Dog Eat Dog / Pro- Pain – Köln- Underground- 30.08.17

Dog Eat Dog - Pro Pain- Köln- Underground
Köln-Underground-(c) Treasureman @ metal-heads.de

Dog Eat Dog Zusatzkonzert im Underground

Viele Dinge vermisst man erst schmerzlich, wenn sie einem genommen werden. In diesem Fall ist es kein menschlicher Verlust, sondern eine Immobilie. Jedoch eine, an die viel Emotionalität gebunden ist. Die Rede ist vom Kölner Underground.

Wer öfters in der Domstadt Konzerte besucht, wird mindestens schon einmal an diesem kleinen Schuppen vorbei gelaufen sein. Liegt er doch in unmittelbarer Nachbarschaft zur Live Music Hall oder dem Sonic Ballroom. Viele von euch werden sich aber direkt vor Ort atemberaubende Auftritte unzähliger Bands angesehen haben. Genau so eine Show wollten wir, von Metal-Heads.de, auch noch einmal erleben.

So kam uns die Nachricht vom Zusatzkonzert der Crossover- Könige Dog Eat Dog gerade recht. Im Vorprogramm niemand geringeres als das New York- Hardcore- Geschwader von Pro-Pain!

Ein Ausflug, mit dem man viele Fliegen mit einer Klappe schlagen kann – dachten wir uns – und machten uns auf nach Köln.

Gammelfleisch im Autoreifen!

Weit vor Konzertbeginn treffen wir an der Vogelsanger Straße in Köln- Ehrenfeld ein. Wir sind ziemlich die ersten und haben freie Platzwahl. Wir parken genau am Hintereingang vom Underground. Ein bisschen Titty-Twister-Szenerie hier. Verwesende Fleischabfälle, ausgeschlachtete Autos mit eingeschlagen Scheiben, Stapel voller Autoreifen. Hier soll also eine Schule entstehen..? Nun gut. Egal! Location Check. Da sich am Hintereingang einige Personen aufhalten, versuchen wir mal unsere Fühler in Richtung Bandinformation auszufahren. Also sprechen wir ein Pärchen an. Die zurückhaltenden Personen sind zunächst etwas erschrocken, als wir sie auf Setlists ansprechen. Jedoch erklärt sich der junge Mann bereit, mal Ausschau nach einer Liste zu halten. Leider kommt er aber einige Minuten später ohne Papier wieder hinaus, weil er „den Typ mit den Listen“ gerade nicht findet. Okay, war ein Versuch wert und wir verabreden uns für später nochmal.

Eine Garage für 300 Personen

Im Innenhof vom Underground ist ein kleiner Biergarten aufgebaut. Eine nette Lounge, in der es sich einige Leute bequem gemacht haben. Glücklicherweise ist es, trotz mürrischem Spätsommer Wetters, trocken, zuweilen aber ziemlich schwül. Vielleicht eine gute Gelegenheit für ein Bier. Hier gibts Flaschenbier bei humanen Preisen. Wir schnappen uns ein Getränk, melden uns artig an der Kasse an und gelangen ohne Probleme in die Halle. Halle ist gut! Ist eher eine größere Garage dieses Underground. Hier werden heute Abend 300 Leute Platz finden. Die Bühne ist auch überschaubar. Sie ist etwa 4 Meter tief und circa 12 Meter breit. Dazu etwa 40 Zentimeter hoch. Hier kann man den Musikern direkt in die Augen schauen. Geil! Beleuchtet wird das ganze vom 24 Hängestrahlern. Ein richtiger Punk-Rock-Schuppen halt.

Pro-Pain aus New York!

Während es draußen noch angenehm warm ist, betreten die vier Musiker von Pro-Pain um 20:25 Uhr die Bühne. Zirka 150 Fans heißen Gary Meskil (voc.,b.), Adam Phillips (g.), Matt Sheridan (g.) und Jonas Sanders (dr.) willkommen. Die gehen dann auch direkt ungehemmt zur Sache. „Unrestrained“ vom „Absolute Power“-Album. Unverkennbar Pro-Pain! Gary ist offensichtlich sehr gut bei Stimme. Angepisst wie eh und je brüllt er gnadenlos ins Mikro. Schon jetzt merke

Pro Pain- Underground

Pro Pain- Underground

ich wie mir die ersten Schweißperlen auf der Stirn stehen. Das wird ein heißer Tanz heute. Tanzen tun indes auch die Herrschaften in der Ersten Reihe. Genügend Platz für ausgiebiges Headbanging ist noch vorhanden. Die New Yorker geben weiter Gas. Auf „3 minutes“ folgen direkt „Stand tall“ und „Un-american“. Immer voll auf die Glocke!

Flitzefinger und bärtige Ohrringträger

Gitarrist Matt Sheridan, dem ich direkt gegenüber stehe, fließt der Schweiß bereits in Strömen von der Rübe. Aber unbeirrt dessen, lässt er seine Finger über das Griffbrett fliegen, dass es einfach Spaß macht, ihm dabei zu zusehen. Sein Gegenüber, der Tunnelohrringträger Adam, streut hier und da auch mal schöne Solis ein. Die Mischung aus klassischem Hardcore-Sound und schnellem Thrash-Metal- Riffing zeichnet die NY-Härtner nun schon seit 25 Jahren aus. Demzufolge kredenzen uns die Herren eine Classic-Setlist, welche die Songs aus den letzten zwei Jahrzehnten beinhaltet. Jedoch lässt man das Debütalbum “ Foul taste of freedom“ komplett aus. Und auch das aktuelle Langeisen „Voice of rebellion“ wird nur mit einem Track bedacht. Einerseits sehr schade, andererseits vertretbar. Da wirklich alle Tracks ihre mahnende Wirkung entfachen. Die weiblichen Die-Hard- Fans ganz vorne sind trotzdem extrem Textsicher und rebellieren fröhlich mit.

Taktgenaue Diszipliniertheit!

Auch die Tatsache, dass das Publikum sehr diszipliniert zur Sache schreitet (heißt: niemand braucht Angst haben, das er rücklings eine übergezogen bekommt..) gefällt mir ausgesprochen gut. Es gibt sie also doch noch diese Art von Hardcore-Show! Gary der zwischenzeitlich nicht viel Zeit mit Worten verschwendet, schleudert uns einen Song nach dem anderen vor den Latz. Immer getreu der Maxime: „Macht kaputt, was euch kaputt macht. Immer Kopf nach oben und geradeaus!“ Aus dem Mund eines Gary Meskil ist das absolut glaubhaft. Glaubhaft auch die Taktgenauigkeit von Jonas Sanders hinter dem Drumkit. Dieser verdrischt seine Fälle mit fehlerfreier Präzision. An seinen Drumsticks dürfen sich nach dem Auftritt noch einige Fans erfreuen. Nach 40 Minuten, 15 gespielten Songs und unzähligen Litern Schweiß wird der Set mit „Make war, not love“ beendet. Ganz starker Auftritt aller Beteiligten!


Die heißeste Nacht des Jahres!

Jetzt haben alle verschwitzten 30 Minuten Zeit um Luft zu holen. Denn solange dauert es, bis die Bühne für den Hauptact hergestellt ist. Ich ziehe mir derzeit drei Colas rein. Beim Preis von 3 Euro absolut alles im grünen Bereich. Der Innenraum füllt sich. Wir fragen uns, wie zum Teufel hier alle Leute reinpassen sollen, die heute Abend vor Ort sind. Aber wie sagt man doch so schön? Platz ist in der kleinsten Hütte? Passt! Ich bleibe jedenfalls an meinem Platz direkt in erster Reihe. Umgeben von Die-Hard-Fans, die der Band überall hinterherfahren. Ein Phänomen, wenn man bedenkt, das es die Amis in 26 Jahren, gerade mal geschafft haben, eine Handvoll Alben zu produzieren. Aber bei dieser Band ist es nicht nur die Musik.

Sympathieträger auf und neben der Bühne!

Es sind auch die Musiker. Allen voran Front-Quasselstrippe John Connor. Dieser Typ ist einfach nur endcool und mega charismatisch! Nur original mit Rastazöpfchen und Basketball Shirt. Wie auch heute. Zu einem ordinär lässigen Hip-Hop- Intro kommen die 4 Hauptprotagonisten auf die Bühne. Das Underground platzt aus allen Nähten. Ebenso wie das Thermometer. Die ersten oben ohne Körper stehen auch schon in der Menge, als es um 21:35 Uhr mit „Pull my finger“ vom ´94er Überalbum „All boro kings“ los geht. Und ganz im Gegenteil zu Pro-Pain ist der Pit direkt ab dem ersten Takt voll dabei. Pogo, hüpfen, feiern! Ich persönlich habe Dog Eat Dog seit 1995 nicht mehr gesehen und habe direkt ein permanent mittelgroßes Grinsen in den Backen. Vielen anderen mittelalterigen geht es genauso. Dave Neabore (b.), Roger Haemmerli (g.) und Brandon Finley (dr.) manifestieren direkt ihren Ruf als absolute Partyband!

„Who´s the king?“

Nach dem extrem Hardcore- Punkigen „In the Doghouse“ kommt der erste Killer Track. „Who´s the king“? Dazu wird der Herr Saxophonist „Bozez“ auf die Bühne zitiert. Und ich staune nicht schlecht! Dieser „Bozez“ ist der nette Typ, der mir die Setlist besorgen wollte. Sehr cool, hätte er auch erwähnen können. „Bozez“, der eigentlich Pavel heißt, spielt das Ohrwurm- Intro und ab geht die Sause! Frauen und Männer die stagediven. Alles ist in Bewegung. Der Schweiß läuft uns mittlerweile aus allen Poren! Basser Dave vor mir, freut sich auch tierisch den Ast ab! Und kippt sich ein Bierchen nach dem anderen rein. Zur guten Stimmung tragen auch die Hip-Hop- Beats zwischen den Songpausen bei. So wird es nie wirklich still auf der Bühne. Die Vermischung von Hip-Hop mit Hardcore-Punk- Funk wird hier dermaßen perfektioniert, wie es nur ganz wenige Bands hinbekommen.

D.E.D. – Brand new breed!

Dog Eat Dog- Underground

Dog Eat Dog- Underground

„Vibe cartel“ von der aktuellen EP „Brand new breed“ ist auch so ein Song. Startet schön funkig und nimmt schnell richtig fahrt auf. „ISMS“ folgt auf dem Fuße und wird dem weiblichen Publikum gewidmet. Bei „Rocky“ bekommt Basser Dave seinen Solo Auftritt. Hierzu übernimmt er den Gesangspart inklusive Boxermantel. The Italian Stallion is in da hood! Den verkannten Basspart übernimmt derweil Joost van Laake von All for nothing! Ob Dave nach der Show

ÄÄDRIÄN noch gefunden hat, bleibt an dieser Stelle offen! Dave ist jedenfalls ziemlich fertig nach dem Song! Der bekommt dann auch eine Verschnaufpause, die er sitzend vor dem Bühnen-Ventilator nutzt. Jetzt ist Wu-Tang Clan Zeit mit Schlagzeuger Brandon Finley angesagt. Der präsentiert dabei seinen gut trainierten Oberkörper. Alles cool!

„No fronts, no tricks, no soap box politics!“

Zu „Expect the unexpected“ gibt es den nächsten Gast- uftritt. Merchandiser und Bandkumpel Danny M. wird jetzt zusammen mit JC Gas geben. Und das kommt wirklich krass. Dieser Doppelgesang bringt nochmal extra Würze in den Zwinger! Sehr cool! Folgt „If these are good times“ mit extrem Moshpart! John, der die Crowd die ganze Zeit fest im Griff hat, ist ein Entertainer par excellence! Größter Unterhaltungswert ist garantiert, als es Zeit für den Abriss wird. „No fronts“ was für eine Granate! Der Pit kocht! Was für ein Fest! So etwas haben wir schon ewig nicht mehr erlebt! Zu „XXV“ kommen schließlich noch Adam und Jonas von Pro-Pain auf die Bühne. Zusammen mit einem Techniker veredeln sie den Song- Chorus. Sehr schönes Bild! Es ist nicht überzogen zu behaupten, das hier heute wirklich jeder Spaß hat!

Krämpfe im Haus der Schmerzen!

Die Gesichter von JC, Dave, Brandon, Roger und Pavel sprechen Bände. Ihre Körper aber auch. Dave hat seinen Bass so geschrubbt, dass er Krämpfe in den Fingern hat! Hindert ihn aber nicht dabei ordentlich Hände zu schütteln. Und die Show ist noch nicht vorbei! Es kommt noch eine Spoken-Version von Phil Collins „In the air tonight“ und eine verdammt groovige Version von House of Pain´s „Jump around“! Um 23:10 Uhr ist die Veranstaltung zu Ende. Völlig durchnässt konstatieren wir dem Underground eine der genialsten Clubshows der letzten Jahre! Damit wird uns das Underground für immer in bester Erinnerung bleiben!


Setlist:

Dog Eat Dog:

Joes

Pull my finger

In the Doghouse

Who´s the king

Walk with me

Energy Rock

Vibe Cartel

ISMS

Lumpy dog

Rocky

Step right in

Expect the unexpected

If these are good times

No fronts

XXV

——–

Encore:

In the air tonight (Cover)

Jump around (Cover)

Ach, übrigens. Die Setlist haben wir natürlich noch erhalten! Thank you guys for that unbelievable show!

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Bildquellen

  • Pro Pain- Underground – 2017-08-23: (c) Scumbag/www.metal-heads.de
  • Dog Eat Dog- Underground – 2017-08-19: (c) Scumbag/www.metal-heads.de
Treasureman

Treasureman

Seit 1987 mit dem Metal- Virus infiziert. Der Einstieg erfolgte mit Twisted Sister, Iron Maiden und den Onkelz. Mittlerweile zählen Hardcore- und Hardcore-Metal zu meinen Lieblings- Genres!

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