Der Ukraine-Krieg: Russland verloren in der Dunkelheit?

(English version below)

„Man kann einen Krieg nicht als Krieg bezeichnen und das Wort Frieden kann einen in den Augen des Regimes über Nacht zum Extremisten machen.“

Mir ist sehr wohl bewusst, dass wir von ‚metal-heads.de‘ vorrangig ein Musikmagazin repräsentieren. Aber es gibt Entwicklungen und Szenarien, vor denen wir unsere Augen nicht verschließen können und es gibt eben wichtige Werte, für die wir einstehen. Nicht umsonst sind wir aktive Unterstützer des RAGE AGAINST RACISM Festival in Duisburg. Auch das Thema Covid 19 und seine Folgen für die Kulturbranche war bei uns ein großes Thema. Und der Ukraine-Krieg ist ebenfalls ein Szenario, das uns alle angeht und man sollte erst gar nicht in die Versuchung kommen, sich an einen solchen Krieg zu gewöhnen und ihn vielleicht mittlerweile als alltäglich zu betrachten.

Unser Anspruch als professionelles und verantwortungsbewußtes Musikmagazin besteht darin, über den Tellerrand hinwegzuschauen und auch mal abseits der üblichen Reviews, Konzertberichte und Interviews Themen anzusprechen. Schließlich hat gerade die Musik, ganz besonders Rock und Metal, in seinen Texten oft sozialkritische Themen als Grundlage. Der Ukraine-Krieg in unserer europäischen Nachbarschaft zeigt deutlichst, wie fragil unser vermeintlich sicher geglaubter Frieden ist. Er ist nicht sicherer als eine Seifenblase, die jederzeit platzen und sich in ein Nichts auflösen kann.

Der Krieg

hinterlässt seine häßlichen Spuren in vielfacher Art und Weise, mal abgesehen von den vielen vielen Toten, die durch die direkten Kampfhandlungen oder andere Greueltaten bzw. Kriegsverbrechen zu beklagen sind.

Im März hatte ich ein sehr ausführliches Interview mit Eugen von der Band PRIPJAT (Interview). Er ist in St. Petersburg geboten und in Kiew aufgewachsen und hat Beziehungen zu Menschen in beiden Ländern, wobei seine Familie in der Ukraine lebt. Für ihn war und ist es eine grausame Zeit und sie scheint nicht zu enden. Die Seele wird auf einer Streckbank gefoltert. Sie ist zum Zerreißen gespannt. Man denkt, es geht nicht schlimmer und doch dreht der Krieg immer weiter am Folterrad und die Belastung nimmt schier unmenschliche Ausmaße an.

Es gibt zahllose Schicksale

Durch meine Tätigkeit bei ‚metal-heads.de‘ habe ich lange vor dem Krieg die Band DEMUNILLUONS aus Russland kennengelernt. Es ging anfangs lediglich um die Musik. Der Kontakt entwickelte sich allerdings über die rein musikalische Ebene hinaus und intensivierte sich. Wir haben regelmäßig Kontakt und tauschen uns aus. Für mich war und ist dieser Kontakt eine Sicht über den Tellerrand, aus meiner Komfortzone heraus.

Denn wir leben in völlig verschiedenen Verhältnissen und mit ganz anderen Rahmenbedingungen. Ich habe recht schnell feststellen dürfen, dass die drei Mitglieder der Band herzensgute Menschen sind. Sie leben in sehr bescheidenen Verhältnissen und doch dürstet es sie nicht nach Mitleid. Mit größter Leidenschaft und bewundernserter Hoffnung geben sie sich ihrer Musik hin, die ihnen die Kraft gibt nicht aufzugeben.

Doch dann kam der Krieg….

Der russische Machthaber Putin und seine Vasallen haben durch den Krieg das schrecklichste aller mordenden Monster heraufbeschworen. Keines verschlingt mehr Opfer und verbreitet mehr Leid. Das deutsche Metalprojekt KANONENFIEBER hat die Leiden und Schrecken des Krieges in seiner Musik sowohl optisch und als auch akustisch sehr plastisch aufgearbeitet. Ich finde, dass diese Veranschaulichung hervorragend zu diesem Thema passt. Im März wurde auch die Single „Stop The War“ veröffentlicht, mit der auch zu Spenden aufgerufen wurde. (Fast) die gesamte Welt verurteilt diesen Angriff auf die Ukraine. So viel steht fest!

Aber zwangsläufig stellte ich mir und bestimmt auch alle anderen die Frage, was die russische Bevölkerung über dieses ganze Szenario dachte und denkt. Was geht da in dem Land vor sich? Zumindest wusste ich recht schnell, was die Mitglieder der Band DEMUNILLUIONS darüber denken.

Scham und Schmerz

Umgehend nach Beginn des Krieges schickte mir am 24. Februar die Band DEMUNILLUSIONS aus eigenem Antrieb ein Nachricht, in der sie mir folgendes mitteilten:

„Wir sind entsetzt und empfinden Scham und Schmerz. Es ist unerträglich. Wir wissen nicht, wie wir weiterleben können und wie wir den Menschen in der Zukunft in die Augen schauen können, denn wir sind die Menschen, die diese Ereignisse nicht verhindert haben. Wir schämen uns uns und verstehen den Hass der Welt auf uns, denn er ist völlig gerechtfertigt.
Es ist sehr beängstigend. Die Wahrheit ist, dass wir von nun an weder hier noch irgendwo anders gebraucht werden.

Wir haben keine Möglichkeit, laut zu sein und gehört zu werden, keine Möglichkeit, das Denken der Massen zu beeinflussen, Dinge zu verändern. Wir haben keine Möglichkeit zu helfen.
Die Invasion verurteilen wir unmissverständlich. Wir möchten unsere unmittelbaren Nachbarn und die ganze Welt für das, was unser Land tut, um Vergebung bitten!“

Ehrliche Worte der Entschuldigung, die mich berührt haben und in mir viel ausgelöst haben. Doch diese Worte zeigten auch die immense Hilflosigkeit und ungemeine Niedergeschlagenheit. Mir war klar, dass sie nicht die Qualen wie die Bürger der Ukraine erleiden müssen, die direktes Ziel des Angriffs von Putin sind. Sie werden nicht mit Waffen angegriffen und müssen nicht jeden Tag um ihr Leben fürchten.

Opfer eines kranken Systems

Doch auch sie sind Opfer…. Opfer ihres politischen Systems. Ich weiß von ihnen, dass ihr Leben bereits vor dem Krieg und seinen Folgen kein Zuckerschlecken war (siehe Interview hier). Der Traum von der eigenen Musik, dem ersten Album und wohl auch die Hoffnung auf ein anderes besseres Leben irgendwann hielten sie am leben. Und das ist immer noch so! Doch die Zuversicht und die Hoffnung ist mit dem Tage des Angriffs von einem kleinen, aber heißen Feuer zu einem leichten Glimmen verkommen.
Es ist erschreckend wie sich Geschichte wiederholt. Der Zweite Weltkrieg ist noch nicht mal hundert Jahre her und nun schürt Putin einen Krieg mit fadenscheinigen Rechtfertigungen und mit den Methoden eines Regimes, welchem sie selber damals fast erlegen gewesen wären. Eine perverse Situation!

Einige Zeit später erkundigte ich mich nach ihrer Situation und bekam folgende Antwort:


„Alles ist sehr schlecht. Ich habe meinen Job verloren und kann keinen neuen finden. Die Lage ist allgemein nicht gerade rosig. Ich weiß nicht, wie ich meine Familie ernähren und meine Schulden bezahlen soll. Die Preise steigen. Ganz zu schweigen von dem, was unser Leben ausmacht – der Musik. Wir haben seit 2 Monaten nicht mehr geprobt, aber morgen werden wir versuchen, die Proben wieder aufzunehmen. Wir wissen nicht, wie wir das bewältigen sollen.“

Das eigene Volk im Würgegriff

Seit der Nachricht waren weitere Wochen vergangen und der sinnlose Akt der Gewalt und des Mordens setzte sich trotz der westlichen Sanktionen fort. Die Sanktionen zeigen zwar erhebliche Wirkungen, die zwangsläufig aber auch vor allem die Zivilbevölkerung trafen. Das ist selbstverständlich gewollt und soll den Druck auf die Führung des Landes erhöhen.

Die Band schrieb mir regelmäßig, dass sie am liebsten das Land verlassen würden. Dieser Wunsch bestand schon lange vor dem Krieg, war aber aus verschiedenen Gründen nicht zu erfüllen. Der Krieg hat das Leben dort nur noch verschlimmert. Denn in Zeiten des Krieges ist es immer gefährlicher geworden, ganz besonders für Menschen mit ihrer kritischen Meinung. Die Strafandrohung für eine nicht staatskonforme Einstellung sind immer gewaltiger geworden und sorgen für Abschreckung. Die Angst ist ein ständiger Begleiter geworden und allgegenwärtig. Man weiß im eigenen Land nicht wer Freund oder Feind ist. Repressionen und Unterdrückung sind an der Tagesordnung.

Dies wurde auch in folgenden Nachrichten sehr deutlich:


„Vor einiger Zeit haben wir mit Dir über die Möglichkeit gesprochen, mit Deiner Hilfe unseren Standpunkt zum Krieg darzulegen. Dies ist ein schwieriges Thema für uns. Es ist schwierig, Gedanken zu formulieren, aber ich habe versucht einige Gedanken zusammenzufassen.
Ich hänge eine Datei mit dem Text an, weil ich Angst habe, ihn direkt in einem Instant Messenger zu hinterlassen.
Ich habe auch direkte Titel und Namen im Text vermieden, da dort alles klar beschrieben ist. Wenn eine solche Datei in die falschen Hände gerät, könnten wir im Gefängnis landen.

Aber wir möchten wirklich, dass Du mit diesem Text einen Artikel verfasst und veröffentlichst.
Wir möchten auch, dass es im Namen von DEMUNILLUSIONS geschieht, denn es ist unser aller Meinung und Anliegen.

Meine Bedenken

Ich hatte mir jedoch viele Gedanken gemacht, ob ich diese Bitte erfüllen soll. Denn tatsächlich machte ich mir Sorgen um ihre Sicherheit. Aber auf meine Bedenken hin antworteten sie, dass sie dies unbedingt wollen, ungeachtet der möglichen Folgen.

Verloren im eigenen Land


„Darüber zu sprechen, wie wir uns fühlen, ist beängstigend. Aber darüber zu schweigen, ist beschämend.
Wir sind zutiefst entsetzt über das, was unser Land tut. Das Ganze ist immer noch eine Art surrealer Albtraum, aus dem man nicht aufwachen kann. Und wir fühlen uns machtlos. Wir haben das Gefühl, dass wir in gewisser Weise unser Heimatland verloren haben. Wir haben kein Zuhause mehr, keinen Platz zum leben. Trotzdem sind wir immer noch hier, weil wir einfach keine Möglichkeit haben, die Situation zu ändern.

Spaltung, Verbitterung und blinde Wut

Die Gesellschaft ist gespalten! Die Familien sind gespalten! Viele Menschen sind entweder betrogen worden oder einfach dumm! Leider! Und das Schlimmste ist, dass die meisten von ihnen verbittert sind. Die Art von Rhetorik, die man hier hören kann, ist einfach schrecklich. Und wenn man eine gegenteilige Meinung hat, ist es leicht, sich hier in elementare Gefahr zu begeben. Und das staatliche Regime selbst befeuert all diese Wut, die aus allen herausquillt. Dissens und Friedfertigkeit werden jetzt mit Gefängnisstrafen geahndet. Die Absurdität triumphiert.

Man kann einen Krieg nicht als Krieg bezeichnen und das Wort Frieden kann einen in den Augen des Regimes über Nacht zum Extremisten machen.


Alles, was geschehen ist und weiterhin geschieht, weckt in uns ein tiefes Gefühl von Schmerz, Schuld und Scham.“

Eine neue Stufe der Eskalation—Die Teilmobilisierung


Jetzt hat die Situation eine neue Eskalationsstufe erreicht. Putin hat die Teilmobilisierung ausgerufen und es gibt Berichte, dass sich mittlerweile die Proteste russischer Bürger mehren. Erwartungsgemäß werden diese mit roher Gewalt und Unterdrückung niedergeschlagen. Die Einberufung zum Töten scheint so planlos wie der Krieg der russischen Armee selbst. Der Krieg und die Angst vor dem Tod sind nun in Russland selber angekommen. Es sollte mehr und mehr russischen Bürgern (hoffentlich) die Augen öffnen, damit sie endlich das grausame Ausmaß und die sinnlose Perversion des Ganzen erkennen. Denn entweder man läuft Gefahr in der Ukraine zu sterben oder muss bei Weigerung und Widerstand fürchten ins Gefängnis zu kommen oder schlimmeres.

Daher wollte ich noch mal ein ganz aktuelles Bild haben und habe der Band vor zwei Wochen einige Fragen gestellt, um zu erfahren wie sich die Situation für sie aktuell darstellt.

Die Todeslotterie

MH: Nun ist in Eurem Land eine neue Etappe erreicht worden. Die Teilmobilisierung ist ausgerufen worden. Wie hat sich die Situation jetzt verschlimmert? Wie gefährlich ist das Leben geworden?


DEMU.: Leider hat sich die Lage noch weiter verschlimmert. Kaum jemand kann sich noch sicher fühlen. Es ist wie eine Lotterie. Man weiß nicht, wessen Leben als nächstes entwertet wird; vielleicht unseres, vielleicht das von Freunden oder Verwandten. Wir sind bereits von der Mobilisierung betroffen; sowohl Familien als auch Freunde.

Widerstand – Ja oder Nein?

MH: Laut unseren Medien gibt es immer mehr Widerstand in der russischen Bevölkerung. Was ist Euer Eindruck?


DEMU: In einigen Regionen gibt es tatsächlich ein paar Kundgebungen. Irgendwo ist die Lage angespannt. Doch mehr bekommen wir leider hier nicht mit und von daher sieht die Situation für uns nicht gerade sehr ermutigend aus.
Viele Menschen werden getäuscht und finden noch nicht den Mut und die Kraft, dies zu erkennen. Zudem stützen bedauernswerterweise noch viele das Regime. Sie sind so aggressiv und verbittert, dass sie die schrecklichsten Dinge gutheißen und alles rechtfertigen. Es ist eine Art Surrealismus.

Blindheit und/oder Unwille

MH: Wie sehr ist die russische Bevölkerung von ausländischen Informationsquellen abgeschnitten?


DEMU.: Es ist eigentlich nicht schwer, sich einen Reim darauf zu machen, was hier vor sich geht, wenn man sich darauf einlässt bzw. einlassen will und ein Gehirn statt Watte im Kopf hat. Aber die Leute scheinen das gar nicht zu wollen. Sie wollen Informationen aus ihren Quellen nicht kritisch bewerten oder mit anderen vergleichen. Sie folgen blind der gängigen staatlichen Meinung und halten sich für politische Experten. Diejenigen, die besonders schlau sind, versuchen auf zwei Stühle zu sitzen. Wahrscheinlich nur, um kein schlechtes Gewissen zu haben und nicht als unverschämte Bösewichte dazustehen.

Der Alltag

MH: Wie sieht Euer Alltag nun aus?


DEMU.: Wir befinden uns in einem ständigen Zustand der Anspannung. Alles gerät aus den Fugen. Es ist schwer, sich auf irgendetwas wichtiges oder alltägliches zu konzentrieren.
Wir versuchen weiter an unserer Musik zu arbeiten und zu proben. Aber das ist wirklich schwer. Manchmal fühlt es sich so an, als ob alle unsere Aktivitäten irrelevant sind und keinen Sinn mehr haben.

Familien zerreißen

MH: Was ist mit euren Familien?


DEMU.: Das ist ein sehr schmerzhaftes Thema, denn Familien trennen sich. Es ist schwer hinzunehmen, aber es ist auch völlig unmöglich, manche Meinungen zu akzeptieren. Wir versuchen alles, um unseren Verwandten die Augen zu öffnen und sie erkennen zu lassen, was vor sich geht. Aber nicht jeder ist dafür empfänglich. Und so entstehen tiefe Gräben zwischen Menschen, sogar in Familien.
Das Leben ist in zwei Teile geteilt: vor dem 24. Februar und danach.

Es spielt keine Rolle, was Leute vor diesem Tag getan haben oder welche Art von Beziehung es gab. Wichtig ist nur, wie man sich jetzt verhält.

Es kommt darauf an, wie Leute das menschliche Leben und den Wert der Freiheit bewerten. Denn wenn sie immer noch nicht in der Lage sind, dem Leben und der Freiheit einen Wert beizumessen, dann gibt es keine gemeinsame Basis.

Flucht scheint unmöglich

Die drei Mitglieder der Band wollten das Land schon seit langer Zeit verlassen. Schon vor dem Krieg wurden ihnen schwere Felsbrocken in den Weg gelegt, die ein solches Unterfangen verhinderten. Nun ist der Krieg wie ein Meteor eingeschlagen und hat diesen Wunsch pulverisiert. Momentan gibt es keine Möglichkeit, ein Visum als Flüchtling von dort zu beantragen, geschweige denn überhaupt über die Grenze zu gelangen. Die Grenzen wurden geschlossen. Putin hält sein eigenes Volk gefangen, um es an sein Kriegsmonster verfüttern zu können. Die Lage spitzt sich zu!

Es gibt mehr Liebe als Hass auf der Welt!

Dieser Artikel soll zeigen, dass der Krieg überall nur Tod, Leid und Schmerz verursacht. Es gibt Schicksale in beiden Ländern. Um eine Gewichtung und Bedeutung einzelner unterschiedlicher Schicksale geht es hier selbstverständlich nicht. Es soll lediglich zeigen, dass es sie gibt…. Verdammt viele davon!

Es soll aber auch verdeutlicht werden, dass es in jedem Land auf der ganzen Welt gute Menschen gibt. Menschen, die sich einfach nur nach Liebe und friedlichem Miteinander sehnen. Und von daher möchte ich für mich eine Antwort auf die Frage im Titel geben:

Lichter in der Dunkelheit

Auch in der Dunkelheit gibt es immer irgendwo gute Menschen mit einem Herz, die Lichter der Hoffnung schimmern lassen. Nicht ein Staat oder eine Religion sind das Problem, sondern einzelne Menschen, die ein Problem daraus machen. Es ist immer der einzelne Mensch, der letztlich zählt! Er kann Schlechtes und Gutes bewirken. So werde ich kein Volk verurteilen, sondern die Taten einzelner. Und so werde ich darauf hoffen, dass auch solche Menschen wie bei DEMUNILLUSIONS überleben und eine bessere Zukunft haben werden. Wir sollten als Deutsche unsere Geschichte nicht vergessen! Auch wir haben eine neue Chance erhalten.

Leider war es schon immer so: Es reichen wenige, um eine Mehrheit zu schikanieren, ins Unglück zu stürzen und leiden zu lassen. In diesem Zusammenhang habe ich ein Zitat vom damaligen Produzent der Band SAVATAGE Paul O‘ Neill, der in Bezug auf das Album ‚Dead Winter Dead‘ äußerte, das sich mit dem damaligen Krieg und Jugoslawien beschäftigte.

„Ich bin sicher, dass 98 Prozent der Bevölkerung sehr gute Menschen waren, mit nur einer kleinen Gruppe von Fanatikern. Aber nehmen Sie einen Fanatiker, sagen wir einen Serben, der einen muslimischen Fremden tötet, und plötzlich sitzt die Familie des Fremden nicht mehr auf dem Zaun. Dann gehen sie hin und töten einen serbischen Fremden, und seine Familie sitzt nicht mehr zu Hause. So geht es hin und her, bis der Wahnsinn die Oberhand gewinnt.“

Ich verweise gerne auch auf die Message vom Metalprojekt ARDARITH, welches kürzlich sein bewegendes Album „Home“ veröffentlicht hat. Das Album gründet auf den Syrienkrieg 2015. Auf ihrem Album ‚Home‘ vermitteln sie, dass wir Menschen im Grunde genommen eigentlich alle gleich sind, wir die gleichen Bedürfnisse und Empfindungen haben. (Review / Interview) Doch leider ist diese Erkenntnis scheinbar unheimlich schwer zu erlangen und im Hinblick auf das globale Weltgeschehen noch eine sehr weite Reise. So fragt man sich schon, ob die Menschheit dieses Ziel irgendwann erreichen wird. Wäre schön, wenn die Menschen dieses Ziel irgendwann mal erreichen wird.

English version

The Ukraine war: Russia lost in darkness?

„You can’t call a war a war, and the word peace can make you an extremist overnight in the eyes of the regime.“

I am aware that we at ‚metal-heads.de‘ primarily represent a music magazine. But there are developments and scenarios that we can’t close our eyes to, and there are important values that we stand up for. Not for nothing we are active supporters of the RAGE AGAINST RACISM Festival in Duisburg. Covid 19 and its consequences for the cultural sector was also a big topic for us. And the Ukraine war is also a scenario that concerns us all and we should not even be tempted to get used to such a war and perhaps consider it commonplace by now.

Our claim as a professional music magazine is to address topics beyond the usual reviews, concert reports and interviews. We must not forget that behind bands and musicians there are people and destinies. The Ukraine war in our European neighborhood clearly shows how fragile our supposedly secure peace is. It is no safer than a bubble that can burst at any time and dissolve into nothingness.

The war

The war leaves its ugly marks in many ways, apart from the many deaths from direct combat or other atrocities or war crimes.

In March I had a very detailed interview with Eugen from the band PRIPJAT (Interview). He was born in St. Petersburg and grew up in Kiev and has relations with people in both countries, with his family living in Ukraine. For him it was and is a cruel time and it does not seem to end. The soul is tortured on a rack. It is stretched to the breaking point. You think it can’t get any worse and yet the war keeps turning the torture wheel and the strain takes on almost inhuman dimensions.

There are countless fates

Through my activity at ‚metal-heads.de‘ I got to know the band DEMUNILLUONS from Russia long before the war. At the beginning it was only about the music. However, the contact developed beyond the purely musical level and intensified. We have regular contact and exchange ideas. For me, this contact was and is a way of thinking outside the box, because we live in completely different circumstances and with completely different conditions.

I found out quite quickly that the three members of the band are good-hearted people. They live in very modest circumstances and yet they do not want pity. They devote themselves to their music with the greatest passion and pure hope, which gives them the strength not to give up.

But then came the war….

Putin and his vassals have conjured up the most terrible of all murdering monsters through the senseless war of aggression. None devours more victims and spreads more suffering. The German metal project KANONENFIEBER has worked up the suffering and horrors of war in its music both visually and acoustically very vividly. I think that this illustration fits perfectly to this topic. In March, the single „Stop The War“ was also released, which also called for donations. (Almost) the entire world condemns this attack on Ukraine. That is for sure!

But inevitably I asked myself, and I’m sure everyone else, what the Russian population thought and thinks about this whole scenario. What is going on in that country? At least I knew quite quickly what the members of the band DEMUNILLUIONS think about it.

Shame and pain

Inevitably, I asked myself what the Russian population thinks about this whole scenario. What is going on in that country?  At least I knew quite quickly what the members of the band DEMUNILLUSIONS thought about it.

IImmediately after the war began, on February 24, the band sent me a message of their own initiative, telling me the following:

We are horrified. We feel shame and pain. It is unbearable. Don’t know how to go on living and how to look people in the eye in the future. We are the people who did not prevent these events. We are intimidated, understand the hatred of the world towards us, because it is completely justified.

It is very frightening. The truth is that from now on we are not needed here or anywhere else.

We have no way to be loud and be heard, no way to influence the thinking of the masses and change things, no way to help. We unequivocally condemn the invasion and only are able to ask forgiveness from our immediate neighbors and the whole world for what our country is doing!“

Honest words of apology that touched me and triggered me a lot. But these words also showed the immense helplessness and immense dejection. It was clear to me that they do not have to suffer the agony as the citizens of Ukraine, who are the target of Putin’s attack. They are not attacked with weapons and do not have to fear for their lives every day (at least at that time).

Victims of a sick system

But they too are victims…. Victims of their political system. I know from them that their life was not a bed of roses even before the war and its consequences. The dream of their own music, the first album and probably also the hope for another better life someday kept them alive. And that is still the case! But the confidence and hope has degenerated with the day of attack from a small but hot fire to a slight glow.

It is frightening how history repeats itself. The Second World War was not even a hundred years ago and now Putin is fomenting a war with flimsy justifications and with the methods of a regime to which they themselves almost succumbed at the time. A perverse situation!

Some time later I inquired about their situation and got the following answer:

Everything is very bad. I lost my job and can’t find a new one. The situation is not rosy either. I don’t know how to feed my family and pay my debts. Prices are going up. Not to mention what makes up our lives – music. We haven’t rehearsed in 2 months, but tomorrow we will try to resume rehearsals. We don’t know how we’re going to cope.“

The stranglehold of its own people

More weeks had passed since the news, and the senseless act of violence and murder continued despite the sanctions. While the sanctions had a significant impact, they also inevitably affected the civilian population in particular. This is, of course, intentional and created to increase pressure on the country’s leadership.

The band wrote me regularly that they would prefer to leave the country. This wish existed long before the war, but for various reasons it could not be fulfilled. The war only made life there worse. Because in times of war it has become more and more dangerous, especially for people with their critical opinions. The threat of punishment for not conforming to the state has become more and more formidable, providing a deterrent. Fear has become a constant companion and is omnipresent. They do not know who is friend or foe in one’s own country. Repression and oppression are the order of the day.

This is also very clear in the following messages:

Some time ago we talked to you about the possibility of presenting our point of view on the war with your help. This is a difficult subject for us. It is difficult to formulate thoughts, but I have tried to summarize some thoughts.
I am attaching a file with the text because I am afraid to leave it directly in an instant messenger.
I also avoided direct titles and names in the text because everything is clearly described there. If such a file falls into the wrong hands, we could end up in jail.
But we really want you to write and publish an article with this text. We also want it to be in the name of DEMUNILLUSIONS, because it is all of our opinion and concern.“

My doubts

However, I had thought a lot about whether I should fulfill this request. Because, in fact, I was worried about their safety. But in response to my doubts, they replied that they absolutely wanted this, regardless of the possible consequences.

Lost in their own country

Talking about how we feel is scary. But to be silent about it is shameful.

We are deeply horrified by what our country is doing. The whole thing is still a kind of surreal nightmare that you can’t wake up from. And we feel powerless. We feel that in a sense we have lost our homeland. We have no home anymore, no place to live. Yet we are still here because we simply have no way to change the situation.

The society is divided! The families are divided! Many people are either cheated or just stupid! Unfortunately! And the worst thing is that most of them are bitter. The kind of rhetoric you can hear here is just terrible. And if you have a contrary opinion, it is easy to put yourself in elementary danger here. And the state regime itself is fueling all this anger that is pouring out of everything. Dissent and peacefulness are now punishable by prison sentences. Absurdity triumphs. You can’t call a war a war, and the word peace can make you an extremist overnight in the eyes of the regime.

Everything that has happened and continues to happen awakens in us a deep sense of pain, guilt and shame.

A new stage of escalation-The mobilization

Now the situation has reached a new level of escalation. Putin has declared partial mobilization and there are reports that protests by Russian citizens are now increasing. As expected, these are being put down with brute force and repression. The call-up to kill seems as haphazard as the Russian army’s war itself. The war and the fear of death have now reached Russia itself. It should (hopefully) open the eyes of more and more Russian citizens to finally realize the cruel scale and senseless perversion of it all. Because either you run the risk of dying in Ukraine or you have to fear to be imprisoned or worse in case of refusal and resistance.

The death lottery

MH: Now a new stage has been reached in your country. The partial mobilization has been declared. How has the situation worsened now? How dangerous has life become?

DEM: Unfortunately, the situation has worsened. Hardly anyone can feel safe anymore. It’s like a lottery. You don’t know whose life will be devalued next; maybe ours, maybe friends‘ or relatives‘. We are already affected by the mobilization; both families and friends.

Resistance – yes or no?

MH: According to our media, there is more and more resistance among the Russian population. What is your impression?

DEM: In some regions there are actually some rallies. Somewhere the situation is tense. But unfortunately we don’t get more information and therefore the situation doesn’t look very encouraging for us.

Many people are being deceived and have not yet found the courage and strength to realize it. Moreover, unfortunately, many still support the regime. They are so aggressive and bitter that they approve of the most terrible things and justify everything. It is a kind of surrealism.

Blindness and/or unwillingness

MH: How cut off is the Russian population from foreign sources of information?

DEM: It’s actually not hard to make sense of what’s going on here if you get involved or want to get involved and have a brain instead of absorbent cotton in your head. But people don’t seem to want to do that at all. They don’t want to critically evaluate information from their sources or compare it to others. They blindly follow mainstream government opinion and think they are political experts. Those who are particularly smart try to sit on two chairs. Probably just so they don’t have a guilty conscience and don’t come off as impudent bad guys.

Everyday life

MH: What does your everyday life look like now?

DEM: We are in a constant state of tension. Everything is coming apart at the seams. It’s hard to concentrate on anything important or mundane.

We keep trying to work on our music and rehearse. But it’s really hard. Sometimes it feels like all our activities are irrelevant and have no meaning anymore.

Tearing families apart

MH: What about your families?

DEM: This is a very painful subject, because families break up. It’s hard to accept, but it’s also completely impossible to accept some opinions. We try everything to open our relatives‘ eyes and make them realize what is going on. But not everyone is receptive to this. And so deep rifts are created between people, even in families.

Life is divided into two parts: before February 24 and after.

It doesn’t matter what people did before that day or what kind of relationship there was. The only thing that matters is how people act now.

It matters how people value human life and the value of freedom. Because if they are still unable to place a value on life and freedom, then there is no common ground.

Escape seems impossible

The three members of the band now want to leave the country at any cost. But there is currently no possibility to apply for a visa as a refugee from there. So the only possibility would be to set out without knowing what to expect. Because from the northernmost tip of Russia to a European border is an almost hopeless undertaking. The danger of being caught by the Russian police is immense. And now departures are completely banned and the borders are closed. The situation is coming to a head!

There is more love than hate in the world!

This article is to show that war everywhere causes only death, suffering and pain. There are fates in both countries. Of course, it is not about weighting and importance of individual different destinies. It is only to show that they exist…. Damn many of them!

But it should also be made clear that there are good people in every country around the world. People who simply long for love and peaceful coexistence. And from there I would like to give an answer to the question in the title for me:

Lights in the dark

Even in the darkness, there are always good people somewhere with hearts that shine lights of hope. It is not a state or a religion that is the problem, but individual people who make a problem out of it. It is always the individual human being who counts in the end! People can cause bad and good. So I will not condemn a nation, but the deeds of individuals. And so I will hope that also such people like DEMUNILLUSIONS will survive and will have a better future. We as Germans should not forget our history! We have been given a new chance to start.

In this context, I have a quote from the producer of the band SAVATAGE Paul O‘ Neill, which he expressed in relation to the album ‚Dead Winter Dead‘.

I’m sure 98 percent of the population were very good people, with only a small group of fanatics. But take a fanatic, say a Serb, who kills a Muslim stranger, and suddenly the stranger’s family is not sitting on the fence. Then they go and kill a Serbian stranger, and his family is no longer sitting at home. So it goes back and forth until the madness takes over.

I also like to refer to the message from the metal project ARDARITH, who convey with their album ‚Home‘ as a core message that we humans are actually all basically the same.  But unfortunately this realization and insight is apparently so difficult to accept that some always think they are better people than other and have an unhealthy striving for power and money. In order to achieve these goals, any means seems to be justified to them. All it takes is a few to bully and make a majority suffer.

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Metalhead

Seit meiner Kindheit höre ich gerne Rockmusik. Es hat mit Gary Moore, Scorpions, Billy Idol, Bon Jovi, Dire Straits, AC/DC usw. angefangen, also quasi mit den Großen der 80'er und 90'er Jahre. Mit zunehmendem Alter ging der Musikgeschmack immer mehr auch in die härtere Richtung. So finden sich mittlerweile auch viele Core-Platten, so wie Black-und Death-Metal Kracher in meiner Sammlung. Daher bin ich in fast allen Bereichen des Rock und Metal unterwegs. Eine besondere Vorliebe habe ich für den Underground entwickelt, wo es richtig brennt und es viele hochklassige Bands gibt, die den Großen der Branche in nichts nachstehen, ganz im Gegenteil. In diesen Sinne: Stay tough, stay heavy!

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