GRAVE DIGGER – Interview mit Axel Ritt

Grave Digger

Grave Digger haben erst kürzlich ihr neues Album „Fields Of Blood“ veröffentlicht. Eine Review von uns findet ihr schon bald HIER. Grave Digger Saitenhexer Axel „Ironfinger“ Ritt nutzte die Corona-bedingte Zwangspause, um ausführlich auf unsere Interview-Fragen zu antworten. Dabei nahm er kein Blatt vor den Mund. Politiker und Fleischfresser aufgepasst!!!

Das Interview mit Axel „Ironfinger“ Ritt von Grave Digger

Hallo Axel, ich bin Uwe von metal-heads.de und freue mich, dass du dir die Zeit nimmst, uns einige Fragen zu beantworten.

Anklage an die Politik

Die Musikindustrie macht zurzeit eine schwierige Phase durch. Covid-19 hat viele Pläne zunichte gemacht. Ihr konntet euer neues Album „Fields Of Blood“ zwar wie geplant veröffentlichen, aber die Live-Aktivitäten liegen erst einmal auf Eis. Wie sehr belastet euch diese Situation?

Axel: Hallo Uwe, die Pandemie hat in der Tat die Planung von einem ganzen Jahr zerstört und wird uns und die ganze Szene nachhaltig belasten. Es ist schlichtweg die größte Katastrophe, die hätte eintreten können. Viele Kollegen stehen vor Hartz 4 oder müssen in ihre erlernten Berufe zurück, sofern sie dort noch genommen werden. Viele Veranstalter werden Insolvenz anmelden und die wenige Großen, welche das Desaster überleben, werden nächstes Jahr definitiv weniger Gage zahlen, d. h. wir können die entstandenen Verluste nicht einmal ansatzweise wieder einfahren. Unsere Branche ist „First In, Last Out“, sprich wir waren die ersten, die betroffen sind und die letzten, die wieder aus dem Shut Down herauskommen.

Aber das interessiert in der politischen Führungsetage niemanden, wir sind nicht „systemrelevant“, wobei das Wort letztendlich nicht das widerspiegelt, was es für die Entscheidungsträger der finanziellen Unterstützung bedeutet. Die Situation ist letztendlich ganz einfach. Es werden nur Unternehmen mit Steuergeldern unterstützt, welche mit einem Aufsichtsratsposten oder einem gut dotierten Beratervertrag winken für jene Politiker, welche bei der nächsten Wahl aus dem Amt gewählt werden. Würde die Veranstaltungsbranche einem Herrn Scholz, Altmaier, Söder o.ä. nach ihrer politischen Laufbahn entsprechende Zuwendungen versprechen, würde unsere Branche die Milliarden wie bei Lufthansa, Deutsche Bahn, Commerzbank, der gesamte Autoindustrie und unzähligen mehr nur so in den Allerwertesten gesteckt bekommen. Das ist einfach nur Korruption vom Allerfeinsten und hat sich seit Dekaden bewährt. Im Übrigen, wenn mir eine Regierung verbietet, meinen Beruf auszuüben, hat sie im Gegenzug auch dafür Sorge zu tragen, dass ich meine finanziellen Verpflichtungen erfüllen kann!

Tourpläne von Grave Digger

Grave Digger

Ab September wollt ihr zusammen mit Orden Ogan auf große Tour gehen. Wie schätzt du die Chancen ein, dass die Tour tatsächlich stattfinden kann und wie sehen eure Alternativpläne für diese Zeit aus?

Axel: Die Tour wird nicht stattfinden. Durch die ständige Verlängerung der Auftrittsverbote mittlerweile bis Ende Oktober sind alle Künstler und Clubs so verunsichert, dass wir keine solide Grundlage mehr für diese Tour hatten. Es ist ein Schande, da das Package zusammen mit Rage ein echtes Fest für Freunde des traditionellen Metal gewesen wäre. Wir haben uns daher entschlossen, im Feb./März 2021 eine eigene Headliner Tour zusammen mit Motorjesus zu fahren. Für alle, die noch zweifeln, ob man bis dahin wieder touren kann, eins ist sicher, wenn die Regierung im Frühjahr 2021 die Beschränkungen nicht komplett aufhebt, ist die gesamte Veranstaltungsbranche tot. Nicht nur angeschlagen o. ä., sondern richtig tot mit knapp 3 Millionen Arbeitslosen, die in dieser Branche arbeiten. Mal sehen, welcher Politiker sich seine Statistiken mit solchen Zahlen unter seiner Volksvertretung verhageln lassen möchte.

Charterfolge

Euer neues Album ist auf einem respektablem Platz 17 in die deutschen Charts eingestiegen. Welche Bedeutung hat eine Chartplatzierung heutzutage noch für euch?

Axel: Im Prinzip keine. Wir freuen uns zwar immer über die Platzierungen und posten diese auch ausgiebig, aber die Verkaufszahlen hinter diesen Platzierungen haben nicht mehr die Wertigkeit wie in den Zeiten, in denen die Charts erfunden wurden und einen massiven Einfluss auf Vertragsverlängerungen oder Zahlungen an die Künstler im Allgemeinen hatten.

„Fields Of Blood“

Grave Digger Fields Of Blood Cover

Auf „Fields Of Blood“ widmet ihr euch erneut dem Thema Schottland. Ihr knüpft damit thematisch an die Werke „Tunes Of War“ und „The Clans Will Rise Again an. Ein passendes Thema für das 20. Studioalbum, wie ich finde. Ist das Kapitel damit für euch abgeschlossen?

Axel: Ja, definitiv. Wir haben im nun letzten Teil dieser Trilogie noch einmal alles raus aus Schottland geholt, sowohl textlich als auch musikalisch. Die Dudelsäcke waren noch nie so hochwertig gespielt und arrangiert wie bei diesem Album, wir haben zusätzlich die großartigen „Les Tambour De Bronx“ ( https://youtu.be/3TWQ2s23GLI ) auf dem Album, so dass die schottische Geschichte nunmehr endgültig abgehandelt wurde.

Ihr habt eine ganze Reihe richtig starker Songs mit tollen Soli auf dem neuen Album. Dazu erst einmal ein großes Kompliment. Besonders der rd. 10-minütige Titeltrack ist ein echtes Brett. Wie zufrieden seid ihr selber mit dem neuen Werk?

Axel: Vielen Dank. Wir sind sehr zufrieden und die bisherigen Reaktionen von Fans und Presse bestärken uns in unserer Einschätzung. Die Verkäufe und Streamings laufen sehr gut, so dass die Arbeit, welche sich letztendlich insgesamt über ein Jahr hingezogen hat, sich doch gelohnt hat.

Noora von Battle Beast als Gast

Dong Open Air - 2019 - Battle Beast
Dong Open Air – 2019 – Battle Beast

Bei dem Song „Thousand Tears“ bekommen wir Noora von Battle Beast als Gastsängerin zu hören. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Axel: Einer der Gitarristen von BB, Juuso Soinio, war früher zusammen mit mir Endorser bei der Firma Flaxwood Guitars. Er hat den Kontakt zu Noora hergestellt, welche wir dann bei unserem gemeinsamen Auftritt beim letzten Bang Your Head Festival kennen gelernt haben. Wir hatten zuerst die Vorstellung, dass Alissa White-Gluz von Arch Enemy, welche ich aus der veganen Szenen kenne, die Vocals in der Ballade übernehmen sollte, aber ihr Terminplan war damals noch komplett dicht.

Ich wusste, dass Noora eine herausragende Sängerin ist, dass sie aber dermaßen gut ist, wurde mir erst im Studio bewusst. BB waren auf Deutschlandtour, spielten an einem Abend in einem Club ca. 20 km entfernt von mir. Noora ging nach der Show ins Hotel während ihre Kollegen weiter zur nächsten Show fuhren, wurde am nächsten Tag von Chris gegen Mittag abgeholt und zu mir in mein Studio gebracht, in dem sie in den folgenden 5 Stunden nicht nur alle Vocals in perfekter Qualität eingesungen hat, sondern ihr komplettes Bühnenoutfit im Schlepptau, auch noch alle Videoaufnahmen für die Single „Thousand Tears“ absolvierte.

Noora ist meines Erachtens wahrlich die z. Zt. beste Sängerin im Metalbusiness und solch eine Professionalität findet man wirklich selten heutzutage.

40 Jahre und kein bisschen leise

40 Jahre sind Grave Digger schon als Band aktiv und du bist nun auch schon 11 Jahre dabei. Was ist das Geheimnis dafür, dass Grave Digger all die Jahre überdauert haben und immer gute bis sehr gute Alben veröffentlicht haben, die auch regelmäßig ordentlich in den deutschen Charts platziert waren?

Axel: Das Geheimnis ist strenge Disziplin und knüppelharte Arbeit. Es gibt den schönen Spruch „10% Inspiration, 90% Transpiration“, sprich du must dir den Erfolg hart erarbeiten. Einige wenige Sachen passieren tatsächlich, weil man Glück hatte, aber letztendlich bringt dich nur konsequente Arbeit nach vorne. Ich habe beispielsweise immer noch eine 90 – 100 Stunden Woche, da ich zusätzlich zu GRAVE DIGGER ja auch noch mehrere Firmen wie meine Plattenfirma, meinen Musikverlag und mein Tonstudio leite. Dann entwickle ich noch Effektpedale wie mein IRONFINGER Distortion Pedal ( http://ironfinger.de ), bin als Autor für Deutschlands größtes Online Musik Magazin amazona.de tätig, halte den Kontakt zu unseren Endorsern und entwickle mit diesen gemeinsam z. B. den GRAVE DIGGER Aureum Whisky ( http://axelritt.com/rapidcartpro/index.php?catalog/all/-/name/1 ), das Heavy Metal Breakdown Bier ( https://brau-art.de/stonewood/grave-digger-heavy-metal-breakdown-double-ipa/ ) und vieles mehr.

Das Grave Digger Live-Geheimnis

Grave Digger

Ich habe euch noch Anfang letzten Jahres live erleben dürfen und war beeindruckt davon, welche Begeisterung und welchen Elan ihr auf der Bühne immer noch ausstrahlt. Wie könnt ihr euch nach all den Jahren noch motivieren, Abend für Abend euer Bestes zu geben?

Axel: Nun, es ist unser Beruf und dieser verlangt die Fans zu unterhalten. Wenn dies keine Motivation mehr für jemanden ist, sollte man schleunigst die Bühne räumen, es gibt ohnehin viel zu viele Bands, die sich gegenseitig im Weg stehen und sich gegenseitig die Fans wegnehmen. Wenn ich auf Festivals manchmal andere Bands in unserem Alter sehe, die dermaßen lahmarschig auf der Bühne agieren, dass man ihnen während der Show noch die Schuhe neu besohlen könnte, bekomme ich die Krise. Es ist mir ein Rätsel, wie man als Fan dafür auch noch Geld bezahlen kann.

Im Frühjahr 2021 seid ihr dann, wenn die Situation sich nicht wieder verschlechtert, mit Motorjesus auf Tour. Was dürfen wir erwarten? Habt ihr euch schon einige Überraschungen ausgedacht?

Axel: Die Fans bekommen das volle Paket, sprich die besten Songs des neuen Albums und natürlich ein großes Best-Of Arrangement. Vielleicht setzt sich ja unser Drummer Marcus als Bobbie Bossanova in den Umbaupausen auch noch an die Bontempi Orgel und gibt ein paar James Last Klassiker zum Besten 🙂

Vegane Grüße

Vielen Dank für das Interview. Ich wünsche euch und der gesamten Musikindustrie alles Gute für die Zukunft. Die letzten Worte gehören aber natürlich dir.

Axel: Im Namen der Band: Ich hoffe, wir sehen uns auf einer unserer kommenden Shows. Mein persönlicher Kommentar: Ich wäre begeistert, wenn ihr euch mit dem Thema Veganismus beschäftigen würdet. Losgelöst von dem entsetzlichen Tierleid hätten wir auf diesem Weg keine Zoonosen wie AIDS, SARS, MILZBRAND, SCHWEINEGRIPPE UND CORONA!

Axel „Ironfinger“ Ritt

Zum Abschluss dieses sehr interessanten Interviews also noch ein Themenvorschlag. Mal schauen, ob wir uns damit einmal beschäftigen. Eine Überlegung ist es allemal wert!!!

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Bildquellen

  • Grave Digger Fields Of Blood Cover: All Noir
  • Grave Digger: (c) Ralf, metal-heads.de
Uwe

Uwe

Fast 35 Jahre als Metal-Fan hat es gebraucht, bis ich es endlich geschafft habe, ins heilige Metal-Land nach Wacken zu kommen! Auf diese Weise erleuchtet, hoffe ich auf mindestens noch 50 Jahre Musik "Louder Than Hell"!

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