rage&Ruins hat einen Gesangspart für uns übernommen – ebenfalls ein Freundschaftsdienst. Und so weiter und so fort; ohne Freunde wäre da nichts zustande gekommen.

Ihr habt kein Label. Braucht eine Band in einer Zeit, in der man (fast) alles am heimischen Computer machen, die Musik auf Plattformen hochladen, selbst Werbung in den sozialen Netzwerken machen kann usw. überhaupt noch ein Label?

Man kann, wie du schon sagst, eine Menge dieser Arbeiten heute selbst erledigen – aber das ist ein nicht zu unterschätzender Aufwand an Zeit und Geld. Wenn man all dies auf einem hohen, professionellen Niveau abliefern kann, verliert die Frage nach dem Label ein wenig an Relevanz. Ob wir allerdings dauerhaft ohne Label bleiben werden, nun, da würde ich ein Fragezeichen setzen…

Proben, Aufnahmen und katholische Erziehung

Wie habt ihr es eigentlich mit den Proben und den Aufnahmen gemacht? Wohnt ihr nah beieinander? Könnt ihr z.B. häufig gemeinsam proben oder habt ihr viel online gemacht/machen müssen?

Die Segnungen des Internets bringen es ja u.a. mit sich, dass man auch über größere räumliche Distanzen hinweg aufnehmen kann, sich Ideen zuschicken kann, etc. So haben wir das gemacht. Der Ursprung der EP allerdings war ein langes (sehr langes) Wochenende bei Achim, wo wir die Songs konzipiert und eine erste Version aufgenommen haben. Auch bei Patrick war ich im Vorfeld der Aufnahmen, um die Gesangsspuren abzuklären. Zu den Gesangsaufnahmen selbst war ich dann nicht mehr vor Ort, weil Patrick angeblich halb nackt einsingt und das mit meiner katholischen Erziehung nicht in Übereinstimmung zu bringen ist…

Da das ‚katholische Erziehung‘ gerade ein Aufreger-Thema für mich ist, möchte ich mich anderem zuwenden: Wie seht ihr die Situation in der Musik-Szene, gerade für euch als neue Band? Viele Locations gibt es nicht mehr, neue sind nicht in Aussicht. Nach meinem Eindruck gibt es viele neue Bands. Entweder von jungen Musikern, die ihr erstes Album produziert haben, aber auch Bands mit Musikern, die bereits in anderen Formationen spielen.

Ich würde sagen: beides. Es stimmt schon, in vielen Bereichen sieht es für die Musik-Szene (wie für andere Bereiche der Kultur-Szene auch) eher düster aus. Clubs und Konzerthallen, die für mich und andere von großer Bedeutung waren, etwa die Rockfabrik in Ludwigsburg oder der Kellerklub sowie die Röhre in Stuttgart, sind Geschichte. Da gehen musikalische Sozialisationszentren den Bach hinunter, um für gesichtslose Büro- und Hotelkomplexe Raum zu schaffen. Beschämend. Corona hat die Situation diesbezüglich noch verschärft. Keine Ahnung wie das weitergeht, aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass wir in vielen Bereichen schon deutliche Anzeichen kultureller Verödung und Verblödung beobachten können.

Aussicht auf Konzerte und ein rockender Hinweis zu Kartoffelsalat

Da kann ich dir nur zustimmen. Auch wenn die Situation bezüglich der Locations eher düster ist: sind Konzerte geplant?

Es wird sicherlich Live-Auftritte von uns geben. Wann und wo kann ich jetzt noch nicht sagen – leider.

Bevor man euch also live erleben kann, kann die EP die Zeit bis dahin hörvergnüglich ausfüllen. Hast du einen Lieblingssong vom Album bzw. welchen würdet du dem Hörer, der euch noch nicht kennt, empfehlen?

Ich weiß nicht so recht, was ich empfehlen würde; mein Lieblingssong allerdings ist „A Thousand Times“, zum einen wegen der Rhythmik, zum anderen wegen des eher ungewöhnlichen Refrains. Am Ende des Songs, wenn wir den Refrain zwei Mal spielen und Patrick mit der Stimme hoch geht, da bekomme ich noch heute Gänsehaut.

Das geht mir ähnlich. Aber auch „If Darkness It Is” und “The End Of March” haben solche Momente. Mehr dazu dann in der demnächst folgenden Review. Für heute erst einmal genug gefragt. Nur noch eine abschließende Frage: gibt es etwas, das du unseren Lesern mit auf den Weg geben möchtest?

Besten Dank für das Interview! Wer neugierig geworden ist, schaut auf unsere Homepage vorbei. Passt auf euch und eure Lieben auf. Und denkt daran: Egal, was die Leute sagen, Mayonnaise hat im Kartoffelsalat nichts verloren. Rock on!

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Bildquellen

  • my own black manuel förderer jessica kessler: my own black pic by jessica kessler
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Birgit

Iron Butterfly und Jethro Tull haben mir gezeigt, dass es neben Uriah Heep, Black Sabbath und Whitesnake noch etwas anderes gibt. Neugierig geworden höre ich seitdem alles, was sich unter dem Oberbegriff Metal und Rock versammelt. Je nach Stimmung eher Metalcore oder instrumentalen Rock. Mein Herz hängt allerdings am ganzen Spektrum skandinavischer Metalmusik: ob nun Folk-, Progressiv oder Doom-Metal.

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